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#3 Wirksamkeits- und Wirkungsanalyse

 

 

 

Die breit angelegten qualitativen und quantitativen Wirkungs- und Wirksamkeitsanalysen wurden in Zusammenarbeit zwischen dem Team der Aktionsforschung des Zentrums für kooperatives Lehren und Lernen (ZekoLL) der Technischen Hochschule Mittelhessen unter der Leitung von Prof. Silke Bock und dem Evaluationsteam der Philipps-Universität Marburg unter der Leitung von Prof. Malte Schwinger (eduValuation+) realisiert. Ziel war es dabei, auf vorhandenen Projektergebnissen aufzubauen, die Ergebnisqualität weiter zu verbessern und auf diese Weise nachhaltig zu qualitativ hochwertigen digitalisierten und internationalen Lehrangeboten an den Hochschulen beizutragen.

Im Verbundprojekt NIDIT lagen die Schwerpunkte der Maßnahme an der Philipps-Universität Marburg auf der Wirksamkeitsanalyse und am ZekoLL der Technischen Hochschule Mittelhessen auf der Wirkungsanalyse.

 

Gemeinsame Veröffentlichung von #3 Wirksamkeits- und Wirkungsanalyse

Schwinger, M., Steffgen, S. T., Dreßler, D., Opelt, F., Weigand, K., & Bock, S. (2025). Wirksamkeits- und Wirkungsanalyse hochschuldidaktischer Weiterbildungsmaßnahmen zur Digitalisierung und Internationalisierung von Hochschullehre. Zeitschrift für Hochschulentwicklung, 20(3), 259–282. https://doi.org/10.21240/zfhe/20-3/12

 

Was ist Wirksamkeitsanalyse? 

Im Rahmen der Wirksamkeitsanalyse ließen sich im Kontext des (digitalen) Lehrens und Lernens angestrebte Ziele (z.B. Wissenszuwachs in bestimmten Inhalten bei Studierenden nach Besuch einer Lehrveranstaltung, Lernziele bei Besuch eines Weiterbildungsangebots für Lehrende, Passgenauigkeit des Angebots zur Zielgruppe) und deren Erreichung untersuchen und überprüfen. Siehe auch: NIDIT Glossar - Wirksamkeitsanalyse 

Arbeitsweise und Ziele

Im Rahmen der quantitativen Wirksamkeitsanalyse verfolgte das Projekt das Ziel, die Projektergebnisse und die Ergebnisqualität zu sichern und auf diese Weise langfristig zu qualitativ hochwertigen digitalisierten und internationalen Lehrangeboten an den Hochschulen beizutragen. Auf Basis der gewonnenen quantitativen Arbeitsergebnisse sowie der Vorerfahrungen aus vorherigen Evaluationsprojekten sollten theoretisch fundierte und evidenzbasierte, möglichst allgemein gültige Qualitätskriterien und Gelingensbedingungen digitalisierter Lehre abgeleitet werden, um darauf aufbauend hochschulinterne und -übergreifende Maßnahmen im NIDIT-Projekt umsetzen zu können. Zentral war dabei ein systematisches, theoretisch fundiertes und längsschnittliches Vorgehen.

Um Lehrende systematisch und kontinuierlich in ihrer Kompetenzentwicklung zu begleiten, wurde während der bisherigen Laufzeit von NIDIT ein Selbsteinschätzungsbogen entwickelt (siehe gemeinsame Veröffentlichung der #3 Wirksamkeits- und Wirkungsanalyse), der Hochschullehrenden helfen sollte, ihre digitalen Kompetenzen sowie ihre Kompetenzen zur Internationalisierung der Lehre einzuschätzen. Zudem wurden über diese Selbsteinschätzung Prädiktoren der Absicht zur Realisierung digitaler Lehre erfasst, wie etwa Befürchtungen in Bezug auf digitale Lehre, selbstbezogene Überzeugungen sowie Einstellungen zur Nutzung digitaler Medien. Der Onlinefragebogen sowie die dazugehörigen individuellen Rückmeldeberichte in Form von Kompetenzstufen lagen in deutscher und englischer Sprache vor.

 

Was ist Wirkungsanalyse?

