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Wie sollte "gute" politische Bildung an (Berufs-)Schulen sein? - Situationsanalyse als partizipative Aktionsforschung mit Berufsschüler*innen (Konstantin Korn)

Promotionsprojekt:
Wie sollte "gute" politische Bildung an (Berufs-)Schulen sein? - Situationsanalyse als partizipative Aktionsforschung mit Berufsschüler*innen

"Wie sollte 'gute' politische Bildung an (Berufs-)Schulen sein?" ist die Leit- bzw. Forschungsfrage, die ich gemeinsam mit Berufsschüler*innen bearbeite. Gemeinsam bearbeiten bedeutet in diesem Fall ein partizipatives Vorgehen im Sinne partizipativer (Aktions-)Forschung in Anlehnung an Paulo Freiers Ideen, die er u.a. in Pädagogik der Unterdrückten (1971) formuliert hat. Als Forschungsteam verfolgen Promovierender und die Berufsschüler*innen als Forschungspartner*innen zwei Ziele: Erstens die partizipative Erarbeitung von (politik-)didaktischem Wissen und die kollektive Intervention in die Praxis des Politikunterrichts an Berufsschulen. Schwerpunkt des gemeinsamen Interesses liegt dabei auf der Frage des "Wie?", die Forschungspartner*innen sollen nicht nur an Fragen mitarbeiten, die sich um Gesellschaftsbild oder Politikvorstellungen drehen. Sie arbeiten auch bei im Kern didaktischen Fragestellungen nach Methodik, Vermittlung, Lehrer*innen-Lernende-Beziehung usw. mit.

Das gemeinsame Forschen wird getragen von der Idee verschiedene Formen von Wissen als gleichwertig anzuerkennen. Man könnte auch sagen, dass der Situiertheit des Wissens (Haraway, 1988) der Beteiligten Rechnung getragen wird und dieses gleichwertig (nicht zwingend gleichermaßen) in die Generierung didaktischer Theorie einfließt. Insgesamt soll so ein adultismuskritisches Projekt entstehen, dass sensibel epidemische Ungerechtigkeit (Fricker, 2007) bearbeitet. Konkret wird eine Situationsanalyse nach Clarke (2003) mit einzelnen Elementen des Vorgehens der Grounded-Theory-Methodologie (Strauss/Corbin, 1996) durchgeführt, mit dem Ziel eine Kritik (politik-)didaktischer Gestaltung zu formulieren. 

Interventionen in die Praxis politischer Bildung stellen im Rahmen des Projektes eine Form der Gestaltung sozialer Wirklichkeiten dar, wie sie die partizipative Forschung als Prinzip einfordert (Unger, 2014). Konkret wurde in einem partizipativ*kollaborativen Schreibprozess eine Lernlandkarte mit dem Titel "Wie sollte politische Bildung sein? Ein Ratgeber von Berufsschüler*innen für (Politik-)Lehrer*innen." erarbeitet.

Die Lernlandkarte ist unter https://lernlandkarte.org digital verfügbar (inklusive zusätzlicher Informationen zum weiterlesen) und wird als faltbare Karte an Schulen genutzt. Ein Eindruck kann sich auch im Podcast Politik erlebbar machen | Folge 05 mit Klas Roggenkamp und Konstantin Korn verschafft werden. 

Gütekriterium partizipativer Forschung ist die Zusammenarbeit mit marginalisierten oder deprivilegierten Personen und die entsprechende Berücksichtigung ihrer Perspektiven im Forschungsprozess. Berufsschulen sind im deutschen Bildungssystem nicht zufällig, sondern aufgrund gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsverhältnisse (z.B. institutionelle Diskriminierung), Orte an denen sich viele Schüler*innen mit diesen Perspektiven versammeln. Diese Tatsache gepaart mit epidemischer Ungerechtigkeit verdeutlicht die Notwendigkeit der Zusammenarbeit (inklusive Empowerment) mit Berufsschüler*innen speziell in diesem Projekt und appelliert auch allgemein an akademische Diskurse zur Didaktik politischer Bildung.

Forschungsinteressen

  • Politische Bildung an Berufsschulen
  • Anforderungen an politische Bildung von marginalisieren & deprivilegierten Schüler*innen
  • Partizipative (Aktions-)Forschung
  • Situationsanalyse (Clarke) und Grounded Theory Methodologie
  • Bildungsungerechtigkeit
  • Schüler*innenperspektiven auf Politik & Bildung
  • Demokratisierung und Demokratiebildung

Publikationen

  • Korn, Konstantin/Schmitt, Sophie (Hg.)(2026): Zukünfte (in) der politischen Bildung. Schriftenreihe der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung GPJE. Frankfurt/M.: Wochenschau Verlag. (im Erscheinen)
  • Korn, Konstantin (2026): Aktion im Unterricht? Paulo Freires Konzeption als Antwort auf die Verbannung politischer Aktion ins Private. In: Kierot, Lara/Kleinschmidt, Malte/Lange, Dirk (Hg.): Citizen self-formation. Politische Bildung von unten. Frankfurt a. M. (im Erscheinen)
  • Halil Han Aktaş; Abdellatif Atif; Andreas Hinz; and Konstantin Korn (2025): Democratic Schools: How they work and why they are cool. In: ALL MEANS ALL! - OPENTEXTBOOK FOR DIVERSITY IN EDUCATION. An OpenTextbook for an inclusive and intersectional, multi-dimensional approach in teacher education. A community project from all-means-all.education. S. 662-695 URL: https://book.all-means-all.education/ama-2025-en/chapter/democratic-schools/ (24.02.2025)
  • Korn, Konstantin (2023): Perspektive von Schüler*innen mit Fluchterfahrung auf Gesellschaft und politische Bildung. Eine qualitative Interviewstudie zu der Frage: Welche Probleme sind politisch? Schwalbach/Ts.: Wochenschau.

Vorträge, Poster & sonstige Veröffentlichungen

  • Vortrag: Wie sollte ‚gute’ politische Bildung gestaltet werden? Potenziale, Grenzen und Ergebnisse partizipativer Aktionsforschung mit Berufsschüler*innen. (Arbeitstagung der GPJE-Arbeitsgruppe Berufsbezogene politische Bildung im 25. März 2026 in Göttingen)
  • Presentation: A Guide for teachers from students. Impact of an intervention into pedagogical and didactic arrangements via a learning poster. (CARN Conference: Digitalization, social justice and transforming societies, 14th November 2025 at University of Klagenfurt)
  • Lernlandkarte: Louisa, Million, Süheda, Aras, Nehir, Konstantin: Wie sollte politisch Bildung sein? Ein Ratgeber von Berufsschüler*innen für (Politik-)Lehrer*innen
  • Poster: Why Research about practical schools in Germany needs intersectional analyses and epistemic critic. (International Association for Intercultural Education (IAIE) Conference 'DEIB+ in Education to Transform Society' at University of Chemnitz)