VetWoman Stay: Förderung im Ideenwettbewerb zur Frauenförderung an der Justus-Liebig-Universität in Gießen

An allen Hochschulstandorten in Deutschland zeigt sich seit Jahren, dass die Veterinärmedizin zu den am stärksten feminisierten akademischen Berufsfeldern gehört. Gleichzeitig verlassen viele Tierärztinnen die kurative Tätigkeit früher als geplant oder reduzieren ihr Engagement dauerhaft. Dies hat spürbare Folgen für die tierärztliche Versorgung.
Die Ursachen sind selten individuell, sondern strukturell: hohe Arbeitsbelastung bereits im Studium, Notdienst- und Arbeitszeitmodelle, die sich schwer mit Sorgeverantwortung vereinbaren lassen, konfliktreiche Kommunikation mit Tierhaltenden sowie mitunter fehlende Mentoring- und Karrierestrukturen. Hinzu kommen dokumentierte Belastungen der psychischen Gesundheit, darunter beispielsweise depressive Symptome und Compassion Fatigue-Syndrom.
Das Projekt „VetWoman Stay. Förderung und Bindung von Frauen in der Veterinärmedizin – eine Retentionsanalyse untersucht diese Wechselwirkungen systemisch.
Das Projekt erfasst erstens Karriereverläufe von Studentinnen, Berufseinsteigerinnen und erfahrenen Tierärztinnen über Generationen hinweg, identifiziert zweitens strukturelle Risiko- und Schutzfaktoren, welche von Arbeitszeitmodellen über Organisationskultur bis zu Mentoring und Vereinbarkeit gehen. Drittens werden daraus institutionell verankerte Retentionsmaßnahmen für die JLU pilotiert und evaluiert.
Methodisch verbindet das Projekt quantitative Befragungen, qualitative Interviews, Fallstudien und Pilotinterventionen. Die Ergebnisse sollen erste belastbare Hebel für eine tierärztliche Berufswelt sein, in der Frauen nicht nur einsteigen, sondern langfristig gesund und gerne bleiben.
Projektleitung
Prof. Dr.Stephanie Krämer, Dr. Katharina Ameli
Projektmitarbeiterin
Eva Raimann