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ZMI-Newsletter

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ZMI-Newsletter 2/2017

 

 

Editorial

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freundinnen und Freunde des ZMI,

 

Jutta Hergenhan Format.jpg
Foto: Jan Kulke, PhotoArt Berlin
wir freuen uns, Sie mit unserem Newsletter zum Ende des Sommersemesters über die aktuellen Aktivitäten des ZMI zu informieren.

Unsere Veranstaltungen der vergangenen Monate waren thematisch eng mit der politischen Aktualität und den öffentlichen Debatten um die Regulierung des Internets verbunden. Die politische Entwicklung in den USA und die Wahlen in Frankreich beschäftigten uns insbesondere im Hinblick auf die damit verbundenen medialen Phänomene. Die Podiumsdiskussion zur Bilanz der ersten 100 Tage Trump fand ein ebenso breites Interesse wie der Vortrag von Claus Leggewie zu den französischen Präsidentschaftswahlen in der Reihe Die autoritäre Welle im Westen. Ganz herzlich laden wir Sie in diesem Kontext auch zu unseren Veranstaltungen im Vor- und Nachfeld der Bundestagswahl am 11. Juli und am 26. Oktober ein.

Die Zunahme von Gewaltphänomenen in den sozialen Medien wie auch die veränderten Bedingungen des Lernens durch die Digitalisierung bildeten einen weiteren thematischen Schwerpunkt. In der Diskussionsreihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit sowie auf einer internationalen Konferenz zu Online Vitriol wurden die vielfältigen Formen von hate speech und Cyber-Kriminalität sowie die Schwierigkeit, die sozialen Medien rechtlich zu regulieren, zur Debatte gestellt. Die Bedeutung von „Digitaler Literalität“ und medialer Kompetenz tritt in diesem Kontext sehr deutlich zutage. Der ZMI-Forschungsschwerpunkt Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft beschäftigte sich aus interdisziplinärer Perspektive mit dem Thema „Literalität“ und wird sich in der Zukunft unter anderem mit der aktuellen Entwicklung von Wissens- und Bildungsmedien befassen.

Das ZMI hat seine Präsenz in den sozialen Medien stark ausgebaut. Wir laden Sie herzlich ein, uns auf Facebook oder Twitter zu folgen. Die Highlights unserer Veranstaltungen finden Sie übrigens als Video-Aufzeichnung auf dem ZMI-Youtube-Kanal. Dort können Sie die Podiumsdiskussion 100 Tage Trump wie auch den Vortrag der US-Journalistin Sarah Kendzior zu Trump, Trolls, and the Truth: Digital Media in the Era of ‚Alternative Facts’ anschauen, ebenso wie die neuesten Interviews unserer Reihe Drei Fragen an.

Neben vielen spannenden Veranstaltungen war das für mich wichtigste Ereignis in diesen Monaten, dass ich zum 1. Juni meine Stelle als wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI angetreten habe. Ich danke allen, die mich bei diesem Start so freundlich unterstützt haben. Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe und die Zusammenarbeit mit Ihnen!

Wir wünschen Ihnen weiterhin einen schönen Sommer und eine entspannte vorlesungsfreie Zeit!

 

Ihre Jutta Hergenhan

 

 

 

 

 

ZMI-Newsletter 2/2017

 

Editorial

 

News

Literalität – interdisziplinär: Workshop des Forschungsschwerpunkts Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft (LBM)

Veranstaltungsreihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit

Tagungsbericht: Online-Vitriol: Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media – internationale Konferenz des GCSC und ZMI

Podiumsdiskussion Herkunft als Falle? Journalismus und Migration im 21. Jahrhundert

Jutta Hergenhan neue wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI

Call for Papers für den ersten LBM-Workshop in der Reihe Wissens- und Bildungsmedien

 

Veranstaltungsankündigungen

Podiumsdiskussion: Fake oder Fakt? #Bundestagswahl2017 → richtig wählen

Vortrag: Digitaler Diskurs – Zur Untersuchung des Strukturwandels politischer Öffentlichkeit

Digitale Medien in der Schule und der Lehrerbildung – Medienbildungswoche an der JLU

Filmaufnahmen als Zeitmaschinen? – Summerschool für Masterstudierende der Geschichte

Internationale Tagung: On the Spot at the Time. Augenzeugenschaft und Authentizität in der Kunst seit 1800 

GGS-Tagung: Digitale (Un)sichtbarkeiten

 

ZMI-Videos

Keynote Speech von Sarah Kendzior zu Trump, Trolls, and the Truth: Digital Media in the Era of ,Alternative Facts’

Podiumsdiskussion 100 Tage Trump

Drei Fragen an Dorothée de Nève

Drei Fragen an Urs Bremer

 

News der Ludwig Börne-Professur

Die autoritäre Welle im Westen: USA, Frankreich, Deutschland – Wie stark ist der Nationalismus? 

Buchpräsentation von und mit Claus Leggewie und Erik Meyer: Global Pop. Das Buch zur Weltmusik 

 

Veranstaltungen, Events, Aktivitäten

Filmvorführung mit anschließender Diskussion: Deutsche Pop Zustände – Eine Geschichte rechter Musik 

Audiowalk Erzählungen vom Tod – Begräbniskultur und Mentalität im Wandel der Zeit – die Geschichte des Gießener Alten Friedhofs als Hörerlebnis

Vortragsreihe des Forschungsverbundes Educational Linguistics

Gastvorträge von Edgar W. Schneider und Martin Hilpert in der Englischen Sprachwissenschaft

Echokammern und andere Herausforderungen – warum wir in der politischen Bildung neu über die Digitalisierung nachdenken müssen. Vortrag von Wolfgang Sander

Madgermanes – Buchpräsentation im Rahmen des „Geschichtslesesommers 2017“

Zum Nachhören: Sascha Feuchert bei Deutschlandfunk Kultur

Das ZMI gratuliert: ORDNUNG – Ein theatrales Essay beim OUTNOW! Festival in Bremen zu sehen 

Buchpräsentation: Interdisziplinäres Handbuch Komik von und mit Uwe Wirth

Filmvorführung: 1917 – der wahre Oktober. Diskussion und Workshop mit der Filmemacherin Katrin Rothe 

ZMI-Delegation beim Science March in Berlin und Frankfurt

 

Personalia

Sascha Feuchert tritt Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftungsprofessur an

Das ZMI gratuliert: Carsten Gansel erhält das Bundesverdienstkreuz

Ann-Marie Riesner scheidet aus dem Team der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des ZMI aus 

Thea Rathmann studentische Hilfskraft am ZMI

Janine Peter hat das ZMI verlassen

 

 

 

 

 

News

Literalität – interdisziplinär: Workshop des Forschungsschwerpunkts Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft (LBM)

LBM-Logo mit viel AbstandMit der weitreichenden Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche und dem Aufkommen interaktiver Schreib-, Kommunikations- und Darstellungsformate haben sich Praktiken des Zugriffs auf Wissen und Informationen wie auch Formen der Teilhabe teils grundlegend verändert. Mit ihnen ändern sich auch Vorstellungen von Literalität. Mit Konzepten wie ‚digitale Literalität(en)’ bzw. ‚digital literacies’ wird zum Ausdruck gebracht, dass literale Praktiken weit über die Aneignung basaler Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Verstehen hinausgehen und weitere oder erweiterte, vielleicht auch ganz andere Fähigkeiten verlangen. Unter dem Titel Literalität – interdisziplinär wurde am 18. und 19. Mai 2017 auf dem internen Workshop des Forschungsschwerpunkts LBM diskutiert, welches Verständnis von Literalität in unterschiedlichen Disziplinen vorherrscht, in welcher Weise der Literalitätsbegriff überhaupt für unterschiedliche Disziplinen anschlussfähig ist und wie er als theoretische Perspektive produktiv für die Analyse von Medien gemacht werden kann.

Über vier Impulsreferate in überwiegend interdisziplinärer Zusammensetzung wurden intensiv Fragen medien- und gegenstandsbezogener Literacy diskutiert und in ihrem fachlichen Kontext verortet. Das Programm des Workshops finden Sie hier.

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Andreas Langenohl während seines Vortrags zu „Medien der ökonomischen Bildung/Bildbarkeit“
In ihrem Vortrag Medien der ökonomischen Bildung/Bildbarkeit stellten Prof. Kirsten von Hagen (Romanisitk / Literaturwissenschaft) und Prof. Andreas Langenohl (Soziologie) in teils historischer Perspektive die Frage nach den Grenzen ökonomischen Wissens, ihren Transformationen und der ökonomischen Bildbarkeit. Anhand verschiedener Beispiele aus der Literatur der Ökonomie zeigte Andreas Langenohl, wie insbesondere die Darstellung von und der Umgang mit Formeln und Grafiken zu Medien ökonomischer Bildung und Bildbarkeit, aber auch zu Medien des Ausschlusses werden. An Beispielen aus der Literatur (Flaubert, Mme Bovary / Houellebecq) und des Films (Cédric Klapisch, Ma part du gâteau), zeigte Kirsten von Hagen auf, wie ökonomische Bildung und (Nicht-)Wissen verarbeitet, visualisiert, porträtiert sowie adressiert werden und dabei etwa ein spezifisches Frauenbild fehlender ökonomischer Literacy prägen. Der Begriff der ökonomischen Literalität verweist hier vor allem auch auf die Tatsache, dass der Zugang zu Literalität von der Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen Gruppen abhängt und in einer Ungleichverteilung ökonomischen Wissens resultiert.

Prof. Dorothée de Nève (Politikwissenschaft) stellte in ihrem Vortrag Medien und Partizipation Ergebnisse des Projekts Einstellungen-Medien-Engagement-Lehren (EMEL) vor. Darin wurden politische Einstellungen zu demokratischen Grundwerten, gesellschaftspolitisch relevanten Fragen, verbreiteten Stereotypen, sowie eigenes gesellschaftspolitisches Engagement von Lehramtsstudierenden des Unterrichtsfaches Politik und Wirtschaft untersucht. Eine zentrale Rolle spielte in diesem Zusammenhang auch die Frage nach Medienpartizipation als Grundlage für politische Partizipation. Die Ergebnisse deuten eine große Kluft zwischen eigener Mediennutzung und politischem Engagement an. Die Studierenden sind intensiv mit der Nutzung und Rezeption von Informationen im Netz beschäftigt, haben aber eine große Distanz und Skepsis gegenüber Institutionen und etablierten Medien. Dies kann als besondere Herausforderung für politische Bildung begriffen werden: Literalität ohne Partizipation?

Prof. Katrin Lehnen (Germanistik / Sprach- und Mediendidaktik) und Prof. Dietmar Rösler (Germanistik / Deutsch als Fremdsprache, DaF) thematisierten die Bedeutung und Auswirkung digitaler Praktiken für gesteuertes und ungesteuertes Lernen am Beispiel von DaF und Germanistik. Dabei ging es ihnen vor allem um die Frage, ob und in welcher Weise Praktiken informellen Lernens fachgebunden sind. Auf der Grundlage einer explorativen empirischen Studie zur Sicht von Studierenden auf ihr eigenes Studienfach und zu den von ihnen privat und studienbezogen genutzten (Bildungs-)Medien, Tools und Programmen wie auch eigenen Reflexionen zum Medienalltag wurde zu ermitteln versucht, welche Unterschiede sich für das Lernen im Fach (Germanistik, Fremdsprachenlernen) ergeben. Das Interesse richtete sich dabei allgemeiner auf Fragen des Zusammenhangs von Digitalisierung, Lernen und Fachkultur, somit auf Fragen einer digitalen fachlichen Literacy: Inwiefern stützen, begünstigen, beschleunigen oder beeinträchtigen und behindern Umbrüche und Veränderungen, die aus der Digitalisierung von heterogenen Lebens-, Lern- und Arbeitswelten resultieren, Prozesse der Bildung in Abhängigkeit vom Fach, der Fachkultur und dem Gegenstand des Lernens?

