Über das Projekt
Das Projekt
Kooperative Lebensmittelläden bieten einen innovativen Ansatz, um regionale Bio-Wertschöpfungsketten zu stärken und faire Beziehungen zwischen Erzeuger*innen, Verarbeiter*innen und Konsument*innen zu fördern. Das Forschungsprojekt WERTSCHÄTZEN untersucht das Potenzial dieses Modells für eine nachhaltigere Gestaltung von Ernährungssystemen. Im Mittelpunkt stehen die Herausforderungen des bestehenden Lebensmitteleinzelhandels, die Funktionsweise Kooperativer Lebensmittelläden sowie ihr Beitrag zur Stärkung bio-regionaler Wertschöpfungsketten.
Ausgangslage
Die Marktmacht im Lebensmitteleinzelhandel liegt stark konzentriert bei vier großen Akteuren: Edeka, Rewe, Aldi und der Schwarz-Gruppe. Ein hoher Preisdruck, standardisierte Qualitätsvorgaben sowie komplexe Beschaffungs- und Logistikstrukturen erschweren insbesondere kleinen Produzent*innen und Verarbeiter*innen regionaler Bio-Lebensmittel den Marktzugang. Selbst im etablierten Bio-Fachhandel setzen globale Handelsstrukturen regionale Akteur*innen zunehmend unter Druck.
Das Gegenmodell: Kooperative Lebensmittelläden
Als Antwort darauf und mit dem Ziel, alternative, nachhaltige Wirtschaftsformen zu etablieren, gründen sich in deutschen Großstädten Kooperative Lebensmittelläden (auch Mitmach-Supermärkte genannt). Inspiriert von internationalen Erfolgsbeispielen wie der Park Slope Food Coop, New York setzen diese Konsumgenossenschaften auf die aktive Beteiligung und Mitbestimmung der Mitglieder. Zentrale Merkmale sind zudem eine faire Preisgestaltung und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Lieferant:innen. Dadurch fördern die Kooperativen eine direkte Verbindung zwischen Konsument:innen und Erzeuger:innen.
Ziel des Projektes
Die Förderung der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft sowie die Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten sind wesentliche Strategien bei der Transformation zu einem nachhaltigen Ernährungssystems. Ziel des Projektes ist es, den Beitrag Kooperativer Lebensmittelläden zur Stärkung bio-regionaler Wertschöpfungsketten zu untersuchen und zur Verbreitung des Konzeptes beizutragen.
Durchführung und Förderung
Das Projekt „Kooperative Lebensmittelläden zur Stärkung regionaler Bio-Wertschöpfungsketten“ (WERTSCHÄTZEN) wird von der Professur für Betriebslehre in der Ernährungswirtschaft und des Agribusiness der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen durchgeführt. Die Professur ist Teil des Instituts für Betriebslehre der Agrar- und Ernährungswirtschaft und Mitglied im Zentrum für Nachhaltige Ernährungssysteme der JLU.



Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (FKZ: 2822OE095).

Projektlaufzeit: 06/2023 – 12/2026
Weiterführende Informationen und Kontakt JLU Gießen:
E-Mail: wertschaetzen
Website: www.uni-giessen.de/ibae/wertschaetzen

