Forschung, Projekte, Tagungen
Prof. Dr. Mathilde Hennig
Forschungsschwerpunkte
- Grammatik des Gegenwartsdeutschen unter Einbeziehung pragmatischer Fragestellungen
- Grammatik des Neuhochdeutschen
- Nähe-Distanz-Theorie
- Grammatikbenutzungsforschung
Projekte in Vorbereitung
Volker Emmrich / Mathilde Hennig
Nominale Personenreferenz in der Wissenschaftssprache des Neuhochdeutschen
Das geplante Projekt zielt ab a) auf eine korpusorientierte Analyse historischer Wissenschaftsdiskurse auf der Basis nominaler Personenreferenz im Allgemeinen sowie b) auf eine Bestandsaufnahme des Beitrags (pro)nominaler Personenreferenz zum Auf- und Ausbau eristischer Strukturen in der Wissenschaftssprache des Neuhochdeutschen im Besonderen.
Clusteranalyse wissenschaftlicher Texte über nominale Personenreferenzen: Erste Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie im Deutschen Textarchiv
Die vorliegende Visualisierung entstand im Rahmen einer Machbarkeitsstudie zur korpuslinguistischen Analyse historischer Wissenschaftsdiskurse (Dezember 2025). Sie zeigt, wie sich Texte des Deutschen Textarchivs allein anhand der Personen, auf die sie verweisen, in thematische Cluster bzw. mögliche wissenschaftliche Diskurse gruppieren lassen.
Grundlage sind über 1,1 Millionen automatisch erkannte Personenreferenzen (Named Entity Recognition) – von häufig zitierten Namen wie Aristoteles oder Goethe bis zu seltener genannten, aber diskursspezifisch hochrelevanten Personen. Die Methode nutzt TF-IDF-Gewichtung: Personen, die in einem Text häufig vorkommen, im Gesamtkorpus aber selten sind, erhalten ein höheres Gewicht. So wird jeder Text durch sein charakteristisches Personenprofil beschrieben. Die Dimensionsreduktion durch UMAP macht Ähnlichkeiten sichtbar; die Clusterbildung gruppiert Texte mit verwandten Personenmustern.
Das Ergebnis sind 18 identifizierte Cluster – von „Römisches Recht und Pandektistik" über „Literaturgeschichte" bis zu „Expeditionsnaturforschung". Die Clusterbezeichnungen sind nachträgliche Interpretationen; die Struktur entsteht rein aus den Personenreferenzmustern.
Dieser Zugang begegnet einem methodischen Problem: Historische Wissenschaftstexte müssen eigenständig ernst genommen werden, ohne moderne Wissenschaftskonzepte voraussetzungslos auf sie zu übertragen. Personenreferenzen bieten hier eine Chance für eine ergebnisoffene, korpuslinguistische Analyse.
Die interaktive Visualisierung ermöglicht es, Cluster über die Legende unten ein- und auszublenden (Empfehlung: Restrauschen direkt ausblenden). Ein Klick auf einen Punkt zeigt die Top-100 der prägenden Personenreferenzen des Clusters, absteigend nach ihrer Relevanz.
Die vollständige interaktive Grafik ist unter diesem Link verfügbar.
Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2026. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.
Aktuelle Projekte
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DFG-Projekt "Syntaktische Grundstrukturen des Neuhochdeutschen" https://www.uni-giessen.de/gieskane Das Projekt "Syntaktische Grundstrukturen des Neuhochdeutschen" ist ein von der DFG gefördertes Kooperationsprojekt der Universitäten Gießen und Kassel (Prof. Dr. Vilmos Ágel). Im Projekt wird ein syntaktisch tief annotiertes Korpus aufgebaut, das die Grundlage für Analysen zu zentralen Phänomenbereichen in der Syntax des Neuhochdeutschen bildet. |
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Abgeschlossene Projekte
| Runder Tisch „Schulgrammatische Terminologie“ | |
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Im November 2009 wurde der „Gießener Kreis“ ins Leben gerufen, der es sich zum Ziel gesetzt hat, das von der KMK 1982 herausgegebene „Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke“ durch ein umfassenderes Empfehlungspapier zur schulgrammatischen Terminologie zu ersetzen. Die Arbeiten des Gießener Kreis habe ich bis zum Sommer 2017 koordiniert. Die durch den Gießener Kreis begonnenen Arbeiten wurden seit 2018 durch das am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache Mannheim beheimatete „Gremium für Schulgrammatische Terminologie“ fortgesetzt. Das neue „Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke“ wurde im November 2019 von der KMK zustimmend zur Kenntnis genommen. Es ist über das Grammatische Informationssystem des IDS einsehbar: https://grammis.ids-mannheim.de/vggf |