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Katrin Lehnen, Hélène Martinez, Susanne Göpferich, Dietmar Rösler (hinten, v.l.n.r.), Wolfgang Sander und Jutta Hergenhan (vorne, v.l.n.r.) beim anschließenden Aperitif in der ZMI-Lounge

In ihrem Vortrag Das disziplinäre Tacit Knowledge von Geschichte und Philologie fragten Prof. Uwe Wirth (Germanistik / Neuere deutsche Literatur und Kulturwissenschaft) und Dr. Christina Benninghaus (Fachjournalistik Geschichte) nach dem Einfluss digitaler Literalität auf die Form des tacit knowledge in ihren jeweiligen Disziplinen. Insbesondere wurde dabei auf neue Praktiken und Fähigkeiten verwiesen, die aus einer zunehmenden Digitalisierung resultieren, sowie Probleme aufgezeigt, welche sich langfristig aus einer mangelnden Vermittlung wissenschaftlicher Methoden ergeben können.

Der Workshop setzte damit die inhaltlichen Debatten des Forschungsschwerpunkts fort, die sich zuletzt vor allem um die Frage drehten, wie Prozesse der Informalisierung von Medien die Interdependenz von Medien, Literalität und Bildung verändern und wie sich das Verhältnis von institutionalisierten, formellen Bildungs- und Literalitätspraktiken einerseits und außer-institutionellen, informellen Bildungs- und Literalitätspraktiken andererseits entwickelt.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Forschungsschwerpunkts Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft.

 

 

 

Veranstaltungsreihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit

Der zunehmende Anstieg von verbalisierter Menschenverachtung durch die Nutzung digitaler Medien hat die Frage nach dem „Sagbaren“ in demokratischen Gesellschaften neu in eine öffentliche Debatte gebracht. Sie stellt nicht zuletzt auch in der schulischen und universitären Lehre eine große Herausforderung dar und war der Ausgangspunkt der Reihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit. Die dreiteilige Veranstaltungsreihe mit Gastvorträgen und Debatten wurde von Dr. Tina Olteanu (Vertretungsprofessorin am Institut für Politikwissenschaft) für die ZMI-Sektion 1 im Sommersemester 2017 organisiert. Ziel war es, das Spannungsverhältnis zwischen dem Recht auf Meinungsfreiheit und dessen Grenzen kritisch zu reflektieren.

Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit

Die erste Veranstaltung am 9. Mai 2017 beschäftigte sich mit den rechtlichen Grenzen der Meinungsfreiheit. PD Dr. Alexander Thiele (Universität Göttingen) betonte in seinem Beitrag die hohe Relevanz der Meinungsfreiheit als zentrales demokratisches Recht. Allerdings bedeutet dies nicht im Umkehrschluss, dass jede Form der Meinungsäußerung durch dieses Gesetz tatsächlich geschützt ist. Jedoch setzt die Einschränkung der Meinungsfreiheit ein kontextspezifisches Abwägen voraus, welches, laut Thiele, von den zuständigen Gerichten für jeden Einzelfall geklärt werden muss. Jegliche Einschränkung durch Dritte bewertete er sehr skeptisch, da hier das Recht auf Meinungsfreiheit potenziell Schaden nehmen könne. Sandra Niggemann (Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz) hingegen präsentierte den Entwurf des inzwischen verabschiedeten „Netzwerk-Durchsetzungsgesetzes“, welches große Social Media Konzerne in die Pflicht nehmen soll, gegen Hasskriminalität entschieden vorzugehen. Sie skizzierte, inwiefern der vorherige Weg der freiwilligen Selbstverpflichtung durch Twitter, Facebook und Co. nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt habe. Das Gesetz sieht Bußgelder bis zu 50 Millionen Euro bei Nichtlöschung klar strafbarer Inhalte vor. Es ist, laut Niggemann, eine Antwort der Politik auf den gesellschaftlich formulierten Wunsch der stärkeren staatlichen Regulierung und Sanktionierung. Insgesamt zeigten die Vorträge und die anschließende, lebhaft geführte Diskussion, dass zwar ein allgemeiner Konsens darüber besteht, Hasskriminalität im Netz Einhalt zu gebieten ist. Die Wege dahin und die bestmögliche Umsetzung wurden jedoch durchaus kontrovers diskutiert.

Die US-amerikanische Journalistin Dr. Sarah Kendzior, die am 28. Juni 2017 einen Vortrag zu Coping with social media under a post-truth president hielt, zeigte auf, inwiefern sich das Verhältnis von klassischen Medien und Social Media zur Politik geändert hat – teils als Resultat des medialen Hypes um Donald Trump vor seiner Kandidatur, teils aufgrund der Konzentration von (überwiegend weißen, männlichen) JournalistInnen auf ein paar Städte wie Washington, New York und San Francisco. Dadurch, so Kendzior, wurde zum einen der Aufstieg von Donald Trump befördert und gleichzeitig seine Bedeutung für potenzielle WählerInnen in ruralen Regionen falsch eingeschätzt. Kendzior, die lange zu Medienfreiheit in postsozialistischen Staaten Zentralasiens geforscht hat, zeigte auf inwiefern – bei allen augenscheinlichen Unterschieden – ähnliche Strukturen (Aufbau eines potenziell kleptomanischen Familienclans im Amt, Einschüchterungsversuche gegenüber JournalistInnen und KritikerInnen) und Argumentationsmuster (Medien als Feinde des Regimes) zwischen diesen Staaten und der „autokratischen“ Administration unter dem Präsidenten Donald Trump bestehen. Beklemmend und zugleich eindrucksvoll beschrieb sie die zunehmende verbale und physische Gewalt gegen Frauen, die zu politischen Themen Stellung beziehen. In der anschließenden Diskussion, moderiert von Prof. Dr. Greta Olson (ZMI-Sektion 1 / Institut für Anglistik der JLU) wurden weitere Facetten des amerikanischen politischen Systems unter Trump diskutiert, etwa seine Verbindungen zu evangelikalen Gruppierungen oder der Alt-Right Bewegung. Kendzior zeichnete das Bild einer US-amerikanischen Gesellschaft, die sich in einem tiefgreifenden Umbruchprozess befindet und in der viele der konstituierenden Elemente des amerikanischen Selbstverständnisses, wie etwa die Meinungs- und Pressefreiheit, starkem Druck ausgesetzt sind.

Sarah Kendzior hielt zudem auf der internationalen Konferenz Online-Vitriol: Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media einen Vortrag zu dem Thema Trump, Trolls, and the Truth: Digital Media in the Era of ,Alternative Facts’. Der Vortrag wurde aufgezeichnet und ist jetzt auch auf dem YouTube Channel des ZMI zu sehen.

Hergenhan, Schutzbach, Drüeke
Jutta Hergenhan (links) moderierte am 4. Juli die Diskussion mit Franziska Schutzbach und Ricarda Drüeke (rechts)

Am 4. Juli 2017 wurde die Veranstaltungsreihe mit Vorträgen zu dem Thema Die Grenze des Sagbaren in Politik und Wissenschaft – Antifeminismus, Sexismus, Homophobie und Rassismus beendet. Franziska Schutzbach (Universität Basel) und Ass. Prof. Ricarda Drüeke (Universität Salzburg) analysierten aus unterschiedlichen Perspektiven antifeministische Diskurse, die zunehmend nicht nur als (rechte) Randerscheinungen auftreten, sondern mehr und mehr eine Verankerung in der „Mitte“ der Gesellschaft finden. Schutzbach skizzierte zudem, inwiefern antifeministische Tendenzen in Umbruchs- und Krisenzeiten im Laufe der Geschichte immer wieder Konjunktur haben. Sie legte die dahinterliegenden Motive und Argumentationslinien am Beispiel der Romanfigur „Heidi“ von Johanna Spyri aus den 1880er Jahren dar. Zudem erläuterte sie, wie in den heutigen Diskursen die Idee der Meinungsfreiheit instrumentalisiert wird, um rassistische, antifeministische und homophobe Positionen zu legitimieren. Ricarda Drüeke analysierte unterschiedliche Kommunikationsräume und die dort verwendeten Strategien, antifeministische und rassistische Positionen zu platzieren. Dabei thematisierte sie nicht nur die neu entstandenen Räume in den Sozialen Medien, sondern auch traditionelle Medien. Drüeke kommt zu dem Schluss, dass hier ein Wissensvorrat geschaffen wird, der dann in Alltagsöffentlichkeiten in Handlungen umgesetzt wird (Hass Postings, Gewaltaufrufe etc.). Der Moderatorin Dr. Jutta Hergenhan (Geschäftsführerin des ZMI) gelang es in der Abschlussdiskussion, die unterschiedlichen Fragestellungen der Vortragsreihe nochmals zusammenzubinden und relevante Forschungsfragen nach Wandlungsprozessen in den gesellschaftlichen Diskursen durch soziale Medien bzw. lediglich deren Sichtbarmachung zu stellen. Insgesamt hat die Vortragsreihe damit verdeutlicht, dass das Spannungsverhältnis zwischen Hetze und Meinungsfreiheit uns in den nächsten Jahren weiterhin beschäftigen wird.

 

 

 

Tagungsbericht: Online-Vitriol: Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media – internationale Konferenz des GCSC und ZMI

LogoOnlineVitriol 

Der Begriff „Online Vitriol“ umfasst all jene Phänomene in den sozialen Medien, die die Kehrseite der Meinungsfreiheit und Vernetzung aufdecken: Hasskommentare, Cyberbullying, Aufruf zur virtuellen Hetze und vieles mehr. Auf vielfältigen Ebenen näherte sich die viertägige internationale Konferenz Online Vitriol. Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media dem komplexen Thema der Gewalt in Online-Kontexten an.

Gerahmt wurde die gesamte Tagung von zwei Vorträgen der amerikanischen Journalistin und Anthropologin Dr. Sarah Kendzior. Kendzior sprach am Mittwochabend zur Eröffnung der Tagung im Rahmen der ZMI-Vortragsreihe Zwischen Hetze und Meinungsfreiheit zum Thema Coping with Social Media under a Post-Truth President und verdeutlichte die prekäre Lage des kritischen Journalismus in Amerika. Bei Ihrer Einschätzung Donald Trumps konnte sie immer wieder auf ihre wissenschaftliche Arbeit zum Autoritarismus in postsowjetischen Ländern wie Usbekistan zurückgreifen und zeigte erstaunliche Parallelen, aber auch deren Grenzen, auf. In ihrem Vortrag Trump, Trolls, and the Truth: Digital Media in the Era of ,Alternative Facts’ am Freitagabend ging sie stärker auf die Dynamiken der sozialen Medien in Amerika ein und gab Einblicke in ihre persönliche Arbeit als Journalistin in St. Louis im amerikanischen Midwest. Dieser hochinteressante Vortrag der Journalistin und Zeitdiagnostikerin, die auf Twitter mehr als 260.000 Follower zählt, ist jetzt auch auf dem YouTube Channel des ZMI zu sehen.

Am Donnerstag früh begann die Konferenz mit zwei sehr erhellenden Keynote-Vorträgen: Frans-Willem Korsten von der Universität Leiden leitete aus der griechischen Mythologie die Konzepte des Spottes (Momus) und des Gerüchts (Fama) her und beleuchtete deren ambivalente Karriere in der europäischen Kulturgeschichte bis in die Gegenwart. Daniel Trottier von der Erasmus University Rotterdam sprach vom weltweit verbreiteten Phänomen des „Digital Vigilantism“, der Praxis des Filmens in der Öffentlichkeit mit dem Ziel der Denunzierung von Personen in den sozialen Medien.

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Session „Legal and Ethical Approaches“ mit Penelope Kemekenidou, Jutta Hergenhan, Seda Gökçe Turan und Bernardo Caycedo (v.l.n.r.) Foto: Ann-Marie Riesner
Drei Panels vertieften am Donnerstag und Freitag folgende Themenkomplexe: Die Beiträge im Panel History & Memory of/in Online Vitriol beschäftigten sich mit der geschichtlichen Dimension von „Online Vitriol“ und Erinnerungsprozessen in sozialen Medien. Im Panel Legal and Ethical Approaches adressierten drei Beiträge Gewaltphänomene im Internet und damit verbundene Fragen rechtlicher Regulierung und pädagogischer Sensibilisierung. Im Panel Racism, Misogyny, Ableism Etc. Online wurden verschiedene Beispiele von Belästigung im Netz präsentiert und mögliche Abwehrstrategien aufgezeigt.

