Benutzerspezifische Werkzeuge

Information zum Seitenaufbau und Sprungmarken fuer Screenreader-Benutzer: Ganz oben links auf jeder Seite befindet sich das Logo der JLU, verlinkt mit der Startseite. Neben dem Logo kann sich rechts daneben das Bannerbild anschließen. Rechts daneben kann sich ein weiteres Bild/Schriftzug befinden. Es folgt die Suche. Unterhalb dieser oberen Leiste schliesst sich die Hauptnavigation an. Unterhalb der Hauptnavigation befindet sich der Inhaltsbereich. Die Feinnavigation findet sich - sofern vorhanden - in der linken Spalte. In der rechten Spalte finden Sie ueblicherweise Kontaktdaten. Als Abschluss der Seite findet sich die Brotkrumennavigation und im Fussbereich Links zu Barrierefreiheit, Impressum, Hilfe und das Login fuer Redakteure. Barrierefreiheit JLU - Logo, Link zur Startseite der JLU-Gießen Direkt zur Navigation vertikale linke Navigationsleiste vor Sie sind hier Direkt zum Inhalt vor rechter Kolumne mit zusaetzlichen Informationen vor Suche vor Fußbereich mit Impressum

Artikelaktionen

Wissenschaft goes Barcamp?! Von Praktiker*innen lernen

Dinah Leschzyk

Posted on July 8, 2022

Blog Leschzyk, Barcamp Zeitstrahl
Dinah Leschzyk eröffnet die Session mit einem Input zum laufenden Verbundprojekt MIRKKOMM, das auf die Optimierung der Risiko- und Krisenkommunikation von Regierungen, Behörden und Organisationen der Gesundheitssicherung zielt. Im Bild ist eine PowerPoint-Folie zu sehen, die die verschiedenen Phasen der Corona-Pandemie in Deutschland anhand eines Zeitstrahls zeigt. Foto: Steffen Kugler

Eigenes Vokabular, eigene Regeln. Ein Barcamp ist nichts für schwache Nerven. Oder anders gesagt: Es ist ein Überraschungspaket. Wer auf diesen als „Nicht-Konferenzen“ bezeichneten Veranstaltungen spricht, bleibt bis zuletzt offen. Welche Themen die einzelnen Vorträge bzw. Sessions haben, wird erst am Tag der Veranstaltung entschieden. In einem Pitch stellen die Ideengeber*innen ihre Konzepte vor. Das Publikum entscheidet durch Handzeichen. Gehen keine Hände hoch, findet die Session nicht statt. Wozu auch? Die Idee hat das Publikum nicht überzeugt. Vielleicht ist es dieser Moment, den Wissenschaftler*innen am meisten fürchten. Kein Interesse für das eigene Projekt. Die Präsentation ausgearbeitet, den USB-Stick im Gepäck, ist dann der Zugang zur großen Bühne verwehrt. Oder zur kleinen. Die Location paralleler Slots wird nach Anzahl der Hände im Publikum entschieden. Wobei: Ein Publikum gibt es bei Barcamps offiziell nicht. Alle Teilnehmer*innen werden als Teilgeber*innen verstanden. Alle können das Programm mitbestimmen und mit ihrer Sessionidee überzeugen.

 

Der Pitch. Große Bühne. 120 Teilgeber*innen schauen auf mich.

Ich bin bei Politoscope – Das Barcamp zur politischen Netzkommunikation (Staatsministerium Baden-Württemberg 2022), um mich zur Krisenkommunikation während der Corona-Zeit auszutauschen und MIRKKOMM vorzustellen. Das Projekt, in dem ich nach Ablauf meiner zwölf Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einer mittelhessischen Universität beschäftigt bin (#JLU, #IchBinHanna bzw. hoffe das nicht – ist aber ein anderes Thema…, Bahr et al. 2022). Die Abkürzung MIRKKOMM steht für „Multimodalität in der Risiko- und Krisenkommunikation“. Das Projekt zielt auf die Optimierung der Risiko- und Krisenkommunikation von Regierungen, Behörden und Organisationen der Gesundheitssicherung. Konkret analysieren wir die Kommunikation in der Corona-Pandemie. Es ist ein großes Verbundprojekt. Beteiligt sind starke Partner*innen: diverse Hochschulen verantworten eigene Teilprojekte. Internationale Forscher*innen und Institutionen wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) oder das Robert Koch-Institut unterstützen als assoziierte Partner*innen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) koordiniert das Projekt und forscht in zwei der sieben Teilbereiche (BfR 2021). Ich analysiere multimodale Online-Kommunikate: Wie kommunizieren staatliche Einrichtungen, Medien und andere Akteur*innen im Internet über Risiken? Welche Darstellungsformen können hierzu sinnvoll eingesetzt werden? Wie werden behördliche Social-Media-Inhalte von Influencer*innen bearbeitet und weiterverwendet? (Projekthomepage: www.mirkkomm.de).

