Der Matilda-Effekt
- https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/atw/veranstaltungen/2023/matildaeffekt
- Der Matilda-Effekt
- 2023-02-10T19:30:00+01:00
- 2023-02-10T20:30:00+01:00
10.02.2023 von 19:30 bis 20:30 (Europe/Berlin / UTC100)
Theaterlabor Gießen
Alexandra Isabel Reis, Hannah Helbig (Inszenierung, Text, Performance); Lilli Joachim (Tanz, Choreografie); Elisabeth Dimigen (Produktionsleitung, Licht); Charlotte Skolik (Licht); Marie Engert (Sound-Design); Anna Hinz (Video und Animation); Anik Todtenhaupt (Live-Sound); Mathis Kießling (Dramaturgische Unterstützung); Zoe Langner (Dramaturgische Unterstützung)
Wenn wir uns die Historie bahnbrechender Entdeckungen, Theorien oder Kunstwerke anschauen, wird schnell ein Detail übersehen: die Namensträger sind fast ausschließlich männlich. Die berühmten Nobelpreisträger, die großen Persönlichkeiten der Geschichte, die so oft von der ungesehenen Arbeit ihrer Partnerinnen profitierten, heimsten den Ruhm oft alleine ein - kuschlig eingehüllt in den mythischen Deckmantel des männlichen Genies. Wissenschaftlerinnen wie Alice Ball, Mileva Marić und Rosalind Franklin, Künstlerinnen wie Camille Claudel, Fanny Hensel, Elisabeth Hauptmann und unzählige andere sind für ihr Talent, ihren Intellekt, ihre Widerstandskraft und ihre Errungenschaften nie genügend gewürdigt worden. Zwei junge ambitionierte Showmasterinnen versuchen nun, endlich Klarheit in dieses wirre Netz misogyner Historie zu bringen. Sie wollen auf humoristische Weise patriarchale Absurditäten aufdecken, den Schicksalen weiblich gelesener und queerer Personen endlich eine Bühne geben und in einer düsteren Comedy-Show die Welt ein Stückchen gerechter machen. Doch die glitzernde Show-Welt hat ihre Tücken, die beiden Entertainerinnen befinden sich selbst in einer Zwickmühle aus internalisierten Selbstzweifeln und der Angst, zu versagen. Das männliche Produktionsteam zögert nicht lange und setzt die Show ab. Ohne Job und zurückgeworfen auf sexistische Fremdzuschreibungen fragen sich Housewife, Hure, Muse und Mutter, wer sie sein können in dieser Welt. Am Ende verfallen sie selbst der kapitalistischen Lüge: das Empowerment einzelner marginalisierter Personen in weiterhin menschenfeindlichen Strukturen perpetuiert diese nur weiter und geschieht vor allem auf dem Rücken anderer. Was bleibt, sind die Trümmer einer patriarchalen Geschichte vor dem pinkgewaschenen Hintergrund einer neoliberalen Ausbeutungskultur: Welcome to the postfeminist wasteland!
- Performance
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