Ein weiteres Highlight war die Podiumsdiskussion zum Thema Dealing with Online Vitriol in Theory and Practice mit der Aktivistin Penelope Kemekenidou (Stop BILD Sexism), dem Medienwissenschaftler Ramón Reichert (Universität Wien) und dem Journalisten Andreas Schwarzkopf (Frankfurter Rundschau). Unter der Moderation von Greta Olson (ZMI-Sektion 1 / Institut für Anglistik der JLU) sprachen alle drei von ihren persönlichen Erfahrungen mit „Online Vitriol“ und Strategien der Abwehr oder Entkräftung. Ramón Reichert zeigte die Problematik der Geolokalisierung und Visualisierung von Emergenzen des Tweetens von Hasskommentaren auf.

Eine Roundtable-Diskussion mit Burcu Alkan, Sonja Schillings, Rahel Schmitz, Ann-Marie Riesner (jeweils GCSC, JLU Gießen) und Marie Jude Bendiola (Philipps-Universität Marburg) präsentierte und analysierte weitere Fälle von „Online Vitriol“ und erweiterte somit noch das Spektrum der betrachteten Phänomene.

Die Tagung mündet in die gemeinsame Erarbeitung eines Rough Guide to Online Vitriol, das im Amsterdam University Press Verlag erscheinen wird.

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Die TeilnehmerInnen und ReferentInnen der internationalen Konferenz „Online Vitriol“. Foto: Ann-Marie Riesner

 

 

 

Podiumsdiskussion Herkunft als Falle? Journalismus und Migration im 21. Jahrhundert

Herkunft als FalleKönnen nur JournalistInnen mit türkischen Wurzeln über die Türkei schreiben? Diese Frage stellte Michael Martens im Kommentar Für immer Türke in der FAZ, nachdem Deniz Yücel im Dezember letzten Jahres in der Türkei verhaftet wurde. Er entfachte damit eine Debatte über identitäre Fixierungen und fehlende Diversität im deutschen Journalismus.

Die Podiumsdiskussion Herkunft als Falle? Journalismus und Migration im 21. Jahrhundert, die am 6. Juni 2017 im Senatssaal des Hauptgebäudes der JLU stattfand, nahm diese Debatte auf, um genauer nach der Rolle der Herkunft in den deutschen Medien zu fragen. Die eingeladenen JournalistInnen, Doris Akrap, Miltiadis Oulios und Cigdem Toprak diskutierten dabei nicht nur über die Bedeutung, die Herkunft für den beruflichen Zugang von JournalistInnen zu und ihre Stellung in deutschen Redaktionen besitzt. Sie debattierten ebenfalls über Stigmatisierungen, denen diese aufgrund ihrer Herkunft von Seiten des Publikums sowie innerhalb von Redaktionen und Medienhäusern ausgesetzt sind. Darüber hinaus fragten sie nach der Rolle, die Herkunft bei der Bestimmung von Zielgruppen, Formaten und Inhalten im journalistischen Alltag spielt.

Doris Akrap ist Redakteurin bei der taz und Mitbegründerin der Reihe Hate Poetry, in welcher JournalistInnen rassistische Leserbriefe vortrugen. Miltiadis Oulios ist Radiomoderator bei WDRcosmo und hat in diesem Rahmen die deutsch-griechische Radiosendung Radiopolis entwickelt. Mit seinem Buch Blackbox Abschiebung hat er einen wichtigen Beitrag zu Fragen der Ausländer- und Asylpolitik in der Bundesrepublik geleistet. Cigdem Toprak war eine wichtige Stimme in der Debatte über den Artikel von Michael Martens und schreibt unter anderem für die ZEIT und FAZ. Die Podiumsdiskussion wurde mit einem Grußwort des Präsidenten der JLU, Prof. Joybrato Mukherjee, eröffnet. Prof. Greta Olson, Mitglied in der ZMI-Sektion 1, moderierte die Podiumsdiskussion. Sie ist außerdem Mitglied der Forschungsgruppe Migration und Menschenrechte der JLU.

Die drei JournalistInnen haben nach dem Grußwort des Präsidenten nicht nur äußerst kritisch über die Rolle der Herkunft im deutschen Journalismus sowie diesbezüglichen Entwicklungen, Neuerungen und Perspektiven diskutiert. Sie haben sich ebenfalls mit unterschiedlichen Medien von Zeitung über Radio bis hin zum Blog auseinandergesetzt. Die Vielfalt der angesprochenen Themen war dabei nicht zuletzt der Vielfalt ihrer Lebenswege und beruflichen Laufbahnen geschuldet. Beeindruckend waren auch die teilweise sehr persönlichen Schilderungen der Gäste. Sie gaben Einblicke in die Medienbranche, die in dieser Unmittelbarkeit ansonsten kaum möglich bzw. nicht zugänglich sind.

Die Veranstaltung wurde von den beiden Mitgliedern der ZMI-Sektion 4 Prof. Bettina Severin-Barboutie (Migrationshistorikerin) und Dr. Eva Gajek (Medienhistorikerin) in Kooperation mit dem ZMI und dem Historischen Institut der JLU organisiert und fand in der Reihe Stimmen aus der Praxis der Fachjournalistik Geschichte und des ZMI statt.

Beide Gießener Tageszeitungen haben über die Veranstaltung berichtet:

 

 

 

Jutta Hergenhan neue wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI

Seit dem 1. Juni 2017 ist Dr. Jutta Hergenhan neue wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI und folgt damit auf Sabine Heymann, M.A.

FotoJH2Die Politikwissenschaftlerin mit den Schwerpunkten Frankreich- und Geschlechterforschung ist seit September 2012 an der JLU tätig. Sie war vorher Projektkoordinatorin des vom Fachbereich 03 initiierten interdisziplinären Forschungsverbunds Antidemokratische Haltungen. Seit 2016 ist Jutta Hergenhan als Mitglied des Direktoriums und der Sektion 1 an zahlreichen wissenschaftlichen Aktivitäten des ZMI beteiligt. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Pilotprojekts Einstellungen-Medien-Engagement-Lehren (EMEL) nahm sie unter der Leitung von Prof. Dorothée de Nève an der Untersuchung von politischen Einstellungen, gesellschaftspolitischem Engagement und Mediennutzung von Gießener Lehramtsstudierenden teil.

Jutta Hergenhan studierte Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, dem Institut d’Études Politiques in Paris und der Universität Mannheim. An der Freien Universität Berlin promovierte sie zum Verhältnis von Sprache, Politik und Geschlechterordnung am Beispiel Frankreichs und der französischen Sprache. Von 1996 bis 2001 war sie als europapolitische Referentin für französische PolitikerInnen wie Jacques Delors und Elisabeth Guigou tätig sowie als parlamentarische Assistentin in der französischen Nationalversammlung. Von 2012 bis 2015 war sie die Geschäftsführerin der Arbeitsstelle Gender Studies sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin und dezentrale Frauenbeauftragte am Institut für Politikwissenschaft der JLU.

Zu ihren neueren Publikationen zählt der Sammelband Gender and Family in European Economic Policy: Developments in the New Millenium, den sie im Januar 2017 gemeinsam mit Prof. Diana Auth und Prof. Barbara Holland-Cunz bei Palgrave Macmillan/Springer International herausgab.

 

 

 

Call for Papers für den ersten LBM-Workshop in der Reihe Wissens- und Bildungsmedien

LBM-Logo mit viel AbstandIm Rahmen des interdisziplinären ZMI-Forschungsschwerpunkts Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft soll im März 2018 ein erster Tagesworkshop mit dem Titel Wissens- und Bildungsmedien (I): Zeitschriften stattfinden. Dieser Workshop soll eine Reihe von mehreren Veranstaltungen eröffnen, die sich jeweils auf einen bestimmten Typ von Wissens- und Bildungsmedium beziehen. Nach den Zeitschriften (2018/1) sollen gedruckte und digital aufbereitete wissenschaftliche Lehrbücher (2018/2) im Mittelpunkt stehen.

Zentrale Frage- und Analyseperspektiven sind u.a.: kommunikative Verfahren der Wissensorganisation und der Wissensvermittlung, Fragen der Textorganisation und der multimodalen Gestaltung, Aspekte der Verständlichkeit, der Brauchbarkeit und der Zielgruppenorientierung, Gesichtspunkte der Medienspezifik und ihrer Zusammenhänge mit Fragen der kommunikativen Gestaltung sowie auch Fragen der sprachlichen, themen- und fachspezifischen Gestaltung von Informationsangeboten. Weitere Perspektiven sind nicht ausgeschlossen.

Der Tagesworkshop, der im März 2018 stattfindet, wird sechs Vorträge mit anschließender Diskussion umfassen. Die ausgearbeiteten Vorträge und ggf. weitere Beiträge sollen zeitnah in einem nicht zu umfangreichen Band veröffentlicht werden, der in einem Open Access-Format erscheinen soll.

Wir laden die ZMI-Mitglieder und die LeserInnen des ZMI-Newsletters herzlich ein, uns Vorschläge für Beiträge zum Thema Zeitschriften als Wissens- und Bildungsmedien, sei es als Vortragsangebot, sei es als Angebot für einen schriftlichen Beitrag, zu schicken.

Kontakt:

 

 

 

 

 

Veranstaltungsankündigungen

Podiumsdiskussion: Fake oder Fakt? #Bundestagswahl2017 → richtig wählen

VerwähltAm 24. September 2017 findet die nächste Bundestagswahl statt. Sie fragen sich im Vorfeld, wen Sie wählen und ob Sie überhaupt zur Wahl gehen sollen? Sie sind unsicher, welche Informationsquellen zur Bundestagswahl vertrauenswürdig sind?

Die Debatten um fake news seit den letzten US-Wahlen, die Neuauflage des rechten historischen Kampfbegriffs der „Lügenpresse“ und der Einsatz von bots in Wahlkämpfen werfen Fragen auf, die viele WählerInnen verunsichern. Wenn Sie erfahren möchten, was hinter diesen Phänomenen steckt und wie Sie mögliche Irreführungen erkennen können, dann kommen Sie zu unserer Podiumsdiskussion Fake oder Fakt? #Bundestagswahl2017 → richtig wählen. Wir haben ExpertInnen eingeladen, Wege aufzeigen, sich im Vorfeld der Bundestagswahl verlässlich zu informieren und dadurch eine eigene Meinung zu bilden.

Studierende des Instituts für Politikwissenschaft (IfP) der JLU organisieren gemeinsam mit dem ZMI eine Podiumsdiskussion mit anschließender offener Debatte zu diesen Themen. Auf dem Podium spricht die Wahlforscherin Prof. Simone Abendschön (Professur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Methoden der Politikwissenschaft, JLU). Tanja Binder M.A., Mitglied im wissenschaftlichen Begleitteam des Wahl-O-Mat, informiert über den Wahl-O-Mat als Orientierungshilfe für persönliche Wahlentscheidungen. Alexander Sander, Geschäftsführer der Digitalen Gesellschaft e.V., referiert zu den Chancen und Risiken des Internets im Vorfeld von Wahlen. Einleitend spricht Prof. Dorothée de Nève (stellvertretende Direktorin des ZMI, Professur für Politisches und Soziales System Deutschlands/Vergleich politischer Systeme, JLU). Die Debatte wird von Louisa A. Süß (JLU) moderiert.

Die Podiumsdiskussion findet am 11. Juli 2017 in der Alten Universitätsbibliothek, Bismarckstr. 37 statt. Beginn ist 18.00 Uhr, der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung ist für alle interessierten Personen geöffnet. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

 

 

Vortrag: Digitaler Diskurs – Zur Untersuchung des Strukturwandels politischer Öffentlichkeit

Für die wissenschaftliche Untersuchung von Mediendiskursen ist das Spannungsfeld zwischen einer „funktionierenden“ öffentlichen Kommunikation mit Blick auf politisch-demokratische Perspektiven und „unfassbare(n)“ politische(n) Öffentlichkeit(en) auf der anderen Seite von Bedeutung.