Forschungsdesign & Methodik
Das Forschungsprojekt wurde in enger Zusammenarbeit mit Partner*innen aus der Praxis (FoodHub München, SuperCoop Berlin, köllektiv Köln, SuperCoop Bremen) durchgeführt. Im Zentrum der Untersuchung standen folgende Schwerpunkte:
- Literaturanalyse und internationale Fallstudien: Zur Strukturierung und Auswertung des bisherigen Forschungsstands erfolgte eine Literaturanalyse. Neben den Untersuchungen nationaler Kooperativen (unsere Praxispartner:innen) wurden vier internationale Fallstudien als Good-Practice-Beispiele analysiert.
- Zulieferkette, Preisgestaltung und Wirtschaftlichkeit: Aspekte der fairen Zusammenarbeit, der Preisgestaltung und der ökonomischen Tragfähigkeit (Schwerpunkt Bio-Regionalität) wurden durch qualitative Interviews mit den Kooperativen Lebensmittelläden und ausgewählten Lieferant:innen untersucht. Zudem wurden Preisvergleiche durchgeführt.
- Wertschätzung und Konsumverhalten: Um zu verstehen, welche Prozesse die Wertschätzung für ökologische und regionale Lebensmittel bei den Mitgliedern fördern, kamen Methoden wie Einkaufstagebücher und eine Mitgliederbefragung zum Einsatz.
- Organisationsgestaltung und Gründungsmanagement: Mithilfe explorativer Interviews mit Gründer*innen, Vorstandsmitgliedern und weiteren Schlüsselakteur:innen untersuchten wir die kooperative Führung und Steuerung der Läden. Schwerpunkte waren hierbei interne Prozesse und Abläufe, IT-Unterstützung, Personalführung und Konfliktmanagement.
- Wissenstransfer und Synthese: Die gewonnenen Erkenntnisse wurden praxisnah aufbereitet. Der Transfer erfolgte über Workshops und Informationsveranstaltungen mit den Praxispartner*innen sowie durch die Präsentation der Ergebnisse auf wissenschaftlichen Konferenzen und Fachveranstaltungen. Diese Website soll dazu beitragen, die Verbreitung kooperativer Modelle zu fördern.

Team JLU Gießen

v.l.n.r. Christian Herzig, Clara Menke, Kristina Gruber, Christin von Schönfeldt (eigene Aufnahme)
Clara Menke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt WERTSCHÄTZEN – Kooperative Lebensmittelläden zur Stärkung regionaler Bio-Wertschöpfungsketten am Institut für Betriebslehre der Agrar- und Ernährungswissenschaft (IBAE) der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Schon seit vielen Jahren beschäftigt sie sich mit kooperativem und nachhaltigem Wirtschaften. Bereits in ihrer Masterarbeit „Der Supermarkt von morgen? Über Potentiale und Herausforderungen von Kooperativen Lebensmittelläden“ hat sie sich mit dem Konzept der Kooperativen Lebensmittelläden auseinandergesetzt. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit ist sie auch praktisch in einem Kooperativen Lebensmittelladen engagiert.
Christin von Schönfeldt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt WERTSCHÄTZEN – Kooperative Lebensmittelläden zur Stärkung regionaler Bio-Wertschöpfungsketten am Institut für Betriebslehre der Agrar- und Ernährungswissenschaften (IBAE) der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU).
Ihr Forschungsschwerpunkt im Projekt liegt auf kooperativem und nachhaltigem Wirtschaften. Zusätzlich ist sie in Forschungs- und Lehraufgaben der Professur für Betriebslehre der Ernährungswirtschaft und des Agribusiness involviert, mit Fokus auf einer ökologischen und gemeinwohlorientierten Ernährungswirtschaft sowie Öko-Kontrolle und Zertifizierung. Darüber hinaus betreut sie am Lehrstuhl das Streuobstwiesenprojekt „Tiefer Grund“ in Kooperation mit der NABU-Stiftung Hessisches Naturerbe.
Kristina Gruber ist seit 2022 wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Institut für Betriebslehre der Agrar- und Ernährungswirtschaft (IBAE) der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen. Sie koordiniert das Projekt WERTSCHÄTZEN und das Forschungs- und Praxisnetzwerkes für kooperatives und genossenschaftliches Wirtschaften in der Agrar- und Ernährungsbranche an der Justus-Liebig-Universität Gießen (ForWerK). Sie forscht und lehrt zu kooperativem und genossenschaftlichen Wirtschaften in der Agrar- und Ernährungswirtschaft. In ihrer Promotion betrachtet sie die Motivation und Perspektive der Mitglieder Kooperativer Lebensmittelläden im Kontext bio-regionaler Wertschöpfungsketten. Kristina ist seit 2016 Ratsmitglied im Netzwerk Solidarische Landwirtschaft und Mitglied der Solawi Kassel.
Christian Herzig ist Professor für Betriebslehre der Ernährungswirtschaft und des Agribusiness und Direktor des Instituts für Betriebslehre der Agrar- und Ernährungswissenschaft (IBAE) der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen. An der JLU Gießen leitet er zudem den Masterstudiengang Nachhaltige Ernährungswirtschaft (NEWI) und ist er Mitglied im Vorstand des Zentrums für Nachhaltige Ernährungssysteme (ZNE). Als wissenschaftlicher Leiter von WERTSCHÄTZEN und ForWerK erforscht er sozioökonomische und gesellschaftliche Fragestellungen bei der Transformation der Agrar- und Ernährungswirtschaft.
Studentische Hilfskräfte: Clara Buchholz, Johanna Struß, Stefanie Weiter

