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Fluchtpunkt Hanoi

Wann

01.05.2025 von 15:00 bis 18:00 (Europe/Berlin / UTC200)

Wo

roam projects e.V., Berlin

Teilnehmer

Thomas Gaschler, Marina Ludemann, Nina DeLudemann, Ottjörg A.C., curated by Dr. Helen Adkins

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Ausgangspunkt der Installation Fluchtpunkt Hanoi ist eine außergewöhnliche deutsche Migrationsgeschichte im 20. Jahrhundert. Die Protagonisten sind Harry Schünadel, seine Lebensgefährtin Le Thi Hai sowie deren Kinder Henri und Lina. Die Geschichte wird von Linas Tochter Marina, Schwiegersohn Ottjörg und Enkelin Nina aus der Familienperspektive reflektiert. Autor und Medienspezialist Thomas Gaschler fügt einen Blick von außen hinzu. Kulturelle Differenzen, die Frage des Zuhauses und die des Individuums im geschichtlichen Kontext werden unterschiedlich gewichtet und beleuchtet. Harry Schünadel wird als 17-jähriger Sozialist 1906 in die Wittener Verschwörung verwickelt, die ein Attentat auf Kaiser Wilhelm II. plant. Als der Komplott aufgedeckt wird, flieht Harry, dem eine Anklage wegen Hochverrats droht, aus Deutschland. Er wird von der Fremden-legion abgefischt. Als Franzose kämpft er in Nordafrika und ab 1921 in Indochina. In Hanoi kommt Harry zur Ruhe. Zusammen mit der Vietnamesin Le Thi Hai, die als buddhistisches Cô-Đồng-Medium in einer Pagode tanzend die Geister der Toten beschwört und die Göttinnen ruft, bekommt er zwei Kinder, Henri und Lina. Als Lina drei Jahre alt ist, stirbt die Mutter. Die Kinder erleben die japanische Okkupation, die Besetzung durch nationalchinesische Truppen und den beginnenden Befreiungskampf der Việt Minh. Lina flieht immer wieder aus dem Internat in Haiphong ins Elternhaus nach Uong Bi. Nach Kriegsende, lebt sie in Hanoi und beginnt eine Schneiderlehre. 1950 stirbt Harry und die 18-jährige Lina verlässt Hanoi fluchtartig Richtung Paris. Mit dem Genfer Abkommen von 1954 verpflichten sich die Franzosen aus Indochina abzuziehen und die Vietnamesen in die technische Infrastruktur einzuweisen. Sohn Henri ist unter den letzten französischen Ingenieuren, die Nordvietnam verlassen. Inzwischen hat Lina ihren Traum wahr gemacht und eine Schneiderlehre an der ältesten Modeschule in Paris absolviert. Sie heiratet nach Düsseldorf und bekommt ihre Tochter Marina. Mit über 80 Jahren reist Lina mit ihrer Familie nach Vietnam auf der Suche nach Spuren ihrer Vergangenheit. In Hầu Đồng Ritualen werden ihr Schwiegersohn und ihre Enkelin in Trance versetzt, um als Medien den Geist Harrys zu rufen, das Phantom, von dessen Existenz lediglich zwei Fotos, eine Grabinschrift und das Carnet Militaire der Fremdenlegion zeugen. 2024 stirbt Lina mit 92 Jahren in Berlin. Wie sie es sich gewünscht hat, verstreut Marina die Asche im Januar 2025 im Petit Lac (Hồ Hoàn Kiếm) in Hanoi.

 

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