Wissensnetzwerk „Antisemitismus und Demokratiegefährdung“
Über das Projekt
- Über das Projekt
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Das Wissensnetzwerk wird im Rahmen des Förderprogramms Stärkung der Demokratieforschung Hessen des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) gefördert. Im Netzwerk wirken Forschende unterschiedlicher Disziplinen (Geschichtswissenschaft, Politikwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Psychoanalytische Psychologie, Soziologie, Soziale Arbeit und Theologie) sowie Beteiligte der politischen Bildungspraxis mit. Das Projekt startete im August 2025.
In der Herausbildung und politischen Mobilisierung antidemokratischer Einstellungen kommt dem Antisemitismus eine Schlüsselrolle zu. Antisemitismus spielt insbesondere als antidemokratische Brückenideologie eine entscheidende Rolle und kann folglich nicht nur als zu überwindendes Residuum der NS-Ideologie verstanden werden. In der deutschen Gesellschaft nach 1945 war und ist der Post-Shoah-Antisemitismus stark ausgeprägt, der sich u.a. in einer Leugnung der Shoah und in der Abwehr oder auch Umkehr von historischer Schuld und Verantwortung ausdrücken kann. Konnte Antisemitismus dennoch bis zuletzt als im Alltag scheinbar tabuisiert gelten, artikuliert sich Judenfeindschaft in Deutschland seit rund 20 Jahren und insbesondere seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem Krieg im Nahen Osten nicht mehr nur suggestiv und verschlüsselt, sondern durchaus offen und gewaltvoll. Antisemitisch codierten Narrativen wohnt unter aktuellen Krisenbedingungen eine starke kollektivierende Kraft inne, wie sich bspw. an der zunehmenden Virulenz von Verschwörungserzählungen beobachten lässt. Diese Dynamiken stehen zugleich in einem breiteren Kontext, in dem auch antimuslimischer Rassismus sowie autoritäre Deutungsmuster an Sichtbarkeit gewinnen und gesellschaftliche Konfliktlagen stärker polarisieren.
Forschungsfrage:
Wie lassen sich die Zusammenhänge und Dynamiken zwischen Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit theoretisch und empirisch rekonstruieren? Diese leitende Frage nach dem Verhältnis von Antisemitismus und Demokratiegefährdung wird entlang von zwei analytischen Dimensionen bearbeitet: Einerseits sollen die historischen Voraussetzungen und Einflussfaktoren gegenwärtiger Dynamiken in den Blick genommen werden; andererseits gilt es die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Strukturen und Prozessen sowie antisemitischen und (anti)demokratischen Einstellungen und Praktiken sowie zugrundeliegenden Psychostrukturen zu ergründen.
Ziel:
Die Zusammenarbeit des Wissensnetzwerks dient dem Ziel Grundlagen für die nachhaltige Etablierung eines interdisziplinären Forschungsnetzwerks an der Schnittstelle von Antisemitismus- und Demokratieforschung zu legen. Inhaltlich zentral ist die Ergründung der Rolle von Antisemitismus in gegenwärtigen Dynamiken der Demokratiefeindlichkeit. Daran schließen Fragen nach den Konsequenzen für eine antisemitismuskritische und demokratiepolitisch wirksame (Bildungs-)Praxis an.
Entsprechend zielen das Netzwerk und die hieraus hervorgehenden Forschungsvorhaben, durch ein besseres Verständnis der komplexen Zusammenhänge von Antisemitismus und Demokratiegefährdung auch auf die pädagogische Praxis und die Aus-/Fort- und Weiterbildung von Multiplikator:innen und Lehrkräften, um Antisemitismus wirksam entgegenzutreten und die Demokratie zu stärken.
Mitglieder
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Sprecher*innen:
- Prof. Dr. Stephan Lessenich, Goethe-Universität Frankfurt/M./Institut für Sozialforschung
- Prof. Dr. Sophie Schmitt, Justus-Liebig-Universität Gießen
Projektpartner*innen:
- Prof. Dr. Meron Mendel, Bildungsstätte Anne Frank / Frankfurt University of Applied Sciences
- Prof. Dr. Ilka Quindeau, Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit
- Prof. Dr. Sybille Steinbacher/ PD. Dr. Tobias Freimüller / Goethe-Universität Frankfurt/M., Fachbereich Historisches Seminar / Fritz Bauer Institut Frankfurt/M.
- Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty, Goethe-Universität Frankfurt/M., Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
- Dr. Susanne Urban, Philipps-Universität Marburg, Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Hessen
- Prof. Dr. Christian Wiese/ Prof Dr. Stefan Vogt, Goethe-Universität Frankfurt/M., Fachbereich Evangelische Theologie / Buber-Rosenzweig-Institut
- Prof. Dr. Mirjam Wenzel, Jüdisches Museum Frankfurt
Projektkoordination:
Termine
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- 10.11. 2025: Stand der Forschung zu Antisemitismus in Deutschland seit 1945 aus zeithistorischer Perspektive. Lead: Dr. Markus Roth, apl. Prof. Dr. Tobias Freimüller und Prof. Dr. Sybille Steinbacher (Fritz-Bauer-Institut).
- 17.12.2025: Über die Dialektik von Antisemitismus und Demokratie. Lead: Prof. Dr. Stephan Lessenich & Dr. Thomas Barth (Goethe Universität, Frankfurt/M. / Institut für Sozialforschung, Frankfurt)
- 02.03.2026: Subjekt, Psyche und Gesellschaft. Lead: Prof. Dr. Ilka Quindeau, Frankfurt University of Applied Sciences & Dr. Jan Weyand, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg
- 28.04.2026: Erinnerungsabwehr und jüdische Perspektiven auf den Antisemitismus. Lead: Prof. Dr. Stefan Vogt, Buber-Rosenzweig-Institut & Prof. Dr. Christian Wiese, Buber-Rosenzweig-Institut
- 29.05.2026: Demokratiegefährdung, Antisemitismus und kritische politische Bildung. Lead: Prof. Dr. Sophie Schmitt, Justus-Liebig-Universität Gießen & Dr. Kai Schubert, Ruhr-Universität Bochum