Publikationen
In diesem Bereich befinden sich ausgewählte Publikationen und Medienresonanzen des Projektes zum Download.
![]() |
Unser Beitrag in der radix widmet sich den Strukturmerkmalen Kooperativer Lebensmittelläden und ihrer Schnittstelle zur Solidarischen Landwirtschaft. Vorgestellt werden die vom Projektteam identifizierten zentralen Strukturmerkmale sowie eine beispielhafte Kooperation zwischen der SuperCoop Berlin und einer Solidarischen Landwirtschaft. Die Ausgabe erscheint im Frühjahr 2026. | ||
![]() |
Die 18. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau (WITA) fand vom 3. bis 6. März 2026 an der Universität Bonn statt. Unter dem Motto „Widerspruch begegnen – viele Antworten, ein Ökolandbau“ widmete sich die Tagung aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und disziplinübergreifenden Ansätzen zur Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus. Unser Projekt war mit einem Poster zur Vorstellung der Ergebnisse der Einkaufstagebuchstudie sowie einem Vortrag zur Rolle bio-regionaler Wertschöpfungsketten in Kooperativen Lebensmittelläden vertreten. Beide Beiträge können im Tagungsband nachgelesen werden. | ||
![]() |
„Einkaufen im eigenen Supermarkt“ – in unserem Beitrag in der Ökologie & Landbau stellen wir das Konzept der Kooperativen Lebensmittelläden als alternative Organisationsform im Lebensmitteleinzelhandel vor. Neben einem kurzen Überblick über die historische Entwicklung werden die genossenschaftlichen Strukturen vorgestellt und deren Potenzial als Gegenentwurf zu konzerngeprägten Marktstrukturen diskutiert. Ziel des Artikels ist es, das Modell bekannter zu machen und Impulse für seine weitere Verbreitung zu geben. | ||
![]() |
In unserem Beitrag für das Heft der Hohenheimer Genossenschaftsforschung (HGF) erläutern wir die Bedeutung bio-regionaler Wertschöpfungsketten in Kooperativen Lebensmittelläden aus der Perspektive von Schlüsselakteur*innen der Kooperativen, ihrer Mitglieder und Lieferant*innen. Im Fokus stehen Chancen, Herausforderungen und Wechselwirkungen innerhalb dieser Kooperationsstrukturen. | ||
![]() |
„Landwirtschaft und Ernährung – Transformation macht nur gemeinsam Sinn“ – so lautete der Titel der 17. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau (WITA), die vom 5. bis 8. März 2024 an der Justus-Liebig-Universität Gießen stattgefunden hat. Im Fokus der Tagung stand der fachliche Austausch zu neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und innovativen Lösungsansätzen für eine zukunftsfähige Land- und Ernährungswirtschaft sowie für die Transformation hin zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem. Während der Tagung wurde unser Projekt mit einem Poster präsentiert. Der entsprechende Beitrag ist im Tagungsband veröffentlicht. | ||

Weitere Beiträge
- Pressemitteilung JLU Gießen Nr. 40 vom 14. April 2026
- Gespräch von epd mit dem Projektteam von WERTSCHÄTZEN vom 01. Juni 2025
- Audio-Beitrag des Hessischen Rundfunks über "Kooperative Lebensmittelläden" vom 17.04.2025 in hr-Info und am 11.06.2025 in hr2-Kultur
- Pressemitteilung JLU Gießen Nr. 28 vom 5. März 2025
- Interview von FairBio e.V. mit dem Projektteam von WERTSCHÄTZEN vom 10. September 2024










