Inhaltspezifische Aktionen

Herzlich Willkommen beim Panel on Planetary Thinking

„In den Zeiten der Krise zeigt es sich umso deutlicher, dass wir uns von engen Denkmustern verabschieden müssen. Das "Panel on Planetary Thinking" der Justus-Liebig-Universität Gießen überwindet die Disziplinengrenzen und erweitert diese im Sinne einer planetaren Gesamtperspektive. Ich bin froh, dass die beteiligten Forscherinnen und Forscher auf diese Weise das Thema "Nachhaltigkeit" in den Blick nehmen, das wir sehr bewusst in den Hessischen Hochschulpakt 2021-2025 mit aufgenommen haben. Darin ist unter den hochschulpolitischen Zielen explizit aufgeführt, dass ,Nachhaltigkeit angesichts wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse über die Überschreitung planetarer Grenzen eine wichtige Rolle im Handeln einer jeden Hochschule (planetarisches Denken) spielen soll.” (Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst)

 

Aktuelles

 

23. November 2022: Vortrag von Claudia J. Ford “Writing Nature: Justice, Identity & Environmentalism in American Multicultural Literature" an der Universität Klagenfurt

 

 

Am 23.11.2022 wurde unsere Gastwissenschaftlerin Claudia J. Ford an die Universität Klagenfurt eingeladen, um dort einen Vortrag zum Thema “Writing Nature: Justice, Identity & Environmentalism in American Multicultural Literature" zu halten. Sie sprach unter anderem über die literarische Darstellung ökologischer Ungerechtigkeit und diskutierte mit den Teilnehmenden über das Potenzial literarischer Texte, die Stimmen ethnischer Minderheiten in Verbindung mit ökologischen Herausforderungen and die Öffentlichkeit zu kommunizeren.

17. November 2022: Frederic Hanusch live zu Gast bei „Scobel – Zukunft gestalten“ (3Sat)

Am Abend des 17. November gab es unseren wissenschaftlichen Geschäftsführer Frederic Hanusch (momentan Fellow am The New Institute) live in einem Fernsehbeitrag zu sehen: 3 Sat hatte ihn als Gast eingeladen, um im Gespräch mit Imke Woelk (Architektin & Künstlerin), Stefan Brunnhuber (Wirtschaftswissenschaftler & Psychiater) und Gert Scobel (Journalist & Philosoph) in der Sendung "scobel - Zukunft gestalten" über zukünftige Lebensformen zu diskutieren. Die Sendung reflektiert die Transformation zukünftiger Lebensformen vor dem Hintergrund aktueller planetarer Herausforderungen. In dieser Folge debattierte die Runde über das Verhältnis von Demokratie und Klimapolitik, über die Wirksamkeit von Ansätzen der "Rechte der Natur" im Zusammenhang mit der Umgestaltung von Städten, sowie über die psychologischen Herausforderungen, die mit der Veränderung von Gewohnheiten und dem Verzicht auf Privilegien verbunden sind. Die gesamte Sendung ist über die 3Sat Mediathek einsehbar.

08. November 2022: "Eigener Koordinator für Raumfahrt": FAZ Artikel von Claus Leggewie zu der Konferenz "Hessen in Space" und den Herausforderungen einer nachhaltigen Raumfahrt 

 

Claus Leggewie berichtet in seinem Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 08.11.22 von der Konferenz „Hessen in Space“ der Landesregierung. Im eintägigen Programm kamen verschiedene Expert:innen zusammen, um über die Beteiligungen des Landes Hessen an der heutigen Raumfahrtsforschung zu referieren und die damit einhergehenden Chancen und Herausforderungen zu reflektieren. Zentral war dabei unter Anderem die Absichtserklärung, die Raumfahrt nicht nur dafür einzusetzen den Planeten besser verstehen und schützen zu können, sondern auch die Raumfahrt selbst nachhaltiger zu gestalten. In seinem Kommentar setzt Claus Leggewie die Vorstellung einer Raumfahrt als „astronautisch-ökologischen Komplex“ ins Verhältnis zu aktuellen Diskursen rund um planetare Krisen und plädiert für dessen zunehmende Entkopplung von Wirtschaft und Verteidigungsindustrie.

 

02. November 22: "Der Wald als Mitakteur? Das Fallbeispiel einer planetaren Politik": Beitrag des Panels in der Politischen Vierteljahresschrift

 

Am 02.11.22 erschien ein Artikel von Frederic Hanusch, Liza Bauer, unseren Fellows Claudia Hartl und Clemens Finkelstein, sowie Claus Leggewie in der PVS Ausgabe Das Planetarische Politisch(e) Denken.Der Wald als Mitakteur? Das Fallbeispiel einer planetaren Politik“ beleuchtet wie Wälder als aktive Teilhaber in einer 'planetaren Waldpolitik' verstanden werden können und fragt nach den politikwissenschaftlichen Konsequenzen eines solchen Verständnisses. Der kollaborative Artikel bündelt die Arbeit des Panels und seiner ersten Fellows im Planetary Scholars & Artists in Residence Program, deren Fokus im Sommersemester auf dem planetaren Material 'Holz' lag.

10. und 11. November 2022: "Narratives of Environmental Knowledge in the Anthropocene" & "Sacred Feminine Birthing the New" - Gastbeiträge zu "What Earth Is Made Of"

 

Wir freuen uns Dr. Ayşe Dayı (Founder & Director, Orca Dreams: Platform for Mindful Living) und Dr. Matthias Klestil (Universität Klagenfurt) im Rahmen unserer Planetary Materials Workshop-Serie  „What Earth is Made Of” als Respondenten begrüßen zu dürfen.

Matthias Klestils Kurzbeitrag zum Thema "Narratives of Environmental Knowledge in the Anthropocene” am 10.11. (14:15 Uhr) antwortete auf Claudia J. Fords James Lovelock Memorial Lecture und eröffnete so die Diskussion unter den Teilnehmenden.

Er ist derzeit Postdoc am Institut für Amerikanistik an der Universität Klagenfurt in Österreich. Er promovierte an der Universität Bayreuth, und war Bavarian Fellow an der Library of Congress, Washington, D.C. In seiner Dissertation untersuchte er das Zusammenspiel von Mensch und Natur und betrachtete afroamerikanische Texte aus einer ökokritischen Perspektive. Klestils erstes Buch Environmental Knowledge, Race, and African American Literature erscheint demnächst bei Palgrave Macmillan (2023); zu seinen jüngsten Veröffentlichungen gehören wissenschaftliche Artikel über Colson Whitehead und die Kurzgeschichten von Ted Chiang. Klestils derzeitiges Forschungsprojekt konzentriert sich auf Erzähltheorie, das Anthropozän und zeitgenössische nordamerikanische Belletristik und Filme.