Die im Rahmen der Aktionsforschung an der THM durchgeführte Wirkungsanalyse verfolgte das Ziel, die Auswirkungen von Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrende zu explorieren und der Frage nachzugehen, wie sich Lehr(kompetenz)entwicklung bei Lehrenden beobachten ließ. Die Aktionsforschung selbst war als Angebot für Lehrende konzipiert, die Fragen an ihre eigene Lehre stellten und sich diesen mit wissenschaftlichen Methoden sowie im Austausch mit Hochschuldidaktiker_innen annähern wollten. Dadurch bestimmten die Lehrenden selbst den Erkenntnisprozess. Ihre Lehre wurde zugleich zu ihrem eigenen Forschungsgegenstand. Die Lehrenden wurden so zu Forschenden im Kontext der Hochschuldidaktik (Huber 2011, 2014).

In einer Weiterführung des SoTL-Ansatzes (Scholarship of Teaching and Learning) integrierte das ZekoLL neben der hochschuldidaktischen Beratung auch die Perspektive fachlicher Methodenkompetenz im Bereich der empirischen Sozialforschung in die gemeinsame Entwicklungsarbeit (vgl. Huber 2011; Huber 2014).

Die Aktionsforschung trug dazu bei, die eigene Lehre wissenschaftsgeleitet zu reflektieren, die Perspektive der Studierenden auf neu erprobte Lehr- und Lernangebote zu erkunden und Lehr- und Lernkonzepte langfristig lernförderlich weiterzuentwickeln.

Zugleich handelte es sich um einen Beitrag zur Personalentwicklung, indem Lehrende mit Unterstützung hochschuldidaktischer Expertise ihr eigenes Lehrhandeln systematisch und fragengeleitet reflektierten. Dieses Vorgehen förderte die Entwicklung der Kompetenz von Lehrenden, Lehr- und Lernsituationen auch über konkrete Projekte hinaus zu hinterfragen (vgl. Grassl 2016).

Diese induktive Perspektive ermöglichte in ihrer Ergebnisoffenheit Wirkungsanalysen im Sinne entwickelnder Praxisforschung, das heißt, Veränderungen konnten, sollten und wollten dabei angestoßen werden (vgl. Cendon, Mörth & Pellert 2016).

Schließlich unterstellten Wirksamkeitsanalysen zumeist Kausalität oder versuchten, Hypothesen und Annahmen zu prüfen und zu belegen (deduktiv), während es bei der Wirkungsanalyse eher darum ging, ein genaueres Bild komplexer Situationen zu gewinnen, also eine Art Bestandsaufnahme vorzunehmen. Dabei konnte es sich beispielsweise um konkrete Lehr- und Lernsituationen handeln, um die Wahrnehmung von Lehr- und Lernangeboten durch Studierende oder um Hinweise darauf, ob und wie diese Studierende in ihrem individuellen Lernprozess unterstützten. Hierzu wurden unterschiedliche methodische Ansätze insbesondere aus der empirischen Sozialforschung erprobt, etwa narrative und leitfadengestützte (Expert_innen-)Interviews, teilnehmende Beobachtungen (Hospitationen) oder dialogische Reflexions- und Evaluationsformate (vgl. u. a. Bortz & Döring 2006).


Literatur:

  • Bortz, J.; Döring, N. (2006). Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozial­wissen­­schaftler. 3., überarb. Aufl., Nachdruck, Berlin: Springer.
  • Cendon, Mörth & Pellert (2016). In: Theorie und Praxis verzahnen. Lebenslanges Lernen an Hochschulen. Münster: Waxmann.
  • Grassl, R. (2016). Veränderung durch Fragen. Die sokratische Methode als Instrument der Aktionsforschung. In E. Cendon, A. Mörth & A. Pellert (Hrsg.), Theorie und Praxis verzahnen. Lebenslanges Lernen an Hochschulen, Band 3, S. 51-66. Münster: Waxmann.
  • Huber, L. (2011). Scholarship of Teaching and Learning – Forschung zum (eigenen) Lehren. In B. Berendt, B. Szczyrba, H.-P. Voss & J. Wildt (Hrsg.), Neues Handbuch Hochschullehre. Lehren und Lernen effizient gestalten. 51. Ergänzungslieferung, J 1.11. Stuttgart: Raabe.
  • Huber, L. (2014). Scholarship of Teaching and Learning. Konzept, Geschichte, Formen, Entwicklungsaufgaben. In L. Huber, A. Pilniok, R. Sethe, B. Szczyrba & M. P. Vogel (Hrsg.), Forschendes Lehren im eigenen Fach. Scholarship of teaching and learning in Beispielen. Blickpunkt Hochschuldidaktik. 125, S. 19-36. Bielefeld: Bertelsmann.
 

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