Prof. Kornelia Hahn (Universität Salzburg) wird sich in ihrem Vortrag Digitaler Diskurs – Zur Untersuchung des Strukturwandels politischer Öffentlichkeit damit befassen, den aktuellen Formwandel politischer Öffentlichkeit zu beschreiben und einen Wandel von Geltungsansprüchen zu diskutieren. Dabei geht sie davon aus, dass es bereits vor dem Auftauchen neuer Medien verschiedene Formen von Öffentlichkeit gab, die schon immer in enger Wechselbeziehung mit Medien (wie z.B. auch dem Körpermedium) standen.

Der Vortrag wird am Dienstag, den 18. Juli 2017 um 14 Uhr c.t. im Philosophikum II der JLU, Haus B, Raum 101 stattfinden und ist nur für Mitglieder der Universität Gießen (Studierende und MitarbeiterInnen) geöffnet.

 

 

 

Digitale Medien in der Schule und der Lehrerbildung – Medienbildungswoche an der JLU

MedienbildungswocheIm Rahmen des Projektes Teacher Education and Media (Te@m) werden vom 14. bis 17. August 2017 volle vier Tage dem Thema Digitale Medien in der Schule und der Lehrerbildung gewidmet. Vertreter der Universität, der Studienseminare und der Medienzentren werden zu verschiedenen Themen Workshops und Vorträge anbieten. Lehramtsstudierende, LehrerInnen im Vorbereitungsdienst, Ausbilderinnen und Ausbilder, LehrerInnen sowie alle weiteren Interessierten sind herzlich eingeladen, an der Medienwoche teilzunehmen. Die Veranstaltungen sind anrechenbar für das Portfolio Medienbildungskompetenz für hessische Lehrkräfte.

Das Projekt Teacher Education and Media (Te@m) verfolgt das Ziel, die Medien- und Medienbildungskompetenzen von Lehramtsstudierenden praxisorientiert, fächerübergreifend und systematisch zu fördern. Ein zentraler Baustein des Projekts ist die Initiierung eines neuen Vortrags- und Workshop-Angebots ab dem Wintersemester 2016/17. Im Rahmen dieser Veranstaltungen werden die (didaktischen) Chancen und Grenzen unterschiedlicher Apps und Tools sowie mögliche Anwendungsszenarien in Schule und Unterricht diskutiert und praktisch erprobt.

Bitte melden Sie sich bis spätestens 1. August 2017 zu den Veranstaltungen an. Die Plätze werden nach Eingang der Anmeldungen vergeben. Die Anmeldung erfolgt über die Homepage des Projektes.

 

 

 

Filmaufnahmen als Zeitmaschinen? – Summerschool für Masterstudierende der Geschichte

Historische Filmaufnahmen geben uns das Gefühl, in die Vergangenheit einzutauchen, sie miterleben zu können, dabei und vor Ort zu sein. Sie stellen faszinierende Quellen dar und bilden eine unverzichtbare Ressource für historische Dokumentarfilme. Die zunehmende Digitalisierung hat den Zugang zu historischem Filmmaterial deutlich vereinfacht. Doch stellen sich bei der Analyse und Verwendung historischer Filme vielfältige methodische Fragen. Die Summerschool Filmaufnahmen als Zeitmaschinen? bietet Einblicke in die historische Arbeit mit Filmen. Sie wendet sich an Masterstudierende der Geschichtswissenschaft aus dem In- und Ausland. Die Unterrichtssprache ist deutsch.

Anhand konkreter Beispiele führen Workshops zu täglich wechselnden historischen Themen in die geschichtswissenschaftliche Arbeit mit Filmen ein. Prof. Ulrike Weckel (Sprecherin ZMI-Sektion 4), Prof. Thomas Lindenberger (Potsdam), Dr. Anja Laukötter (Berlin) und Anja Horstmann (Gießen) zeigen, wie sie in ihrer Forschung Filme, deren Entstehung, Zirkulation und Rezeption analysieren und auf diese Weise neue Perspektiven auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts eröffnen. Der Filmemacher Jan Peter (14-Tagebücher des Ersten Weltkriegs) gewährt Einblicke in die Verwendung von historischen Filmaufnahmen im narrativen Doku-Drama.

Thematisch beschäftigt sich die Summerschool mit der filmischen Repräsentation der Oktoberrevolution 1917 im frühen Film, mit Dokumentaraufnahmen aus den bewegten und widersprüchlichen 1920er Jahren, mit nationalsozialistischen Propagandaufnahmen aus dem Warschauer Ghetto, mit Dokumentarfilmen zum Kriegsende und ihren Verwendungen als Film-im-Spielfilm sowie mit Sexualaufklärungsfilmen der Nachkriegszeit. Eine eintägige Exkursion zum Deutschen Filminstitut inklusive Filmmuseum und Filmarchiv in Frankfurt und Wiesbaden gibt Gelegenheit, im Rahmen von eigens organisierten Führungen und Workshops relevante Quellenbestände kennenzulernen und forschungspraktische Fragen zu erörtern.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Summerschool sind eingeladen, eigene filmhistorische Arbeiten und gegebenenfalls auch eigene Filme vorzustellen und Ideen für filmhistorische Abschlussarbeiten mit Studierenden und Lehrenden zu diskutieren.   

Die Summerschool findet vom 28. August bis zum 1. September 2017 an der JLU Gießen statt. Sie wird mit finanzieller Unterstützung des Fachbereichs 04 der JLU und in Kooperation mit dem ZMI durchgeführt. Die Tagungsgebühr beträgt 50 €. An- und Abreise erfolgen am Montag, 28. August und am Samstag, 2. September 2017. Veranstaltungsort ist das Philosophikum I, Justus-Liebig-Universität Gießen. Bei der Suche nach preiswerten Übernachtungsmöglichkeiten in Gießen werden die TeilnehmerInnen der Summerschool bei Bedarf tatkräftig unterstützt.

Interessierte Studierende wenden sich bitte an fajo@geschichte.uni-giessen.de. Bitte stellen Sie in einem kurzen Anschreiben dar, warum Sie sich für die Thematik der Summerschool interessieren, inwieweit Sie relevante Vorkenntnisse besitzen und ob Sie eigene Forschungen bzw. Ideen für Abschlussarbeiten vorstellen wollen. Fügen Sie eine Übersicht Ihrer bisherigen Studienleistungen bei. Die Anzahl der TeilnehmerInnen ist auf 20 begrenzt. Bewerbungsschluss ist der 21. Juli 2017.

 

 

 

Internationale Tagung: On the Spot at the Time. Augenzeugenschaft und Authentizität in der Kunst seit 1800

Augenzeugenschaft_PlakatDie internationale Tagung mit TeilnehmerInnen aus fünf Ländern widmet sich „Augenzeugenschaft“ als einem Diskurs und einer Praxis der Authentifizierung seit ca. 1800 und thematisiert ihre Bedeutung für künstlerische und nicht-künstlerische Bilder, künstlerische Aktionen und Installationen sowie Kunstinstitutionen und Kunstliteratur. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen Konstruktionen von Augenzeugenschaft, die als Faktor bei der Produktion und der Rezeption von Artefakten wirksam waren oder als solche beschrieben wurden, außerdem Effekte von Augenzeugenschaft, die von Form, Inhalt, Technik oder Medium der untersuchten Bilder, Dinge und Aufführungen hervorgerufen werden. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln soll ein ikonisches Erkenntnismodell analysiert werden, das auf spezifische Weise Wissen über die Realität und Wirklichkeitserfahrung konstruiert. Das breite Spektrum an Untersuchungsgegenständen stellt sicher, dass dabei Schnittstellen zwischen künstlerischer und nicht-künstlerischer Wissenskultur in den Blick genommen werden. Ziel der Veranstaltung ist es, Ansätze zu einer Geschichte inszenierter Augenzeugenschaft in Kunst und Kunstsystem der Moderne und der Postmoderne zu entwickeln, unter Berücksichtigung von Verästelungen in Bereiche wie Politik, Recht, Medizin und Informationstechnologie.

Die Tagung findet am 28. und 29. September 2017 im Margarete-Bieber-Saal, Ludwigstr. 34, JLU Gießen statt. Sie wird von Prof. Claudia Hattendorff (ZMI-Sektion 1) und Lisa Beißwanger M.A. organisiert.

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

 

 

GGS-Tagung: Digitale (Un)sichtbarkeiten

Die Digitalisierung ist eine der treibenden Kräfte in der heutigen Welt und verändert unsere Gesellschaft nachhaltig. Während die Wirtschaft das schon lange erkannt hat und sich intensiv mit Arbeit und Industrie 4.0 auseinandersetzt, sieht sich gegenwärtig auch die restliche Gesellschaft vermehrt mit dem technischen Wandel konfrontiert. Öffentliche Angelegenheiten wie etwa das Gesundheits- und Bildungssystem werden zunehmend mit größtenteils unsichtbaren Systemen digitalisiert. Plattformen wie Facebook, Google, Uber und viele andere verändern unser Kommunikationsverhalten und Möglichkeiten der politischen Beteiligung. Dabei werden im Hintergrund private Daten zum Öl der digitalen Welt.

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Wir leben in einer zunehmend vernetzten und verdateten Gesellschaft in der neue Formen des Arbeitens, des Kommunizierens und des Lernens entstehen. Das wirft viele Fragen auf. Was passiert eigentlich im Hintergrund mit meinen Daten? Wie werden wir in Zukunft arbeiten, wie forschen? Wie lernen und bilden wir uns weiter? Wie wollen wir unsere Kinder auf diese Zukunft vorbereiten? Und wie wollen wir in Zukunft an politischen Prozessen teilnehmen? Wo liegen die versteckten Herausforderungen und Chancen? Die Tagung soll den Raum geben, um in einem interdisziplinären Umfeld Erfahrungen zu sammeln, Fragen aufzuwerfen, zu reflektieren und zu gestalten.

Die vom GGS in Kooperation mit dem ZMI veranstaltete Tagung öffnet am ersten Tag mit einem gemeinsamen Abendessen und anschließender Vorstellung des Kinderrechte-Filmfestivals, welches die Vermittlung von Medienkompetenz mit kultureller und politischer Bildung kombiniert und so den interdisziplinären Rahmen der Tagung verdeutlicht. Die Tagung selbst findet am 7. und 8. Dezember statt.

In Kürze finden Sie den Call for Papers auf der Website des GGS. Einreichungsfrist ist der 15. September 2017.

 

 


 

ZMI-Videos

Keynote Speech von Sarah Kendzior zu Trump, Trolls, and the Truth: Digital Media in the Era of ,Alternative Facts’

Video des Vortrags im Rahmen der internationalen Konferenz des ZMI und GCSC: Online-Vitriol: Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media

Der Begriff „Online Vitriol“ umfasst all jene Phänomene in den sozialen Medien, die die Kehrseite der Meinungsfreiheit und Vernetzung aufdecken: Hasskommentare, Cyberbullying, Aufrufe zur virtuellen Hetze und vieles mehr. Auf vielfältigen Ebenen näherte sich die dreitägige internationale Konferenz Online Vitriol. Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media dem komplexen Thema der Gewalt in Online-Kontexten an.

Dr. Sarah Kendzior. Foto: Ann-Marie RiesnerHier können Sie die Keynote Speech Trump, Trolls, and the Truth: Digital Media in the Era of ,Alternative Facts’ von Dr. Sarah Kendzior ansehen. In ihrem Vortrag ging sie auf die Dynamiken der sozialen Medien in Amerika ein und gab Einblicke in ihre persönliche Arbeit als Journalistin in St. Louis im amerikanischen Midwest. Dieser hochinteressante Vortrag der Journalistin und Zeitdiagnostikerin, die auf Twitter mehr als 260.000 Follower zählt, ist jetzt auf dem YouTube Channel des ZMI zu sehen.

Einen ausführlichen Bericht zu der internationalen Tagung Online-Vitriol: Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media finden Sie hier.

