Netzwerke in der Geschichte
January 13th, 2009
Neill Busse: Netzwerke in der Geschichte. Sozial- und kulturgeschichtliche Zugänge am Beispiel von Justus Liebig und seinen Schülern
Personale Netzwerke erfahren seit wenigen Jahren in den Medien, aber auch in der Wissenschaft zunehmende Aufmerksamkeit: „Netzwerk“ und „Networking“ sind – nicht zuletzt durch Online-Plattformen – zu gängigen Wahrnehmungs- und Beschreibungskategorien der sozialen Welt geworden. In der Geschichte allerdings gab es in allen Epochen immer schon eng verflochtene Personenverbände, die unter je verschiedenen Fragestellungen und mit unterschiedlichen Methoden Gegenstand von Untersuchungen waren. Anhand verschiedener Beispiele sollen zum einen die Traditionslinien der Prosopographie, also der Personengeschichtsschreibung als kollektiver Biographie aufgezeigt werden, und dann zum anderen die Netzwerkanalyse als sozialwissenschaftliches Instrument zur Analyse solcher Personengruppen vorgestellt werden. Gerade für die Wissenschafts- und Universitätsgeschichte sind personale Netzwerke von herausragender Bedeutung. Daher sollen Ihnen insbesondere am Beispiel der „Liebigschule“, dem weit verzweigten und höchst erfolgreichen Netzwerk der Schüler des Namenspatrons unserer Universität, die Möglichkeiten und Chancen einer Verknüpfung von sozialgeschichtlichen Analyseverfahren und kulturgeschichtlichen Fragestellungen aufgezeigt werden.
Neill Busse studierte an der JLU Gießen und der University of Bristol Mittlere und Neuere Geschichte, Fachjournalistik, Anglistik und Politikwissenschaften. Nach dem Examen (Magister Artium) begann er 2006 seine Promotion im Fach Geschichte zum Netzwerk der Schüler Justus Liebigs. Nach Stationen am Graduiertenkolleg Transnationale Medienereignisse und im Universitätsarchiv Gießen arbeitet er seit August 2007 am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC), wo er seit Juni 2007 Mitglied ist. Daneben Lehrtätigkeit am Historischen Institut.