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Gotischer "Formwille" der Moderne. Mittelalter-Allusionen im Werk und in der Rezeption Ernst Barlachs

Dissertationsprojekt von Charlotte Plückhahn, M.A.

 

Skulpturen des expressionistischen Künstlers Ernst Barlach wurden in kunsthistorischen Publikationen zu Beginn des 20. Jahrhunderts unermüdlich mit mittelalterlichen Werken in Verbindung gebracht. Dies lässt sich im Kontext von Theoriebildungen des Expressionismus verstehen, mittels derer Werke der Avantgarde nicht nur mit sog. primitivistischer Kunst außereuropäischer Kulturen, sondern auch mit der „Ursprünglichkeit“ mittelalterlicher Kunst assoziiert wurden. Auffällig ist jedoch, dass die Werke Barlachs in besonderem Maße mit mittelalterlichen Artefakten, darunter insbesondere Skulpturen des norddeutschen Raums verglichen wurden. Aus diesem Befund leitet sich ein zentrales Anliegen des Projekts ab: Es gilt zu ergründen, auf welcher Grundlage sich diese gängige Lesart ausbildete. Weisen Barlachs Werke Eigenschaften auf, die sich für den Vergleich mit mittelalterlichen Werken in besonderer Weise anboten? Oder handelt es sich um ein in der Kunstwissenschaft ausgebildetes Narrativ, das von den tatsächlichen Gegebenheiten des überlieferten Materials abweicht?

Barlach betonte wiederholt seine Verbundenheit mit der (Kultur-) Landschaft Norddeutschlands und benannte mittelalterliche Kunst in diesem Zusammenhang zumindest sporadisch als vorbildhaft für sein Werk. Eine der zentralen Thesen des Projekts kreist daher um die Frage, inwieweit der Künstler selbst eine entsprechende kunsthistorische Lesart unterstützte, die insbesondere norddeutsche Skulpturen des Spätmittelalters als impulsgebend für sein Schaffen identifizierte und dies nicht selten mit nationalistischen Implikationen verband. Zugleich weckt eine Vielzahl der Werke des Künstlers tatsächlich Assoziationen zu mittelalterlichen Bildwerken, wenngleich konkrete Vorbilder in der Regel nicht auszumachen sind. Umso mehr gilt es im Einzelnen zu untersuchen, in welchem Maße Barlach auf mittelalterliches Formenvokabular zurückgriff. Dies wird durch die Tatsache erschwert, dass viele Werke Ausdruck einer „kreativen Kombinatorik“ sind, die den Zugriff des Künstlers auf unterschiedliche, nicht nur mittelalterliche Inspirationsquellen erahnen lässt. 

Aus der Zusammenführung der zeitgenössischen kunsthistorischen und -kritischen Diskurse, der überlieferten Schriftzeugnisse Barlachs und der Produktionsästhetik seiner Werke ergeben sich u.a. folgende Fragen, die im Verlauf des Projekts bearbeitet werden sollen:

  • In welchem Verhältnis stehen die Deutungen der zeitgenössischen Kunstkritik und die Produktionsästhetik von Barlachs Werken in Bezug auf die zugeschriebenen Mittelalter-Allusionen?

  • In welchem Maße lassen sich Mittelalter-Allusionen tatsächlich im Werk Barlachs identifizieren? Kann das Mittelalter überhaupt als entscheidende Referenzgröße für den Künstler angeführt werden?

  • Welches Verständnis von Mittelalter/Gotik herrschte in den zeitgenössischen Kunstdiskursen vor? Welches Epochen-Verständnis lässt sich aus Barlachs Schriftzeugnissen ableiten?

  • Fotomontagen in Kunstmagazinen und Ausstellungen stellten Werke Barlachs mittelalterlichen Artefakten häufig vergleichend gegenüber. Welche Rolle spielten diese komparativen Praktiken bei der Ausbildung des Gotik-Narrativs bei Barlach?

  • Inwiefern hatte Barlach selbst Anteil an der Ausbildung des Gotik-Diskurses in Bezug auf seine Werke? Greift er den Diskurs möglicherweise auf, um ihn produktiv für sein Schaffen zu nutzen? Schlägt sich dies in der Produktionsästhetik seiner Werke nieder?

Das Vorgehen des Projekts erfolgt in einer analytischen Erörterung zeitgenössischer kunsttheoretischer und –kritischer Diskurse sowie einer Auswertung der überlieferten Schriftzeugnisse Barlachs.  Dies soll mit gezielten Werkinterpretationen verknüpft werden, um zu ergründen, inwiefern Mittelalter-Allusionen dem Werk des Künstlers tatsächlich eingeschrieben sind. Ziel des Projektes ist es, ein differenziertes und kritisches Bild des Mittelalter-Narrativs hinsichtlich des Werks Ernst Barlachs zu entwickeln und dieses als singulär unter den gängigen Mediävismen der expressionistischen Kunsttheorie zu beleuchten.