Dr. Ayşe Dayıs Beitrag "Sacred Feminine Birthing the New“ antwortete im Zuge der Vernissage zur Ausstellung "Planetary Origin Stories" (11.11., 17:30 Uhr) auf Claudia Fords Artist’s Talk.

Sie ist Psychologin, medizinische Soziologin, Heilerin und Achtsamkeitstrainerin. Nach ihrer Promotion an der Penn State University arbeitete Ayşe Dayı über 15 Jahre lang an Universitäten in den USA, der Türkei, Frankreich, der Schweiz und Deutschland, wo sie über die Rechte der Frauen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit lehrte und forschte. Ihre jüngste Veröffentlichung ist das Buch "The Politics of the Female Body in Contemporary Turkey Reproduction, Maternity, Sexuality", das sie gemeinsam mit Dr. Alkan, Yarar und Topçu herausgegeben hat (2021, IB Tauris). Im Jahr 2020 gründete Ayşe Orca Dreams: Platform for Mindful Living (www.orca-dreams.com), wo sie Einzelpersonen und Organisationen auf der ganzen Welt Bildung und Beratung zu ganzheitlicher Gesundheit und Achtsamkeit anbietet. In dieser Plattform verbindet Ayşe ihr akademisches und aktivistisches Wissen über Gesundheit mit ihrem Wissen und ihrer Praxis der Achtsamkeit, um Einzelpersonen, Gruppen und Institutionen durch den großen Bewusstseinswandel zu unterstützen, den GAIA und wir selbst erleben. Sie wird einen Frauenheilkreis "Remembering & Honoring my Sacred Feminine" im Februar-März 2023 an der VHS-Mitte, Berlin, leiten.

© Ayşe Dayı, Photographer: Oliver Ohanlon

18. Oktober und 10. - 11. November 2022: Planetary Materials Workshop "What Earth is Made of"

 

 

Am 18. Oktober sowie am 10. und 11. November findet die Workshop-Reihe von Planetary-Material-Fellow Claudia J. Ford statt. Ford fokussiert in ihrer Arbeit unsere Beziehung zu planetaren Materialen. Als Wissenschaftlerin und Künstlerin ist es Ford wichtig, die eigene Beziehung zur Erde für die Teilnehmenden mit allen Sinnen erfahrbar zu machen. Entsprechend bildet den Auftakt der Reihe der Ausflug zum Gladbacherhof am 18. Oktober. Hier wird mit landwirtschaftlicher Arbeit die Beziehung zu unserer Nahrung und ihrer Herstellung in den Mittelpunkt gestellt. Die Veranstaltungen am 10. und 11. November erweitern den Fokus und lenken den Blick auf das Erfahren der eigenen Beziehung zur Natur im Kontext der Gesellschaft und der aktuellen Klimakrise. Welche Rolle können James Lovelock's Gaia Theorie und ein relationales Verständnis unserer Erde in diesem Gefüge spielen? Neben der Erkundung wissenschaftlicher Aspekte in einem Vortrag und einer Filmvorführung, werden die Teilnehmenden auch eingeladen sich in einem Schreibworkshop zu Klimatrauer und einer Vernissage mit Collagen zum Thema "Planetary Materials" kreativ mit der Fragestellung auseinanderzusetzen. Wir laden alle Interessierten herzlich ein, bei einer oder mehreren Veranstaltungen des spannenden Programms dabei zu sein. Hier finden Sie weitere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen und der Anmeldung.

Poster: What Earth is Made of

10. November 2022 | Von der Ressourcenquelle zum aktiven Partner: Rückblick auf das planetare Kolloquium Perspektiven zu den Rechten der ›Natur‹

 

Um dem anhaltenden Verlust an genetischer Vielfalt auf dem Planeten effektive Maßnahmen entgegenzusetzen, sprechen sich immer mehr Stimmen für eine feste Verankerung von Rechten der ›Natur‹ in westlichen Rechtssystemen aus. Fragen danach ob, wie und warum die unzähligen tierlichen, pflanzlichen, mikrobiellen und andersartigen Bewohner:innen des Planeten die Politik mitgestalten können beschäftigte unser Panel im planetaren Kolloquium.

In seiner Einstiegs-Keynote „Welche Rechte braucht die Natur?“ zeichnete der Soziologe Frank Adloff (Universität Hamburg) zunächst die Entwicklung unterschiedlicher Konzeptionen von Rechten für Tiere, Pflanzen, und Ökosysteme nach. Schnell wurde deutlich, dass westlich geprägte Debatten um Nachhaltigkeit, Umwelt-, oder Tierschutz bislang weit davon entfernt sind, den intrinsischen Wert nichtmenschlicher Lebensformen anzuerkennen.  Adloff schlägt daher einen „methodologischen Animismus“ vor: Ausgehend des Grundprinzips vieler indigener Kulturen, nach dem alle planetaren Bestandteile als belebt und beseelt verstanden werden, könnten Lebewesen wie Würmer, Pilze, oder Flüsse programmatisch als Quasi-Subjekte begriffen werden. Er kombiniert so die indigene Kosmologie mit einem westlichen Rechtsverständnis, sodass sich nichtmenschliche Lebensformen als kollektive Rechtssubjekte zusammenfassen lassen. In Antwort zu Adloff zeigte die Soziologin Doris Schweizer (Goethe Universität Frankfurt) Schwierigkeiten in Verbindung zur Übertragbarkeit menschlicher Rechtskonzeptionen auf nichtmenschliche ›Rechtspersonen‹ auf. Obgleich Sie das politisches Potenzial hinter der Idee anerkennt, können Rechtssysteme ihre anthropozentrische Ausrichtung lediglich relativieren, nicht jedoch gänzlich überkommen. Anschließend warf Ökosystemforscherin Emily Alice Poppenborg (JLU Giessen) weitere Zweifel auf: Menschliche Gesellschaften seien heutzutage so eng in die Funktionsweisen von Ökosystemen verstrickt, dass der Begriff ›Natur‹ in Poppenborgs Forschung gar keinen Gebrauch findet; außerdem untermauere er fehlgeleitete Vorstellungen einer Trennlinie zwischen ›Kultur‹ und ›Natur‹. Dennoch konnte Juristin Franziska Johanna Albrecht (Green Legal Impact, Berlin) zeigen, dass Rechte der ›Natur‹ – so unvollkommen sie auch sein mögen – als effektive Werkzeuge im Sinne der Repräsentanz nichtmenschlicher Interessen eingesetzt werden können.

