Das Kooperationsprojekt „LSBTIQ* Bewegungen und Demokratie: Geschichte, Gegenwart und Zukunft” beschäftigt sich mit der Rolle und Bedeutung von LSBTIQ* Bewegungen für Demokratisierungsprozesse in Deutschland und Österreich. Es untersucht, ob und in welcher Weise LSBTIQ* Bewegungen als potentielle Katalysatoren im Kampf um inklusivere Demokratien fungieren. Ebenso wird nach unterschiedlichen Perspektiven auf Demokratie und demokratische Teilhabe innerhalb dieser Bewegungen gefragt. Wie lassen sich Kämpfe um queere Rechte als Mobilsierungen für Demokratisierung begreifen? Wie hat LSBTIQ* Aktivismus die Grenzen liberaler Demokratien und das damit einhergehende Versprechen einer Gleichheit aller Bürger*innen herausgefordert und gleichzeitig erweitert?
Diese Fragen untersucht ein transdisziplinäres Team aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Berlin, Gießen und Wien in unterschiedlichen Forschungsprojekten. Das Verbundprojekt versammelt Expertisen aus queeren Archiven, Geschichts- und Politikwissenschaft, Theater- und Tanzwissenschaft sowie aus der Theater und Performancepraxis.
Teilprojekt an der JLU Gießen: "Liberale Demokratien herausfordern und transformieren: LSGTIQ++-Bewegungen und die demokratisierenden Effekte gegenhegemonialer Praktiken der Staatsbürger*innenschaft"
Das an der Professur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Gender Studies an der Justus-Liebig-Universität Gießen angesiedelte Teilprojekt untersucht anhand aktivistischer Praxen innerhalb von LSBTIQ*-Bewegungen in Deutschland Prozesse demokratischer Transformation und Innovation. In kritischer Zusammenführung von Erkenntnissen aus der sozial- und politikwissenschaftlichen Bewegungsforschung mit Ansätzen aus der queer-feministischen Staatstheorie und Citizenship Studies werden LSBTIQ*-Bewegungen als „Inkubatoren demokratischer Innovation“ und politischen Wandels (Flesher Fominaya/Feenstra 2023; Della Porta 2020) konzeptualisiert.
Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf unterschiedliche Demokratieverständnisse innerhalb von LSBTIQ*-Bewegungen gelegt sowie auf die demokratisierenden Effekte „gegenhegemonialer“ (Field 2007), „dissidenter“ (Sparks 1997) und „aufständischer“ (Holston 2008) Citizenship-Praktiken.
Partner*innen: Justus-Liebig-Universität Gießen (Prof. Dr. Christine M. Klapeer; Co-Sprecher*in), Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung (PD Dr. Anna Veronika Wendland; Co-Sprecher*in)
Projektbeschreibung
Wann und warum kommt es zu antifeministischen Mobilisierungswellen? Inwiefern sind deren nationalspezifische Artikulationen mit transnationalen Grenzziehungs- und Abgrenzungs-Prozessen verbunden?
Aktuelle antifeministische Mobilisierungen in geschlechterpolitischen Konfliktfeldern wie Familienrecht, Selbstbestimmungsrecht von Frauen, Geschlechtergewalt oder Rechte für LGBTIQ+ werden meist von rechtskonservativen bis extrem rechten und religiös-fundamentalistischen Akteuren getragen. Antifeminismen artikulieren sich einerseits national-spezifisch. Andererseits haben sie auch eine transnationale Dimension und verknüpfen sich mit geopolitischen und national-kulturellen Grenzziehungs- und Abgrenzungs-Prozessen im Kontext globaler Hierarchien sowie post-/kolonialer Konstellationen. Das Projekt GenDem untersucht antifeministische Mobilisierungen seit Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals in ihrer transnationalen Verwobenheit und mit historischer Tiefendimension. Die Ausgangsthese ist, dass solche Mobilisierungen verstärkt in Krisen- und Umbruchsituationen auftreten; wenn gesellschaftliche Ordnungen infrage gestellt werden und politische Herrschaftsverhältnisse an Legitimität einbüßen.
Teilprojekt an der JLU Gießen: Rot-Weiß-Rote Drag Panic(s): Queere Grenzfiguren als Kulminationspunkte anti-feministischer und homo(trans)nationalistischer Mobilisierungen am Beispiel Österreich
LGBTIQ+ Rechte und ‚queere Grenzfiguren‘ (Weber, 2016) stehen zunehmend im Zentrum antifeministischer Angriffe und sogenannter Anti-Gender Mobilisierungen. Das Teilprojekt an der JLU fragt nach der Bedeutung, Rolle und Funktion queerer Grenzfiguren für antifeministische Diskurse, Bewegungsformationen und Akteurskonstellationen in Österreich. Zentral ist dabei die Frage, wie sozioökonomische Krisen über bzw. durch queere Grenzfiguren verhandelt werden. Ziel des Teilprojektes ist es, diese antifeministischen Diskurse, Mobilisierungen und Politiken als Teil autoritärer Krisenbearbeitungsstrategien zu analysieren. Als analytischer Rahmen dienen dabei zwei ‚Drag Panics‘: erstens die antifeministischen und homonationalistischen Mobilisierungen rund um Conchita Wursts Teilnahme am ESC 2013/2014 und zweitens die politischen (Gegen-)Proteste um Drag-Lesungen 2023/2024.