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Artikelaktionen

Newsletter 2/2022

Newsletter Header 2/2022Newsletter abonnieren   |   Newsletter abbestellen   |   Newsletter-Archiv



 

 Editorial

 

Liebe Freundinnen und Freunde des ZMI,

liebe ZMI-Aktive,

 

Dr. Jutta Hergenhan. Foto: Jan Kulke, PhotoArt Berlin
Jutta Hergenhan

bevor wir uns in die ruhigeren Tage des Sommers begeben, möchten wir Sie schon einmal auf unsere vielfältigen Aktivitäten im kommenden Herbst hinweisen.

Wir werden uns am ZMI verstärkt mit Fragen von Recht und Affekt, von Medien und Migration sowie mit Technologie und Gewalt befassen. Wir laden Sie herzlich zu Buchvorstellungen, Workshops und einer internationalen Tagung ein.

Die Funktionszusammenhänge von Rechtspopulismus, Medien und Geschlecht stellen für das ZMI angesichts der aktuellen Entwicklungen in zahlreichen Ländern weiterhin ein zentrales Thema dar. Wir freuen uns daher auf das Erscheinen des Bandes „Antiqueere Rhetorik. Wie die Bolsonaros in Brasilien ein Feindbild LGBTIQ* konstruieren“, den Dinah Leschzyk im Vorfeld der brasilianischen Präsidentschaftswahlen am 2. Oktober 2022 in der ZMI-Reihe „Interaktiva“ veröffentlicht.

Das ZMI führt bereits jetzt insbesondere digitale Veranstaltungen vermehrt auch auf Englisch durch, um für die wachsende Zahl internationaler Studierender an der JLU offen, für ein breiteres Publikum zugänglich sowie im internationalen Forschungsumfeld sichtbar zu sein. Die Ankündigungen, Berichte und Aufzeichnungen der englischsprachigen Veranstaltungen sind auf der englischsprachigen ZMI-Webseite sowie in unserem YouTube-Kanal zu finden.

Im Newsletter erfahren Sie ebenso von unseren vielfältigen Aktivitäten in der Sprachdidaktik, Fremdsprachenforschung und Angewandten Linguistik sowie den Veranstaltungen der Sektionen insbesondere zu historischen Thematiken.

 

Einen wunderbaren Sommer wünscht Ihnen

Ihre

Jutta Hergenhan

 

 

Inhalt ZMI-NEWSLETTER 2/2022

 

 

News

Online-Workshop-Reihe „‚Smarte‘ Gewalt“ am 22. und 29. November 2022

Digital Book Launch of Greta Olson's From Law and Literature to Legality and Affect on October 10, 2022

Publikation von Dinah Leschzyk in Interaktiva-Reihe des ZMI: „Antiqueere Rhetorik. Wie die Bolsonaros in Brasilien ein Feindbild LGBTIQ* konstruieren“

 

Veranstaltungsankündigungen

„Book Spot“ mit Daria Bayer zu ihrem Buch „Tragödie des Rechts“ – kommentiert von Felix Hanschmann und Greta Olson am 12. Juli 2022

International Conference „The Emergence of Gendered Power Structures“: November 23 to 25, 2022 


Aktivitäten und Events der letzten Monate

DieS-Summerschool 2022 auf Schloss Rauischholzhausen – Old- und Early-Stage-Researcher diskutieren über empirische Schreibforschung im Zeichen der Digitalisierung

Veranstaltungen aus der Reihe „Stimmen aus der Praxis“ zu Rassismus gegen Sint*ezza und Rom*nja, zu der Arbeit als freie*r Journalist*in, über einen ehemaligen Häftling des Gefängisses Guantanamo und über das Münchener Café Zelig

Aktionstag und Filmvorführung zu Anne Frank von Arbeitsstelle Holocaustliteratur und Literarischem Zentrum Gießen am 2. und 12. Juni 2022

Vortrag: „Fürstliche Paare in der frühen Neuzeit. Bildliche und politische AnordnungenGeschlecht • Macht • Staat-Ringvorlesung am 2. Juni 2022

Vortrag: „Präsidentinnen in französischen und U.S.-amerikanischen TV-Serien“ – Geschlecht • Macht • Staat-Ringvorlesung am 19. Mai 2022

Blogbeitrag von Dinah Leschzyk: „Wissenschaft goes Barcamp?! Von Praktiker*innen lernen“

„From Legal Culture to Cultures of Legality“ on May 12, 2022: Talk by Greta Olson

„En-Gendering Borders: Media and Migration Reframed“: Discussion hosted by Section „Media and Gender“ on April 29, 2022

„Towards Decolonial Trans Feminist Womxn“ on April 22, 2022: Talk by Greta Olson

 

Neues aus dem DaF-/DaZ-Bereich

Dietmar Rösler und Tamara Zeyer auf der Tagung „Postdocs in der Fremdsprachenforschung: Dr. phil... und dann?“

Webinarreihe für DAAD-Lektor*innen im April und Mai 2022

Vortrag von Tamara Zeyer und Luisa Knechtel bei Workshop der Gesellschaft für Angewandte Linguistik zu studieninteressierten Geflüchteten am 30. Juni 2022

 

Neues aus der Georg Büchner-Seniorprofessur

Heiner Goebbels in Neue Zeitschrift für Musik

„Voices Calling“ – Portraitfilm über Heiner Goebbels

SWR und HR: Eine lange Nacht mit Heiner Goebbels

„A House of Call“ in Amsterdam, Frankfurt, Wien, Porto und London

Zahlreiche internationale Aufführungen in der Spielzeit 2022/23

„A House of Call. Material Counter“: Englischsprachige Ausgabe der „Materialausgabe“ zum Orchesterzyklus

Heiner Goebbels als Keynote Speaker auf internationaler Konferenz in Lissabon

„An Instant Contemporary Classic“: London Philharmonic Orchestra kündigt „A House of Call“ an

 

In den Medien

„Burning Issues“ – Vortrag von Bildhistoriker Michael Diers zu ethischen Fragen im Fotojournalismus

 

Publikationen

Jana Gamper, Britta Hövelbrinks, Julia Schlauch (Hg.): „Lockdown, Homeschooling Social Distancing: Der Zweitspracherwerb unter akut veränderten Bedingungen der COVID-19-Pandemie“

Männlichkeit und Füsorge im Kontext von BDSM – Beitrag von Tillmann Schorstein in der Zeitschrift GENDER

Band in gemeinsamer Schriftenreihe der Chambré-Stiftung und der Arbeitsstelle Holocaustliteratur: „Der papierene Freund. Holocaust-Tagebücher jüdischer Kinder und Jugendlicher“

Nachwort von Sascha Feuchert in Rebekka Kricheldorfs Stück „Homo Empathicus“

Volume „Trans* Time“ as Open Access 

English edition of „Cahiers du genre“: „Gender, language and politics. Non-sexist language in debate“

 

Personalia

Sascha Feuchert und Krystyna Radziszewska erhalten Copernicus-Preis 2022

Carina Müller verlässt ZMI

 

 

 

News

 

Online-Workshop-Reihe „‚Smarte‘ Gewalt“ am 22. und 29. November 2022


Digitale Gewalt hat viele Gesichter: Cyberstalking, Smartphone-Spionage, die Nutzung von Smartgeräten zu Kontrollzwecken oder der illegitime Zugriff auf Digitalinformationen von (Ex-)Partner*innen sind Formen der geschlechtsspezifischen Gewalt im Digitalen. Die Online-Workshop-Reihe „‚Smarte‘ Gewalt“ möchte im interdisziplinären Zuschnitt einen Überblick zum Thema geben und zudem Wissenschaft und Praxis in einen Austausch bringen.

Am Dienstag, den 22. November 2022 findet ein Workshop mit einem Einführungsvortrag von Prof. Nivedita Prasad von der Alice Salomon Hochschule Berlin statt sowie mit einem Bericht aus der Praxis von Angela Wagner von der Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt.

Bei der zweiten Veranstaltung dieser Reihe am Dienstag, den 29. November 2022 geht es um das Thema Stalking. Es sprechen Chris Köver von „netzpolitik.org“ aus Berlin und Tim Herrscher von der Opferhilfe „Weisser Ring“ Frankfurt.



Digital Book Launch of Greta Olson's From Law and Literature to Legality and Affect on October 10, 2022

Olson, From Law and Literature to Legality and Affect - Cover

 

On October 10, 2022, Prof. Greta Olson's most recent publication „From Law and Literature to Legality and Affect“ is going to be presented in a digital book launch.

The book deals with topics such as ethnonationalism, anti-migration sentiment, and systemic racism in Germany and the United States and discusses methods for law-and-literature and cultural legal studies. It is available for pre-orders at Oxford University Press.

 

 

 

 

 

 

 

 

 







Publikation von Dinah Leschzyk in Interaktiva-Reihe des ZMI: „Antiqueere Rhetorik. Wie die Bolsonaros in Brasilien ein Feindbild LGBTIQ* konstruieren“

 

Jenseits der gängigen Bilder beleuchtet das Buch „Antiqueere Rhetorik. Wie die Bolsonaros in Brasilien ein Feindbild LGBTIQ* konstruieren“ von Dr. habil. Dinah Leschzyk eine dunkle und eher unbekannte Seite von Brasilien: die Diskriminierung von LGBTIQ* – von höchster politischer Stelle befördert. Der ab 2019 amtierende brasilianische Präsident Jair Bolsonaro und seine politisch aktiven Söhne sind für ihre ausfallende Rhetorik bekannt. Sprachrohr sind die sozialen Medien. Anhand von Tweets, Blog-Kommentaren und YouTube-Kommentaren zu Kongressreden analysiert das Buch in der Interaktiva-Reihe des ZMI zudem, wie User*innen diese verbalen Angriffe aufnehmen. Der Erscheinungstermin im Campus Verlag ist für den 14. September 2022 geplant – und fällt somit auf einen Zeitpunkt unmittelbar vor den Präsidentschaftswahlen sowie den gesamtstaatlichen und einzelstaatlichen Wahlen in Brasilien am 2. Oktober 2022.










