Stellschrauben im Forschungszyklus

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Eine systematische Integration nachhaltigkeitsorientierter Prinzipien kann in allen Phasen des Forschungszyklus erfolgen.
Die Relevanz einzelner Stellschrauben und zugehöriger Maßnahmen variiert je nach Disziplin und Forschungskontext. Gleichzeitig unterscheiden sie sich in ihrem Umsetzungsaufwand von niedrigschwelligen, leicht in bestehende Prozesse integrierbare Anpassungen bis hin zu Maßnahmen, die langfristigere und grundlegendere Veränderungen erfordern.
Ein pragmatischer Einstieg gelingt über relativ einfach umzusetzende Maßnahmen, die Forschende dabei unterstützen, nachhaltige Forschungspraktiken gezielt und situativ angepasst zu etablieren. Dabei geht es nicht um pauschale Vorgaben, sondern um eine differenzierte Abwägung im jeweiligen wissenschaftlichen Kontext. Die Grundlagen und Empfehlungen für eine nachhaltige Forschungspraxis entlang des Forschungszyklus basieren insbesondere auf dem Modell von LeNa[1], Hoch-N[2] sowie dem Leitfragenkatalog der DFG zur Nachhaltigkeit im Forschungsprozess[3].
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Strategische Agendaplanung: Nachhaltigkeit als strukturelles Element
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Nachhaltigkeitsaspekte können bereits in der strategischen Ausrichtung von Forschungsprogrammen, Förderanträgen und (inter-)disziplinären Kooperationen systematisch berücksichtigt werden. Förderinstitutionen integrieren zunehmend Nachhaltigkeitskriterien in ihre Programme. Forschende erhalten hierbei Unterstützung an der JLU durch die gebündelten Darstellungen von Fördermöglichkeiten, um nachhaltigkeitsorientierte Forschungsansätze gezielt als Förderoption wahrzunehmen. |
Besonders inter- und transdisziplinäre Ansätze ermöglichen eine systematische Integration von Nachhaltigkeit als Querschnittsthema und schaffen Synergien zwischen Fachdisziplinen. Bereits in der Planungsphase kann analysiert werden, ob und wenn ja welche inter- und transdisziplinären Kooperationen sinnvoll sind. bieten hierfür eine Grundlage, um thematische Schnittstellen zu identifizieren und gezielt zu nutzen.
Darüber hinaus kann die Wirkungsdimension frühzeitig in die strategische Planung eingebunden werden. Eine systematische Wirkungsabschätzung entlang der Nachhaltigkeitsdimensionen hilft dabei, sowohl die intendierten Effekte als auch mögliche nicht-intendierte gesellschaftliche oder ökologische Folgen zu identifizieren und das Forschungsvorhaben entsprechend anzupassen.
Themenfindung: Wissenschaftliche Relevanz mit gesellschaftlichem Impact verbinden
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Die Themenfindung ist eng mit der strategischen Forschungsplanung verknüpft. Ein nachhaltigkeitsbezogener Forschungsbezug greift bspw. gesellschaftliche Problemstellungen auf und könnte den Anspruch haben, zur Lösung globaler Herausforderungen beizutragen. Eine Orientierung an globalen Nachhaltigkeitszielen (z. B. der Sustainable Development Goals, SDGs) ermöglicht eine wissenschaftlich fundierte und gesellschaftlich relevante Ausrichtung von Forschungsvorhaben. Die Analyse nachhaltigkeitsbezogener Forschungsfelder und Publikationen kann gezielt über bibliometrische Analysen, Recherchen in nachhaltigkeitsrelevanten Fachjournalen (z. B. Nature Sustainability) oder über Forschungsdatenbanken wie Scopus, WebofScience oder OpenAlex erfolgen, die SDG-Bezüge systematisch erfassen. |
Forschungsdesign und Methodik: Ressourcenschonung und Effizienz
| Das Forschungsdesign übersetzt die Forschungsfrage in eine konkrete Untersuchung. Damit bietet es die Grundlage für die Auswahl und Erhebung von Daten, deren Analyse sowie Integration. Nachhaltigkeitsaspekte können dabei auf den unterschiedlichen Ebenen berücksichtigt werden. |
Im Kontext der Datenauswahl und -erhebung kann es je nach Forschungsfrage sinnvoll sein, bestehende Forschungsdaten in die Analyse einzubeziehen. Eine Sekundärnutzung kann Ressourcen sparen und gleichzeitig die Anschlussfähigkeit an frühere Studien verbessern. In der Feldforschung ermöglichen Reallabore oder Citizen-Science-Ansätze eine enge Verbindung von Wissenschaft und Gesellschaft. Auch die gezielte Einbindung von Stakeholdern und Kooperationspartnerinnen und -partnern kann zur praxisnahen Verwertung von Forschungsergebnissen beitragen.