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Die durch den Gießener Kreis begonnenen Arbeiten wurden seit 2018 durch das am Leibniz-Institut für Deutsche Sprache Mannheim beheimatete „Gremium für Schulgrammatische Terminologie“ fortgesetzt. Das neue „Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke“ wurde im November 2019 von der KMK zustimmend zur Kenntnis genommen. Es ist über das Grammatische Informationssystem des IDS einsehbar: https://grammis.ids-mannheim.de/vggf |
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| www.grammatikfragen.de | |
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Von 2011 bis 2019 habe ich Sprachberatung zu grammatischen Zweifelsfällen über das Forum www.grammatikfragen.de angeboten. Gemeinsam mit einem Team an grammatisch geschulten Hilfskräften habe ich 1600 Fragen zu Themenfeldern wie Kongruenz, Rektion und Nominalgruppenflexion beantwortet. Die Sprachberatung hatte einerseits zum Ziel, systematisch Daten zu authentischen Zweifelsfällen zu sammeln. |
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Andererseits sollten Möglichkeiten einer möglichst adressatenorientierten und verständlichen, aber dennoch linguistisch fundierten Beschreibung grammatischer Problembereiche ausgelotet werden. Das Projekt wurde aus Kapazitätsgründen Ende 2019 eingestellt; die Fragen und Antworten können aber nach wie vor auf der Seite eingesehen werden. |
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DFG-Projekt „Explizite und elliptische Junktion in der Syntax des Neuhochdeutschen" |
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Pilotprojekt zu einer Sprachstufengrammatik des Neuhochdeutschen“ Kassel April 2007 bis März 2009 |
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Eine konzeptionelle Besonderheit des Projekts bestand darüber hinaus in der Integration von Koordinationsellipsen in das Junktionskonzept. |
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Daten
Einfachheitswerte für literarische Texte (Drama und Prosa) aus dem „Deutschen Textarchiv“
Datenbereitstellung zum Aufsatz
Mathilde Hennig / Joachim Jacob (unter Mitarbeit von Volker Emmrich)
Gibt es einfache literarische Texte? Möglichkeiten und Grenzen einer (korpus-) linguistischen Bestimmung von Einfachheit für die Analyse literarischer Texte.
In: Henke, Daniela & Daniel Holzhacker (Hrsg.): Einfachheit und literarische Texte.
Der Aufsatz beschäftigt sich mit der grundsätzlichen Frage, ob und wenn ja auf welcher Basis es möglich ist, einen literarischen Text als einfach einzustufen. Er greift dabei auf eine korpuslinguistische Bestimmung von Merkmalen sprachlicher Einfachheit in literarischen Texten zurück und nutzt diese als Grundlage für die Auseinandersetzung mit der Frage, ob linguistische Einfachheitsmaße eine sinnvolle Grundlage für eine Bestimmung von literarischen Texten als mehr oder weniger einfach genutzt werden können bzw. welche Aussagekraft linguistischen Einfachheitsmaßen für die Betrachtung literarischer Texte in diesem Zusammenhang zukommen kann.
Das verwendete Einfachheitsmaß basiert auf Emmrichs Ansatz zur oberflächenbasierten automatischen Bestimmung der Nähe- bzw. Distanzsprachlichkeit von Texten. Vier aus dem Ansatz herausgefilterte Werte (Satzlänge, Informationsdichte, Länge des Mittelfelds, syntaktische Komplexität) werden für ein die Bestimmung eines Einfachheitsscores von insgesamt 413 im Deutschen Textarchiv verfügbaren literarischen Texten genutzt. Da der Datensatz möglicherweise auch für die weiterführende Forschung von Interesse sein könnte, stellen wir ihn hier zur Verfügung. Nähere Informationen zur Nutzung der Daten entnehmen Sie bitte dem oben genannten Aufsatz oder wenden Sie sich mit Ihren Rückfragen direkt an uns.