 Veranstaltungsankündigungen


„Book Spot“ mit Daria Bayer zu ihrem Buch „Tragödie des Rechts“ – kommentiert von Felix Hanschmann und Greta Olson am 12. Juli 2022


Tragödie des Rechts Cover

Mit Daria BayersTragödie des Rechts“ erkundet die nächste ICON-S Book Spot, wie sie mit Konventionen bricht und dabei Grenzen des Rechts, der Rechtswissenschaft und der üblichen medialen Vermittlung von Rechtswissenschaft überschreitet. Die „Tragödie des Rechts“ ist reales Theater, materialistische Theorie und revolutionäre Kritik des Rechts. Am 12. Juli 2022 um 18 Uhr s.t. spricht Dr. Daria Bayer (Hamburg/Berlin) online im nächsten ICON-S „Book Spot“ über ihr ungewöhnliches Projekt. Das Buch, das mehr als ein Buch ist, wird von Prof. Felix Hanschmann (Bucerius Law School Hamburg – Rechtswissenschaft) und Prof. Greta Olson (Justus-Liebig-Universität Gießen – Anglistik) aus disziplinären wie interdisziplinären Perspektiven kommentiert werden! Die Veranstaltung dauert ca. 75 Minuten und findet auf Deutsch statt. Alle Teilnehmer*innen sind herzlich willkommen! Um eine kurze Registrierung wird gebeten.

 

Next Online „Book Spot“ with Daria Bayer on her “Tragödie des Rechts” (Tragedy of Law) – comments by Felix Hanschmann and Greta Olson

Taking up Daria Bayer’s „Tragödie des Rechts” („Tragedy of Law”) at our next ICON-S Book Spot we will explore how she is breaking with habitual custom and thereby transcending boundaries of law, of legal science and of the usual communicative means of legal discourse. Her “Tragedy of Law” is real theater, materialist theory and revolutionary critique of law. We will be discussing this unconventional project with the author Daria Bayer (Hamburg/Berlin) on July 12, 2022 at 6 pm. We are delighted to have Prof. Felix Hanschmann (Bucerius Law School Hamburg – law) and Prof. Greta Olson (Justus Liebig University Giessen) with us who will comment on the book, itself being more than a book, from their respective disciplinary as well as interdisciplinary perspectives. The event, approx. 75 mins long, will be held in German, but questions in English are always welcome. We welcome all interested participants and ask you to please register



International Conference „The Emergence of Gendered Power Structures“: November 23 to 25, 2022


Der Forschungsverbund „Geschlecht • Macht • Staat: Medialisierungen, normative Rahmungen und soziale Praktiken geschlechterbezogener Zuschreibungen“ (GMS) richtet die englischsprachige internationale Konferenz „The Emergence of Gendered Power Structures since Early Modern Times: Practices, Norms, Media“ aus, die sich aus interdisziplinärer Perspektive mit der Analyse von Konfigurationen geschlechtlicher Machtverhältnisse von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart beschäftigt. Geplant sind sechs Panels, die, gegliedert in drei Sitzungen, jeweils mit einer Keynote eingeleitet werden. Den ersten Keynote-Vortrag hält am 23. November 2022 Prof. Myra Marx Ferree, die weiteren Keynote-Vorträge am 24. und 25. November 2022 haben jeweils den Fokus Gender, Power und State. Dazu sprechen Prof. Helen Watanabe-O´Kelly, Prof. Claudia Ulbrich und Prof. Birgit Sauer.

Die Konferenz findet von Mittwoch, den 23. November, bis Freitag, den 25. November 2022, im Herder-Institut Marburg statt.

 

The Research Network „Gender • Power • State“ will host the International Conference „The Emergence of Gendered Power Structures since Early Modern Times: Practices, Norms, Media“, which will be concerned with analyzing the configurations of gendered power relations from the early modern era to the present from an interdisciplinary perspective.

After the conference’s opening on the first day with an evening lecture, the following two days will be concerned with three sessions of two panels each scheduled to respectively highlight the leading categories of gender, power relations, and state. Each session will open with one keynote. The second day will start with the keynote focused on Gender, leading to the panel discussions on „Medialization of Gendered Rule“ and „Imaginations of Female Presidency in TV Series“, which will then be followed by the keynote focused on Power with the attached panel discussions on „Entangling Conceptions of ‚Weak Rule‘ and ‚Femininity‘ from Shakespeare Plays to Presidential Representation“ and „Subalternity and Epistemic Violence“. The third day will open with the Keynote focused on the State and then proceed with the panel discussions on „Sexuality, Violence and the State: Norms and Regulations“ and „Women as newly emergent Political Actors.

The conference will start with a first keynote on 23 November by Prof. Dr. Myra Marx Ferree. The other confirmed keynote speakers are Prof. Dr. Helen Watanabe-O’Kelly (Focus Gender), Prof. Dr. Claudia Ulbrich (Focus Power), Prof. Dr. Birgit Sauer (Focus State).

The conference will take place at the Herder-Institute Marburg from Wednesday, November 23, to Friday, November 25, 2022 and will be held in English.

 

 

 

 Aktivitäten und Events der letzten Monate


DieS-Summerschool 2022 auf Schloss Rauischholzhausen – Old- und Early-Stage-Researcher diskutieren über empirische Schreibforschung im Zeichen der Digitalisierung

 

Nach zwei Jahren Pandemie mit digitalen Sommerschulen per Zoom-Konferenzen hat sich die dieS-Forschergruppe vom 30. Juni bis 2. Juli 2022 endlich wieder in Präsenz getroffen – und das gleich an einem so zauberhaften Ort, dass man ihn nach monatelangen Zoom-Routinen fast für ein virtuelles Hintergrundbild halten könnte: Schloss Rauischholzhausen. Die dieS-Forschergruppe verbindet 16 Professor*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die alle auf unterschiedliche Weise mit Fragen der didaktisch-empirischen Schreibforschung (dieS) beschäftigt sind und seit genau 15 Jahren Doktorand*innen – und inzwischen auch PostDocs – zu jährlichen Sommerschulen zusammenbringen. Während die dreitägigen Sommerschulen in der Regel forschungsbezogene Workshops, Vorträge und Beratungskolloquien auf dem Programm haben, diente die diesjährige Sommerschool vor allem der Entwicklung von Forschungsperspektiven und -agenden für die zukünftigen Jahre.

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Teilnehmer*innen der dieS-Summerschool 2022 vor dem Schloss Rauischholzhausen. Foto: Selmin Hayircil

Der erste Tag der dieS-Summerschool begann mit einem Vortrag von Prof. Dr. Kirsten Schindler und Dr. Matthias Knopp zum Thema „Erklären in multimodalen Kontexten – (digitales) Schreiben für Erklärvideos“. Erklärvideos sind schon seit langem ein etabliertes Medium des Lernens in Bildungskontexten, häufig werden sie im außerschulischen Kontext für das Lernen genutzt. Die Qualität von Erklärvideos variiert, nicht selten sind es selbst ernannte Expert*innen, die sich in diesen Videos zu Wort melden und – ebenfalls nicht selten – überholtes Wissen in stark normativem Gestus verbreiten. Der Fokus des Beitrags lag auf einer linguistischen Analyse komplexer multimodaler Erklärungsformate. Insbesondere ging es um die Erstellung von Erklärvideos als Schreibaufgabe in universitären Lehramtsseminaren. Die Referent*innen erläuterten die vielfältigen Schreibanforderungen bzw. Schreibaufgaben, die mit der Erstellung einhergehen. Dazu wurden Daten aus Seminaren vorgestellt und Bespieltexte von Studierenden aus dem laufenden Semester gezeigt und analysiert. Aspekte eines multimodalen Erklärens in Real Life und im virtuellen Raum wurden näher erläutert und später im Plenum wild diskutiert. Am zweiten Tag der dieS-Summerschool wurden in Form von Länderberichten vergangene und aktuelle didaktisch-empirische Schreibforschungsprojekte und -initiativen entlang der je eigenen Förderlinien der Länder aus der Schweiz, Österreich und Deutschland vorgestellt. Prof. Afra Sturm präsentierte laufende und abgeschlossenen Projekte, die zwischen 2002–2022 in der Schweiz durchgeführt wurden. Dr. Stephan Schicker tat dies für die letzten 15 Jahre in Österreich und stütze sich dabei auf eine eigene Erhebung an österreichischen Universitäten. Prof. Michael Becker-Mrotzek, Prof. Achim Grabowski und Prof. Torsten Steinhoff stellten schreibbezogene Projekte in Deutschland vor. Die Diskussion der dieS-Gruppe richtete sich im Anschluss auf Forschungsdesiderate und die Frage von Fördernetzwerken für Themen der Schreibforschung.

