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Hautpilz bedroht hessische Feuersalamander

HLNUG und JLU verlängern Forschungsprojekt - Flächendeckendes Vorwarnsystem zur frühzeitigen Entdeckung von Infektionsherden

Feuersalamaner
Gemeinsam für den Feuersalamander: HLNUG und JLU - Foto: Tebina / Ottfried Schreiter
Feuersalamander lieben die kühlen Bachtäler der Laubwälder der hessischen Mittelgebirge. In den letzten Jahren haben Fundmeldungen von hessischen Bürgerinnen und Bürgern gezeigt, dass die auffälligen schwarz-gelben Lurche beispielsweise im Odenwald, im Taunus und im Reinhardswald regel-mäßig nach Regen auf Waldwegen oder auf Gartengrundstücken anzutreffen sind. Doch nun leiden die feucht-kühle Gebiete liebenden Tiere unter dem Klimawandel und gelten als potenzielle Klimaverlierer. In den trockenen Sommern der beiden letzten Jahre sind vielerorts Quellen und Bäche – die Kinderstube der Feuersalamander – ausgetrocknet. Und, als wäre das nicht schon genug, bedroht auch noch ein tödlicher Hautpilz die Feuersalamander: Vor einigen Jahren vermutlich mit importierten Amphibien aus Asien nach Europa eingeschleppt, hat der Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) genannte Pilz zunächst fast den gesamten Bestand von Feuer-salamandern in den Niederlanden und Belgien vernichtet und anschließend nach Nordrhein-Westfalen übergegriffen, wo er sich nun rasant im Ruhrgebiet ausbreitet.

Gemeinsam für den Feuersalamander - HLNUG fördert Projekt der Universität Gießen

 

Um diese Entwicklung im Auge zu behalten und rechtzeitig zu bemerken, wenn der Pilz möglicherweise auf Hessen überspringt, fördert das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) seit 2018 mit Mitteln aus dem Hessischen Biodiversitätsforschungsfonds ein Forschungsprojekt der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) (Prof. Hans-Peter Ziemek: Institut für Biologiedidaktik und Prof. Michael Lierz: Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische). Die Förderung wurde nun um weitere zwei Jahre verlängert.

Im Rahmen des Projekts wurde in Hessen ein bundesweit einmaliges flächende-ckendes Vorwarnsystem zur frühzeitigen Entdeckung von Infektionsherden aufgebaut. Dafür wurden in den vergangenen drei Jahren einerseits bereits vorliegende Daten ausgewertet, etwa aus dem Feuersalamandermeldenetz des HLNUG oder von der eigens eingerichteten Seite www.feuersalamander-hessen.de. Dort können tote oder kranke Feuersalamander oder Molche gemeldet werden, diese werden dann über das landesweite Netzwerk kurzfristig abgeholt und auf einen Befall mit Bsal getestet. Zusätzlich werden in den Kartiergebieten stichprobenhaft Individu-en beprobt. Darüber hinaus wurden die Bestände hessischer Privathalter untersucht und auf den Hautpilz getestet – hierbei handelt es sich um die erste flächendeckende Untersuchung von privat gehaltenen Feuersalamandern in Deutschland.

Das Ergebnis aller Untersuchungen ist erfreulich: In keinem Fall wurde bisher an ei-nem hessischen Feuersalamander Bsal nachgewiesen, der tödliche Pilz hat Hessen wohl noch nicht erreicht. Dies freut die Forscherinnen und Forscher, ist aber den-noch kein Anlass zur Entwarnung – ist der erste Bsal-Fall in Hessen doch wohl nur eine Frage der Zeit. Umso wichtiger ist deshalb die Fortführung des Forschungsprojekts für den Erhalt der Feuersalamander-Bestände in Hessen.

Hintergrund Hautpilz und Vorsichtsmaßnahmen Der auch „Salamanderfresser“ genannt Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) kam ursprünglich nur in Asien vor: Für die dortigen Schwanzlurche ist eine Infektion nicht tödlich. Nach Europa gelangte der Pilz vermutlich durch den Import von Molcharten aus Thailand, Vietnam und Japan für den Zoofachhandel. Erste infizierte Tiere in Europa wurden im Jahr 2012 in den Niederlanden entdeckt, dort sind inzwischen 99,9% der Tiere gestorben. Der Pilz wird unter anderem durch wider-standsfähige Dauersporen verbreitet. Naturfreunde sollten daher – vor allem nach Wanderungen in bereits befallenen Gebieten wie der Eifel – ihre Schuhe reinigen und trocknen. Insbesondere Naturschützer und Freilandkartierer müssen auch ihre Aus-rüstung (Kescher etc.) desinfizieren. Anleitungen zur Desinfektion unter www.feuersalamander-hessen.de. Gekaufte Tiere in privater Haltung sollten grund-sätzlich nie im Freiland – auch nicht im Gartenteich – ausgesetzt werden. Da asiatische Schwanzlurche in der Regel immun sind, können sie den Pilz auf einheimische Arten übertragen, ohne selbst daran zu sterben.

Vorläufer des Projekts: Das Feuersalamander-Meldenetz


Im Jahr 2015 haben das HLNUG, das Institut für Biologiedidaktik der JLU und die Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz in Hessen e.V. (AGAR) das Feuersalamander-Projekt ins Leben gerufen. Und dem Motto „Mach mit, schau hin!“ sind alle Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, sich zu beteiligen und Feuersa-lamander, die sie beispielsweise beim Waldspaziergang, Radfahren oder Joggen be-obachten, zu melden. Zu sehen sind die Tiere meist gegen Abend oder am frühen Morgen auf Waldwegen, an Waldrändern oder am Rand von feuchten Gebüschen.


Weitere Informationen zu den Projekten und zur Meldung von Sichtungen:

www.feuersalamander-hessen.de


www.hlnug.de/themen/naturschutz/tiere-und-pflanzen/arten-melden/feue
rsalamander


www.hlnug.de/fileadmin/dokumente/naturschutz/Arten_melden/feuersalam
ander/hf-feuersalamander-flyer-screen.pdf

www.hlnug.de/fileadmin/dokumente/naturschutz/Klimawandel/HLNUG_NSS3_
Auswirkungen_des_Klimawandels_191212_web.pdf

www.hlnug.de/themen/naturschutz/biodiversitaetsforschungsfonds


  • Kontakt:


Institut für Biologiedidaktik der JLU
Karl-Glöckner-Str. 21C, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99 35500



Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie Abt. Naturschutz (Standort Gießen)
Telefon: 0641 4991 262
 


Mit der freundlichen Bitte um Veröffentlichung.

Beste Grüße
Charlotte Brückner-Ihl

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Charlotte Brückner-Ihl
Pressesprecherin

Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU)
Presse, Kommunikation und Marketing
Ludwigstraße 23
35390 Gießen

Telefon: 0641 99-12042
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