Erst am 3. Oktober 2022 wurde die spanische Lagune „Mar Menor“ zur ersten natürlichen Rechtsperson in Europa erklärt. Ob dieser Status dem immens bedrohten Ökosystem tatsächlich aus der Krise verhelfen wird bleibt abzuwarten und wird bereits von Expert:innen in Frage gestellt (cf. Soro Mateo und Álvarez 2022). In den Versuchen, das Konzept der ›Natur als Rechtsperson‹ weiter auszureifen um es effektiv in die Praxis umzusetzen, stellen indigene Modelle zweifelslos Vorreiter zur Orientierung dar. Rechte der ›Natur‹ können und sollten in diesen Versuchen jedoch keinesfalls als ein Allheilmittel gegen anthropozentrisch ausgerichtete Politik verstanden, sondern immerzu kritisch hinsichtlich ihrer Motivationen hinterfragt werden. Als stets weiter auszufeilende Werkzeuge können Sie jedoch zur Relativierung anthropozentrischen Denkens beitragen – und so vielleicht dem Artensterben entgegenwirken.

 

Eine Aufnahme des hybriden Kolloquiums wird in Kürze über unseren Youtube Channel verfügbar sein.

Poster: Perspectives on the Rights of Nature

27. Oktober 2022 - Exkursion zum Museum Sinclair-Haus

Am 27. Oktober besuchte das Panel das von der Stiftung Kunst und Natur geförderte Museum Sinclair-Haus, um die internationale Ausstellung Ewiges Eis zu besuchen. Die Ausstellung zeigte ausgewählte Werke zeitgenössischer Künstler, die die kulturellen, politischen, sozialen und sonstigen Zusammenhänge der globalen Eisschmelze darstellten. Auch die Auswirkungen der Schmelze auf lokale indigene Gemeinschaften und auf das Weltklima als Ganzes wurden thematisiert.

In der Ausstellung erlebten wir eindrucksvolle sensorischen Erfahrungen vermittelt durch visuelle und auditive Mittel, wie etwa Stickerei, Fotografie und Videoinstallationen. Gezeigt wurden u. a. die Stickereiarbeiten der schwedischen Sámi-Künstlerin Britta Marakatt-Labba, die von den Geschichten der lappländischen Rentierzüchter im hohen Norden erzählten. Ebenso wurde eine kurze Videokollaboration mit dem Titel Rise: From One Island to Another zwischen der Dichterin Kathy Jetn̄il-Kijiner von den Marshallinseln und der Autorin Aka Niviâna aus Kalaalit Nunaat (Grönland) ausgestellt.

 

Unser besonderer Dank gilt Madelaine Heck für die anregende Führung durch die Ausstellung!

 

25. Oktober 2022 - DocTalk x MoMa Clemens Finkelstein "Environmental Control: Seismicity as Design Technique in Wilhelmine Germany"

 

DocTalks x MoMA

Clemens Finkelstein and Lydia Xynogala
25 October, 2022 / 4-6 PM CET / 10-12 AM EST

https://doctalks.net | register: Eventbrite

Clemens Finkelstein (Princeton University / Universität Hamburg)
“Environmental Control: Seismicity as Design Technique in Wilhelmine Germany"
(Respondent: Alfredo Thiermann, EPFL)

 

Unser Fellow Clemens Finkelstein hält am 25. Oktober um 16:00 Uhr am MoMa einen Vortrag zum Thema “Environmental Control: Seismicity as Design Technique in Wilhelmine Germany". Der Vortrag befasst sich mit Seismizität als kollaboratives Designprinzip zwischen Geophysikern und Architekten im Aufbau von Erdbebenwarten. 

Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe finden sich unter https://doctalks.net. Zur Anmeldung registrieren Sie sich bitte unter Eventbrite

Earthquake Observatory Göttingen, unknown photographer, c. 1902. Courtesy Deutsche Geophysikalische Gesellschaft / DGG Archive.


 

18. Oktober 2022 - Exkursionsbericht Community Farm Day @ Gladbacherhof

 

Betriebsleiter Johannes Eisert führt die Gruppe durch den neuen Versuchsstall © Bauer

Philip Weckenbrock erläutert den Versuchsaufbau für die Analyse der Produktivität verschiedener Agrofortsysteme © Wiegand

Am 18.10 fand die Kickoff-Veranstaltung für die Workshop-Series “What Earth is made of?” unseres Fellows Claudia Ford statt. Die Veranstaltungsreihe verbindet verschiedene Perspektiven aus angewandten Bereichen, der Wissenschaft und der Kunst in einem Versuch, unser Verhältnis zur Erde und ihren Materialitäten neu zu denken. Im ersten Workshop lag der Fokus auf einer der fundamentalsten Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt - die der Nahrungsproduktion und der Ernährung. Dazu führte uns unsere Exkursion auf den Gladbacherhof, der Ökolandwirtschaft und Forschung verbindet: auf dem produktiv wirtschaftenden Ökolandbaubetrieb wird in Kooperation mit der JLU Forschung betrieben, um Ökolandbau neu zu denken und zukunftsfähige Konzepte zu entwickeln.

Der Tag startete mit einer Tour durch den neu erbauten Milchviehversuchsstall. Mit Hilfe eines Melkroboters und eines vollautomatischen Fütterungs- und Reinigungssystem erforschen die Mitarbeiter:innen des Green Dairy Projekts wie Klimagasemissionen im Ökolandbau reduziert, und das Maß an Selbstbestimmung und Bewegungsfreiheit der Tiere dabei gesteigert werden kann.

Nach einem mit hofeigenen Produkten durch Veganatural zubereiteten Mittagessen wurde sich in wissenschaftlichen Vorträgen mit diversen Themen auseinandergesetzt. Neben Überlegungen zu Entscheidungskriterien für Landwirte im Umgang mit nachhaltigen Technologien wurden auch neue Ansätze in der Agroforstwirtschaft und ein Plädoyer für mehr Fürsorge in der Landwirtschaft im Sinne des 'Biodynamic Farming' diskutiert. Auch fand eine Führung durch die sich vor Ort befindlichen Laborräume statt.

