Inhaltspezifische Aktionen

Interview Sten Seegel

 

„Auch nach links und rechts schauen“

Sten Seegel hat an der JLU Musikpädagogik studiert. Nach einer Anstellung am Theater als Mediengestalter coacht er jetzt Lehrende und Studierende am Hochschulrechenzentrum. Im Interview mit Pia Wagner berichtet er, wie ihn das Studium auf seine beruflichen Aufgaben vorbereitet hat.

Herr Seegel. Sie haben am Musikinstitut Musikpädagogik studiert. Wann haben Sie begonnen?
Mit dem Studium Bachelor Musikpädagogik habe ich 2012 begonnen, zuvor hatte ich aber bereits ab 2008 Lehramt Musik und Englisch studiert. 2018 habe ich das Studium dann abgeschlossen. Da ich neben dem Studium immer gearbeitet habe, fand das Studium in Teilzeit statt, so hat es einfach länger gedauert.

Welche Kurse haben Sie außerdem noch belegt?
Musikpädagogik hatte ich als Hauptfach. Als Referenzfächer hatte ich Musikwissenschaften und Soziologie. Ich habe im Verlauf meines Studiums aber auch Kurse in Kunstpädagogik, Angewandte Theaterwissenschaft und Erziehungswissenschaft belegt. Zu Beginn des Studiums war für mich noch unklar, was ich belegen möchte. Ein Dozent hat mich dann bei der Fächerwahl beraten.

Wie kam es dazu, dass Sie sich für diese Fächer entschieden haben?
Musik stand bereits fest seit der Schulzeit. Außerdem war mir eine Instrumentalausbildung wichtig, daher bin ich zunächst auf das Lehramtsstudium gekommen.

Welche besonderen Erinnerungen und Erfahrungen verbinden Sie mit Ihrer Zeit am Musikinstitut?
Als ich angefangen habe, wurden gerade die Magisterstudiengänge auf den Bachelor umgestellt. In meinem Jahrgang haben wir mit 150 Studierenden begonnen. Auf diese Menge war das Fach zu dem Zeitpunkt schlichtweg nicht vorbereitet. Später sind wir auf eine Gruppe aus zehn bis zwanzig Leuten zusammengeschrumpft. So gab es einen großen Zusammenhalt und wir haben viele Veranstaltungen gemeinsam besucht. Zu dieser Zeit spielte ich mit fünf Leuten in einer Band. Das „Musaik“ hat schon beim ersten Mal einen tollen Eindruck hinterlassen. Später habe ich die Party dann mitorganisiert und gestaltet.
In Erinnerung geblieben sind noch der Instrumentalunterricht und die Improvisationskurse. Eine Vorlesung zum Thema Soziologie hat mich so überzeugt, dass ich Musik und Soziologie kombiniert und Soziologie als Referenzfach gewählt habe.

Wie sieht Ihre aktuelle berufliche Tätigkeit aus?
Ich arbeite als Instructional Designer am Hochschulrechenzentrum, also als Coach für Lehrende. Ein Schwerpunkt ist, Lehrende bei der Produktion eigener Lernvideos
zu unterstützen. Das umfasst z. B. die Bereitstellung und Organisation von Studioequipment, die Zuteilung von Hiwis, die Zusammenarbeit mit den Lehrenden bei der Anfertigung von Drehbüchern oder die Beratung zu didaktischen Einsatzmöglichkeiten der Lernvideos in den Lernveranstaltungen. Bei der Arbeit im Filmstudio geht es dann auch um Themen wie Sprechtraining und Moderationstechniken vor der Kamera. Neben der Beratung von Lehrenden biete ich auch Mediendidaktik-Kurse für Studierende an. Eine Herausforderung ist es, Lehrende und Studierende aus unterschiedlichen Bereichen der Universität mit unterschiedlichen Fächerkulturen zu betreuen. Insbesondere Fächer wie Mathematik und Chemie haben eine in meinen Augen vollkommen andere Fachkultur als es in der Musik der Fall ist. Der Kontakt zu diesen verschiedenen Gruppen zeigt mir immer wieder, dass die eigenen Erfahrungen mit der Lehre, die man im Studium gemacht hat, nicht allgemeinverbindlich für andere Studiengruppen sind.

Welche Qualifikationen (auch außerhalb des Studiums) sind für Ihre jetzige
Tätigkeit hilfreich?
Wichtig war für mich die Arbeit mit dem Tonstudio, diese konnte ich beim Theater einsetzen, wo ich als Mediengestalter bei Liveproduktionen gearbeitet habe. Ab 2016 hatte ich dann meine erste Anstellung als studentische Hilfskraft am HRZ. Dort habe ich unter anderem Filme gedreht. Ein Projekt mit dem PC im Studium war ebenfalls sehr hilfreich für Kenntnisse in der Mediendidaktik. Im Masterstudium im Fach Hochschuldidaktik konnte ich mir mein Fachwissen und den einen oder anderen Hard-Skill im Bereich des Lehrens und Lernens im Hochschulkontext aneignen.

Inwieweit konnte Ihr Studium Sie auf Ihre Tätigkeit vorbereiten?
Die Musikpädagogik hat mich durch den hohen Pädagogikanteil auf die Hochschuldidaktik vorbereitet. Hilfreich war aber auch das Sprechtraining oder eine Veranstaltung, die uns vermittelt hat, wie man eine öffentliche Rede hält. Im Studium habe ich mir Lernmethoden angeeignet und die Erkenntnis gewonnen, dass man lebenslang lernt. Definitiv hat das Kursangebot am Musikinstitut meine Grundhaltung als Lehrperson geprägt. Ganz wichtig ist eine positive Einstellung gegenüber den Studierenden und Lehrenden zu haben. Und auch die Einstellung, dass jeder etwas lernen kann.

Welchen aktuellen Rat können Sie unseren aktuellen Studierenden mit auf den Weg geben?
Spätestens gegen Ende des (Bachelor-)Studiums sollte man sich nicht nur auf die Prüfungen fokussieren, sondern auch mal rechts und links des eigenen Fachs schauen, welche beruflichen Perspektiven sich eventuell auch noch in anderen Fächern anbieten. Mir persönlich hat die persönliche Beschäftigung mit Themen wie z. B. der Mediengestaltung parallel zum Studium sehr geholfen, auch mit einem eher ungewöhnlichen Studienabschluss in anderen Berufsfeldern schnell Fuß zu fassen und dort meine Fachexpertise erfolgreich einbringen zu können.