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Foto: Katrin Lehnen

Am Nachmittag stellten Early-Stage-Researcher ihre Qualifikationsprojekte vor. Lisa Haake präsentierte die ersten Ergebnisse zu ihrer empirischen Studie über „Schreiben in der Fremdsprache Englisch – wie Sprachkenntnisse den Schreibprozess beeinflussen“ präsentiert. Abygail Nolden stellte ihre Interventionsstudie „Zauberleicht schreiben lernen mit Diktier- und Vorlesefunktion? Design einer Interventionsstudie in der sechsten Jahrgangsstufe zur Wirksamkeit assistiver Technologien in digitalen Schreibarrangements“ vor. Der Fokus ihrer Studie liegt auf der Frage, ob man mit einer Diktier- und Vorlese-Funktion den Erwerb von Schreibkompetenz fördern kann und wie sich die Nutzung dieser Funktionen auf das Schreibprodukt auswirkt. Dr. Sabine Stephany präsentierte die Ergebnisse des Projekts „Förderung der Schreibflüssigkeit in der Grundschule“. Die Studie zeigt u.a., dass gut ein Drittel der Schüler*innen nicht über hinreichende Kompetenzen beim flüssigen Schreiben verfügt, so dass höherwertige Schreibkompetenzen kaum aufgebaut werden können - die Aufmerksamkeit fließt fast vollständig in die grapho-motorische Beherrschung der Handschrift. Dr. Nadja Lindauer hat diskutierte Ergebnisse ihrer Dissertation „Schreibprozesse von schriftschwachen Jugendlichen: methodische Erfassung und didaktische Implikationen“ und stellte auch hier heraus, dass häufig die fehlende Beherrschung basaler Schreibfertigkeiten den Ausbau komplexer Fähigkeiten hemmt.

Am letzten Tag der dieS-Summerschool sprach Prof. Katrin Lehnen über Desiderate und Perspektiven mit Blick auf die Digitalisierung des Schreibens. In dem Impulsvortrag „Digitale Praktiken zwischen Schreiben, Lesen, Sprechen und Hören“ präsentierte sie eine Reihe von Beispielen, die zeigen, in welcher Weise Automatisierung, Algorithmen und Künstliche Intelligenz in das Schreiben und Lesen eingegriffen haben. Gerahmt wurden die Überlegungen durch das am ZMI in einer interdisziplinären Arbeitsgruppe entwickelte Konzept „Digitaler Habitus“.

 

 

 

Veranstaltungen aus der Reihe „Stimmen aus der Praxis“ zu Rassismus gegen Sint*ezza und Rom*nja, zu der Arbeit als freie*r Journalist*in, über einen ehemaligen Häftling des Gefängnisses Guantanamo und über das Münchener Café Zelig

 

Stimmen aus der Praxis, Oeser 5.5.2022

Am Donnerstag, den 5. Mai 2022, sprach Journalist und Filmemacher Adrian Oeser über die Entstehung seines Dokumentarfilms „Der lange Weg der Sinti und Roma“. 1980 treten in der KZ-Gedenkstätte Dachau elf Sinti in den Hungerstreik. Es ist die erste große Aktion der jungen Bürgerrechtsbewegung der Sint*ezza und Rom*nja in Deutschland. Sie protestieren, weil die Verfolgung für Angehörige ihrer Minderheit mit der Befreiung 1945 nicht endete, der Rassismus gegen sie fortbesteht und der Völkermord an Sint*ezza und Rom*nja noch immer nicht anerkannt ist. Anhand persönlicher Lebenswege zeichnet der Film die Geschichte von Deutschlands größter nationaler Minderheit nach. Aufnahmen aus den ARD-Archiven dokumentieren, wie auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk den Rassismus gegen Sint*ezza und Rom*nja lange mittrug und befeuerte. Bis in die 1980er Jahre arbeiteten Landeskriminalämter mit den Akten der NS-Rassenhygieniker weiter, um Sint*ezza und Rom*nja systematisch zu erfassen. Dann erst, vierzig Jahre nach Kriegsende, erzwangen Bürgerrechtler die Aushändigung dieser Aktenbestände. „Der lange Weg der Sinti und Roma“ ist ein Film über Geschichte, die nicht abgeschlossen ist, über eine Zeit, die bis heute fortwirkt. Den 45-minütigen Film können Sie hier in der ARD-Mediathek nachschauen.

Adrian Oeser, Journalist und Filmemacher, lebt in Frankfurt am Main. Er hat an der Filmakademie Baden-Württemberg Regie mit dem Schwerpunkt Fernsehjournalismus studiert und dreht seit 2017 lange Dokumentationen und Reportagen für den Hessischen Rundfunk, Arte und Das Erste.

 

Stimmen aus der Praxis, Braun 7.6.2022

Am Dienstag, den 7. Juni 2022, war die freie Journalistin Maxi Braun zu Gast bei „Stimmen aus der Praxis“. Freie Journalistin zu sein, das klingt nach Unabhängigkeit und danach, sich aussuchen zu können, wie, wann, mit wem und worüber man arbeitet – so ist es auch. Freier Journalismus impliziert aber auch das oft zitierte „selbst und ständig“. Es bedeutet, sich flexibel auf Aufgaben, Auftraggeber*innen und Themen einzustellen, neue Fähigkeiten zu erlernen und oft schlicht, ins kalte Wasser zu springen. Die großen Herausforderungen des Berufs garantieren aber auch Abwechslung und Weiterentwicklung. Als Maxi Braun um die Jahrtausendwende als Freie für die WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) anfing, wollte sie nur schreiben. Heute könne sie: koordinieren, ein Team leiten, Bildredaktion machen, Themen konzipieren, Interviews führen, recherchieren, fotografieren, Social Media-Plattformen bespielen, Vorträge halten, Workshops leiten, Filmgespräche moderieren, 1001 Content Management-Systeme bedienen, Homepages erstellen... Das Schreiben – vor allem das Schreiben über Film – bleibe für sie aber der beste Job von allen.

Maxi Braun lebt und arbeitet als freie Journalistin im Pott. An der Ruhr-Universität Bochum hat sie Russische Kultur, Geschichte und Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Filmtheorie und -ästhetik studiert. Von 2014 bis 2017 verantwortete sie als Chefredakteurin die Kulturmagazine trailer (Ruhrgebiet), choices (Köln) und engls (Wuppertal). Seitdem ist sie freiberuflich tätig und schreibt meist über Film und Feminismus, u.a. für epd, Missy Magazin, an.schläge oder ray. Außerdem gibt sie Workshops im Bereich Filmkritik oder Pressearbeit und arbeitet für diverse Filmfestivals wie das Internationale Frauen* Film Fest Dortmund+Köln oder die Duisburger Filmwoche. Gelegentlich ist sie auch als Fotografin unterwegs.

 

Stimmen aus der Praxis, Berbner 28.6.2022Um über seriale Podcasts zu sprechen, war am Dienstag, den 28. Juni 2022, der Journalist Bastian Berbner zu Gast bei „Stimmen aus der Praxis“. Die Geschichte um Mohamedou Ould Slahi und einige derjenigen, die ihn während seiner 14-jährigen Haft in Guantanamo verhörten und folterten, geht ins Ohr und geht einem nach. Bastian Berbner erzählt in seinen Podcasts von Menschen, die man schwer einschätzen kann und die einem gerade deshalb noch lange im Kopf bleiben. Slahi, den die Amerikaner schließlich frei ließen, ohne ihm je den Prozess gemacht zu haben, lud per Video-Aufruf seine ehemaligen Peiniger auf ein Glas Tee ein. Einer von ihnen sucht seine Vergebung, ein anderer stellte sich seiner persönlichen Verantwortung, eine dritte will ihn auf diesem Weg doch noch zu einem Geständnis bringen, dass er in Deutschland Attentäter für al-Qaida rekrutiert habe. So wie Bastian Berbner zusammen mit dem amerikanischen Investigativ-Journalisten John Goetz die Geschichte im Podcast Slahi – 14 Jahre Guantanamo rekonstruiert und erzählt, kann man sich als Hörer:in in sie alle hineindenken. Anders als diese seriale Erzählung über 12 Folgen besteht Berbners Podcast Hundertachtzig Grad aus Einzelgeschichten über Menschen, die eine Gruppe anderer Menschen verabscheuten und ihren Hass überwunden haben. Wie wurde das möglich?

Bastian Berbner hat Geschichte und Politikwissenschaft studiert und dann die Deutsche Journalistenschule in München besucht. Er schreibt u.a. für die ZEIT und das SZ-Magazin. Für seine Reportage Ich und der ganz andere über die Freundschaft zwischen einem homophoben und einem schwulen Mann, die in Irland auf einer Bürgerversammlung aufeinander trafen, gewann er 2019 den Egon Erwin Kisch-Preis (und das ist nicht sein einziger Preis). Die Geschichte der beiden erzählt er auch in Folge 4 von Hundertachtzig Grad.


Stimmen aus der Praxis, Cummings 5.7.2022

Am Dienstag, den 5. Juli 2022, thematisierte „Stimmen aus der Praxis“ in einer Vorführung eines Dokumentarfilms im Kinocenter Gießen mit anschließendem Gespräch mit dessen Regisseurin Tanja Cummings das Café Zelig in München. Dort treffen sich jede Woche letzte, aus ganz Europa stammende Holocaust-Überlebende. Es wird viel gelacht, gefeiert und politisch gestritten, aber auch geschwiegen und getrauert. Einige von ihnen, auch ihre Kinder, machen sich auf den Weg zurück in ihre Vergangenheit, in ihre alte politische Heimat, und sie zeigen, wie schwer es war und ist, wieder zurück ins Leben zu finden – in Deutschland.

Tanja Cummings studierte Philosophie an der Freien Universität Berlin (1999). Sie arbeitet seit vielen Jahre als Storyboardzeichnerin für Spiel-, Werbe-, und Imagefilme und ist Gründungsmitglied und seit 2003 Projektleiterin des Europäischen Vereins für Ost-West-Annäherung (EVA). Seit 2007 arbeitet Cummings als Producerin und Produktionsassistentin für Dokumentarfilme. 2008-2015 Produktion und Regie des ersten eigenen langen Kinodokumentarfilms Linie 41. Das Zelig ist Tanja Cummings zweiter langer Kinodokumentarfilm.