Zuletzt durften die Teilnehmer:innen die im Vortrag vorgestellten Techniken der Agroforstwirtschaft in Anwendung betrachten. Philipp Weckenbrock stellte der Gruppe das Agroforstprojekt des Hofes vor und erklärte im Detail, wie dabei über bestimmte Pflanzungsstrategien versucht wird, mehrere Ebenen der Nahrungsmittelproduktion in einem zusammenhängenden System anzuordnen. In den Versuchaufbauten des Hofes wird dabei konkret die Produktivität von Mischsystemen zwischen Bäumen und klassischen landwirtschaftlichen Kulturen wie z.B. Getreide oder Kartoffeln untersucht. Obwohl sie in der Praxis bisher wenig Anwendung finden, versprechen Agroforstsysteme einige Vorteile, beispielsweise eine stärkere Resilienz und Widerstandsfähigkeit gegenüber klimatischen Veränderungen, Erosion und eine erhöhte Wasserspeicherkapazität des Bodens.

Die Exkursion erlaubte uns vertiefende Einblicke in eine faszinierende Verbindung von Forschung und landwirtschaftlicher Praxis im Ökolandbau.


 

Claudia Ford plädiert für mehr Fürsorge in der Landwirtschaft © Wiegand.

 


 


 

Den Grünkohl für das Mittagessen erntet die Gruppe direkt auf dem Feld © Wiegand



7. - 12. Oktober 2022 - Claus Leggewie bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, dem Maison Heinrich Heine und auf der Konferenz "Rethinking the Interplay of Civic Engagement and Institutional Politics"

 
 
Claus Leggewie hielt am 7. Oktober 2022 bei einer Tagung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zum Thema "Der historische Vergleich. Erkenntnisgewinn und Kampfzone" einen Vortrag mit dem Titel "'Das kann man nicht vergleichen!' Vom Nutzen  und Nachteil der Geschichte für die Zeitdiagnose" zur Frage der faschistischen Entwicklung des Putin-Regimes.
Am 10. Oktober diskutierte er an der Maison Heinrich Heine in Paris mit Prof. Malika Rahal, Direktorin des Institut d’histoire du temps présent (IHTP) und Thomas Wieder (Le Monde) die "Chancen eines französisch-algerisch-deutschen Dreiecks."Am 11. und 12. Oktober nahm er an der Konferenz "Rethinking the interplay of civic engagement and institutional politics" einer europäischen Forschergruppe teil und hielt einen Vortrag zu den Klimaräten in Frankreich.


05. September 2022 - Ein herzliches Willkommen an die Winter-Fellows des Planetary Scholars & Artists in Residence Programms!

 

Nach einer kurzen Sommerpause freuen wir uns sehr, die zweite Runde der PLANETARY MATERIALS - Fellows in unserem Hub begrüßen zu können! Matthew Wilson und Claudia Ford werden sich im Wintersemester unterschiedlichen Fragen zu unserem Verhältnis zu planetaren Materialien widmen: Wie steht es zum Beispiel um unser Verhältnis zum Boden, welche Rolle spielen dessen Bestandteile in gegenwärtigen wie zukünftigen landwirtschaftlichen Praktiken? Was lehren uns die Geschichten über Landwirtschaft und welche Herausforderungen stellen Dürre und andere klimatische Veränderungen an die Gegenwart? Wie wirken sich biochemische Prozesse der Nahrungsmittelerzeugung auf die DNA verschiedener Lebensformen aus? Und wie können wir die Ursprünge der sich wandelnden Verständnisse von ökologischen Prozessen und Systemen beschreiben? Wie unterscheiden sich Entstehungsgeschichten über Ökosysteme indigener Kosmologien von westlichen Vorstellungen, und wie könnten sie sich gegenseitig befruchten?

Die Workshops des Fellowship-Jahrgangs werden vom 10.-12. November stattfinden und stehen unter dem gemeinsamen Nenner James Lovelocks 'Gaia Theorie'. Im Zuge verschiedener Aktionen - einem interaktiven Besuch auf dem Gladbachhof, eines Filmscreenings und Writing Workshops, und einer Ausstellung von Collagen zum Thema PLANETARY MATERIALS  - werden unsere Fellows der Frage nachgehen, welche Lehren 'Gaia' in Anbetracht der sich zuspitzenden planetaren Krisen für heutige Gesellschaften bereithält. Genauere Informationen folgen in Kürze.

Hanusch

 

 

12. Juli 2022 - Gewinner des Planetary Futures Wettbewerb

 

Wir freuen uns sehr die Gewinner des diesjährigen Planetary Futures Wettbewerb vorzustellen: Prof. Dr. Bojana Kunst, Dr. habil. Gerko Egert und Dr. Martina Ruhsam vom Institut für Angewandte Theaterwissenschaft erhalten vom Panel on Planetary Thinking finanzielle Mittel für die Vorbereitung ihres Antrages zum Thema "Das Planetarische vermitteln. Performance und Pädagogik in Zeiten ökologischer Katastrophen".

Um die value-action gap im Bereich planetarer Krisen anzugehen, also das Phänomen, dass wir nicht entsprechend unseres Wissens handeln, möchte das Projekt an der Wissensvermittlung ansetzen. Harte Fakten, so das Team um Prof. Dr. Kunst, reichen für echten Wandel nicht aus. Zunächst möchten sie analyisieren, wie verschiedene künstlerische Arbeiten, insbesondere im Bereich der performativen Künste, Wissen über planetare Katastrophen vermitteln und erlebbar machen. Anschließend sollen die gewonnen Erkenntnisse genutzt werden, um in Zusammenarbeit mit ausgewählten KünstlerInnen allgemeine Vermittlungsformate zu entwickeln, welche in verschiedensten Bildungskontexten Anwendung finden können.

