Auf dieser Seite finden Sie die Zusammenstellung von Studien, die wir bereits abgeschlossen haben. Um zu deren Studienergebnisse zu gelangen, können Sie entweder direkt über die Auflistung zu den Ergebnissen einer Studie springen oder Sie scrollen einfach durch alle Studien.
2D-/3D-Wahrnehmung von realen Objekten und Abbildungen
Kinder sind in ihrem Alltag von vielen verschiedenen Objekten umgeben. Bereits in den ersten Lebensmonaten können sie unterscheiden, ob es sich um ein reales Objekt oder um eine Abbildung eines Objekts handelt. So wissen Säuglinge bereits früh, dass sie einen echten Schnuller greifen können, wohingegen sie mit einem abgebildeten Schnuller in einem Bilderbuch nicht interagieren können. In den vergangenen Jahren haben wir bereits herausgefunden, dass Säuglinge im Alter von 7 Monaten länger auf reale Objekte als auf Abbildungen dieser Objekte schauen. Außerdem wissen wir, dass diese sogenannte "visuelle Präferenz für reale Objekte" damit zusammenhängt, ob die Säuglinge die Objekte vorher mit ihren Händen exploriert, also erkundet, haben.
Ein entscheidender Unterschied zwischen zwei- und dreidimensionalen Objekten ist das Vorhandensein von Tiefenhinweisen. Reale Objekte enthalten mehr Tiefenhinweise als Bilder der Objekte. Bewegen wir uns beispielsweise von links nach rechts hin- und her, verschiebt sich unser Sichtfeld, wobei sich nahe Objekte in die entgegengesetzte Richtung und weiter entfernte Objekte in dieselbe Richtung wie unser Kopf bewegen. Diesen Effekt nennt man Bewegungsparallaxe. Bei Abbildungen gibt es hingegen keine Bewegungsparallaxe. Wenn wir ein Bild betrachten und uns dabei hin- und her bewegen, bleibt das Bild immer dasselbe und die Objekte verschieben sich nicht.
In unserer diesjährigen Studie haben wir untersucht, welche Rolle die Bewegungsparallaxe bei der Unterscheidung zwischen realen Objekten und deren Abbildungen spielen. Wir haben 7- und 8-monatigen Säuglingen sowohl reale Objekte als auch Abbildungen derselben Objekte nebeneinander präsentiert, welche auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden waren. Dabei haben wir verglichen, ob sie das reale Objekt oder das Abbild länger ansehen. Eine Tiefensimulation der Abbildungen wurde dabei an- oder ausgeschalten, sodass dasselbe Bild manchmal Tiefenhinweise enthielt und manchmal nicht. Dabei konnten wir herausfinden, dass Tiefenhinweise in Form von Bewegungsparallaxe entscheidend dazu beitragen, wie lange Säuglinge Objekte betrachten. Objekte mit Tiefenhinweisen wurden immer länger betrachtet als Abbildungen ohne Tiefenhinweise. Wurde ein reales Objekt gleichzeitig mit einer Abbildung mit simulierten Tiefenhinweisen gezeigt, schauten die Säuglinge gleich lang auf beide Objektformate. Daraus können wir schließen, dass Tiefenhinweise in Form von Bewegungsparallaxe maßgeblich beeinflussen, worauf Säuglinge ihren Fokus in ihrer Umwelt richten.
Kindliche sozial-emotionale Entwicklung und elterliche Belastung während Covid-19
Die frühkindliche Entwicklung wird bedeutsam davon beeinflusst, was ein Kind in seiner alltäglichen Umwelt erlebt. Da sich durch die Corona-Krise der Alltag in nahezu jeder Familie in den letzten Jahren stark veränderte (z.B. weniger Kontakt zu anderen Familien/ Gleichaltrigen, gesundheitliche / finanzielle Ängste), untersuchten wir in einer Fragebogenstudie, wie sich diese Veränderungen auf die sozial-emotionale Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern sowie auf das elterliche Wohlbefinden auswirkten.