 

 

Aktionstag und Filmvorführung zu Anne Frank von Arbeitsstelle Holocaustliteratur und Literarischem Zentrum Gießen am 2. und 12. Juni 2022

 

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KiKA-Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva mit den Schüler*innen zweier vierter Klassen der Kirschbergschule Reiskirchen. Foto: AHL

Am 12. Juni, Anne Franks Geburtstag, wurde zum bundesweiten Aktionstag gegen Antisemitismus und Rassismus auf KiKA die Folge „Triff Anne Frank“ im Geschichtsformat „Triff…“ von KiKA, WDR und HR mit Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva gesendet. Die Episode entstand in enger Zusammenarbeit mit Prof. Sascha Feuchert von der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Bereits am 2. Juni 2022 konnten etwa 40 Kinder aus zwei vierten Klassen der Kirschbergschule in Reiskirchen die Folge in einer Preview sehen und anschließend der Moderatorin Clarissa sowie Matthias Huff (KiKA), Tina Wilß (KiKA) und Tanja Nadig (HR) sowie Sascha Feuchert (Arbeitsstelle Holocaustliteratur, JLU Gießen) vom Redaktions- und Produktionsteam ihre sehr zahlreichen und inhaltlich vielfältigen Fragen zum Film stellen. Diese bezogen sich einerseits etwa auf den Nationalsozialismus, vor allem auf die Person Hitlers, aber auch auf die Judenverfolgung, die Konzentrationslager sowie auf Krieg und Bombardierung (in der Folge findet in der Nähe des Hinterhauses ein Bombenangriff statt, der Anne Frank ängstigt). Andere Fragen beschäftigten sich mit Zeitreisen (Clarissa reist mithilfe eines Kompasses aus der Gegenwart zurück in die Zeit des Nationalsozialismus und besucht Anne Frank an ihrem 13. Geburtstag sowie später im Hinterhaus im Versteck) und den Techniken und „Tricks“ der Filmproduktion, wie etwa auf Greenscreen-Aufnahmen. Hierbei werden Aufnahmen vor einem grünen Hintergrund produziert, denen dann in der Videobearbeitung unterschiedliche Hintergründe hinzugefügt werden können, sodass der Eindruck entsteht, die Aufnahmen seien an einem bestimmten Ort entstanden.

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V.l.n.r.: Sascha Feuchert (AHL, JLU), Tanja Nadig (HR), Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva (KiKA), Tina Wilß (KiKA), Matthias Huff (KiKA). Foto: AHL

Obwohl sich noch keine der beiden Klassen bereits im Vorfeld im Unterricht konkret mit der Person Anne Frank und ihrer Geschichte beschäftigt hat, wurde deutlich, dass einige Kinder durchaus bereits über ein gewisses erstes Vorwissen zu Anne Frank, aber vor allem zum Nationalsozialismus verfügen, das unter anderem durch den Deutschunterricht einer der beiden Klassen vermittelt wurde, die sich mit der Lektüre „Der überaus starke Willibald“ von Willi Fährmann beschäftigt. Die Folge „Triff Anne Frank“ eignet sich aber auch als Einstieg in das Thema ohne vorheriges Wissen.

Begleitend zur Ausstrahlung standen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur am 12. Juni 2022 dem jungen TV-Publikum in einem Chat auf www.kika.de zur Verfügung und beantworteten Fragen zur Folge. In der Verantwortung von Prof. Sascha Feuchert entstanden zudem Unterrichtsmaterialien für den Einsatz von „Triff Anne Frank“ im Unterricht der Klassen 4–6, veröffentlicht mit dem Film durch die „Matthias Film“ Medienvertriebsgesellschaft. Informationen dazu finden Sie hier.

„Triff Anne Frank“ ist eine Produktion von Crossmedia und Ifage im Auftrag von KiKA und HR unter der Szenenregie von Volker Schmidt-Sondermann. Für KiKA zeichnen Dr. Matthias Huff und Anne Reichenbach und für den hr Tanja Nadig verantwortlich. Die Sendung ist bei KiKA, auf kika.de und im KiKA-Player – zusätzlich mit Untertiteln, Audiodeskription und Gebärdensprache abrufbar. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

 


Vortrag: „Fürstliche Paare in der frühen Neuzeit. Bildliche und politische Anordnungen“ – „Geschlecht • Macht Staat“-Ringvorlesung am 2. Juni 2022

 

Am 2. Juni 2022 hielten Prof. Sigrid Ruby (Sektion „Medien und Gender“) und Prof. Inken Schmidt-Voges (Universität Marburg) im Rahmen der Ringvorlesung des Forschungsnetzwerkes GMS einen Vortrag über „Fürstliche Paare in der frühen Neuzeit: Bildliche und politische Anordnungen“.

 

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Screenshot der Präsentation von Sigrid Ruby und Inken Schmidt-Voges zum Vortrag ''Fürstliche Paare in der frühen Neuzeit. Bildliche und politische Anordnungen''

 

Anhand der Bedeutung der Ehe und der Aufteilung familiärer Aufgabenbereiche von Fürstenpaaren fragten Ruby und Schmidt-Voges nach der Entstehung einer Engführung von Geschlechter- und Herrschaftsordnungen in der frühen Neuzeit. Aus kunsthistorischer und geschichtswissenschaftlicher Perspektive konzentrierten sie sich hierfür auf bildliche Darstellungen von Fürstenpaare und ihre mediale Vermittlung. Die ihrer Analyse vorangestellt Ausgangsannahme ist, dass die bildliche Anordnung von Frau und Mann auf den untersuchten Gemälden nicht nur die gesellschaftliche Geschlechterordnung der Zeit widerspiegelt, sondern diese immer auch mit hervorbringt. Neben der situativen und anlassbezogenen Entscheidungsgewalt verantwortete das Fürstenpaar der Neuzeit vor allem die Sicherung der eigenen Dynastie und Familienherrschaft durch Zeugung entsprechender Nachkommenschaft. Ruby und Schmidt-Voges stellten im Vortrag heraus, wie der Fürstin gerade hierbei eine zentrale Rolle „in der Verwaltung des Territoriums, der Öffnung und Offenhaltung von Kommunikations- und Informationskanälen in der Vorbereitung und Durchführung politischer Entscheidungen als Kerngeschäft politischen Handelns“ zukam. Das Tragen von Verantwortung in der Haushalts- und Familienführung, so konstatieren Ruby und Schmidt-Voges zusammenfassend, sei immer auch Voraussetzung „guter Herrschaft“ gewesen.

Die Moderation der Veranstaltung übernahm Prof. Carmen Birkle

Die Ringvorlesung des Forschungsverbundes fand im SoSe 2022 jeweils Donnerstag, 18 bis 20 Uhr digital statt.


GMS_Ringvorlesung_Programm

 

 

Vortrag: „Präsidentinnen in französischen und U.S.-amerikanischen TV-Serien“ – „Geschlecht Macht Staat“-Ringvorlesung am 19. Mai 2022

 

Das interdisziplinäre Forschungsnetzwerk „Geschlecht • Macht • Staat“ untersucht die Wechselwirkungen zwischen Medialisierungen, sozialen Praktiken und normativen Rahmungen in der Zuschreibung und Aushandlung vergeschlechtlichter (staatlicher) Macht von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Mit diesem Erkenntnisinteresse richtet der Forschungsverbund die Ringvorlesung des Gender-Zentrums der Philipps-Universität Marburg im Sommersemester 2022 aus. Am 19. Mai 2022 hielten Dr. Jutta Hergenhan, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI, und Prof. Carmen Birkle, Professorin für Amerikanistik an der Universität Marburg, einen Vortrag mit dem Titel „Präsidentinnen in französischen und U.S.-amerikanischen TV-Serien“. Am Beispiel der US-amerikanischen Serie „House of Cards“ sowie der französischen Produktion „Baron noir“ beleuchteten die Rednerinnen mediale Darstellungsweisen von Präsidentinnen und analysierten diese vor dem gesellschaftlich-historischen Kontext des jeweiligen Landes.

Folie1_Vortrag_HergenhanBirkle

Carmen Birkle legte ihrem Vortrag ein Verständnis von Präsidentschaft als ein durch historisch konstruierte Symboliken, Rituale und Traditionen geprägtes politisches Amt zugrunde. Über diese symbolträchtige Position solle einerseits eine Kontinuität mit der Vergangenheit hergestellt und andererseits ein Sicherheitsversprechen für die Zukunft gegeben werden. Ihren analytischen Fokus richtet Birkle auf das Ritual der Inauguration, das sie als männlich kodiertes Ereignis herausstellt. Sie kontrastiert die Amtseinführungen der Protagonist*innen Claire und Frank Underwood in der Serie „House of Cards“: Während Frank Underwoods Amtseinführung feierlich, in der Öffentlichkeit und unter Beteiligung des Militärs begangen wird, finden die beiden auf ihre Formalitäten begrenzten Inaugurationen Claire Underwoods im geschlossenen Rahmen statt. Männlichkeit, Macht und präsidentielle Führung bleiben in der Serie in einer symbolischen Ordnung miteinander verbunden, so Birkle. Die Wahl einer Frau zur Präsidentin werde in US-amerikanischen Serien hingegen immer auch als eine Bedrohung für die scheinbar ungebrochene Kontinuität der nationalen Identität imaginiert.