 

 

 

Podiumsdiskussion 100 Tage Trump

Videoaufzeichnung der Podiumsdiskussion und anschließender Debatte mit den Studierenden in der Aula des Universitätshauptgebäudes

Wie bilanziert man die ersten 100 Tage der Präsidentschaft von Donald Trump, und ist dies die Aufgabe der Universität? Unbedingt! Dieser Auffassung waren zumindest die DiskutantInnen der vom ZMI und dem Institut für Politikwissenschaft (IfP) der JLU veranstalteten Podiumsdiskussion 100 Tage Trump am 28. April 2017. Die Podiumsdiskussion in der Aula des Universitätshauptgebäudes war sehr gut besucht und bot einen guten Anschluss an die Veranstaltungen zur US Wahlnacht und zum Brexit, die ebenfalls in Zusammenarbeit des ZMI mit dem IfP organisiert wurden. Prof. Christine Wiezorek (ZMI-Sektion 1 / Studiendekanin des Fachbereichs für Sozial- und Kulturwissenschaften, JLU) begrüßte die ZuhörerInnen und DiskutantInnen und betonte die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Begleitung tagespolitischer Ereignisse. Sie ging auf die Aufgabe der Wissenschaft, sich öffentlich zu positionieren und sich eine Haltung anzueignen ein und erklärte ihre Freude über die so zahlreich erschienenen BesucherInnen.

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Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Simone Abendschön (Professur für Methoden der Politikwissenschaft, JLU), die zu Beginn drei einleitende Fragen stellte: Wie fällt die Bilanz der ersten 100 Tage von Donald Trumps Amtszeit aus? Wie sieht der Ausblick auf die weitere Amtszeit aus? Was haben wir innen- sowie außenpolitisch von Donald Trump zu erwarten? Eingeladen um diese Fragen zu diskutieren waren ProfessorInnen aus Politikwissenschaft, Sozialwissenschaft und Japanologie sowie ein Vertreter der Presse.

Andreas Schwarzkopf (Frankfurter Rundschau) sprach aus der Rolle des kritischen Journalisten und ging als solcher auf das gespannte Verhältnis Trumps zu den Medien ein. Im Besonderen thematisierte er die Verunglimpfung der Medien als ‚Lügenpresse‘, die Nutzung von fake news im Wahlkampf und die Ausgrenzung der freien Presse von der Berichterstattung im Weißen Haus.

Prof. Verena Blechinger-Talcott (Professur für Japanologie, Freie Universität Berlin) ging auf das Verhältnis der USA zu den Ländern Asiens ein und betonte hier die großen Unsicherheiten, die sich aus Trumps unklarem politischem Kurs ergeben. So sei die japanische Regierung sehr besorgt über die Äußerungen Trumps im Wahlkampf und erst seit einem Staatsbesuch nach der Wahl beruhige sich die Lage etwas.

Prof. Helmut Breitmeier (Professur für internationale Beziehungen, JLU) ging ebenfalls auf das Fehlen außenpolitischer Konzepte und Strategien der Regierung Trump ein und bezeichnete die USA in diesem Zusammenhang als „Weltmacht im Abstieg“, da die Probleme der Vorgängerregierung geblieben und lediglich durch neue Probleme ergänzt worden seien. Als zukünftig relevante politische Probleme identifizierte er unter anderem den Umweltschutz und die Armutsbekämpfung. Auch Helmut Breitmeier argumentierte für ein neues europäisches Sicherheitskonzept, da man sich in Europa zu lange allein auf die Hilfe der USA verlassen habe.

Prof. Claus Leggewie (Inhaber der Ludwig Börne-Professur, ZMI/JLU) beschrieb Trumps ideologische Grundlagen als faschistoid und autoritär. Er ging auf die Gefahren für die amerikanische Demokratie und die Normen und Werte des Westens ein und erklärte in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Widerstands der Zivilgesellschaft.

Prof. Greta Olson (ZMI-Sektion 1 / Professur für English and American Literature and Cultural Studies, JLU) ging auf den Widerstand der Justiz im Fall des Einreiseverbots in die USA für Menschen aus sieben Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung ein und lobte in diesem Zusammenhang die „robuste amerikanische Verfassung“. Außerdem beschrieb sie die starke Zunahme von Kriminalität gegenüber MuslimInnen und die Benachteiligung von Frauen, Queers und schwarzen AmerikanerInnen.

Prof. Dorothée de Nève (Stellvertretende Direktorin des ZMI / Professur für Politisches und Soziales System Deutschlands/ Vergleich politischer Systeme, JLU) ging auf die Bezüge der politischen Ereignisse in den USA zu europäischer und deutscher Politik ein. Besonders die Tendenzen zur fortschreitenden Spaltung der Gesellschaft seien hier zu thematisieren. Dorotheé de Nève beschrieb eine Zunahme des Antiamerikanismus, der quer durch alle politischen Lager zu beobachten sei.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden vor allem Thematiken wie die Legitimationskrise der westlichen Demokratien und die Möglichkeiten und Risiken der direkten Demokratie angesprochen. Außerdem wurden Fragen nach den potentiellen Gründen für die Wahl Donald Trumps aufgeworfen und Bezüge zu den in Europa anstehenden Wahlen erfragt.

Den Videomitschnitt der gesamten Veranstaltung finden Sie hier.

Ein ausführliches Resümee der Podiumsdiskussion 100 Tage Trump finden Sie hier.

Über die Veranstaltung wurde außerdem durch die Gießener Allgemeine und durch den Gießener Anzeiger berichtet.

 

 

 

Drei Fragen an Dorothée de Nève

Interview mit der stellvertretenden Geschäftsführenden Direktorin des ZMI auf YouTube

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Sie wollten immer schon wissen, was wir hier im ZMI eigentlich machen und warum? Im neuen Interview der ZMI-Reihe Drei Fragen an haben Sie die Möglichkeit, Antworten auf diese Frage zu erhalten. Die stellvertretende Geschäftsführende Direktorin Prof. Dorothée de Nève spricht über die anspruchsvolle Aufgabe, Interdisziplinarität in der Arbeit zu leben und wie dies in einem interdisziplinär aufgestellten Forschungszentrum wie dem ZMI funktionieren kann. Im Gespräch mit Ann-Marie Riesner legt Dorothée de Nève dar, welche Bedeutung es für sie als Politikwissenschaftlerin hat, ihre Forschung am ZMI anzusiedeln und geht dabei auch auf die besondere Beziehung zwischen Politik und Medien ein. Nicht zuletzt hebt sie die Verantwortung des ZMI hervor, mediale Kompetenzen an BürgerInnen zu vermitteln, damit diese ihre Interessen und Rechte in der Mediengesellschaft wahrnehmen können.

Dorothée de Nève ist seit 2015 Professorin am Institut für Politikwissenschaft und hat die Professur Politisches und Soziales System Deutschlands / Vergleich politischer Systeme inne. Seitdem unterhält sie enge Beziehungen zum ZMI. Seit Juni 2015 ist sie Sprecherin der ZMI-Sektion 1, in der sie ihre vielseitigen Erfahrungen und Ideen in zahlreichen Veranstaltungen verwirklicht hat. Mit ihrer Wahl zur stellvertretenden Geschäftsführenden Direktorin im Juni 2016 wurde die sozialwissenschaftliche Perspektive in der ZMI-Leitung gestärkt.

Das Video zum Interview ist jetzt auf dem YouTube-Kanal des ZMI zu sehen.

 

 

 

Drei Fragen an Urs Bremer

Interview mit dem ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter des ZMI jetzt auf YouTube

Drei Fragen bremer In Drei Fragen an blickt Urs Bremer auf seine Zeit am ZMI zurück, gibt einen Einblick in den Arbeitsalltag, beschreibt den besonderen „Geist“ des Zentrums und erläutert wie dieser sowie seine im ZMI gesammelten Erfahrungen ihn auch heute noch beeinflussen.

Urs Bremer (ZMI-Sektion 1) berichtet im Interview über das ZMI-Projekt migr@com, das im Wissenschaftsjahr 2014 den Hochschulwettbewerb Mehr als Bits und Bytes – Nachwuchswissenschaftler kommunizieren ihre Arbeit gewann. Das Projekt beschäftigt sich mit der Rolle von Medien für MigrantInnen, um Kontakt in ihre Herkunftsländer zu halten. Die Internetplattform migr@com: Grenzen überwinden – Nähe erzeugen: Digitales Miteinander in der Migrationsgesellschaft wurde unter der Leitung von Prof. Heike Greschke entwickelt. Auf dieser werden mit Hilfe von medialen Objekten (zum Beispiel Briefe, Telefone, Handys, soziale Netzwerke, Tonkassetten und Bilder) Geschichten von Familien dargestellt, die die Situation migrationsbedingter Trennung bewältigen. Außerdem spricht Urs Bremer über das an migr@com angefügte Teilprojekt Soziologie 2 Go – Lernen mit dem Smartphone. Mit dem Projekt wurde ein innovatives Lehrkonzept realisiert, das Gießen als Ort der Migrationen im Sinne einer Augmented Reality zum Lern- und Anwendungsort allgemeiner soziologischer Theorien und Methoden macht. Bremers Offenheit für innovative Projekte schlägt sich auch in seinem neuen spannenden Projekt Open Lucidity nieder, in dem eine Technik entwickelt werden soll, um mit geringem Aufwand die eigenen Träume nach Wunsch gestalten zu können.

Das Video zum Interview ist jetzt auf dem YouTube-Kanal des ZMI zu sehen.

 

 


 

News der Ludwig Börne-Professur

Die autoritäre Welle im Westen: USA, Frankreich, Deutschland – Wie stark ist der Nationalismus?

Rückschau auf die von Claus Leggewie kuratierte Veranstaltungsreihe

Die Autoritäre WelleSeit dem Brexit, der Wahl Donald Trumps und den Drohungen aus Ankara und auch in Erwartung dramatischer Wahlentscheidungen in vielen EU-Ländern haben viele Menschen auch im Westen den Eindruck, von einer Welle des autoritären Nationalismus überrannt zu werden. Ist das so? Woher kommt diese Tendenz? Welche Gegentendenzen gibt es?

Mit diesen Fragen hat sich im Sommersemester eine Veranstaltungsreihe des Präsidenten der JLU beschäftigt. Die Federführung der dreiteiligen Reihe Die autoritäre Welle im Westen: USA, Frankreich, Deutschland. Wie stark ist der Nationalismus? lag bei Ludwig Börne-Professor Claus Leggewie.

Den Einstieg in die Veranstaltungsreihe stellte der Vortrag All the President’s Media: Zur Konkurrenz von Politik und Journalismus unter Trump von Politikwissenschaftler Prof. Christoph Bieber dar. Bieber ist assoziiertes Mitglied der ZMI-Sektion 1 und war Teilprojektleiter im ZMI-Verbundprojekt Interactive Science, bevor er die Welker-Stiftungsprofessur für Ethik in Politikmanagement und Gesellschaft an der Universität Duisburg-Essen übernahm. In seinem Vortrag bezeichnete er Trump als „quasi autarken Medienakteur“ und begründete dies in der ausgeprägten Twitternutzung des Präsidenten, mit der schon im Wahlkampf stattgefundenen Stimmungsmache gegen JournalistInnen und Medien sowie damit, dass sich dessen private Aussagen auch heute immer wieder mit den öffentlichen vermischten. Dies stelle die Wähler vor die Herausforderung der Einordnung des Gesagten bzw. Getwitterten.

Den zweiten Vortrag der Reihe hielt Prof. Claus Leggewie selbst. Unter dem Titel Frankreichs Uhren gehen wieder. Die ,leere Mitte‘ gegen Marine Le Pen befasste er sich ausführlich mit den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Leggewie beschrieb ein tief gespaltenes Frankreich, das durch die Erosion des gewohnten Parteiengefüges vor einer ungewöhnlichen Wahl stand. So waren die Parteien der politischen Mitte nicht mehr im Rennen um die Präsidentschaft, sondern nur noch die extreme Rechte von Marine Le Pen und der Newcomer Emmanuel Macron. Wobei die von Leggewie prognostizierte Wahl Macrons seiner Ansicht nach mitnichten alle Probleme des Landes und auch Europas lösen würde. So sei die wachsende Ungleichheit in den Lebensbedingungen der Franzosen unter anderem auf ein gravierendes Stadt-Land-Gefälle und die jahrzehntelange unzureichende Integrationsarbeit zurückzuführen. Hier müsse mit einer Reihe von sozialpolitischen Maßnahmen gegengesteuert werden.