Für die Anbahnung von künstlerisch-wisschenschaftlichen Kooperationen wird im Vorfeld ein zwei-tägiger Workshop mit internationalen KünstlerInnen durchgeführt und das Vorhaben im Anschluss zur Antragstellung gebracht. Der Workshop steht allen Interessierten offen. Informationen zu Inhalt, Veranstaltungszeit und -ort sowie zur Teilnahme folgen in Kürze. Wir sehen in diesem Projekt einen wertvollen Beitrag für die künsterlisch-wissenschaftliche Zusammenarbeit und einen wichtigen Schritt auf dem Weg in eine planetar verantwortungsvolle Zukunft und freuen uns die KollegInnen in der Antragsphase unterstützen zu können.

 

23.-25. Juni 2022 - "Planetary Forest - Bringt den Wald in den Garten": Workshop, Vernissage und begleitende Ausstellung

 

Den Höhepunkt des ersten Jahrgangs im Planetary Scholars and Artists in Residence Programms bildete vom 23.-25. Juni 2022 die performative Aktion „Planetary Forest: Bringt den Wald in den Garten“. Die ersten Fellows, Claudia Hartl, Clemens Finkelstein und Mathias Kessler, näherten sich in diesem Semester aus unterschiedlichen Perspektiven dem Thema „Planetary Materials“. Als integraler Bestandteil der Bäume und somit des Waldes, wurde Holz dabei zum planetaren Fokusmaterial des Semesters sowie zum zentralen Leitmotiv für den Planetary Workshop: Angeleitet durch die Fellows, erkundete eine bunt gemischte Kleingruppe am Donnerstagmorgen im Rosbacher Stadtwald die planetare Dimension von Mensch-Wald-Klima Interaktionen. Clemens Finkelstein bot mit einer historischen und sozio-kulturellen Perspektive interessante Einblicke in die Nutzungsgeschichte des Bestandes und die Beziehung der Menschen zu „ihrem Wald“. Claudia Hartl konnte den Teilnehmenden eine klimatologische und dendrochronologische Sichtweise näherbringen: Sie demonstrierte die Entnahme eines Bohrkernes und nutzte die Probe um das weite Feld der Jahrringforschung und die komplexen Zusammenhänge zwischen Waldgesundheit und Klima zu erläutern.

Neben der Wissensvermittlung bildete auch das Erfahren des Waldes und der Austausch in und mit der Gruppe einen zentralen Bestandteil des Tages. So bereicherten u.a. ein Mitglied des BUND-Ortsverband, eine Expertin für Hydrogeologie, ein Mitarbeiter des Fuhrparks der JLU, verschiedene KollegInnen des Fachbereichs 09, und zeitweise sogar der Rosbacher Bürgermeister Steffen Maar den Workshop. Letzterer stand für Fragen zur Verfügung und erklärte die Hintergründe der Störungsfläche sowie die geplanten forstlichen Maßnahmen. Im Anschluss sammelten alle Anwesenden Waldmaterial für die von Mathias Kessler geplante lebendige Skulptur: Streu, Totholz, Oberboden, Wurzeln und auch der ein oder andere Keimling fanden den Weg in den Anhänger. Mathias Kessler begleitete den Ausflug zudem mit seiner Kamera und wird die Aufnahmen in einem Kurzfilm künstlerisch verarbeiten – in Kürze verfügbar auf unserem YouTube-Channel.

Am darauffolgenden Tag gestalteten die Fellows die lebendige Skulptur als Abbild eines Wald-Lebensraumes im Botanischen Garten. Das eingezäunte Stück forstliche Störungsfläche bleibt vorerst für drei Jahre unangetastet und seine Entwicklung wird erwartungsvoll beobachtet: Hält der Wald Einzug in den Garten, erobert der Garten die Fläche zurück oder passiert vielleicht erst einmal gar nichts? Die Skulptur wurde in dem feierlichen Rahmen einer Vernissage mit Catering und Live-Musik eröffnet, zu welcher wir auch den Präsidenten der JLU, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, begrüßen durften. In einem darauffolgenden Beitrag pries die Gießener Allgemeine die Aktion für ihren Charakter als planetaren Denkanstoß. Wir laden Sie alle herzlich dazu ein, das lebendige Kunstwerk zu besuchen und datierte Fotos an zu senden. Machen Sie sich selbst ein Bild vom Rosbacher Stadtwald im Botanischen Garten Gießen!

Zwei Wochen lang zeigte der Neue Kunstverein Gießen e.V. in seinen Räumlichkeiten zudem eine begleitende Ausstellung, welche die Arbeit der drei Fellows am Panel on Planetary Thinking dokumentierte. Zu sehen waren u.a. Line Drawings und „Das Eismeer – die gescheiterte Hoffnung“ von Mathias Kessler, Vibrascapes von Clemens Finkelstein und Dendro-Art von Claudia Hartl.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Stadt Rosbach, der Försterin Eva-Maria Kirchler, der Leitung des Botanischen Gartens, dem Neuen Kunstverein Gießen e.V. sowie dem Präsidenten der JLU für ihre andauernde Unterstützung in diesem umfangreichen Projekt!

Claudia Hartl entnimmt einen Bohrkern von einer Buche (o. l.); Mathias Kessler filmt die Gruppe am Aussichtspunkt des Quarzitwerkes während Clemens Finkelstein Einblicke in die aktuelle und historische Waldnutzung gibt (o. r.); die Gruppe versammelt sich vor der Störungsfläche und lässt sich von Claudia Hartl und Rosbachs Bürgermeister Steffen Maar die Geschichte, die klimatischen Bedingungen und die geplanten Maßnahmen zur Wiederbewaldung erläutern (u. l.); die Teilnehmenden sammeln organisches Material auf der Störungsfläche (u. r.), Beim Mittagessen am ehemaligen römischen Limes-Kastell Kapersburg findet ein reger Austausch in der Gruppe statt (Mitte). © Mörsdorf, Steib
Mathias Kessler und Clemens Finkelstein zeigen vollen Einsatz beim Abladen des Materials im Botanischen Garten (o. l.); Nach Gestaltung der Skulptur wird sie umzäunt, um sie weitesgehend vor menschlichem und tierischem Einflüssen zu schützen (u. l.); Mathias Kessler und Claudia Hartl eröffnen in feierlichem Rahmen das gemeinsame Kunstwerk (o. r.); die begleitende "wachsende Ausstellung" brachte auch ein Stückchen Wald in die Räumlichkeiten des Neuen Kunstverein (u. r.). © Bauer, Hanusch, Mörsdorf

 