Folie3_Vortrag_HergenhanBirkleJutta Hergenhan widmete sich in ihrem Vortrag der französischen TV-Serie „Baron noir“. Diese ist im Staatssystem der aktuellen V. Republik Frankreichs angesiedelt. Hergenhan beleuchtet die Darstellung der fiktiven Amtseinführung der Protagonistin Amélie Dorendeu und vergleicht sie mit der Inauguration Emmanuel Macrons zu Beginn seiner zweiten Amtszeit als französischer Staatspräsident am 7. Mai 2022. Im Vergleich zur realen Amtseinführung Macrons stelle die Fiktion die gaullistisch-militärische Symbolik bei der Übernahme der Staatspräsidentschaft in den Vordergrund. Sie thematisiere damit die Herausforderung für eine Staatspräsidentin, sich in einem von patriarchaler Männlichkeit geprägten Amt geschlechtsneutral oder -übergreifend zu inszenieren. Als Frau „muss sich die Präsidentin in der Serie mit ihrer äußerlichen Verkörperung des Universellen befassen, auch nachdem sie die höchste Macht im Staat erlangt hat“. Hergenhan konstatiert zudem, dass die Figur der Präsidentin in französischen Serien mit Geschlechtervorstellungen von Frauen in der Politik als Ausdruck von demokratischem Fortschritt verbunden ist. Dies sei angesichts des formalen Ausschlusses von Frauen aus der französischen Politik von der Revolution 1789 bis 1944 zwar richtig, jedoch insofern unterkomplex, als die realen politischen Verhältnisse zeigten, dass die Perspektive einer gewählten Staatspräsidentin nicht unbedingt eine Garantie für den Erhalt demokratischer Werte darstelle.

Sowohl „House of Cards“ als auch „Baron noir“, so das Fazit aus den Vorträgen, schreiben eine männliche Kodierung der Figur des Präsidenten und des Präsidentialamtes fort, die nur vereinzelt bis gar nicht gebrochen wird. Die Inszenierungen der Inaugurationen in den untersuchten Serien deuten darauf hin, dass die Wahl einer Frau als Präsidentin „historisch gesehen hoch politisch“ ist, jedoch riskiert „darauf reduziert zu bleiben“.

Die Vorlesung können Sie im Podcast des Forschungsnetzwerkes nachhören. 

 (Tillmann Schorstein)

 

 

Blogbeitrag von Dinah Leschzyk: „Wissenschaft goes Barcamp?! Von Praktiker*innen lernen“

 

Blog Leschzyk, Barcamp Zeitstrahl
Foto: Steffen Kugler

Wie kommunizieren staatliche Einrichtungen, Medien und andere Akteur*innen im Internet über Risiken? Welche Darstellungsformen können hierzu sinnvoll eingesetzt werden? Wie werden behördliche Social-Media-Inhalte von Influencer*innen bearbeitet und weiterverwendet? – Mit Analysen zu diesen und weiteren Fragen nahm Dr. habil. Dinah Leschzyk am Barcamp Politoscope zur politischen Online-Kommunikation teil, welches am 19. Mai 2022 in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin stattfand. In ihrem Beitrag im ZMI-Blog erzählt sie von der Spannung vor ihrem Pitch und nennt den Austausch unter den „Teilgeber*innen“ eine „Gelegenheit par excellence zur Kommunikation von Wissenschaft und zur Vernetzung von Wissenschaft und Praxis“.

 

 

„From Legal Culture to Cultures of Legality“ on May 12, 2022: Talk by Greta Olson

 

Olson Konferenzbeitrag 12-13 Mai 2022

On May 12, 2022, Prof. Greta Olson held a talk at the closing conference of the Bonn Käte Hamburger Center „Law as Culture“. Olson revisited her time at the Center and how the nourishing conversation with other scholars situated there influenced her own work and her upcoming novel „From Law and Literature to Legality and Affect“.

Closing rituals have their own logic: Melancholy is banned while a kind of festive mood is supposed to set in, one that reminds us of both past feelings of attachment and the future that lies ahead. This is also the case for actual mourning rituals: Providing a sense of identity for a community that is to live on in new forms. To do so, one must make sure of the past, be it a family history or the story of a nation or an „institution“. Our program attempts to incorporate all of these elements: It requires looking back at the Center’s developmental dynamics, in which the unfolding of the „Law as Culture“ paradigm played no small role.

This creates the theoretical space for individual narratives about particular thematic foci of our work, which is reflected not least in the wide-ranging analysis of normativities, spanning from good manners to pandemic ethics, digital normativity, or the relationship to nature. Outstanding artists who have joined us as Artists in Residence will talk about their experiences with the cross-pollination of research and art. Thus, we will once again reflexively turn to the question of what constitutes the special charm of and the epistemological opportunities at the Käte Hamburger Centers, unique institutes placed between the pre-modern, aristocratic model à la manière de Saint-Simon and hypermodern think tanks!

The invitation flyer with the complete program can be found here and here, the poster for the conference here.

(Note: Any mention of „we“, „us“ and „ours“ in this text refers to The Käte Hamburger Center „Law as Culture“.)

 

 

„En-Gendering Borders: Media and Migration Reframed“: Discussion hosted by Section „Media und Gender“ on April 29, 2022

 

The Online-Event „En-Gendering Borders: Media and Migration Reframed“, which was part of the Lecture Series „Transnational and International Critiques of Power”, took place on April 29, 2022. Guest Speakers were Prof. Krista Lynes (Canada Research Chair in Feminist Media Studies and Associate Professor in Communication Studies at Concordia University, Montréal), Jennifer Kaumau (International Women*Space Berlin) and Prof. Greta Olson (JLU Giessen). The event was moderated by Dr. Veronika Zablotsky (Freie Universität Berlin). It was hosted by the ZMI’s Research Group on „Media and Gender“, the Giessen Graduate Center for Social Science, Business, Economics and Law (GGS) and the chair of Gender Studies at the Institute of Political Science at JLU.

Krista Lynes started by pointing out that they would not use the word crisis as a periodizing term, but as a term relating to political operations, which as a response can have real effects that are lived as crises. The book „Moving Images: Mediating Migration as Crisis“ is the first project of theirs Lynes spoke on. The central idea of this publication is an intersectional anti-racist feminist critique of the so-called Migrant crisis in Europe. Initially, the term is critiqued, which then leads to a closer look at the emergence of said crisis related to longstanding politics of imperial violence and racial capitalism.

Greta Olson, Jennifer Kamau, Krista Lynes and Veronika Zablotsky (f.t.t.b.). Presentation slide by Krista Lynes.


The second project Lynes recounted is called „Doing Feminism in the Pandemic“, which was a community project centered around the already existing but, with the arrival of Covid, increasing inequalities, which made vulnerable members of the community even more vulnerable.

Jennifer Kamau brought a distinguished activist perspective into the discussion. She first mentioned that the cause of the IWS' activism was a direct reaction to the discrimination Migrant Women* were facing in Germany. Kamau, just as Lynes did, pointed out that crises can serve as an incentive to implement dehumanizing laws against Refugees. She argued that the media portrayal of Migrants played a huge role in this by declaring these very people either victims or criminals – without taking into account that the German asylum system deprived them of their basic human needs and forced them into a position of vulnerability.

Greta Olson's presentation was concerned with the framing of the so-called Migrant crisis in prominent media discourses. Referencing images from the 2015/2016-period, she pointed out that male Refugees or Refugees gendered as masculine were treated as non-humans in two different ways: they were either depicted as a natural disaster or as criminals, especially as sexual predators.

Greta Olson speaks about images of 'crisis' with the other guest speakers: Jennifer Kamau, Krista Lynes, Veronika Zablotsky (f.l.t.r.)

 

Olson then pointed out that the other kind of most prominent image from the crisis were the Humanitarian Images. Those images, she argued, were regretfully most of all concerned with the feelings they evoked in the viewer, letting them decide if they wanted to take on the role of the white savior. Concluding her statement, she argued that a mixture of gender and race in prominent media discourses regarding Migrant movements is being weaponized in racist and sexist ways.

For further information, a detailed account of „En-Gendering Borders: Media and Migration Reframed“ can be found here, and a video recording of the event can be found on the YouTube channel of the ZMI.

(Carina Müller)

 


„Towards Decolonial Trans Feminist Womxn“ on April 22, 2022: Talk by Greta Olson


Olson Konferenzbeitrag April 2022Prof. Greta Olson is one of the invited speakers at the final international conference on the European Research Council-funded project „Homo Mimeticus“ hosted by the Institute of Philosophy and the Faculty of Philosophy of KU Leuven, Belgium. She spoke on „Towards Decolonial Trans Feminist Womxn“ in her conference talk on April 22, 2022.

In advocating for queer, trans feminist womxn, Olson hovers between concepts of mimesis. She subscribes to mimesis both as a strategy to avoid yet another flat repetition and reification of ideologically imprinted ‚woman‘ and as „an act of creative imitation“ (Rita Felski). ‚Woman‘ is always inscribed within heteropatriarchy, always overwritten and overdetermined and gendered by how she is framed and literally also photographed and filmed (Nina Menkes). White women and girls, in particular, represent stylized figures of exaggerated feminized vulnerability. Their imagined fragility is regularly deployed in anti-trans (and anti-nonbinary) legislation, in forms of ethnosexualization that frame migrant men as hypersexual predators, and in femonationistic efforts to legitimate neo-imperialist efforts by using the tropes of feminism (Sara Farris). This white woman is rightly despised as the Karen she is, and as the historical cause of brown women’s scars (Ruby Hamad). Obsessions with the ‚missing white woman,‘ like, most recently, Gaby Petito reveal the United States’ white-centrism, and its tendency to equate blonde innocence with a sentimentalized past, and to routinely devalue the lives of Black, Indigenous, women and girls of color and the non-cisgendered. ‚Woman‘ cannot escape. Neither can a feminism that advocates for her and is, again and again, pronounced dead on arrival, irrelevant, non-inclusive, racist, and lacking in humor. In another turn of the phallocentric screw, the feminist woman is troped as the TERF who would keep trans and non-binary sisters down. Not in my name, this ‚woman.‘ In this talk, Olson wishes to rediscover the radical potential of lesbian separatist womyn for queer, feminist, and trans efforts more generally and to question recurrent repetitions of her flattened image as the equivalent of the Old White Man of LGBTQIA politics. Yet she also argues that a trans and non-binary conceptualization of „legal sexual personhood“ and gender (Greta Olson and Laura Borchert) constitutes a novel approach to the nexus of race, class, ability, religion, and nation that can be used to resist patriarchy while inhabiting it. She traces the emergence of decolonizing, anti-racist trans feminist womxn as a position of resistance and celebration.