In den vergangenen Jahren füllten mehrere hundert Familien diese Fragebögen aus. Erste Ergebnisse deuten auf ein überdauerndes, erhöhtes Stressempfinden (insbesondere bei Eltern von Kleinkindern) im Verlauf der Pandemie hin. Zudem scheint ein erhöhtes elterliches Stressempfinden negativ mit der sozial-emotionalen Entwicklung der Kinder im Zusammenhang zu stehen. Um die längerfristigen Auswirkungen der Pandemie besser verstehen zu können, befragen wir 2024 erneut Eltern bezüglich ihres Stressempfindens und der kindlichen sozial-emotionalen Entwicklung. Zudem luden wir eine Teilgruppe der Kinder, die bereits seit dem ersten Lockdown an unserer Studie teilgenommen haben, zu uns in die Abteilung ein, um mit einem standardisierten Testverfahren (EMK 3-6) die emotionalen Kompetenzen noch detaillierter erfassen und beurteilen zu können. Insgesamt lagen die frühkindlichen sozial-emotionalen Kompetenzen im altersentsprechenden Bereich. Das elterliche Stressempfinden war hingegen auch nach der Pandemie noch bedeutsam erhöht.
Für weitere Informationen klicken Sie bitte auf den Link zur folgenden Publikation: Dillmann, J.*, Sensoy, Ö.*, & Schwarzer, G. (2022). Parental perceived stress and its consequences on early social-emotional child development during COVID-19 pandemic. Journal of Early Childhood Research.https://doi.org/10.1177%2F1476718X221083423
Mentale Rotation im Kleinkindalter
Diese Studie untersucht die Fähigkeit von Kleinkindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren, Objekte im Geiste zu drehen. Da sich in unseren vorherigen Studien bei Säuglingen ein Zusammenhang dieser Fähigkeit und der motorischen Entwicklung zeigte, wollen wir nun wissen, ob dieser Zusammenhang auch im Kleinkindalter fortbesteht.
Um die Studie für die Kinder spaßig zu gestalten, ist es die Aufgabe der Kinder, der Handpuppe Seppi bei einer Zirkusvorstellung zu helfen. Die Kinder sehen hierzu verschiedene bunte Steine und müssen entscheiden, welcher Stein der passende ist, um die Manege zu bauen. In einer weiteren Aufgabe sollen sie angeben, welche Zirkusdarsteller sie bereits gesehen haben.
Um Aufschluss über die motorischen Fertigkeiten der Kinder zu bekommen, absolvieren sie einige „akrobatische“ Übungen, wie Balancieren.
Diese Studie hat gerade erst begonnen und läuft noch.
Kategorisierung von Emotionen über die gesamte Lebensspanne
Ziel unserer Studie war es, herauszufinden, wie Menschen emotionale Gesichtsausdrücke über die gesamte Lebensspanne hinweg kategorisieren.
Deshalb haben wir Kinder (6-7 Jahre), junge Erwachsene (20-30 Jahre) und ältere Erwachsene (65-80 Jahre) getestet. Wir verwendeten unsere neu entwickelten Stimuli, die nicht nur dynamische Gesichtsausdrücke von vier Emotionen (glücklich, glücklich-überrascht, traurig und wütend), sondern auch eine spezielle Kombination von Gesichtsausdruck gepaart mit einer verbalen Äußerung des spezifischen Gefühls (z. B. Lächeln und sagen „Ich bin glücklich“) umfassen. Wir wollten herausfinden, ob sich die zuvor gefundenen Präferenzen für positive und negative Emotionen mit unseren unterschiedlichen Stimuli wiederholen lassen - Positivitäts-Bias bei Kindern und älteren Erwachsenen und Negativitäts-Bias bei jungen Erwachsenen.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass junge Erwachsene von allen Altersgruppen am schnellsten und richtigsten waren, wobei es keinen Unterschied zwischen den Emotionskategorien gab. Kinder waren bei positiven Ausdrücken schneller und präziser, während ältere Erwachsene je nach emotionaler Kategorie eine unterschiedliche Präferenz zeigten - bei positiven Ausdrücken waren sie präziser und schneller, wenn es keine zusätzlichen verbalen Informationen gab, während bei negativen Emotionen der gegenteilige Effekt beobachtet wurde.