Autoritäre Welle Leggewie
Blick in die gefüllte JLU-Aula beim Vortrag von Claus Leggewie zum Thema „Frankreichs Uhren gehen wieder. Die ‚leere Mitte’ gegen Marine Le Pen.“ Foto: Katrina Friese
Die dritte Veranstaltung wurde als Podiumsdiskussion mit Prof. Leggewie, Dr. Justus Bender (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Ali Can (Gießener Lehramtsstudent und Gründer der Hotline für besorgte Bürger) realisiert und widmete sich der Frage Was will die AfD? Eine Partei verändert Deutschland. Bender sprach über seine Recherchen seit Gründung der Partei und insbesondere über das schwierige Verhältnis, das die Partei zu JournalistInnen und Medien hat. Im Anschluss berichtete Ali Can über seine Dialogarbeit im Rahmen seines Vereins Interkultureller Frieden e.V. und der Hotline für besorgte Bürger, bei der er versucht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die Sorgen rund um die Themen Migration, Flüchtlinge und Islam haben. Sein Ziel ist es, festgefahrene Denkmuster und einseitige Sichtweisen zu durchbrechen, um so zur Verbesserung der Kommunikation und des Miteinanders beizutragen.

 

 

 

Buchpräsentation von und mit Claus Leggewie und Erik Meyer: Global Pop. Das Buch zur Weltmusik

Anlässlich ihrer Publikation Global Pop: Das Buch zur Weltmusik veranstalteten Claus Leggewie und Erik Meyer eine Buchvorstellung mit Diskussion zu politischen Aspekten globaler Popmusik an der JLU. Das Event fand am 6. Juni 2017 im Musiksaal der JLU statt.

Zum Buch: Die Publikation umfasst 44 Beiträge von 32 AutorInnen und dient als interdisziplinäres Kompendium zur gesamten Bandbreite des Themenbereichs „Weltmusik“. Analysiert werden historische und aktuelle Entwicklungen unter Einbeziehung (pop-)kultureller Globalisierungs- und Digitalisierungsphänomene und kulturwissenschaftlicher sowie marktwirtschaftlicher Perspektiven darauf. Mit dieser interdisziplinären Mischung wurden die Herausgeber ihrem Anspruch gerecht, eine im deutschsprachigen Raum einmalige und neuartige Publikation zu konzipieren. Dabei wurde der Obertitel Global Pop bewusst gewählt, um so die globale Betrachtung der Thematik in den Fokus zu rücken und zugleich die gegenseitige Beeinflussung von lokalen und globalen musikalischen Strömungen und der Digitalisierung von Musik hervorzuheben.

Die Publikation ist seit Ende März im Handel erhältlich.

Ein Interview mit Claus Leggwie zu dieser Publikation finden Sie hier.

 

 

 

 

 

Veranstaltungen, Events, Aktivitäten

Filmvorführung mit anschließender Diskussion: Deutsche Pop Zustände – Eine Geschichte rechter Musik

Deutsche Pop ZuständeIm Rahmen einer Kooperationsveranstaltung zwischen der ZMI-Sektion 1 sowie Dr. Ralf von Appen (Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik, JLU) und Prof. Dr. Andrea Gawrich (Institut für Politikwissenschaft, JLU) fand am 3. Juli im Saal des Instituts für Musikwissenschaft ein gut besuchter öffentlicher Themenabend zur Charakteristik und Genese rechter Pop-Musik statt. Im Anschluss an ein Grußwort von Prof. Christine Wiezorek (ZMI-Sektion 1) wurde der Dokumentarfilm Deutsche Pop Zustände. Eine Geschichte rechter Musik (2016) vorgeführt. Der Film präsentierte, angelehnt an eine Studie des Soziologen Wilhelm Heitmeyer zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, einen Überblick über Entwicklungen und Tendenzen in der deutschsprachigen rechten Musik, primär bezogen auf die Bundesrepublik. Der Film beleuchtete auch rechte Topoi wie völkische Argumente und Nazi-Ästhetik bei Musikgruppen des Mainstreams, etwa bei Rammstein oder FreiWild.

Der Film konzentriert sich auf die letzten 30 Jahre und beginnt seinen Überblick mit der englischen Band Skrewdriver, die sich stilistisch beim Punk bediente. In der Bundesrepublik entwickelten Bands wie die Böhsen Onkelz oder Endstufe sich zu „Pionieren“ in diesem Bereich. Der Film zeichnet die Entwicklung durch die Jahrzehnte nach und schließt den musikalischen „Soundtrack“ der ausländerfeindlichen Gewaltausbrüche in den frühen 1990er Jahren mit ein, beispielsweise durch die Gruppe Landser. Im weiteren Verlauf wird deutlich, dass sich rechte Musiker ästhetisch stets bei emanzipativen/linken Subkulturen – Punk, Liedermacher, HipHop – bedienen und die Szene dabei zunehmend Anknüpfungspunkte zu Mainstream-Musikern aufweist.

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Andrea Gawrich, Thorsten Hindrichs und Ralf von Appen (v.l.n.r.)
An den Film schloss sich eine breite Publikumsdebatte mit Dr. Thorsten Hindrichs, Musikwissenschaftler der Universität Mainz, an, der die Entstehung des Films als wissenschaftlicher Berater begleitet hat. Hindrichs gab Aufschluss über die teilweise schwierigen Entstehungshintergründe des Films und informierte über verschwörungstheoretische und antisemitische Tendenzen populärer Musiker, wie bspw. Xavier Naidoo, die der Mainstream-Tauglichkeit dieses Stars jedoch bislang kaum geschadet haben. Zudem verwies Hindrichs darauf, dass die ökonomische Tragfähigkeit rechter Musik stark zunimmt, insbesondere in den letzten drei bis fünf Jahren. Parallel dazu hat rechte Musik inzwischen technisch und musikalisch professionelle Qualität erreicht.

Ein Bericht über die Veranstaltung und ein Interview mit Thorsten Hindrichs sind beim Gießener Anzeiger erschienen.

Den Trailer zum Film können Sie hier anschauen.

 

 

 

Audiowalk Erzählungen vom Tod – Begräbniskultur und Mentalität im Wandel der Zeit – die Geschichte des Gießener Alten Friedhofs als Hörerlebnis

Am 29. Juni stellten Studierende der Fachjournalistik Geschichte den Audiowalk Erzählungen vom Tod – Begräbniskultur und Mentalität im Wandel der Zeit auf dem Alten Friedhof in Gießen vor. Nach einem Grußwort der Bürgermeisterin Frau Weigel-Greilich konnten alle Interessierten den Audiowalk selbst mit dem Smartphone ausprobieren und sich in die Geschichten, die der Alte Friedhof zu erzählen hat, hineinziehen lassen. Das Projekt entstand im Studiengang Fachjournalistik Geschichte an der JLU im Wintersemester 2016/17 unter Leitung der Historikerin und wissenschaftlichen Mitarbeiterin Dr. Eva Maria Gajek (ZMI-Sektion 4) und dem HR-Redakteur Kevin Arnold sowie in enger Kooperation mit der Produktionsfirma AVEV und dem Garten- und Friedhofsamt der Stadt Gießen.

AudiowalkBesucherInnen des Alten Friedhofs können in Zukunft mit dem Smartphone die versteckten Geschichten hinter den Gräbern entdecken. In insgesamt elf Audiobeiträgen von bis zu sechs Minuten Länge erzählen die Studierenden Geschichten über bekannte Persönlichkeiten Gießens sowie über die Baugeschichte und Begräbniskultur auf dem Alten Friedhof im Wandel der Zeit. Aber auch allgemeine Themen des 19. Jahrhunderts kommen zur Sprache: Vorstellungen von Wissenschaft und Religion, Soldatenerfahrungen, Nationalstaatsbildung und Industrialisierung. Schließlich setzen sich auch zwei Beiträge mit aktuellen Themen auseinander und berichten von der heutigen Nutzung des Friedhofs sowie dem zunehmenden Vandalismus. Dokumente des Stadtarchivs Gießens, Interviews und zeitgenössische Berichte, Literatur und wissenschaftliche Forschung sind die Basis der Beiträge. „Uns war es sehr wichtig, dass die Erzählungen nicht einfach nur historische Fakten aneinanderreihen, sondern die Hörer mit auf eine Reise durch die Geschichte nehmen. In enger Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma AVEV haben die Studierenden szenische Episoden und eine besondere Klangkulisse geschaffen. Sie ziehen die Besucher und Besucherinnen direkt in das Geschehen hinein – teils laut und mitreißend, teils ruhig und melancholisch“, erklärt Eva Maria Gajek. Ziel des Projektes ist es, dass Geschichte und Gegenwart mit den Audiowalk an Ort und Stelle akustisch erfahrbar werden. Der Alte Friedhof soll damit gleichzeitig zur Geschichtsquelle und zum Erlebnisort werden.

Der Audiowalk Erzählungen vom Tod – Begräbniskultur und Mentalität im Wandel der Zeit lässt sich auf der Website http://audiowalk-giessen.de/wp kostenfrei abrufen. Eine auf der Website verfügbare Karte des Alten Friedhofs führt die Hörerinnen und Hörer durch den Audiowalk und zeigt, an welchen Stellen und Gräbern die Beiträge abrufbar sind. Zudem steht auf der Website weiteres Informationsmaterial zu den behandelten Themen zur Verfügung.

 

 

 

Vortragsreihe des Forschungsverbundes Educational Linguistics

Auch im Sommersemester 2017 hat der Forschungsverbund Educational Linguistics eine interessante und vielfältige Vortragsreihe organisiert.

Den Auftakt bildete ein Vortrag von Katrin Kleinschmidt (Universität Köln), in dem sie die Frage stellte Talk to teach? Wie verändert sich die Lehrersprache von der Grundschule bis zur Oberstufe? Welche Merkmale muss also die Unterrichtssprache haben, damit SchülerInnen erfolgreich am Unterrichtsdiskurs teilnehmen können? Kleinschmidt diskutierte die These, dass allen Konzepten zu Unterrichtssprache Strukturen und Ausdrucksformen der konzeptionellen Schriftlichkeit zugrunde liegen. In den Blickpunkt rückte sie dabei, wie sich die an die SchülerInnen gerichtete Sprache von der Grundschule über die Unter- und Mittelstufe bis hin zur Oberstufe des Gymnasiums verändert und dabei tendenziell immer mehr zu einer konzeptionellen Schriftlichkeit hinführt.

Der zweite Vortrag in der Reihe von Prof. Torben Schmidt (Leuphana Universität Lüneburg) beschäftigte sich mit digitalen, spielerisch orientierten Produkten zum Fremdsprachenlernen. Zwischen Zuckerguss und simulierten Welten – Digitales Fremdsprachenlernen in Zeiten von Gamification, Serious Games und Commercial Off-The-Shelf Games war sein treffender Titel. Digitale Spiele erfreuen sich nicht nur als Unterhaltungsmedien großer Beliebtheit. Auch im Bereich des Lernens werden zunehmend spielerisch orientierte Produkte entwickelt. Dies trifft besonders auf den Bereich des Fremdsprachenlernens und hier speziell auf den Bereich des Mobile-Assisted Language Learning zu. Welche Zugänge und Mechaniken werden genutzt, um diese Lernprogramme zu entwickeln und was bringen diese Ansätze für das Fremdsprachenlernen? Torben Schmidt stellte Möglichkeiten und Grenzen digitaler und spielerisch orientierter Zugänge für das Erlernen von Fremdsprachen vor. Von 2008 bis 2011 war Schmidt Habilitationsstipendiat am ZMI (LOEWE-Projektverbund Kulturtechniken und ihre Medialisierung).