 

 

Neues aus dem DaF-/DaZ-Bereich

 

Dietmar Rösler und Tamara Zeyer auf der Tagung „Postdocs in der Fremdsprachenforschung: Dr. phil... und dann?“

 

DAF-Tagung Postdoc Bild 2
Teilnehmende der Postdoc-Tagung beim Conference Dinner

Am 5. und 6. Mai 2022 fand an der Technischen Universität Braunschweig die Arbeitstagung „Postdocs in der Fremdsprachenforschung: Dr. phil... und dann?“ der Deutschen Gesellschaft für Fremdsprachenforschung statt. Die Tagung richtete sich an Wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in der Endphase der Promotion bzw. Postdoc-Phase aus unterschiedlichen Fremdsprachendidaktiken (Anglistik, Romanistik, DaF/DaZ). An der Veranstaltung nahmen insgesamt 13 Wissenschaftler*innen teil, die eine Karriere im akademischen Kontext anstreben, sich auf eine Professur vorbereiten oder nach alternativen Tätigkeitsfeldern im Hochschulkontext suchen. In Workshops und Diskussionsrunden wurden Themen wie akademische Selbstverwaltung, Drittmittelanträge, Berufungsvorbereitung, Wissenschaftsmanagement etc. besprochen. Darüber hinaus hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, in Kleingruppen ihre Forschungsprofile zu präsentieren. Die Tagung bot auch Möglichkeiten der fachlichen und professionellen Vernetzung. In seinem Impulsvortrag verschaffte Prof. Dietmar Rösler einen Überblick über die Aufgabenbereiche einer Professur und die Herausforderungen in der Übergangsphase vom Mittelbau zu professoralen Tätigkeiten. Für die Konzeption, Organisation und Durchführung der Postdoc-Tagung waren Dr. Roger Dale Jones (TU Braunschweig) und Dr. Tamara Zeyer (JLU Gießen) zuständig.

 

 

Webinarreihe für DAAD-Lektor*innen im April und Mai 2022

 

Im April und Mai 2022 führte Dr. Tamara Zeyer Webinare für DAAD-Lektorinnen und -Lektoren durch. Der Workshop am 8. April 2022 widmete sich dem Thema „Zurück in den Präsenzunterricht – mit oder ohne Medien?“ In Form eines Austauschforums mit kurzen Impulsen wurden viele Fragen besprochen, wie beispielsweise ob digitale Formate im Präsenzunterricht künftig vermisst werden oder wie die in der Pandemie-Zeit gesammelten Erfahrungen im Online-Unterricht auch für die Präsenzlehre fruchtbar sein könnten. Am 25. April 2022 stand das Thema „Sprechen über das Sprechen: Förderung der Mündlichkeit im Unterricht“ im Fokus. Der Workshop widmete sich den wichtigen Aspekten des Sprechens und den Lerntechniken, die die fremdsprachliche Sprechfähigkeit unterstützen. Dabei ging es um mitteilungsbezogene und sprachbezogene Kommunikation sowie die Schwierigkeiten, die DaF-Lernende bei der Gestaltung eines Gesprächs bewältigen müssen. Außerdem beschäftigten sich die Teilnehmenden mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten bei der Förderung der Mündlichkeit im Präsenz- und Online-Fremdsprachenunterricht. Das dritte Webinar am 2. Mai 2022 war zum Thema „Lust auf Grammatik? Grammatik mit Lust“. Im Workshop wurde das Potenzial der digitalen Medien für die Grammatikvermittlung besprochen und ausgewählte digitale Lernangebote zur Grammatik wurden präsentiert. Es wurde darüber diskutiert, wie die Lernangebote in die Lernkontexte der Workshopteilnehmenden eingebunden werden können.

 

 

Vortrag von Tamara Zeyer und Luisa Knechtel bei Workshop der Gesellschaft für Angewandte Linguistik zu studieninteressierten Geflüchteten am 30. Juni 2022

 

Am 30. Juni 2022 nahmen Luisa Knechtel und Dr. Tamara Zeyer an einem Workshop der Gesellschaft für Angewandte Linguistik zum Forschungsfokus Geflüchtete mit ihrem Vortrag zum Thema „Erfolgreiche studieninteressierte Deutschlernende 2018 – erfolgreiche Studierende 2022? teil. Im Vortrag wurden die ersten Ergebnisse der vergleichenden Analyse zu Sprachlernprozessen von studieninteressierten Geflüchteten präsentiert. Die Forschungsteilnehmenden aus der Studie 2018 des HMWK-Projektes wurden 2022 erneut interviewt mit dem Ziel, den weiteren Lernweg zu untersuchen. Bei der Analyse liegt der Fokus in erster Linie auf der Verknüpfung sprachlicher und studien-/ berufsbezogener Entwicklung sowie auf dem Übergang vom Sprachunterricht in das Studium bzw. den Beruf. Die Erkenntnisse können für sprachliche Unterstützungsmaßnahmen von neuzugewanderten Geflüchteten von Interesse sein.

GAL Forschungsfokus Geflüchtete 2022
Tamara Zeyer (oben) und Luisa Knechtel (unten).

 

 

 

Neues aus der Georg Büchner-Seniorprofessur

 

Heiner Goebbels in Neue Zeitschrift für Musik


Komponist und Theaterwissenschaftler Rasmus Nordholt-Frieling hat unter dem Titel „Ein musikalisches Gefüge der Modulation“ eine ausführliche Analyse zu dem Musiktheaterstück „Liberté d’action“ (2021) von Prof. Heiner Goebbels veröffentlicht:

Zunächst wirkt der Aufbau einfach: An den vorderen Bühnenrändern links und rechts sind zwei Pianist:innen des Ensemble Modern auf Rollpodesten an geöffneten Klavieren platziert. In der Mitte hinten steht ein Tisch mit einigem technischen Gerät, der den Ausgangspunkt des Schauspielers David Bennent darstellt. Doch je weiter der Abend voranschreitet, desto mehr entfaltet sich ausgehend von diesen Komponenten ein Gefüge, das sich zunehmend verzweigt...“ – Neue Zeitschrift für Musik, 11. April 2022

 


„Voices Calling“ – Portraitfilm über Heiner Goebbels

 

"Voices Calling" Portraitfilm Goebbels

 

Der italienische Filmemacher Giulio Boato hat nach zahlreichen Interviews mit und Probebesuchen bei Heiner Goebbels für den französischen Sender TV7 ein einstündiges Filmportrait gedreht, das am 21. Mai 2022 gezeigt wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


SWR und HR: Eine lange Nacht mit Heiner Goebbels

 

Die beiden Rundfunkstationen SWR2 und HR2 senden am 17. August 2022 ab Mitternacht „WORKS – SANS FRONTIÈRE“: eine lange Nacht zum 70. Geburtstag von Prof. Heiner Goebbels. Dabei wird ein zweistündiges „Juke Box Archive“ gefolgt von seinem Orchesterstück „Walden“ (nach Henry Thoreau) und den beiden Hörstücken „Die Wiederholung (nach Motiven von Kierkegaard, Robbe-Grillet und Prince) und „Hashirigaki“ (nach Texten von Gertrude Stein, mit Musik der Beach Boys) gesendet. Zum Abschluss folgt ein Werkstattgespräch zusammen mit dem Chefdramaturgen des SWR Manfred Hess über aktuelle Projekte.

 

 

„A House of Call“ in Amsterdam, Frankfurt, Wien, Porto und London

 

Nach der erfolgreichen niederländischen Erstaufführung beim Holland Festival in Amsterdam Mitte Juni 2022 hat auch die Alte Oper Frankfurt „A House of Call“ für den 14. September 2022 angekündigt.

Den Begriff ‚Avantgarde‘ mag er nicht. Gleichwohl sucht Heiner Goebbels ausgetretene Pfade gern zu umschiffen, aus dem Motiv der Unzufriedenheit mit dem, was ist. Neuland in dieser Hinsicht – und damit geradezu prädestiniert für das Fratopia-Festival – ist auch A House of Call. 2021 erst in Berlin durch das Ensemble Modern Orchestra uraufgeführt, komponierte Goebbels ein Lebenstagebuch quer durch die Genres, eine Megasinfonie, einen Rausch. Das Ensemble Modern Orchestra bringt diese Utopie in Klängen jetzt in die Alte Oper und erneuert damit einmal mehr die Bande zwischen dem Konzerthaus und dem Komponisten, der seit einem halben Jahrhundert in Frankfurt seine Wahlheimat gefunden hat.

Beim Festival Wien Modern wird „A House of Call“ am 19. November 2022 in der Originalbesetzung mit dem Ensemble Modern Orchestra unter der Leitung von Vimbayi Kaziboni im Wiener Volkstheater gespielt.