Lit: Emmrich, Volker (2025a): A scale of conceptual orality and literacy: Automatic text categorization in the tradition of ‘Nähe und Distanz’. https://doi.org/10.48550/arXiv.2502.03252
Deutsches Textarchiv: https://www.deutschestextarchiv.de/
Tagungen
Corpus Linguistics in the AI Era
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May 07 to May 09 2026, Schloss Rauischholzhausen The corpus-linguistic sections of the Department of English and the Department of German at Justus Liebig University (JLU) Giessen, Germany, jointly host the conference ‘Corpus Linguistics in the AI Era’, which will take place at Schloss Rauischholzhausen from May 07 to May 09 2026. [DOWNLOAD TAGUNGSPROGRAMM] The conference seeks to establish and widely explore the relations through which corpus-linguistic theory and practice connect with principles and applications of artificial intelligence – with a particular emphasis on large language models. Corpus linguistics and artificial intelligence as manifested in large language models are both rooted in and dedicated to the analysis of large amounts of texts and thus appear naturally connected. Yet, in comparison to the rapid integration of large language models in the field of computational linguistics, corpus linguists – at least as far as their output at relevant conferences and in dedicated journals is concerned – have so far been more hesitant in adopting large language models in their research. You can take part in the conference either in person or via videoconference. Please register here: https://eveeno.com/369770242 |
Workshop - "40 Jahre Nähe und Distanz"
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28.11.2025, Alexander- und Wilhelm-von-Humboldt-Gästehaus der JLU Gießen Anlässlich der nunmehr 40jährigen Erfolgsgeschichte des Koch/Oesterreicher’schen Modells der „Sprache der Nähe und Sprache der Distanz“ werden in einem eintägigen Workshop neue theoretische und empirische Fragen der Arbeit mit dem Modell erörtert. Im Mittelpunkt stehen Fragen zur Bestimmung der „Sprache der Distanz“ sowie des Abgleichs des Nähe-Distanz-Ansatzes mit dem Biber’schen Registermodell. Die Veranstaltung ist für alle Interessierten geöffnet. Weitere Informationen zum Programm des Workshops können Sie hier finden. Ein ausführliches Exposé zum Workshop finden Sie hier. |
Einfachheit und literarische Texte. Eine interdisziplinäre Tagung an der Schnittstelle von Linguistik und Literaturwissenschaft
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07.11 - 09.11.2024, Schloss Rauischholzhausen Einfachheit und literarische Texte. Eine interdisziplinäre Tagung an der Schnittstelle von Linguistik und Literaturwissenschaft Weitere Informationen zur Tagung sowie das Tagungsprogramm finden Sie hier.
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Grammatik des Neuhochdeutschen zwischen Gegenwart und Geschichte
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23.05. - 25.05.2024, Schloss Rauischholzhausen 2. Tagung des DfG-Projekts GiesKaNe - Syntaktische Grundstrukturen des Neuhochdeutschen: Grammatik des Neuhochdeutschen zwischen Gegenwart und Geschichte |
Ratgeberpraxis in der spätmodernen Gesellschaft: Sprache, Normierung, Wissen
Online-Tagung, 12.-13. November 2020 (Ursprünglich angekündigt für 24.-25.3.2020)
Referenzkorpora des Deutschen: Konzepte, Methoden, Perspektiven
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27.-29.09.2017, Schloss Rauischholzhausen |
| Linguistische Komplexität - ein Phantom? | |
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30.9.-2.10.2015, Schloss Rauischholzhausen Komplexität im Sprachvergleich |
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| Attribution, Komplexität und Komplikation | |
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18.-20. September 2013, Schloss Rauischholzhausen Im September 2013 fand eine Tagung zu Attributen als Phänomen der Komplexität in der Nominalgruppe statt. Ziel der Tagung war die Engführung verschiedener linguistischer Perspektiven auf komplexe und komplikative Attribuierungen. Diese Zielsetzung folgt der Auffassung, dass Attribution nicht nur als grammatisches Phänomen betrachtet werden sollte, sondern dass gerade komplexe und komplikative Attribution Erklärungsbedarf auf verschiedenen linguistischen Ebenen evoziert. |
| Ellipsen aus grammatischer und psycholinguistischer Perspektive | |
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Im September 2011 fand eine Tagung zum Verstehen von Ellipsen aus grammatischer und psycholinguistischer Perspektive statt. Ziel der Tagung war es, eine Integration von grammatischer und psycholinguistischer Ellipsenforschung anzuregen. |
Germanistische Institutspartnerschaften
| Hanoi (Vietnam) | |
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Die GIP mit der Universität Hanoi bestand von 2015 bis 2024. Das zentrale Ziel der GIP bestand darin, die Projektpartner in Hanoi in Bezug auf die derzeit anstehenden Aufgaben in der Umstrukturierung des Wissenschaftssystems zu unterstützen. Im Mittelpunkt standen dabei der Aufbau eines Systems der Nachwuchsförderung (vor allem durch Promotionen) sowie die Entwicklung curricularer Angebote, die auf den gestiegenen Bedarf der Deutschlehrerausbildung zugeschnitten sind. |
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Als thematisches Dach für die sowohl wissenschaftlich-qualifizierende als auch wissenschaftlich-didaktische Zielsetzung der GIP dient das Thema „Wissenschaftliches Schreiben in Theorie und Praxis“. https://www.daad.de/der-daad/daad-aktuell/de/35263-deutschland-bleibt-in-der-familie/ |
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| Temesvar/Cluj (Rumänien) | |
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2007 bis 2016 bestand eine Germanistische Institutspartnerschaft zwischen Gießen und Cluj-Napoca (Klausenburg), finanziert durch den DAAD. Ab 2012 wurde sie ausgeweitet auf die Universitatea de Vest din Timişoara (Temesvar) als dritten Partner. Die GIP wurde im Wesentlichen von den Professuren Dietl und Hennig betreut und diente neben dem Dozentenaustausch v. a. der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Klausenburg und Temesvar, aber auch in Gießen. |
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Der sprachwissenschaftliche Schwerpunkt der GIP lag im Bereich Interkulturelle Perspektiven der Wissenschaftskommunikationsforschung. |
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