Der letzte Vortrag widmete sich der spannenden Frage Wie schreibt man einen Duden? Prof. Mathilde Hennig (JLU) sprach über das schwierige Verhältnis zwischen sprachlicher Präskription und Deskription am Beispiel des Wörterbuchs der sprachlichen Zweifelsfälle. Bereits seit fünfzig Jahren gibt es dieses Wörterbuch. Die Grundlage für diesen Sprachratgeber bilden mehrere Hunderttausend Anfragen an die Duden-Sprachberatung. Über die Auskunftsfunktion hinaus ist er als lexikographische Sammlung sprachlicher Zweifelsfälle ein Fundstück für die Forschung, die sich mit grammatischer, orthografischer und stilistischer Variation beschäftigt. Mathilde Hennig (ZMI-Sektion 3) durfte sich der spannenden Aufgabe annehmen, den Dudenband 9 als Herausgeberin und Autorin im Bereich Grammatik mitzugestalten. In ihrem Vortrag berichtete sie über die Ziele und die Schwierigkeiten, die auftauchen, wenn man ein Duden-Wörterbuch schreibt.

Trotz schönen Sommerwetters waren die Veranstaltungen immer gut besucht und spannende Diskussionen fanden statt. Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe und zum Forschungsverbund Educational Linguistics finden Sie hier.


 

 

Gastvorträge von Edgar W. Schneider und Martin Hilpert in der Englischen Sprachwissenschaft

Im Sommersemester fanden am Lehrstuhl von Prof. Joybrato Mukherjee (ZMI-Sektion 3) zwei Gastvorträge statt. Am 18. Mai sprach Prof. Edgar Schneider (Universität Regensburg) zum Thema And what is English? Native, second or foreign language, lingua franca, instrumental code, or what? Er berichtete über den weltweiten Gebrauch des Englischen und wie die unterschiedlichen nationalen Varietäten erforscht, klassifiziert und modelliert werden können. Am 26. Juni war Prof. Martin Hilpert (Université de Neuchâtel) zu Gast und trug zum Thema A Construction Grammar perspective on productivity vor. Martin Hilpert zeigte, wie sich die diachrone Entwicklung von Konstruktionen durch korpusbasierte Vektormodelle untersuchen lassen und diskutierte, was die Ergebnisse zur linguistischen Theorie und unter anderem zur Zweitspracherwerbsforschung beitragen.

 

 

 

Echokammern und andere Herausforderungen – warum wir in der politischen Bildung neu über die Digitalisierung nachdenken müssen. Vortrag von Wolfgang Sander

Prof. Wolfgang Sander hat mit einem Vortrag über politische Bildung und Digitalisierung Echokammern und andere Herausforderungen – warum wir in der politischen Bildung neu über die Digitalisierung nachdenken müssen an der 18. Jahrestagung der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung (GPJE) teilgenommen.

Die Tagung, die vom 22. bis 24. Juni 2017 an der Universität Duisburg-Essen stattfand, beschäftigte sich mit dem hochaktuellen Thema Unsere herausgeforderte Demokratie – Politische Bildung in Zeiten des Populismus. Der Populismus fordert die Gesellschaft mit Trotz, Tabubrüchen und alltagsrassistischen Sprüchen heraus. Populistische Akteure schaffen es zunehmend BürgerInnen auf die Straße und an die Wahlurne zu mobilisieren. So sehr Kritik an Eliten und Gesellschaftszuständen legitim ist, so wendet sich Populismus, der den Pluralismus und die Kompromissfähigkeit zur Untugend erklärt, gegen die Demokratie und die Politik selbst. Wie können demokratische PolitikerInnen, Politik- und SozialwissenschaftlerInnen diesen Phänomenen begegnen und dagegen steuern? Aus verschiedenen politikdidaktischen, schulisch und außerschulisch bildenden Perspektiven wurde während der 18. GPJE dieser Frage nachgegangen.

 

 

 

Madgermanes – Buchpräsentation im Rahmen des „Geschichtslesesommers 2017“

MadgermanesIn der DDR waren rund 20.000 Vertragsarbeiter aus Mosambik zwischen 1979 und 1991 beschäftigt. Ihr Aufenthalt, der bis auf vier Jahre befristet war, sollte ihnen vor allem eine Berufsausbildung ermöglichen, um nach ihrer Rückkehr zum Aufbau eines unabhängigen sozialistischen Mosambiks beitragen zu können. Die Realität sah jedoch gänzlich anders aus. Für ihre Ausbildung gab es keinerlei Verwendung. Die Comic-Autorin Birgit Weyhe hat mit ihrem Graphic Novel Madgermanes ein Stück deutsch-afrikanische Geschichte recherchiert und aufgearbeitet. Sie erzählt die hierzulande kaum bekannte Geschichte dieser Menschen. Durch subtiles Einfügen von Erinnerungsobjekten und allegorischen Motiven entstand ein Comic, der in seiner Bild- und Erzählsprache die Grenzen zwischen afrikanischer und europäischer Kultur überschreitet.

Birgit Weyhe verbrachte ihre Kindheit in Ostafrika und studierte Literatur, Geschichte und Illustration in Konstanz und Hamburg. Seitdem arbeitet sie als freie Illustratorin und Comic-Zeichnerin. Madgermanes wurde mit dem Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung 2015 und dem Max & Moritz Preis 2016 für das „beste deutschsprachige Comic“ ausgezeichnet.

Im Anschluss an die Buchpräsentation fand eine offene Fragerunde mit der Autorin statt. Ausführlich wurde dabei das Schicksal der zurückgekehrten Mosambikaner thematisiert: Als Helden wurden sie erwartet, doch die Enttäuschung der Familien war groß, als sie begriffen, dass die erhoffte und dringend gebrauchte finanzielle Unterstützung ausbleiben wird. Nachdem die Madgermanes in Deutschland ausgebeutet wurden, stießen sie nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat auf Verständnislosigkeit für ihre persönliche Lage. Der ohnehin schon hohe emotionale Grad der Lesung intensivierte sich durch diesen vertiefenden Einblick in das Schicksal der Heimgekehrten.

Madgermanes2.jpgDer Geschichtslesesommer (GELESO) ist eine Kooperation der Professur für Didaktik der Geschichte (Prof. Vadim Oswalt, ZMI-Sektion 2) und des Literarischen Zentrums Gießen e.V. (Prof. Sascha Feuchert, Vorsitzender des LZG und ZMI-Sektion 4). Im Rahmen des Geschichtslesesommers 2017 stellte Birgit Weyhe ihren Graphic Novel am 20. Juni 2017 vor. Moderiert wurde die Veranstaltung von Monika Rox-Helmer vom Historischen Institut der JLU und Anna-Lena Heid vom LZG.

Weitere Informationen zum Graphic Novel finden Sie hier, ein Interview mit der Autorin können Sie hier nachlesen sowie hier Hintergrundinformationen zu den Madgermanes in Maputo.

 

 

 

Zum Nachhören: Sascha Feuchert bei Deutschlandfunk Kultur

Feuchert
Foto: Piotr Banczerowski
In der Sendung Lesart von Deutschlandfunk Kultur sprach Prof. Sascha Feuchert (ZMI-Sektion 4) am 20. Juni 2017 über die neu eingerichtete und von ihm bekleidete Professur zu Holocaust- und Lagerliteratur, die an der JLU Gießen angesiedelt ist. Außerdem gab er Einblick in seinen Werdegang und wie sein Interesse für Holocaust- und Lagerliteratur entstand. Während eines Auslandssemesters in Polen fand er Teile der Getto-Chronik Łódź/Litzmannstadt, die ihn tief beeindruckten und ihn zur Herausgabe der ersten deutschen Das letzte JahrEdition der Chronik des Gettos Łódź /Litzmannstadt bewegten.

Die Aufzeichnungen Das letzte Jahr der Łódźer Getto-Chronik wurden vom Hessischen Rundfunk vertont und in einer einjährigen Sendereihe mit dem gleichnamigen Titel ausgestrahlt. Täglich wurde der Tagesbericht der Chronik gesendet. Aus diesen Lesungen entstand unter der Regie des ZMI ein Hörbuch, das einzigartige Einblicke in den Alltag des jüdischen Gettos zur NS-Zeit bietet. Der Schauspieler Ulrich Matthes leiht den Opfern seine Stimme und gibt in eindringlich-nüchternem Ton einen exemplarischen Einblick in die Entwicklungen des Gettos. Ein Auszug aus der Hörbuchedition ist im Interview mit Sascha Feuchert zu hören. Weitere Informationen zum Hörbuch finden Sie hier.

 

 

 

Das ZMI gratuliert: ORDNUNG – Ein theatrales Essay beim OUTNOW! Festival in Bremen zu sehen

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Grafik: Maren Wiese
Nun wurde auch in Bremen das Leben geordnet! Das ZMI freut sich zusammen mit Gesa Bering und Stephan Dorn über die Einladung zum OUTNOW! Internationales Performing Arts Festival in Bremen und gratuliert herzlich. Aus über 400 Bewerbungen aus ganz Europa wurde ORDNUNG zusammen mit 20 weiteren Inszenierungen für das Festival ausgewählt. Dieses fand vom 2. bis 6. Juni 2017 statt. ORDNUNG wurde am 3. Juni in der Schwankhalle Bremen aufgeführt. Die Performance wurde unter anderem vom ZMI gefördert und feierte im November 2016 Premiere im Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt.

Bering und Dorn setzen sich in ihrem theatralen Essay mit der Frage nach einer ganzheitlichen Ordnung auseinander. Ist es möglich, die Welt zu archivieren? Komplett und lückenlos? Kann man die gesamte Geschichte – nicht nur den Teil, den Gewinner geschrieben haben – vollumfassend nacherzählen? Sämtliche Phänomene, Ideologien, Philosophien, Religionen, alle Dinge, Wissenschaften und Künste zwischen zwei Buchdeckeln vollständig und endgültig bändigen? Alle Menschen, die gesamte Tier- und Pflanzenwelt?

Konzept, Regie, Performance und Text sind von Gesa Bering und Stephan Dorn entwickelt worden. Verantwortlich für die Ausstattung ist Annatina Huwiler, für die technische Gestaltung Jost von Harleßem und für die Grafik und Animation Maren Wiese.

Gefördert wurde das Projekt vom Institut für Angewandte Theaterwissenschaft (JLU Gießen) in Kooperation mit dem Künstlerhaus Mousonturm, der Hessischen Theaterakademie (HTA) und dem ZMI, dem Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main, dem Kulturamt der Stadt Gießen und der Gießener Hochschulgesellschaft.

Weitere Informationen zum Festival sowie zur Aufführung finden Sie hier. Einen Trailer des Festivals mit allen eingeladenen Produktionen finden Sie hier.

 

 

 

Buchpräsentation: Interdisziplinäres Handbuch Komik von und mit Uwe Wirth

Cover Handbuch KomikDas von Uwe Wirth herausgegebene Interdisziplinäre Handbuch Komik wurde am 1. Juni 2017 im Caricatura Museum Frankfurt der Presse und am Abend in der Frankfurter Ausstellungshalle 1a der Öffentlichkeit präsentiert. Begleitet wurde die Buchvorstellung durch eine Lesung komischer Gedichte von und mit Christian Maintz. In dem im Metzler-Verlag erschienenen Handbuch haben 35 Autorinnen und Autoren aus 10 verschiedenen Disziplinen auf 400 Seiten alles zusammengetragen, was sich zurzeit über das Phänomen „Komik“ wissen lässt.

Neben Definitionen der Grundbegriffe, von Komik und Witz bis hin zu Dummheit und Groteske, sowie dem state of the art zahlreicher wissenschaftlicher Forschungen gewinnen die LeserInnen einen kultur- und medienübergreifenden Einblick in die historischen Erscheinungsformen des Komischen. Neben den unterschiedlichen methodischen Zugängen zum Komischen – etwa den philosophischen, psychologischen, psychoanalytischen, anthropologischen und gesellschaftspolitischen – beschäftigt sich das Handbuch detailliert mit den medialen Formen des Komischen. Dazu gehören zum einen die verschiedenen Gattungen des Komischen. Zum anderen werden aber auch deren Medienformate berücksichtigt: Karikatur, Comic, Satirezeitschriften, Anthologien, Film, Funk und Internet.

Obwohl in den letzten 20 Jahren rund 1500 Publikationen im Feld der Komikforschung erschienen sind, handelt es sich bei dem jetzt von Uwe Wirth vorgelegten Interdisziplinären Handbuch Komik um das erste Handbuch zum Thema überhaupt. Des Weiteren zeichnet sich das Handbuch durch die Vielzahl von Beitragenden aus, die sich nicht allein durch einen universitären Fokus mit dem Komischen beschäftigen, sondern selbst ganz praktische Erfahrung in der Komikproduktion haben. Dazu gehört unter anderem Christian Maintz, der die Veranstaltung mit einer Lesung von eigenen komischen Gedichten abschloss.