In erstmaliger Zusammenarbeit mit dem Volkstheater präsentiert Wien Modern A House of Call, Heiner Goebbels’ reifstes und vollständigstes Meisterwerk (SZ)‘. In vielen der Arbeiten von Heiner Goebbels spielt die Anziehung abwesender, akusmatischer Stimmen eine wichtige Rolle; ob 1981 auf seiner ersten Single BERLIN QDAMM 12.4.81 (1981), in der CHACONNE / KANTORLOOPS aus SURROGATE CITIES (1994), in der Performance STIFTERS DINGE (2007), der Klanginstallation GENKO-AN (2008ff.) oder in seinen Hörstücken. In A HOUSE OF CALL. werden die Stimmen zum ersten Mal zu Protagonisten eines ganzen Konzertes.

 

 

Zahlreiche internationale Aufführungen in der Spielzeit 2022/23

 

In der kommenden Spielzeit werden weitere Aufführungen des Orchesterzyklus „A House of Call“ und der Musiktheaterwerke „Schwarz auf Weiß“ und „Liberté d’action“ von Prof. Heiner Goebbels zu sehen und zu hören sein. Das Festival Musica in Strasbourg zeigt am 23. und 24. September 2022 das Musiktheaterstück „Schwarz auf Weiß“ (Uraufführung 1996).

Heiner Goebbels schrieb dem Ensemble Modern sein Musiktheaterstück ‚Schwarz auf Weiß‘ gewissermaßen auf den Leib. Das Kollektiv des Ensembles selbst steht im Zentrum. Die Musiker*innen agieren darstellend, musizierend, sprechend, spielend und erobern so den Bühnenraum. Tennisbälle fliegen auf eine große Trommel, zarte Kotoklänge verzaubern die Szenerie, ein Wasserkessel pfeift zu einer komplexen Flötenmelodie. Die Musiker*innen spielen nicht nur ihr eigenes Instrument, sondern formieren sich zum Beispiel auch einmal zu einem Bläserensemble, das Assoziationen an eine italienische Banda weckt. Die Szenen und Ereignisse gehen ununterbrochen ineinander über und die Lichträume, die Jean Kalman zusammen mit dem Bühnenbild dazu erschaffen hat, ergeben eine eigene Dramaturgie. Dazu tritt die mehrmals wiederkehrende Stimme Heiner Müllers vom Band, der die Parabel ‚Schatten‘ von Edgar Allan Poe liest. Denn ‚Schwarz auf Weiß‘ ist auch eine Reflexion über das Schreiben und den abwesenden Autor als Bild für ein kollektives Gedächtnis. Für Goebbels stellt sein Stück außerdem „eine Art Abschied von Heiner Müller“ dar – allerdings voller Humor, Leichtigkeit und Charme.

Das italienische Kunstfestival ROMA EUROPA zeigt am 25. September 2022 im Sala Petrassi des Auditorium Parco della Musica „Ennio Morricone“ die neueste Musiktheaterarbeit „Liberté d’action“.

Das renommierte Festival d'Automne zeigt „Liberté d'action“ wenige Tage später am 28. September 2022 in Paris im Théâtre du Châtelet.

« Liberté d’action » : belle occasion de célébrer trente ans de collaboration entre Heiner Goebbels et le Festival d’Automne. Depuis 1992, avec La Jalousie, treize œuvres – spectacles ou concerts – l’ont jalonnée. Grand lecteur, Heiner Goebbels a puisé aux sources d’auteurs comme Alain Robbe-Grillet, Heiner Müller, Elias Canetti, Samuel Beckett, Gertrude Stein… Il en appelle cette fois à Henri Michaux, à son humour corrosif : « Je ne saurais dire ce qui me fascine le plus dans son œuvre, les poèmes, les tableaux ou les dessins. Pour quiconque est disposé à suivre Henri Michaux, c’est un plaisir lumineux ! ». Un dispositif scénique épuré : deux pianos, l’un à cour l’autre à jardin, avec une table en fond de scène où sont disposés des outils sonores et électroniques, tel est l’espace réservé à l’acteur virtuose David Bennent pour nous transmettre en français et en allemand, le texte de Michaux. Les deux pianistes de l’Ensemble Modern, interprètes de longue date des œuvres de Heiner Goebbels, servent une partition écrite sur mesure pour eux.

 

 

„A House of Call. Material Counter“: Englischsprachige Ausgabe der „Materialausgabe“ zum Orchesterzyklus

 

"A House of Call" Material Counter, CoverNach der Veröffentlichung der „Materialausgabe“ zum Orchesterzyklus „A House of Call“ von Heiner Goebbels im August 2021 erschien nun die englischsprachige Ausgabe zu diesem Zyklus als „A House of Call. Material Counter“ am 4. Juli 2022 beim Berliner Verlag neofelis.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heiner Goebbels als Keynote Speaker auf internationaler Konferenz in Lissabon

Konferenzposter Goebbels in Lissabon

 

Die Forschungsgruppe Performance and Cognition der ICNOVA/NOVA Universität Lissabon hat Prof. Heiner Goebbels im Rahmen einer internationalen Konferenz vom 10. bis 14. Oktober 2022 zum Thema Presence, Abscence and Invisibility als Keynote Speaker nach Lissabon eingeladen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„An Instant Contemporary Classic“: London Philharmonic Orchestra kündigt „A House of Call“ an


Im Southbank Center London kündigt das London Philharmonic Orchestra die britische Erstaufführung des Orchesterzyklus' für den 25. März 2023 an.

„Composer Heiner Goebbels calls it ‚an imaginary notebook‘, and the title A House of Call comes from Finnegans Wake. But words are only a jumping-off point in this evening-long adventure for orchestra and audience alike: they’re a source of stimulation, of provocation, of distant memories and new beginnings, drawn from literature, conversation and cultures ranging from central Asia to South America, as well as Goebbels’s own journeys, personal encounters and explorations in the archives. Sounds incredible? Wait till you hear it, as the LPO presents a premiere without precedent: the first UK hearing for an instant contemporary classic.




In den Medien


„Burning Issues“ – Vortrag von Bildhistoriker Michael Diers zu ethischen Fragen im Fotojournalismus

Ruby "Burning Issues" 9.6.2022 Poster

 

Im Rahmen eines Gastvortrags mit dem Titel „Burning Issues. Kunst, Bild und Politik heute“ am Institut für Kunstgeschichte der Justus-Liebig-Universität Gießen sprach Bildhistoriker Prof. Michael Diers (Humboldt-Universität Berlin) am 9. Juni 2022 über die Macht und Beweiskraft von Bildern gerade in aktuellen Kriegszeiten. Der Konflikt und seine öffentliche Wahrnehmung als Informationskrieg reiht sich ein in Entwicklungen, die auch die Kunstgeschichte zunehmend beschäftigen und Fragen zum Verhältnis von Kunst, Politik, Bildern und Macht aufwerfen. Beteiligt waren außerdem Prof. Sigrid Ruby, Prof. Markus Späth und Matthias Schulz.

Die beiden Gießener Tageszeitungen, Gießener Allgemeine Zeitung und Gießener Anzeiger, berichteten über die Veranstaltung.













Publikationen


Jana Gamper, Britta Hövelbrinks, Julia Schlauch (Hg.): „Lockdown, Homeschooling und Social Distancing: Der Zweitspracherwerb unter akut veränderten Bedingungen der COVID-19-Pandemie“

 

Gamper, Schlauch, Hövelbrinks - Sammelband CoverProf. Jana Gamper (JLU Gießen) und Julia Schlauch (JLU Gießen) haben in Zusammenarbeit mit Dr. Britta Hövelbrinks (Universität Jena) einen Sammelband zum Thema „Lockdown, Homeschooling und Social Distancing: Der Zweitspracherwerb unter akut veränderten Bedingungen der COVID-19-Pandemie“ herausgegeben. Der Band widmet sich der Frage, welche Auswirkungen die pandemiebedingten Schulschließungen auf Lehr- und Lernprozesse zugewanderter Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener haben. Der Band stellt dabei eine besonders vulnerable, in der medialen Berichterstattung und öffentlichen Diskussion jedoch stark vernachlässigten Gruppe von Lernenden in den Fokus und trägt damit dazu bei, die besonderen Bedarfe dieser Lernenden auch jenseits der Pandemie sichtbar zu machen.

Im Sammelband veröffentlichten Dr. Tamara Zeyer und Prof. Dietmar Rösler die Ergebnisse ihrer Studie im Beitrag mit dem Titel „Mit Kacheln reden: Deutschunterricht für junge Erwachsene im virtuellen Raum“.

 

Jana Gamper, Britta Hövelbrinks, Julia Schlauch (Hg.): Lockdown, Homeschooling und Social Distancing: Der Zweitspracherwerb unter akut veränderten Bedingungen der COVID-19-Pandemie. Tübingen: Gunter Narr Verlag, 2021. 270 S., Open Access.

ISBN: 978-3-8233-8494-6

 

 

Männlichkeit und Fürsorge im Kontext von BDSM – Beitrag von Tillmann Schorstein in der Zeitschrift GENDER

 

Unter dem Titel „(After-)Caring masculinity? Praktiken der Fürsorge im Kontext macht- und schmerzerotischer Begehrensweisen“ erschien im Juni 2022 ein Beitrag von Tillmann Schorstein im Themenheft „Sorgende Männer?“ (2/22) der GENDER. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft. Der Beitrag analysiert männliche Subjektivierungsweisen anhand fürsorgender Praktiken im Kontext von BDSM (Bondage/Discipline, Dominance/Submission, Sado-Masochism). Der Themenschwerpunkt des Heftes liegt auf der Frage, „wie Jungen und Männer in ihr soziales Umfeld hineinwirken und welche Bedürfnisse und Ideale sich für sie mit gelin­genden sozialen Beziehungen verbinden“.

Tillmann Schorstein ist seit 2021 als wissenschaftliche Hilfskraft für die Sektion Medien und Gender tätig und forscht schwerpunktmäßig zu den Themen Männlichkeit, Sexualität und Intimität.