10. Mai 2022 - Erste Planetary Lecture zum Thema "Planetary Law" mit Prof. Dr.  Dr. Louis Kotzé und anschließendes Netzwerktreffen in den neuen Räumlichkeiten des Panel on Planetary Thinking

 

Die Planetary Lecture Series wurde mit einem Vortrag zu dem Thema „Planetary Law for the Anthropocene“ eröffnet. Earth System Law Pionier Prof. Dr. Dr. Louis Kotzé (North West University, Südafrika) schlug eine Transformation des internationalen Umweltrechts vor, um angemessener auf planetare Phänomene zu reagieren als bislang der Fall: Anstelle der Menschen, sollten Rechtsgrundlagen, gerade im sogenannten Anthropozän, das Erdsystem in den Vordergrund rücken. Die Frage, wie sich eine solche Earth System Governance gestalten ließe, stand im Fokus von Prof. Kotzés Vortrag. Ein entpsrechender Governance Ansatz sollte die planetar bedeutsame Gestaltungsmacht der Menschen betonen, sie jedoch stets in Relation zu planetaren Kräften setzen und als Teil des Erdsystems ansehen. Die Aufzeichnung des Vortrags sowie der nachfolgenden, durch Thilo Marauhn (Öffentliches Recht und Völkerrecht, JLU) eröffneten Diskussion ist in voller Länge auf YouTube verfügbar.

 

Bei warmem Frühlingswetter stand das anschließende Netzwerktreffen der Panel-Mitglieder unter besten Vorzeichen. Das Panel hatte in die neuen Räumlichkeiten geladen, um den neuen 'Planetary Hub' einzuweihen und den Panel-Mitgliedern die aktuellen Fellows und ihre Arbeit vorzustellen. Geographin Claudia Hartl faszinierte die Versammelten zunächst mit Bohrkernproben von Buchen aus dem Rosbacher Stadtwald und Ausführungen zu deren Geschichte. Bunte, abstrakt wirkende Poster bildeten das Herzstück von Clemens Finkelsteins Kurz-Vortrag über Vibrationen. Die Darstellungen zeigen die Vibrationsmuster verschiedener Umgebungsgeräusche des Panel-Büros: Zu bestaunen gibt es die vibratorischen Signaturen der Kirchenglocken gegenüber, des Bahnverkehrs hinter dem Haus und eines überfliegenden Helikopters. Die größte Aufmerksamkeit erregte aufgrund des Inhalts jedoch die Demonstration von Mathias Kessler: Der Künstler präsentierte seine Arbeit „Das Eismeer – die gescheiterte Hoffnung“, ein Kühlschrank gefüllt mit Bier. Auf den ersten Blick eine Einladung zur Geselligkeit, versteckt sich im Eisfach eine 3D-Version von Caspar David Friedrichs „Das Eismeer“. Durch das wiederkehrende Öffnen und Schließen steigt die Temperatur immer wieder etwas an und bringt das Eis langsam zum Schmelzen. Kessler verweist damit auf die schwerwiegenden Folgen, die menschliches Handeln für den Planeten mit sich bringen kann.

 

Mit der Eröffnung des Bier-Kühlschranks endete der formelle Teil des Treffens und die Panel-Mitglieder fanden sich bei lauen Temperaturen in der Bibliothek und auf dem Balkon zum gemütlichen Austausch zusammen. Das Panel-Team bedankt sich bei allen Teilnehmenden, insbesondere bei dem Präsidenten der JLU Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, für ihr Kommen und hofft auf weiteren angeregten Austausch unter den Mitgliedern.

Nach den Demonstrationen der Fellow (links) konnte der Abend mit der Eröffnung des Bierkühlschranks (rechts oben) mit veganer Verpflegung und kühlen Getränken in entspannter Atmosphäre ausklingen (rechts unten). © Hanusch, Mörsdorf, Bauer
Fellow Demonstrationen: Bohrkernproben (links oben), vibratorische Signatures von Bahnverkehr, Helikopter und Kirchenglocken (rechts), Kunstkühlschrank mit Caspar David Friedrichs Das Eismeer (links unten). © Finkelstein, Mörsdorf

 

Mai 2022 - Beiträge von Clemens Finkelstein zu SICK ARCHITECTURE

 

“Concerns of human and planetary health have always been closely entangled, growing increasingly closer at a moment when public discussions shift focus to lament the Earth’s transformation from a biosphere (a sphere of life) to a thanatosphere (a sphere of death). Yet, instead of evolving towards equilibrium—as entangled objects do according to current physical theories of thermodynamics and quantum mechanics—their relationship has unraveled into sustained disequilibrium. Planetary infirmity is materialized through significant climatic shifts, excessive anthropogenic vibrations, the resultant corruption of its biospheric system, as well as the redistribution of its mass and axis through glacial melting.”

–Clemens Finkelstein, "Planetary Disequilibrium”

 

Planetary Scholar und aktueller Fellow des Planetary Scholars and Artists in Residence Programs Clemens Finkelstein hat zuletzt das Essay “Planetary Disequilibrium”, die inter-aktive Ausstellung “sick world building syndrome”, sowie den gleichnamigen Vortrag im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit SICK ARCHITECTURE erarbeitet, veröffentlicht und vorgetragen. SICK ARCHITECTURE ist eine Kollaboration zwischen Beatriz Colomina, e-flux Architecture, dem CIVA Brüssel, und der Princeton University. Die Ausstellung im CIVA Brüssel ist vom 06. Mai bis zum 28. August 2022 geöffnet.

Clemens Finkelstein during his SICK ARCHITECTURE lecture on sick world building syndrome on Mai 6, 2022 © Finkelstein-Moreno

 

8. April 2022 - Feldarbeit im Rosbacher Stadtwald mit Claudia Hartl und Lea Schneider

 

Zum Auftakt des Planetary Scholars & Artsists in Residence Programms begibt sich das Panel-Team zusammen mit einer Kleingruppe Studierenden in den Rosbacher Stadtwald – das Ergebnis der Feldarbeit sind die Bohrkernproben von vierzig Buchen. Die Dendrochronologin Claudia Hartl untersucht im Zuge ihres Fellowship Projekts „Jahrring-Berichte zum Waldsterben“ die Vitalität sowie die Reaktionen gesunder sowie absterbender Buchen auf Trockenjahre oder Extremwetterereignisse. Dank der tatkräftigen Unterstützung Lea Schneiders (Institut für Geografie, JLU) sowie ihrer Studierendenden finden nun ~12,000 Jahrringe den Weg in Claudia Hartls Langzeitstudie.