Nachhaltige Forschung kann durch die Methodenwahl und den bewussten Einsatz von Labor- und Verbrauchsmaterialien unterstützt werden. Abhängig von der methodischen Ausrichtung lassen sich unterschiedliche Strategien anwenden. Der Einsatz recycelter oder bereits vorhandener Ressourcen kann den ökologischen Fußabdruck reduzieren. Ressourcenschonende Verfahren und Praktiken wie Simulationen oder energieoptimierte Rechenverfahren, können den Material- und Energieverbrauch minimieren. Die Prüfung, inwiefern bei der Produktbeschaffung umweltfreundliche und/oder faire Alternativen (innerhalb bestehender Rahmenverträge) bereitstehen, stellt eine weitere Stellschraube dar.
In der tierexperimentellen Forschung trägt die Umsetzung des 3R-Prinzips (Replacement, Reduction, Refinement) nicht nur zur Einhaltung ethischer Standards bei, sondern reduziert oftmals auch den Ressourceneinsatz und fördert die Entwicklung von Alternativmethoden. Weitere Informationen finden sich hier.
Insbesondere inter- und transdisziplinäre Forschung erfordert darüber hinaus eine systematische Integration unterschiedlicher Datensätze. Hier bieten sich methodische Überlegungen zur Datenaggregation und -verknüpfung an, die Synergien zwischen Fachdisziplinen schaffen.
Nachhaltige Forschungsdurchführung: Infrastruktur und Prozesse optimieren
| Die Implementierung nachhaltiger Praktiken während der Durchführung umfasst eine Breite an möglichen strukturellen, organisatorischen und technischen Maßnahmen. Dazu gehören u. a. die effiziente Nutzung der Forschungsinfrastruktur, die Optimierung von Arbeitsprozessen (z. B. durch digitale und kollaborative Prozesse) sowie eine bewusste Auswahl von Materialien und Ressourcen. |
Die räumliche und organisatorische Bündelung von wissenschaftlichen Geräten und Laborinfrastruktur kann zur Effizienzsteigerung beitragen. Durch die fachbereichsübergreifende Nutzung von Core Facilities und zentralen Forschungseinrichtungen lassen sich Synergien schaffen, Kosten reduzieren und der Ressourceneinsatz optimieren. Ebenso kann eine gemeinsame Nutzung von Büroflächen und Laborarbeitsplätzen zur besseren Flächenauslastung beitragen und gleichzeitig den wissenschaftlichen Austausch fördern.
Virtuelle Meetings und digitale Projektmanagementtools bieten Potenzial, den persönlichen Austausch in Forschungsprojekten zu ergänzen oder in bestimmten Fällen zu ersetzen, ohne die wissenschaftliche Qualität zu beeinträchtigen. Der gezielte Einsatz digitaler Formate kann dazu beitragen, Reiseaufwände und die damit verbundenen Emissionen zu reduzieren.
In Laboren bieten Zertifizierungsprogramme wie das LEAF-Programm (= Laboratory Efficiency Assessment Framework) ein strukturiertes Rahmenwerk zur Umsetzung nachhaltiger Praktiken. Diese Programme unterstützen die Effizienzsteigerung und Ressourcenschonung durch systematische Maßnahmen und ermöglichen Best-Practices-Learning, etwa durch Peer-Audits. Zertifikate können zudem sichtbar in die Scientific Community kommuniziert werden und Nachhaltigkeitsbemühungen in Drittmittelanträgen unterstützen. Die nachhaltige Material- und Ressourcenwahl insgesamt kann die Sozial- und Umweltbilanz der Forschung verbessern.