 

Blog Leschzyk, Barcamp 1. FolieIch pitche:

„Zu viel Text. Eine Farbgebung, die an das Logo des Betreibers von Tankstellentoiletten erinnert. Keine Reaktion auf Kommentare in Social Media – Kritik an der Corona-Kommunikation staatlicher Stellen war vielfältig und wurde überaus deutlich geäußert.“ Mein Abgang: „Ich würde mich über einen Austausch freuen, mit Leuten, die selbst Online-Kommunikate erstellen, oder auch anderen Wissenschaftler*innen, die zur Pandemie-Kommunikation forschen.“

 

Mein USB-Stick kommt zum Einsatz. Zu einem Austausch mit anderen Wissenschaftler*innen kommt es nicht.

Ich freue mich, vortragen zu dürfen. Künstliche Verknappung wirkt motivationale Wunder. Meine Session ist gut besucht – alle Stühle sind besetzt. Ich gebe einen kurzen Input. In den „Tipps & Tricks für eine Barcamp-Session“, die der Veranstalter, das Staatsministerium Baden-Württemberg, wohlweislich allen hat zukommen lassen, heißt es: „Beschränken Sie sich mit den Inhalten. Ein guter Vortrag ist mehr als ‚betreutes Lesen‘!“ Ist deshalb keine*r aus meiner Scientific Community da? Mit Inhalten beschränken? Nicht unbedingt das Motto der Wissenschaft. „Betreutes Lesen“? Kommt schon mal vor. Die Produktionslogiken der Wissenschaft lassen nicht immer eine didaktisch wertvolle Aufbereitung von Inhalten für spezifische Zielgruppen zu: Zeitdruck, Fachtraditionen, Erwartungshaltungen. Das Dilemma, Wissenschaft verständlich zu kommunizieren und den ungeschriebenen Gesetzen der Forschungsgemeinschaft zu genügen.

 

Unbezahlbare Einblicke.

Vor Ort sind vor allem diejenigen, die die Social-Media-Kanäle von Bundes-, Landes- oder Kommunalbehörden betreuen. Diejenigen, die sich seit über zwei Jahren immer wieder Shitstorms ausgesetzt sehen. Diejenigen, die – so der Wunsch einiger – 24/7 auf die unflätigsten Kommentare wohlwollend, empathisch und ausführlich zu reagieren haben. Informationen liefern, die nicht vorliegen. Sicherheiten kommunizieren, die es nicht gibt.

 

Eine der Sessions wird als „Selbsthilfegruppe“ für Social-Media-Manager*innen betitelt.

Unterbesetzt. Auf die Freigabe ihrer Posts wartend, während deren Aktualität exponentiell abnimmt – der Ausdruck „exponentieller Zerfall“ bildet den Zusammenhang von Zeitverlauf und Relevanz eines Tweets ziemlich gut ab. Die Produktionsbedingungen der bunt bebilderten Posts auf Instagram, Twitter und Co. sind während der Corona-Pandemie alles andere als rosig. Ich erfahre das hier. Aus erster Hand. Kann Rückfragen stellen, mir die Perspektive der Sender*innen erklären lassen.

 

Die Angst vor dem Pitch? Nix mitbekommen? Kein Interesse an der Anwender*innenperspektive?

Kolleg*innen, warum auch immer ihr nicht hier wart: Ihr habt eine Gelegenheit verpasst. Eine Gelegenheit par excellence zur Kommunikation von Wissenschaft und zur Vernetzung von Wissenschaft und Praxis. Dieses erste Barcamp zur politischen Online-Kommunikation von Behörden war richtig gut. Von Anfang bis Ende.

Und ja: auch das Catering ;)

 

Einen Clip der Veranstaltung finden Sie hier.

 

 

Weitere Informationen

Bahr, Amrei/Eichhorn, Kristin/Kubon, Sebastian (2022), #IchBinHanna: Prekäre Wissenschaft in Deutschland. Berlin: Suhrkamp.

BfR – Bundesinstitut für Risikobewertung (2021), Mehr als Text: Mit Wissen durch die Covid-19-Pandemie. 22.11.2021, https://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2021/46/mehr_als_text__mit_wissen_durch_die_covid_19_pandemie-288739.html (20.06.2022).

MIRKKOMM – „Optimierung der Risiko- und Krisenkommunikation von Regierungen, Behörden und Organisationen der Gesundheitssicherung“, www.mirkkomm.de (geht zeitnah online, Stand: 22.06.2022).

Staatsministerium Baden-Württemberg (2022), Politoscope – Das Barcamp zur politischen Netzkommunikation, https://stm.baden-wuerttemberg.de/de/service/politoscope/?type=98 (20.06.2022).

Twitter-Kanal zu Politoscope – Das Barcamp zur politischen Netzkommunikation: https://twitter.com/PolitoscopeBC (22.06.2022).