Übersicht über die Weltraumsimulationsanlagen
JUMBO
Großvakuumkammer mit 30 m³ Volumen, für Ionen‑ & Plasmatriebwerke
BigMac‑Evo
Vakuumkammer mit 6,4 m³ Volumen, für Ionen‑ & Plasmatriebwerke
EMUC
Semi-Absorberkammer zur Messung der elektromagnetischen Verträglichkeit
Warum brauchen wir Weltraumsimulationsanlagen für Ionentriebwerke?
Ionentriebwerke funktionieren nur im nahezu luftleeren Raum. Um ihre Leistung, Effizienz, Lebensdauer und Strahlcharakteristik realistisch zu testen, sind große Vakuumkammern mit leistungsfähigen Pumpen unerlässlich.
Leistungsklassen erfordern unterschiedliche Kammergrößen:
Ionentriebwerke müssen im Labor unter nahezu weltraumähnlichen Bedingungen erprobt werden. Dabei ist die Wechselwirkung des Ionenstrahls mit den metallischen Testkammerwänden entscheidend – sie sollte möglichst gering sein.
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Warum wichtig?
Wenn der Ionenstrahl auf die Wände auftrifft, sputtert er Material ab: Metallatome lösen sich und verteilen sich im Vakuum. Diese Teilchen können später auf dem Triebwerk ablagern und dessen Funktion stören. -
Sputtern vs. Beschichtung
Während dieses Sputtern bei Oberflächenbeschichtungen gezielt eingesetzt wird, versucht man es bei Ionentriebwerken weitgehend zu vermeiden – vollständig ausschalten lässt es sich jedoch nicht, lediglich eindämmen. -
Divergente Strahlen => große Kammer erforderlich
Ionenstrahlen breiten sich mit dem Abstand vom Triebwerk zunehmend aus. Daher braucht jede Testkammer einen ausreichend großen Durchmesser: Je größer die Kammer, desto später trifft der Strahl die Begrenzung. -
Materialwahl: Graphit als Schutzschild
Treffen Ionen schließlich doch auf Wände, sind diese häufig mit Graphit ausgekleidet – da es minimal sputtert und kaum störende Teilchen freisetzt. -
Bei High‑Power-Testanlagen
Triebwerke mit Strahlleistungen im Kilowatt‑Bereich erfordern wassergekühlte Graphit‑Targets, um die hohe Wärmeabgabe effektiv abzuleiten.
Vergleichbarkeit über Testanlagen hinweg:
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Keine universelle Standardanlage existiert, jede Kammer ist ein Unikat mit eigenem Vakuumsystem (Pumpentypen, -positionen, -leistung).
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Die Folge: identische Betriebsparameter können in zwei Anlagen leicht unterschiedliche Resultate liefern – bekannt als Facility-Effekte.
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Ringvergleiche mit standardisierten Ionenquellen und Diagnostiken sind daher essenziell.
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So werden Effekte erkannt, quantifiziert und korrigiert.
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Dies ist Kernbestandteil der Standardisierungsbemühungen im Ionentriebwerksbereich.
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Ein wichtiger Schritt ist das DLR-Projekt Ref4EP, das Methoden und Prozesse entwickelt, um Daten aus unterschiedlichen Anlagen vergleichbar zu machen – und so die Verlässlichkeit von Ionentriebwerktests weltweit zu steigern.