Ergebnisse und Dissemination: Transfer in die Gesellschaft hinein
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Die Verbreitung wissenschaftlicher Ergebnisse lässt sich zugänglich und wirksam unter expliziter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten gestalten. Ein strukturiertes Forschungsdatenmanagement kann zur langfristigen Verfügbarkeit und Wiederverwendbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse beitragen. |
Die Wahl von Publikationswegen, wie etwa Open Access unter Berücksichtigung der FAIR-Prinzipien (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable), erhöht Transparenz und Zugänglichkeit. Durch eine gezielte Prüfung, inwiefern erhobene Primärdaten für eine Nachnutzung (in Teilen) zur Verfügung gestellt werden können, können in Folge wissenschaftliche Ressourcen effizienter genutzt und redundante Datenerhebungen vermieden werden. Eine systematische Verknüpfung mit den SDGs, z. B. durch SDG-Tagging, erleichtert zudem die Auffindbarkeit nachhaltigkeitsbezogener Forschung und stärkt deren Sichtbarkeit. Auch die Dissemination von Forschungsergebnissen kann ressourcenschonend gestaltet werden, beispielsweise durch die Wahl umweltfreundlicher Reiseoptionen zu Tagungen oder die Teilnahme an oder die Durchführung von virtuellen Konferenzen.
Die Wahl geeigneter Kommunikationsstrategien beeinflusst die Reichweite und Wirkung der Forschung. Faktoren wie Zielgruppe, Sprache, Netzwerke, Kanäle und Mehrsprachigkeit spielen dabei eine zentrale Rolle. Forschungsergebnisse können so nicht nur im wissenschaftlichen Diskurs verankert, sondern auch gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren zugänglich gemacht und in nachhaltige Entwicklungen integriert werden.
Evaluation und Monitoring: Nachhaltigkeitskriterien als Steuerungselemente
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Evaluation und Monitoring erfassen systematisch die Qualität eines Forschungsprojekts und prüfen, ob die zu Beginn definierten Ziele (z. B. gesellschaftliche Relevanz) erreicht wurden. |
Die Evaluation der Wirkung kann in der Planungsphase antizipierte intendierte als auch nicht intendierte gesellschaftliche und ökologische Folgen sichtbar machen. Diese Erkenntnisse ermöglichen die Weiterentwicklung von Forschungsdesigns und helfen, das Potenzial nachhaltiger Forschungsansätze gezielt zu optimieren. Nachhaltigkeitskriterien dienen als wertvolle Orientierung für die Analyse und Selbstreflexion der Forschungspraxis und unterstützen eine bewusstere und zukunftsorientierte Gestaltung wissenschaftlicher Prozesse.
Indem Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil des gesamten Forschungszyklus betrachtet wird, kann Forschung sowohl wissenschaftliche Qualität als auch eine positive gesellschaftliche und ökologische Wirkung erzielen.
[1] Ferretti, J., Daedlow K., Kopfmüller, J., Winkelmann, M., Podhora, A., Walz, R., Bertling, J., Helming, K. (2016): Reflexionsrahmen für Forschen in gesellschaftlicher Verantwortung. BMBF-Projekt „LeNa – Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungsorganisationen“, Berlin. Abrufbar unter: https://www.zalf.de/de/forschung_lehre/publikationen/Documents/Broschueren/Reflexionsrahmen_DRUCK.pdf
[2] HOCH-N (2024): Nachhaltigkeitsorientierte Gestaltung eines Forschungsprozesses. Abrufbar unter: Wikihttps://wiki.dg-hochn.de/wiki/HOCH-N:Nachhaltigkeitsorientierte_Gestaltung_eines_Forschungsprozesses
[3] DFG (2024): Nachhaltigkeit im Forschungsprozess. Abrufbar unter: https://www.dfg.de/de/grundlagen-themen/entwicklungen-im-wissenschaftssystem/nachhaltigkeit-im-forschungsprozess