Diese Ergebnisse deuten auf eine komplizierte entwicklungsbedingte Veränderung der Emotionswahrnehmung hin, die unser Verständnis der Wahrnehmung statischer und dynamischer emotionaler Ausdrücke sowie des Einflusses verbaler und gesichtsbezogener emotionaler Ausdrücke erweitert.
Für weitere Informationen klicken Sie bitte auf den Link zur folgenden Publikation: Tsenkova, N., Bahn, D., Kauschke, C., Billino, J., & Schwarzer, G. (2026). Categorization of visual and visual-verbal dynamic positive and negative expressions: a cross-sectional lifespan study. European Journal of Developmental Psychology, 1–18. https://doi.org/10.1080/17405629.2026.2693469
Wahrnehmung von Erregung und Valenz in dynamischen Gesichtsausdrücken
Mit unserer Umfrage möchten wir Entwicklungsveränderungen untersuchen, die vom frühen Kindesalter (6–7 Jahre) bis ins Erwachsenenalter hinsichtlich der Wahrnehmung von Erregung und Valenz in Gesichtsausdrücken auftreten. Die Begriffe „Arousal“ und „Valenz“ lassen sich als Kontinua verstehen, die beschreiben, wie angenehm oder unangenehm ein Gesicht für den Betrachter ist (Valenz) bzw. inwieweit das wahrgenommene Gesicht eine anregende oder beruhigende Wirkung auf den Betrachter hat (Arousal). Diese Skalen sind ein fester Bestandteil der Emotionsforschung, und frühere Ergebnisse haben gezeigt, dass Kinder im Vergleich zu Erwachsenen empfindlicher auf positive Informationen reagieren, was sowohl für Emotionswörter als auch für emotionale Gesichtsausdrücke gilt. Wir möchten nun weiter untersuchen, ob sich dieser Effekt, der bei statischen Gesichtsausdrücken festgestellt wurde, auch bei Videos mit animierten, sprechenden Figuren, die verschiedene Emotionen ausdrücken, reproduzieren lässt.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Kinder positive Gesichtsausdrücke im Vergleich zu Erwachsenen als positiver empfanden, was auf eine Positivitätsverzerrung hinsichtlich der Valenz hindeutet. Bei der Erregung stellten wir jedoch den gegenteiligen Effekt fest: Kinder bewerteten die negativen Ausdrücke im Vergleich zu Erwachsenen als erregender. Dies deutet auf einen Unterschied in der Wahrnehmung statischer und dynamischer Emotionsausdrücke hin, der von der jeweiligen Aufgabe (Bewertung der Valenz oder der Erregung) abhängt.
Für weitere Informationen klicken Sie bitte auf den Link zur folgenden Publikation: Tsenkova, N., Bahn, D., Kauschke, C., & Schwarzer, G. (2025). Developmental differences in perceiving arousal and valence from dynamically unfolding emotional expressions. Plos one, 20(8), e0329554. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0329554
Wahrnehmung von Materialien
In diesem Projekt geht es um die Frage, wie Kinder im Alter von 6 Jahren verschiedene Eigenschaften von Materialien wahrnehmen. Insbesondere interessiert uns dabei, ob und wie sie dauerhaft verformbare Materialien (z.B. Ton oder Knete) von elastischen Materialien (z.B. Schaumstoff) unterscheiden. Uns Erwachsenen fällt diese Unterscheidung relativ leicht, weil wir solche Unterschiede mit speziellen Handgriffen ertasten können. Wir möchten nun herausfinden, ob Kinder, die Gegenstände aus verschiedenen Materialien mit den Händen erkunden dürfen, entsprechende Materialien auch unterscheiden können, und ob sie ihre Handbewegungen an die Eigenschaften der Materialien anpassen.