 

 

Band in gemeinsamer Schriftenreihe der Chambré-Stiftung und der Arbeitsstelle Holocaustliteratur: „Der papierene Freund. Holocaust-Tagebücher jüdischer Kinder und Jugendlicher“

 

Kaiser "Der papierene Freund" Cover

Auf der Flucht, in Verstecken, in Gettos und Lagern war es vielen jüdischen Kindern und Jugendlichen aus West-, Mittel- und Osteuropa ein tiefes Bedürfnis, ihre Erlebnisse und Gefühle schriftlich festzuhalten. In der Anthologie „Der papierene Freund. Holocaust-Tagebücher jüdischer Kinder und Jugendlicher“, die nun als 12. Band in der gemeinsamen Schriftenreihe der Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung zu Lich und der Arbeitsstelle Holocaustliteratur im Metropol Verlag erschienen ist, versammelt Wolf Kaiser Auszüge aus in neun Sprachen verfassten Tagebüchern und veröffentlicht sie erstmals auf Deutsch. Sie beeindrucken durch die Unmittelbarkeit der Beschreibungen und Berichte, aber auch durch die Einsichten und Reflexionen der jungen Autorinnen und Autoren. Sie spiegeln ihre Hoffnungen und Ängste, ihre Verzweiflung ebenso wie ihren Lebenswillen, den Mut und die Tatkraft wider, die sie der tödlichen Bedrohung entgegensetzten.

Wolf Kaiser ist Historiker und war Leiter der Pädagogik an der Gedenk- und Bildungsstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“. Das von ihm herausgegebene und von Yitskhok Rudashevski verfasste „Tagebuch aus dem Ghetto von Wilna“ ist bereits 2020 als neunter Band in der Reihe „Studien und Dokumente zur Holocaust- und Lagerliteratur“ erschienen.

 

Wolf Kaiser: Der papierene Freund. Holocaust-Tagebücher jüdischer Kinder und Jugendlicher. Berlin: Metropol, 2022. 607 Seiten, Print: 39,00 Euro.

ISBN: 978-3-86331-640-2

 

 

Nachwort von Sascha Feuchert in Rebekka Kricheldorfs Stück „Homo Empathicus“

Kricheldorf "Homo Empathicus" Cover

 

Mit einem Nachwort von Prof. Sascha Feuchert ist im Reclam Verlag in der Reihe „Theater der Gegenwart“ im Mai 2022 Rebekka Kricheldorfs Stück „Homo Empathicus“ über eine „schrecklich konfliktfreie“ utopische Gemeinschaft erschienen, die auf absolute Empathie und Harmonie eingeschworen ist. Das Stück wurde 2014 uraufgeführt.

Weitere Informationen sowie ein Interview mit der Dramatikerin Rebekka Kricheldorf finden Sie hier.

 

Rebekka Kricheldorf: Homo Empathicus. Nachwort von Sascha Feuchert. Stuttgart: Reclam Verlag, 2022. Reihe: Theater der Gegenwart. 87 Seiten, Print: 5,20 Euro

ISBN: 978-3-15-014261-5

 

 

 

 

 

 

 

 

Volume „Trans* Time“ as Open Access

Trans*Time Cover OpenAccess

 

The Volume „Trans* Time. Projecting Transness in European (TV) Series“ is now available as Open Access through the website of Campus Verlag. The publication, edited by Dr. Danae Gallo González, brings together contributions on representations of trans*ness in selected French, Portuguese, Dutch, English and Spanish TV and streaming series. Among other things, the authors address the question of the extent to which the fictional representations of trans* people reflect their real, diverse lived reality, which is characterized both by „self-determined life plans as well as discrimination and violence.“

Anson Koch-Rein published a review of the volume in the journal Tijdschrift voor Genderstudies (24.3/4 2021).

 

Danae Gallo González: Trans* Time. Projecting Transness in European (TV) Series. Frankfurt a.M.: Campus Verlag, 2021. Reihe: Interaktiva. 212 S., Print: 39,95 Euro

ISBN: 978-3-593513614

E-Book: Open Access

 

 

 

 

English edition of „Cahiers du genre“: „Gender, language and politics. Non-sexist language in debate“

 

The issue 2/2020 of „Cahiers du Genre“ (N° 69) is now published in English. Based on recent controversies, this issue brings together contributions from different disciplines and questions the mobilizations around the use of gendered language in several countries. In her contribution, Dr. Jutta Hergenhan focuses on gendered language and anti-feminism in Germany. Based on statements in German-language print media, the article examines discursive links between argumentations against gender-equitable language and current anti-feminist discourses.

Since the beginning of 2018, the topic of „gender-equitable language“ has been one of the most important controversies in the German media. In this context, linguistic lines of argumentation partly show echoes of anti-feminist and „anti-gender“ discourses. This suggests that debates on gender-equitable language may be more closely linked to current debates on gender issues and gender equality policies than the linguistic framing would initially suggest. Analysis of selected pronouncements on gender-equitable language suggests that the links between these discourses and contemporary anti-feminism should be further explored.

The French-language edition can be found here.

 

 

 

 

Personalia

 

Sascha Feuchert und Krystyna Radziszewska erhalten Copernicus-Preis 2022


Copernicus Preisverleihung 2022
(v.l.n.r.) DFG-Präsidentin Katja Becker, Sascha Feuchert, Krystyna Radziszewska, FNP-Präsident Marciej Żylic. Foto: Cora Dietl

Prof. Sascha Feuchert (Arbeitsstelle Holocaustliteratur, JLU Gießen) erhält gemeinsam mit Prof. Krystyna Radziszewska (Universität Łódź) den Copernicus-Preis 2022 für „herausragende deutsch-polnische Zusammenarbeit in der germanistischen Literaturwissenschaft“. Sascha Feuchert und Krystyna Radziszewska haben seit über zwanzig Jahren viele gemeinsame Editionen und andere Forschungsvorhaben realisiert, die sich vor allem (aber nicht nur) auf das Getto Łódź/Litzmannstadt beziehen. Die gemeinsame Edition der Chronik des Gettos Łódź/Litzmannstadt ist dabei wohl das größte deutsch-polnische Editionsprojekt, das in der Holocaust-Forschung bislang verwirklicht wurde. Der Preis wurde Feuchert und Radziszewska von der DFG und FNP berufenen Jury für ihre weitreichende Kooperation auf dem Gebiet der Holocaust-Studien zugesprochen. „Ihre Forschungen an literarischen Zeugnissen aus dem jüdischen Getto in Łódź/Litzmannstadt, dem zweitgrößten in Polen während der nationalsozialistischen Besatzung, haben aus Sicht der Jury einen erheblichen Beitrag zur Rekonstruktion des Alltagslebens und der jüdischen Kultur im Getto geleistet. Hervorzuheben seien insbesondere die in Zusammenarbeit mit weiteren Kolleginnen und Kollegen entstandene fünfbändige Edition der ‚Ghetto-Chronik‘ sowie die ‚Enzyklopädie‘ des Ghettos“, heißt es unter anderem in der Presseerklärung der DFG.

„Ich bin wirklich überwältig und voller Dankbarkeit für diese großartige Auszeichnung. Dankbar bin ich vor allem auch für die einzigartige Forschungsumgebung in Gießen, die das alles ermöglicht hat: Nicht nur ist die Partnerschaft mit Łódź hier seit sehr langer Zeit integraler Bestandteil so vieler unterschiedlicher Forschungsvorhaben, sondern auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Holocaustliteratur wird an der JLU seit zwei Jahrzehnten intensiv gefördert“, so Sascha Feuchert.

Der Präsident der JLU Gießen, Prof. Joybrato Mukherjee, gratuliert Prof. Feuchert zur verdienten Auszeichnung. „Nicht nur seine jahrzehntelangen Arbeiten an der Getto-Chronik haben mich tief beeindruckt. Unsere Arbeitsstelle Holocaustliteratur hat sich dank Prof. Feuchert längst überregional einen Namen gemacht. Dass mit dem Copernicus-Preis nicht nur unsere langjährige Partnerschaft mit der Universität Łódź, sondern auch der Gießener Osteuropa-Schwerpunkt gestärkt wird, freut mich sehr. Gerade in diesen Kriegszeiten sind die Verbindungen zu unseren Partnern in den osteuropäischen Ländern wichtiger denn je“, heißt es in der Pressemitteilung der JLU Gießen.

Mit dem Copernicus-Preis zeichnen die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Stiftung für die polnische Wissenschaft (FNP) gemeinsam alle zwei Jahre jeweils eine*n polnische*n und eine*n deutsche*n Wissenschaftler*in für herausragende Leistungen in der deutsch-polnischen Forschungszusammenarbeit in allen Fachbereichen aus. Das Preisgeld von 200.000 Euro, das die DFG und die Stiftung für die polnische Wissenschaft zu gleichen Teilen aufbringen, erhalten die Preistragenden jeweils zur Hälfte. Es kann für alle wissenschaftlichen Vorhaben genutzt werden, die die beiden Organisationen mit ihren Programmen zur Förderung vorsehen. Die Preisverleihung erfolgt abwechselnd in Polen und in Deutschland. In diesem Jahr fand sie am 9. Juni 2022 in Warschau statt. Weitere Informationen zum Copernicus-Preis der DFG finden Sie hier.

 


Carina Müller verlässt ZMI

Carina Müller Foto
Carina Müller. Foto: privat

 

Carina Müller war vom 1. Dezember 2021 bis 15. Juni 2022 studentische Hilfskraft für Öffentlichkeitsarbeit und Recherche für den Forschungsschwerpunkt „Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft“. Sie betreute die Veranstaltung „En-Gendering Borders: Media and Migration Reframed“ der Sektion „Medien und Gender“.