Zeigte sich das Aprilwetter zwar nicht gerade von seiner freundlichsten Seite, so war die Feldarbeit dennoch ein besonders lehrreiches sowie denkwürdiges Ereignis. Über die Vorgehensweisen der Bohrkern-Entnahme hinaus lernte das Team vieles über die vielfältigen Anwendungsbereiche der Jahrring-Forschung. Diese reichen von der Herkunftsbestimmung von Baumaterialien, über die Datierung und Zertifizierung von Kunstwerken oder Musikinstrumenten, bis hin zur heute verbreiteten Erforschung der Baumarteneignung oder des klimatischen Wandels. In den Jahrringen lassen sich lokalräumlich ausgeprägte, planetare Phänome identifizieren - von Hitzeperioden bis hin zu Weltkriegen - sodass deren Auswirkungen auf das Baumwachstum nachvollziehbar werden. Darüber hinaus bieten die Bohrkernproben allein einen faszinierenden Anblick. Die Buchen reagieren auf die Entnahme ihrer wertvollen Kerne durch chemische Barrieren um die Bohrstellen und sollten die kurze Prozedur gut verkraften, sodass ihre Vitalität im Sommer anhand ihrer vollständig ausgetriebenen Kronen noch genauer bestimmt werden kann. Mit Neuigkeiten über das einzigartige Muster der Jahrring-Abstände der beiden Buchenpopulationen im Rosbacher Stadtwald ist also in Kürze zu rechnen.

© Bauer

 

6. April 2022 - Team Meeting mit den ersten Fellows des Planetary Scholars and Artists in Residence Program

 

Nach langer Vorbereitung freuen wir uns sehr, die ersten Fellows des Planetary Scholars and Artists in Residence Program in Gießen begrüßen zu dürfen. In diesem ersten Jahr steht die Fellowship im Zeichen der planetaren Materialien: Zur gemeinsamen Bearbeitung dieses Themas haben wir fünf exzellente Forschende und Kunstschaffende nach Gießen eingeladen. Die ersten drei Fellows, Claudia Hartl, Clemens Finkelstein und Mathias Kessler, werden in diesem Sommersemester an der Justus-Liebig-Universität forschen und gestalten. Auf Claudia Ford und Matthew C. Wilson freuen wir uns im kommenden Wintersemester.

Dendrochronologin Claudia Hartl erforscht das klimabedingte Absterben von Bäumen anhand der Ausprägung ihrer Jahrringe. Clemens Finkelstein untersucht Vibrationen als planetares Transmaterial, insbesondere wie Schwingungen in der modernen Architektur als Brücke zwischen der natürlichen und der gebauten Umwelt fungieren. Für Künstler Mathias Kessler bietet jede Zerstörung, speziell die menschgemachte, auch eine Chance für Erneuerung. Darum nimmt er sich im Rahmen seiner Fellowship der Neugestaltung eines durch den Klimawandel zerstörten Waldstücks an. Weitere Informationen zu den Fellows und ihren Projekten finden Sie in der Pressemitteilung der Justus-Liebig-Universität und unter der Rubrik Fellowship.

Bei dem ersten Treffen in unseren neuen Räumlichkeiten konnten bereits erste Verknüpfungspunkte zwischen den Projekten identifiziert und konkrete Umsetzungsideen für den am Ende des Semesters geplanten Workshop gesammelt werden. Am 23. und 24.06.2022 werden die Fellows einen gemeinsamen Workshop anbieten. Weitere Informationen zum Inhalt und zur Teilnahme folgen in Kürze.

© Bauer

 

November 2021 - Claus Leggewie erhält das Honorary Thomas Mann Fellowship

 

Claus Leggewie erhält das Honorary Thomas Mann Fellowship und ist im November und Dezember 2021 in Los Angeles, USA, im Thomas Mann House. Die Thomas Mann Fellowships ermöglichen Wissenschaftler*innen, Vordenker*innen sowie Intellektuellen, die in Deutschland leben oder gelebt haben, sich den drängenden Herausforderungen unserer Zeit zu stellen und den geistigen und kulturellen Austausch zwischen Deutschland und den USA zu pflegen. Das Thomas Mann House in Los Angeles hat zum Ziel, einen lebendigen transatlantischen Debattenort zu schaffen, an dem herausragende Persönlichkeiten im Austausch untereinander und mit dem Gastland grundlegenden politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Gegenwarts- und Zukunftsfragen nachgehen. Als Teil des Fellowship Programms, wird Prof. Claus Leggewie zu Gast im Podcast 55 Voices for Democracy. Der Podcast knüpft an die 55 BBC-Radioansprachen an, in denen sich Thomas Mann während der Kriegsjahre von seinem Haus in Kalifornien aus an Hörer in Europa wandte.

© Twitter / Thomas Mann House

 

27. November 2021 - Podiumsdiskussion auf dem Climate Cultures Festival 

 

Zusammen mit Harald Welzer hat Frederic Hanusch am 27 November eine Podiumsdiskussion auf dem Climate Cultures Festival "Planet schreib zurück!" geführt. Im Roten Salon der Berliner Volksbühne haben beide über die Veränderung der gesellschaftliche Werte in Zeiten des Klimawandels gesprochen. Wohin werden die Shifting Baselines der Klimapolitik verschoben? Wie müssen sich Demokratien verändern, um das Klima zu berücksichtigen? Ist ein weltgesellschaftliches oder gar planetares Denken in der „Klimakrise“ möglich? waren einige der Themen.

An drei Tagen im November 2021 erforschte das Climate Cultures Festival „Planet schreibt zurück!“, wie sich die Klimakrise in der Perspektive von Literatur und Debatte, Film und Fotokunst darstellt. Das Festival hat in diesem Jahr drei Schwerpunkte gehabt: Arktische Kulturen, die Petromoderne (petrofiction) und das Klima in der Science Fiction.

 
© Jan Michalko
     
© Jan Michalko

 

9. November 2021 - Interview mit Frederic Hanusch über planetares Denken in den Wissenschaften


"Wir leben nicht auf einem Planeten, wir sind Teil von ihm". Lesen Sie hier das komplette Interview mit Dr. Hanusch, realisiert für L.I.S.A - das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung.