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Uwe Wirth präsentiert das Handbuch Komik in Frankfurt
Weitere Informationen: Wirth, Uwe (Hrsg.), Komik. Ein interdisziplinäres Handbuch, Stuttgart: J.B. Metzler, 2017.

 

 

 

Filmvorführung: 1917 – der wahre Oktober. Diskussion und Workshop mit der Filmemacherin Katrin Rothe

stimmen aus der praxis logoDas ZMI und die Fachjournalisitik Geschichte luden in ihrer gemeinsamen Reihe Stimmen aus der Praxis zum Workshop mit Filmvorführung und anschließender Diskussion mit der freiberuflichen Trickfilmerin und Regisseurin Katrin Rothe ein. Katrin Rothe studierte Experimentelle Filmgestaltung an der Hochschule der Künste Berlin und am CSM London. Sie verbindet Trickfilm mit anderen Formaten. Ihre Filme sind stets gut recherchiert und nah am Menschen.

Am 18. Mai 2017 fand um 16 Uhr am Philosophikum I, Raum C214, ein Workshop über ihren früheren Film Betongold – wie die Finanzkrise in mein Wohnzimmer kam (2013) statt, der mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.

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Koproduzent Peter Roloff, Produzentin Katrin Rothe und Initiatorin Prof. Ulrike Weckel (v.l.n.r.)
Um 18:30 Uhr zeigte das Kinocenter Gießen die russische Revolution als Doku-Trickfilm: 1917 – der wahre Oktober.

St. Petersburg 1917. Die Weltkriegsfront rückt täglich näher, man hungert, bangt, wütet. Im Februar wird der Zar gestürzt. Auch viele Künstler sind euphorisch: Revolution! Freiheit! Endlich Frieden? Nein. Ab Oktober herrschen allein die Bolschewiki. Was taten Dichter, Denker, Avantgardisten wie Maxim Gorki und Kasimir Malewitsch während diesem radikalen Gewaltenwechsel? Fünf von ihnen entsteigen im Film als animierte Legetrickfiguren den Bücherstapeln der Filmemacherin.

Basierend auf Recherchen in teils bisher unbekanntem Quellenmaterial, in Tagebüchern, Berichten und literarischen Werken der Trickfilm-Protagonisten wird eine multiperspektivische Befragung dessen, was heute weithin als „Die Oktoberrevolution“ bekannt ist, unternommen.

 Trailer der wahre oktober

Darüber hinaus hatten am 4. Mai ab 18 Uhr im Kinocenter die beiden eigenen Filme der ersten Masterstudierenden der Fachjournalistik Geschichte Premiere. Weitere Informationen dazu finden Sie hier. Ein Bericht zu der Filmvorführung ist im Gießener Anzeiger nachzulesen.

 

 

 

ZMI-Delegation beim Science March in Berlin und Frankfurt

Weltweit demonstrierten am 22. April in über 600 Städten Zehntausende für den Wert der Wissenschaft und faktenbasierte Politik. In mehr als 20 deutschen Städten nahmen TeilnehmerInnen an Demonstrationen des Science March teil.

Science March
Die ZMI-Delegation vor der ungarischen Botschaft Unter den Linden
In Frankfurt am Main nahm neben Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der Präsidentin der Goethe-Universität Prof. Brigitta Wolf und dem Präsidenten der Hochschule für angewandte Wissenschaft Prof. Frank Dievernich auch der Präsident der JLU und Sprecher der Konferenz Hessischer Universitäten (KHU) Prof. Joybrato Mukherjee teil. „In Zeiten, in denen die Unterscheidung zwischen Fakten und der Interpretation von Fakten verloren zu gehen droht und damit der Kern der Wissenschaft in Gefahr ist, gilt es, die Wissenschaft als ein hohes Gut zu schützen“, betonte Prof. Mukherjee am 21. April, als die KHU in ihrer Sitzung zur Beteiligung an den Demonstrationen aufgerufen hat. „Wissenschaftliche Erkenntnisse können nur in einem offenen, freien und internationalen Diskurs gewonnen werden. In einer global vernetzten Wissenschaftsgemeinde gilt: Wenn in anderen Ländern die Wissenschaftsfreiheit bedroht ist, geht uns das auch in Hessen unmittelbar an“, fügte Mukherjee auch im Namen der vier anderen Universitätspräsidentinnen und -präsidenten (Prof. Hans Jürgen Prömel (Technische Universität Darmstadt), Prof. Birgitta Wolf (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Prof. Reiner Finkeldey (Universität Kassel), Prof. Katharina Krause (Philipps-Universität Marburg) hinzu .

In Berlin liefen Mitglieder des ZMI mit dem Slogan „Wer Wissen verhindert, schaf(f)t Angst“ von der Humboldt-Universität über den Boulevard Unter den Linden bis zum Brandenburger Tor und nahmen am dortigen Science March teil. Vor der ungarischen Botschaft demonstrierte die ZMI-Delegation ihre Solidarität mit der Central European University (CEU), die aufgrund eines Gesetzes der Orbàn-Regierung von der Schließung bedroht ist. Neben der Streichung der Gelder für unabhängige Wissenschaft in den USA ist dies ein weiterer eklatanter Fall des Angriffs auf die freie Wissenschaft, wie sie aktuell in vielen Ländern zu beobachten ist und die der Grund für den Science March ist.

Weitere Informationen zum March for Science finden Sie hier.

 

 

 

 

 

Personalia

Sascha Feuchert tritt Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftungsprofessur an

Feuchert
Foto: Piotr Banczerowski
Nach Frankfurt bekommt nun Gießen die zweite Holocaust-Professur Hessens: Prof. Sascha Feuchert, Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur, übernahm zum 1. Juni 2017 die an der JLU neu eingerichtete Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftungsprofessur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur sowie ihre Didaktik. Neben der literaturwissenschaftlichen und didaktischen Auseinandersetzung mit Holocaust- und Lagerliteratur ist das Ziel der Gießener Professur, die Erinnerung an den Holocaust durch einen aktiven Umgang mit der Literatur auch dann noch zu sichern, wenn die Generation der Zeitzeugen in naher Zukunft nicht mehr da sein wird. Vorgesehen ist die enge Kooperation mit der bundesweit ersten Holocaust-Professur an der Goethe-Universität Frankfurt und dem Fritz Bauer Institut.

Sascha Feuchert, Jahrgang 1971, studierte an der JLU Germanistik, Anglistik und Pädagogik für das Lehramt an Gymnasien. Im Jahr 2003 promovierte er mit einer Arbeit zu Oskar Rosenfeld und Oskar Singer – zwei Autoren des Łódźer Gettos. Studien zur Holocaustliteratur. Im Juli 2008 übernahm Feuchert die Leitung der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der JLU, deren stellvertretende Leitung er schon seit 2000 innehatte. Für seine Arbeit erhielt er verschiedene Auszeichnungen, darunter die Medaille „Für Verdienste um Gesellschaft und Wissenschaft“ der Universität Łódź, Polen, (2006) sowie den Wolfgang-Mittermaier-Preis für hervorragende akademische Lehre der Erwin-Stein-Stiftung (2009). Im Jahr 2009 wurde Feuchert zum Honorarprofessor am Department of World Languages (German Section) der Eastern Michigan University, USA, ernannt. Seit 2012 ist er Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des PEN-Zentrums Deutschland.

Im Kontext des Projektes GeoBib hat das ZMI eng mit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur und insbesondere mit Sascha Feuchert zusammengearbeitet und diese Kooperation stets sehr geschätzt. Das ZMI wünscht Sascha Feuchert für den Antritt der Stiftungsprofessur alles Gute und freut sich auf die zukünftige Zusammenarbeit.

 

 

 

Das ZMI gratuliert: Carsten Gansel erhält das Bundesverdienstkreuz

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Ministerpräsident Erwin Sellering (Mecklenburg-Vorpommern) mit dem JLU-Literaturwissenschaftler Carsten Gansel. Foto: Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern
Aufgrund seiner Verdienste um die deutsche Literatur ist der Literaturwissenschaftler Prof. Carsten Gansel (ZMI-Sektion 2) in seiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Ministerpräsident Erwin Sellering überreichte den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an Gansel und drei weitere Geehrte. „Mit dieser hohen Auszeichnung ehren wir Menschen, die etwas ganz Besonderes, etwas Herausragendes geleistet haben, die sich mit viel Idealismus und Einsatzbereitschaft einer Aufgabe widmen, die der Gemeinschaft, die uns allen zugutekommt”, sagte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) anlässlich der Verleihung in der Staatskanzlei in Schwerin. Carsten Gansel gründete 1990 die Mecklenburgische Literaturgesellschaft in Neubrandenburg, deren Vorsitzender der Literaturwissenschaftler bis heute ist. Er ist zudem Mitbegründer des national wie international renommierten Uwe-Johnson-Literaturpreises und seit 2006 dessen Sprecher. Erst kürzlich hat er mit dem von ihm herausgegebenen Band Durchbruch bei Stalingrad für Furore gesorgt. Es war ihm gelungen, die 1949 vom russischen Geheimdienst konfiszierte Urfassung des großen Antikriegsromans von Heinrich Gerlach in russischen Archiven wiederzufinden. Ebenfalls 2016 erschien die von Carsten Gansel besorgte Neuedition der im Archiv aufgefundenen Originalfassung von Hans Falladas Welterfolg Kleiner Mann – was nun?.

 

 

 

Ann-Marie Riesner scheidet aus dem Team der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des ZMI aus

Ann-Marie RiesnerZum August 2017 verabschiedet das ZMI Ann-Marie Riesner aus dem Team der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, in dem sie zwei Jahre lang wirkte. Neben ihrer Tätigkeit als zentrale Ansprechpartnerin für die LeiterInnen der Sektionen und für Partnerinstitute des ZMI koordinierte sie zahlreiche Aktivitäten des ZMI. 2016 organisierte sie die Antrittsvorlesung der Ludwig Börne-Professur für Claus Leggewie. Erst kürzlich organisierte sie die Konferenz Online Vitriol: Advocacy, Violence, and the Transforming Power of Social Media, die das GCSC gemeinsam mit dem ZMI durchführte. Sie führte ebenfalls die Interviews der ZMI-Reihe Drei Fragen an.

Ann-Marie Riesner ist seit Oktober 2015 Doktorandin am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) an der JLU Gießen. Ihre Forschungsinteressen sind Literatur- und Mediengeschichte, Gegenwartsliteratur und Internetkultur. Ihr Dissertationsprojekt Imaginationen des Internets: metaphorische Erscheinungsformen eines ungreifbaren Mediums in deutschsprachigen Gegenwartsromanen wird von Prof. Uwe Wirth (ZMI Sektion 5) betreut. Gleichzeitig mit ihrem Ausscheiden aus dem Team der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tritt Ann-Marie Riesner in die Sektion 5 des ZMI ein, sodass sie dem ZMI als Wissenschaftlerin erhalten bleibt.

 

 

 

Thea Rathmann studentische Hilfskraft am ZMI

Thea RathmannSeit Februar 2017 verstärkt Thea Rathmann das Team des ZMI. Als studentische Hilfskraft unterstützt sie den Forschungsschwerpunkt Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft und ist in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Ab Oktober absolviert sie ein Auslandssemester an der Universität Gent.

 

 

Janine Peter hat das ZMI verlassen

Janine PeterJanine Peter war als studentische Hilfskraft vor allem mit dem Forschungsschwerpunkt Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft betraut und hat das Team der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tatkräftig in der Webredaktion unterstützt. Im März 2017 hat sie das ZMI verlassen, um in Karlsruhe bei Siemens ihre Masterarbeit im Unternehmen zu schreiben und damit ihr Studium Technische Redaktion und Multimediale Dokumentation an der Technischen Hochschule Mittelhessen abzuschließen.

 

Das ZMI wünscht Ann-Marie Riesner, Thea Rathmann und Janine Peter alles Gute für Ihre berufliche und persönliche Zukunft!