Forschungsprofil
Ob wir daten, streamen, putzen, uns informieren oder mit Chatbots über den Klimawandel diskutieren, unser Alltag spielt sich in medial geprägten Lebensverhältnissen ab. Medien – ob digital, generativ oder analog – stellen einen integralen Bestandteil der sozialen Konstruktionsprozesse von Wirklichkeit dar und modifizieren unsere politischen, kulturellen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Handlungsweisen. Will man also die aktuellen Transformationen von Kultur und Gesellschaft besser verstehen, so gilt es sich den medialen Praktiken zuzuwenden. Der Erforschung dieser interdependenten Relationalität zwischen Medien, Kultur und Gesellschaft hat sich die Mediensoziologie verschrieben. Sie will wissen: Wie und auf welche Weise modifizieren Medien die gesellschaftliche Wirklichkeit et vice versa?
Die Gießener Professur für Soziologie mit dem Schwerpunkt Mediensoziologie an der JLU geht diesem Wechselspiel sowohl auf der Ebene der Medienprodukte als auch auf der Ebene ihrer Rezeption nach. Memes, Streams, Kinofilme, Deepfakes, geleakte Überwachungsvideos oder auch Kriegsfotografien sind hier genauso relevante Forschungsgegenstände wie Influencer*innen Content, TikToks oder klassische Formate der journalistischen Berichterstattung.
Kennzeichen der Gießener Mediensoziologie ist nun, dass sie in ihrem Forschungsprofil Medienästhetik und Sozialtheorie zusammenführt und die Frage nach der ästhetischen Reflektion immer auch mit der Frage nach der sozialen Wirksamkeit kombiniert. Die ästhetische Reflektion wird so als theoretisches Tool der Gesellschaftsanalyse fruchtbar gemacht. Denn mediale Artefakte erscheinen nie im gesellschaftsleeren Raum. Im Gegenteil: Sie sind Seismographen und bisweilen sogar präzise Diagnostiker ihrer Gegenwart. Dieses Wissen der medialen Produkte analytisch freizulegen, in ihrer sozialen Wirksamkeit empirisch zu untersuchen, um die gegenwärtigen Transformationsprozesse besser zu verstehen, steht im Zentrum der Lehre und Forschung dieser Professur.