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Vortrag von Jun.-Prof. Dr. Karina Frick: „Sprachliches Wissen als Macht: Präskriptives Shaming in der digitalen Kommunikation“

Wann

27.11.2025 von 18:00 bis 19:30 (Europe/Berlin / UTC100)

Wo

JLU, Philosophikum I, Haus E, Raum 006 (Otto-Behaghel-Str. 10, 35394 Gießen)

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Das Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen lädt herzlich zu einem Vortrag von Juniorprofessorin Dr. Karina Frick ein. Unter dem Titel „Sprachliches Wissen als Macht: Präskriptives Shaming in der digitalen Kommunikation“ wird die Referentin präskriptive Praktiken in digitalen Diskursen, die Rolle von Norm- und Grammatikvorstellungen sowie ihr Potenzial als Mittel der Positionierung beleuchten. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, den 27. November 2025, um 18:00 Uhr (c.t.) im Philosophikum I, Haus E, Raum 006 statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen.

Nicht nur Impfungen oder der Genderstern, sondern auch Grammatik und Orthografie erhitzen in digitalen Medien regelmäßig die Gemüter und resultieren in emotional geführten Diskursen: Das kann etwa dann beobachtet werden, wenn Nutzer:innen sich gegenseitig vermeintliche Fehler – häufig auf der Ebene der Orthografie, aber auch der Grammatik – korrigieren und daraus metasprachliche Anschlusskommunikation in Form teilweise ausführlicher Korrektur- und Kommentarketten entsteht (vgl. Frick/Meletis 2024); darin werden sowohl der vermeintliche Fehler und die als korrekt wahrgenommene Alternative, aber ebenso häufig auch die Korrekturpraktik an sich diskursiv verhandelt. Hinter solchen präskriptiven Praktiken – von Meletis (2022) als orthographic shaming bezeichnet –, die längst auch Einzug in die Meme-Kultur gehalten haben (Stichwort grammar nazis, vgl. dazu auch Bahlo/Becker/Steckbauer 2016 sowie Švelch/Sherman 2018), stecken Vorstellungen über sprachliche Normen und damit einhergehender ‚Grammatikalität‘, die einerseits auf ein vages Wissen über Normen hindeuten (Arendt/Kiesendahl 2014, S. 103) und andererseits stark von Standardsprachideologien geprägt sind (Woolard/Schieffelin 1994; Woolard 2020; Busch/Efing 2024). Daraus resultierend stellen solche präskriptiven Praktiken ein Mittel sozialer Positionierung dar, mit dem beispielsweise auf eine Abwertung anderer Nutzer:innen unter gleichzeitiger Selbstaufwertung abgezielt, oder auch bewusst Abstand von präskriptiven Zwängen genommen wird (Albert/Hahn 2015). Der Vortrag widmet sich anhand einer empirischen Beispielsammlung solchen präskriptiven Praktiken in digitalen Kommunikationsumgebungen, dahinterstehenden Norm- und Grammatikalitätsvorstellungen unter Einbezug sprachideologischer Annahmen und schließlich ihrem Potential als Positionierungsmittel.

Karina Frick hat an der Universität Zürich studiert und promoviert und war danach in Lausanne und Basel als Postdoc tätig. Im Oktober 2022 trat sie eine Juniorprofessur für Angewandte Linguistik an der Leuphana Universität Lüneburg an, von der sie derzeit aufgrund einer Gastprofessur an der Universität Innsbruck beurlaubt ist. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Medien- und Soziolinguistik sowie in der kulturanalytischen Linguistik, sie forscht derzeit unter anderem zu sprachlichem Klassismus, Korrekturpraktiken und (affektivem) Storytelling in digitalen Medien.