 

4. November 2021 - "Welche Zukunft hat die Zukunft?" - Teilnahme an der Konferenz IC4 FUTURE

 

 

 

Frederic Hanusch hat am 4. November 2021 mit einem Beitrag zum Thema "zur Zukunft der Tiefenzeit" an der IC4 FUTURE Konferenz teilgenommen. Die Konferenz nähert sich dem Thema „Zukunft“ aus einer interdisziplinären Vogelperspektive. Was sind die Schlüsselfragen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft, auf die eine neu formierte Industriekultur antworten könnte und sollte? Aus unterschiedlichen Perspektiven wurden Herausforderungen und Visionen der Zukunft formuliert, die Impulse für eine neu gedachte Industriekultur geben sollen. 

Zum Auftakt von FUTUR 21 – kunst industrie kultur diskutieren Akteur:innen aus Wissenschaft, Kunst und Kultureinrichtungen in der Fachkonferenz IC4 FUTURE (Industrial Culture for Future) die Fragen nach der Zukunft der Industriekultur.

 

© Karin Hessmann

 

 

4. Juni 2021 - Planetares Kolloquium "Perspektiven auf das Planetare"

 

Planetary Colloquium am 04.06.2021 © Frederic Hanusch
Das Panel on Planetary Thinking der JLU Gießen hat in Kooperation mit der Arbeitsgruppe Planetary Thinking (Goethe-Universität Frankfurt, Senckenberg, ISOE) und dem Forschungskolleg Humanwissenschaften das planetare Kolloquium „Planetare Perspektiven“ organisiert. In angenehmer und produktiver digitaler Atmosphäre tauschten sich rund 30 Teilnehmerïnnen mit unterschiedlichem akademischen Hintergrund über die Herausforderungen unseres Planeten und die dringende Notwendigkeit inter und transdisziplinärer Ansätze zu ihrer Bewältigung aus. Unser Hauptredner, David Christian von der Macquarie University in Sydney, eröffnete das Wort mit einem inspirierenden Vortrag über Big History, einen multidisziplinären Ansatz, der die Vergangenheit der Erde und der Menschheit untersucht, und indem er daraus lernt, die Gegenwart erklärt und zur Vorstellung nachhaltige Zukunft beiträgt. Nach dieser Diskussion folgten zwei Sitzungen mit kurzen Impulsvorträgen unserer Kollegen der JLU Gießen und der Goethe-Universität Frankfurt. Die erste Sitzung lieferte einen Input zu den planetaren Perspektiven aus den Sozial- und Geisteswissenschaften und provozierte eine Diskussion darüber, wie wir von vergangenen Gesellschaften lernen können, wie das soziologische Denken sowohl auf den Erdkern als auch auf den Weltraum auszudehnen ist, über die Notwendigkeit das menschliche Verhalten und unsere Denkweise in der Ökonomie zu ändern, indem die zukünftigen Vorteile höher bewertet werden sollten als die Vorteile der Gegenwart, und wie Poesie und künstlerischer Ausdruck uns mit dem Planeten in Verbindung bringen können. Die zweite Sitzung bot planetare Visionen aus den Naturwissenschaften mit kreativen Beiträgen, die die Grenzen einzelner Disziplinen überschreiten. Von Gesprächen über die inhärenten Rechte der Natur im Kontext der Biodiversität, welche Art von landwirtschaftlichen Praktiken für eine nachhaltige Zukunft benötigt werden, bis hin zur Vision des Planeten durch Fokussierung auf subatomare Elementarteilchen waren einige der zum Nachdenken anregenden Diskussionen. Die Teilnehmerïnnen kamen überein, ihre inspirierenden Diskussionen in zukünftigen planetaren Kolloquien zu vertiefen, um gemeinsame Forschungsperspektiven der JLU mit der Goethe-Universität Frankfurt zu eröffnen.

 

 

Juni 2021 - Neues Buch "Planetar denken - Ein Einstieg"

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neues Buch zur Einführung in das planetarische Denken

"Planetar denken - Ein Einstieg"

von Frederic Hanusch, Claus Leggewie und Erik Meyer.

             

 

 

10. Juni 2021 - Vortrag "Planetary Thinking: an Introduction"


Im Rahmen der Online-Seminarreihe unserer Partnerinitiative an der Goethe-Universität Frankfurt werden Claus Leggewie und Frederic Hanusch am 10 Juni einen Vortrag zu "Planetary Thinking: An Introduction" halten. Sie können sich für die Veranstaltung hier anmelden. 

 

Oktober 2020 - NECE Campus


Frederic Hanusch wirkte bei zwei Workshops des "Networking European Citizenship Education" (NECE) Campus als Experte zum Thema "Sustainability, Democracy and the Arts - Cultural and Artistic Responses to Environmental Change" mit. Beide Workshops wurden aufgezeichnet und sind hier abrufbar:

 

       
    Workshop I     Workshop II

 

 

September 2020  -  Podcast: Hessen schafft Wissen


Claus Leggewie und Frederic Hanusch über Nachhaltigkeit und Demokratie im Podcast "Hessen schafft Wissen"

 

31. August 2020  -  Lettre International


Lesen Sie hier einen aktuellen Artikel von Prof. Claus Leggewie im Lettre International S. 60-63: "BRÜDER DER SONNE ... Wie das Wettrennen ins All die planetare Achtsamkeit bestärkte. Den Link zum Heft finden Sie hier.

 

10. August 2020  -  Frankfurter Allgemeine Zeitung


Lesen Sie hier unseren aktuellen Artikel in der FAZ von Claus Leggewie und Frederic Hanusch "Einstieg ins planetare Denken"

 

19. Juni 2020 - Eröffnungssitzung


Am 19. Juni fand unsere Eröffnungssitzung in Gießen statt, an der zirka 30 Mitglieder des Panels aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen fanden. Den Artikel zur Eröffnungssitzung finden Sie im "Informationsdienst Wissenschaft" (idw).

 

1. April 2020 - Arbeitsaufnahme des "Panel on Planetary Thinking"


Das „Panel on Planetary Thinking“ an der Justus-Liebig-Universität Gießen nimmt seine Arbeit auf – Komplexe Phänomene wie Biodiversität, Klima und Ungleichheit sollen aus einer Gesamtperspektive beurteilt werden. Hier geht es zu der JLU Pressemitteilung über das "Panel on Planetary Thinking". Die PDF Version lesen Sie hier.