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Abgeschlossenes Habilitationsprojekt: Identitätsstiftung und Repräsentation. Korporative Siegelbilder im Spätmittelalter

Siegel Speyer

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Zweites Siegel der Stadt Speyer (Typar vor 1231), Durchmesser 97mm, Wachs, Prägung an einer Urkunde von 1293 Aug. 12 avers und revers; Stadtarchiv Speyer: 1-U-548 (veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Archivs)
Die Repräsentation korporativer Identität durch Bilder ist keine Erfindung der Moderne: Bereits im 11. Jahrhundert begannen verfasste Gruppen wie Bürgerschaften, Gilden oder Konvente sich Siegel anzueignen.

Das Siegel war in antiker Tradition ein ausschließlich Individuen vorbehaltenes Medium der rechtlichen Beglaubigung, das mittels Stempel für den jeweiligen Anlass reproduzierbar war. Seit dem Frühmittelalter bildeten sich stereotype, den sozialen Rang anzeigende Bildformulare aus, mit denen sich Individuen glaubhaft gegenüber ihrem gesellschaftlichen Umfeld repräsentierten.

Doch mit dem Aufkommen neuer, genossenschaftlicher Siegelführer brachen überkommene Bildkonventionen des Mediums zugunsten neuer Gestaltungsformen auf. Da transpersonelle Korporationen potenziell dauerhaft existieren konnten, reproduzierten viele unter ihnen ihr Rechtszeichen über Jahrhunderte. Dadurch traf ein zunehmend alternder bildgebender Stempel bei jedem neuen Besiegelungsakt auf einen neuen Träger aus weichen Material, zumeist Wachs, wodurch jeweils neue mediale Zusammenhänge erzeugt wurden: wechselnde Gegensiegel bis hin zu intentionalen Körperspuren wie Einprägungen von Fingerkuppen, aber auch Veränderungen der Farbe und Form des Wachskorpus. Der Blick auf solche Jahrhunderte währenden Prägungsgeschichten gemeinschaftlich genutzter Siegel offenbart Kontinuitäten und Brüche in deren Bildlichkeit, die den Kern aktueller bildwissenschaftlicher Debatten betreffen.

Das Projekt untersuchte daher die bislang vor allem von der Geschichtswissenschaft und ihrer auxiliaren Teildisziplin Sphragistik erforschten Korporationssiegel aus einer dezidiert kunsthistorisch-bildwissenschaftlichen Perspektive: Durch eine vergleichende Analyse von Rechtszeichen aus unterschiedlichen körperschaftlichen Milieus Nordwesteuropas während des Spätmittelalters (13.-15. Jahrhundert) kann hier im historischen Prozess gezeigt werden, wie sich im Spannungsfeld von Ikonographie, Medialität und Materialität eine spezifische Bildlichkeit konstituierte, um korporative Identitätskonzepte sowohl in die Gruppen hinein zu erzeugen als auch nach außen hin zu repräsentieren.

 

Dieses Projekt ist von 2008-2015 durch ein Dilthey-Fellowship der Volkswagen Stiftung gefördert worden.VWST