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Funktionen von diegetischen Schriftfigurationen im Film

July 26th, 2010

Vincent Fröhlich: Funktionen von diegetischen Schriftfigurationen im Film

Anknüpfend an Regine Leitensterns Vorlesung über nicht-diegetische Figurationen der Schrift im Film beschäftigt sich die folgende Stunde mit diegetischen Figurationen von Schrift im Film. Zunächst ist die eindeutige Unterscheidung zwischen nicht-diegetischer oder diegetischer Figuration zu hinterfragen: Damit der Zuschauer nicht aus der filmischen Welt herausgerissen wird, werden häufig auch nicht-diegetische Figurationen von Schrift in die Filmwelt eingebunden und erscheinen damit als Bestandteil der Diegesis. Aber es gibt auch klar zu zuordnende diegetische Schriftbeispiele: Zum Beispiel wird die Schrift von Briefen und Zeitungen und der mit ihr verbundene Schreibprozess visualisiert. Zu diesem Zweck wird der Schreibprozess durch erotische oder schockhafte Elemente aufgeladen, die Montage hebt einzelne Worte oder Buchstaben hervor, dekonstruiert oder rhythmisiert die geschriebene Sprache. Schrift und Bild können im Hinblick auf die Gesamtaussage des Films verschiedene Wechselbeziehungen zueinander eingehen und einander widersprechende, unterstützende oder kontextualisierende Funktionen haben. Experimentelle Filme eines Greenaway oder Fassbinder fordern außerdem die selbstständige Verknüpfung aus Schrift und Bild, die teilweise eigenständig von einander stehen und damit eine aktive Rezeptionshaltung des Zuschauers, der in diesem Falle auch Leser ist, fordern. Die Schrift ist wichtiger Bestandteil der Filmwelt, weil sie Geschichten authentifizieren kann und Funktionen übernehmen, die das Filmbild nicht oder nur mit Mühen leisten kann. Die unterschiedlichen Funktionen von diegetischen Figurationen von Schrift im Film sollen anhand von Filmbeispielen erläutert werden.

Vincent Fröhlich studierte von 2001 bis 2007 Komparatistik, Neuere deutsche Literatur undIslamwissenschaft in Bonn und Bayreuth. Seine Magisterarbeit „1001. Strukturen und Motive aus 1001 Nacht in Büchern und Filmen der Gegenwart“ wird 2010 im LIT-Verlag veröffentlicht. Seit 2007 gibt er verschiedene Lehrveranstaltungen zu Themen wie „Die Beat-Generation“ oder „Literaturverfilmungen“. Seit Oktober 2009 promoviert er am am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) zum Thema „Der Cliffhanger. Formen und Funktionen eines Kultur und Medien übergreifenden Erzählmittels“.