Das ,sprachlose’ Medium im Text
July 29th, 2010
Berenike Schröder: Das ,sprachlose’ Medium im Text: Musikkritik nach 1800 als Synthese der Künste
Die Frage, wie und ob das hochkomplexe Medium Musik in Sprache zu übersetzen ist, wird bis heute in Wissenschaft und Kultur immer wieder diskutiert. Um 1800 erhebt die literarische Romantik die Musik zum Medium des Absoluten und ,Unsagbaren’. Paradoxerweise häufen sich jedoch ab 1800 literarische und kulturelle Texte, die versuchen, Musik und ihre Wirkung durch Sprache darzustellen. Die Musikbegeisterung, die romantische Autoren wie Jean Paul oder E.T.A. Hoffmann prägt, bleibt nicht ohne Wirkung auf die „professionelle“ Musikbeschreibung: War Konzert- und Musikkritik im achtzehnten Jahrhundert eher auf die musikalische Fachsprache konzentriert, so treten nach 1800 Änderungen auf. Unter dem Einfluss der Literatur gebraucht die Musikkritik eine zunehmend bildliche und literarisch geprägte Sprache. Der romantische Komponist Robert Schumann, der 12 Jahre lang die „Neue Zeitschrift für Musik“ herausgab, gilt als herausragende Figur dieser neuen Musikkritik. Als musikalisch-literarische „Doppelbegabung“ versucht er, sowohl in seiner Musik als auch in seinem Musikschrifttum die beiden Medien Musik und Sprache auf innovative Weise zueinanderzubringen. Die Vorlesung möchte anhand von Schumanns Beispiel die Musikkritik ab 1800 als Gattung, die zwei Medien in sich vereint, vorstellen.
Berenike Schröder studierte Deutsche Philologie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Musikwissenschaft in Hamburg und Göttingen. Nach dem Magisterexamen 2006 folgten Aufenthalte als Doktorandin an der University of California (Berkeley) sowie der Universität Freiburg. Während dieser Zeit war sie verstärkt als freie Journalistin vorwiegend im Bereich der Konzertkritik tätig. Seit August 2008 setzt sie ihre Promotion „Monumentale Erinnerung – ästhetische Erneuerung. Die Ästhetik der Intermedialität in den Schriften der Neudeutschen Schule“ als Mitglied des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und als Koordinatorin des Career Service fort.