Hierzu dürfen die Kinder jeweils entweder einen elastischen oder einen plastischen Gegenstand, die identisch aussehen, erkunden indem sie ihn anschauen und abtasten. Anschließend werden zwei visuell identische Objekte (jeweils elastisch / plastisch) von einer anderen Person manipuliert und die Kinder dürfen dabei zusehen. Anschließend sollen die Kinder entscheiden, welcher der beiden Gegenstände demjenigen entspricht, mit dem sie sich selbst vorher beschäftigt haben. Diese aktuelle Studie setzt eine Studienreihe mit Kindern verschiedenen Alters fort, die vor längerem begonnen wurde. In den bislang erhobenen Gruppen (11 Monate, 3 Jahre, 5 Jahre) zeichnet sich ab, dass Kinder erst ab 5 Jahren dazu in der Lage sind, subtile Unterschiede in Materialien, wie etwa verschiedene Arten der Verformbarkeit, zu unterscheiden. Die Studie mit den 6-Jährigen Kindern wird gerade erhoben.
Wahrnehmung und Verarbeitung der bekannten Größe im Säuglingsalter
Die bekannte Größe eines Objektes beschreibt die Größe, die ein Objekt typischer in der realen Welt hat. Die Alltagsgröße von Objekten hat dabei einen Einfluss auf unser Denken und unsere Handlungen. So müssen wir die Größe eines Objektes berücksichtigen, wenn wir es erfolgreich greifen möchten. In einer Serie von Studien haben wir in den letzten Jahren untersucht, inwiefern und ab wann Säuglinge Wissen über die bekannte Größe von Objekten erwerben. Zusätzlich haben wir uns gefragt, unter welchen Bedingungen Säuglinge dieses Wissen zeigen. Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass Säuglinge bereits ab 7 Monaten Wissen über die bekannte Größe haben, dieses jedoch nur dann abrufen können, wenn sie mit realen Objekten interagieren dürfen. Mit 12 Monaten hingegen zeigen Säuglinge auch dann Wissen über die bekannte Größe, wenn sie die Objekte nur betrachten. Weiterhin haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ab wann Kinder dieses Wissen auch auf fotorealistische Abbildungen derselben Objekte übertragen können und somit die bekannte Größe eines Objektes auch auf einem Foto wiedererkennen. Säuglinge im Alter von 7 und 12 Monaten erkennen die bekannte Größe eines Objektes auf Fotos nicht. In einer aktuellen Studie erforschen wir deswegen, ob 15 Monate alte Kinder dies bereits können und inwiefern diese Fähigkeit mit dem freien Laufen zusammenhängen könnte.
Bereits veröffentliche Artikel:
Sensoy, Ö., Culham, J.C., & Schwarzer, G. (2021). The Advantage of Real Objects over Matched Pictures in Infants' Processing of the Familiar Size of Objects. Infant and Child Development, 30(4); July/August 2021. https://doi.org/10.1002/icd.2234
Sensoy, Ö., Culham, J.C. & Schwarzer, G. (2020). Do infants show knowledge of the familiar size of everyday objects?. Journal of Experimental Child Psychology. Volume 195, July 2020. https://doi.org/10.1016/j.jecp.2020.104848
Sprach- und Gesichterverarbeitung im Kindesalter
Die Verarbeitung von Sprache und Gesichtern ist im Säuglingsalter eng miteinander verknüpft und beide zeigen ähnliche Entwicklungsverläufe. Im Laufe des ersten Lebensjahres werden Säuglinge zu ExpertInnen ihrer Muttersprache sowie für Gesichter ihrer eigenen Ethnie bzw. für die Gesichter, von denen sie im Alltag am häufigsten umgeben sind. Diese Spezialisierung bezeichnet man als Perceptual Narrowing. In einer Reihe von Projekten untersuchen wir, ob Sprach- und Gesichterverarbeitung im Kindesalter ähnlich verknüpft sind, wie im Säuglingsalter oder ob mit zunehmendem Alter eine immer stärkere Trennung zwischen Sprach- und Gesichterverarbeitung stattfinden. Erste Ergebnisse zeigen, dass 5-jährige Kinder Gesichter unabhängig von Sprache verarbeiten können, die Verarbeitung von Sprache jedoch (noch) mit der Verarbeitung von Gesichtern zusammenhängt. Im Erwachsenalter scheinen jedoch die Verarbeitung von nativen Gesichtern und Sprache weitestgehend unabhängig voneinander zu sein.