Kranz und Gloria. Ein performatives Theatertheater nach Heinrich von Kleists »Prinz Friedrich von Homburg«
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- Kranz und Gloria. Ein performatives Theatertheater nach Heinrich von Kleists »Prinz Friedrich von Homburg«
- 2023-05-19T20:00:00+02:00
- 2023-05-19T21:00:00+02:00
19.05.2023 von 20:00 bis 21:00 (Europe/Berlin / UTC200)
Akademietheater MITTE der Theaterakademie August Everding, Aufführung im Rahmen des UWE-Festivals
Laura Bernhardt, Christian Förnzler, Hannah Helbig; mit Unterstützung von Kathlen Schulken
*Ins Nichts mit dir zurück, Herr Prinz von Homburg, / Ins Nichts, ins Nichts! In dem Gefilde der Schlacht, / Sehn wir, wenn’s dir gefällig ist, uns wieder! / Im Traum erringt man solche Dinge nicht!* – Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg, in „Prinz Friedrich von Homburg” von Heinrich von Kleist Es reicht nicht, von Utopien nur zu träumen - das scheint der Kurfürst dem Prinzen in Heinrich von Kleists Drama zuzurufen. Man muss auch für sie kämpfen. Das, was arglos wie ein Plädoyer für Selbstverwirklichung und das Träume-wahr-werden-lassen wirken könnte, klingt als Gerede von Schlachten und preußischem Militarismus in den Ohren der Gegenwart doch recht befremdlich. Inmitten von Offizieren, Korporalen, Preußenkönigen und Musenrössern, gewürzt mit einer gehörigen Portion Selbstreferentialität, der Versuch einer Annäherung: Was anfangen mit diesem verliebt-verträumten Prinzen, der sich übermütig einem Befehl der Obrigkeit widersetzt und dafür fast mit dem Tod bestraft wird? Sich in einer Montage aus eigenen Texten und Kleist-Versen an der Handlung des „Prinz von Homburg“ entlang hangelnd, setzen sich Laura Maria Bernhardt, Christian Förnzler und Hannah Helbig mit den Auswirkungen einer gewaltvollen Historie auseinander, in der Männer stets auch als Soldaten gesehen wurden. Sie befragen den konventionellen Literaturkanon, der auf der Bühne unermüdlich Werte und Traditionen reproduziert, die wiederum in Volksfesten, bei Fußballspielen oder der Unterhaltungskultur (unabsichtlich) weitergelebt werden. Dabei wechseln sich drei Ebenen immer wieder ab, ergänzen sich, kommentieren sich: Einerseits die Geschichte des Kurfürsten und der Prinzessin Natalie, zu denen sich der Prinz in seinem Machtdrang hingezogen fühlt. Andererseits tritt immer wieder auch der Autor selbst als Kunst-Figur auf, will das Gloria der Gegenwart einheimsen, das ihm zu Lebzeiten weder das preußische Königshaus noch die gefloppte Uraufführung 1821 gewähren wollte. Auf einer dritten Ebene tauchen die Performer*innen selbst als solche auf, inszenieren sich in Videoaufnahmen von angeblichen Probensituationen selbst: als Dramaturg*innen, Autor*innen und Schauspieler*innen. Wovon können und wollen wir im Theater noch träumen? „Kranz und Gloria” ist ein humorvolles und dennoch ernst gemeintes Spektakel nach, über und mit Heinrich von Kleist. Kleiner Anreiz für die, die wir damit noch nicht überzeugt haben: Am Ende gibt's Torte für alle!
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