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Wahrscheinlich Ausbruch einer equinen Herpesvirus 1 (EHV-1) Infektion in Hessen

Informationen des Fachbereichs Veterinärmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen
  • Aktualisierte Information der Klinik für Pferde, Innere Medizin vom 25. Juli 2016

Zu unserem großen Bedauern hatten vier Pferde Fieber entwickelt, die sich – bevor die Erkrankung auffällig wurde – mit jenem Kolikpatienten im gleichen Stalltrakt befanden, bei dem später das equine Herpes-Virus-1 (EHV-1) diagnostiziert wurde. Dieser Stall ist nach wie vor komplett isoliert. In anderen Stallungen der Pferdeklinik bzw. außerhalb der isolierten Bereiche sind seit dem 9. Juli keine Herpes-assoziierten Fieberschübe aufgetreten.

Einige Patienten der Pferdeklinik, die nie in Kontakt mit möglicherweise infizierten Tieren gekommen sind, konnten inzwischen nach Hause entlassen werden. Die Besitzer sind entsprechend aufgeklärt und wir stehen mit ihnen weiter in engem Kontakt. Mit Sicherheit hätten diese uns direkt informiert, falls zu Hause Fieber oder irgendwelche sonstigen Symptome aufgetreten wären. Dies ist bis heute (25.07.2016) nicht der Fall.

 

Nr. 140 • 14. Juli 2016

In einem Pferdebestand im Landkreis Limburg-Weilburg sind mehrere Pferde wahrscheinlich an einer equinen Herpesvirus-1 (EHV-1) Infektion erkrankt. Bevor klinische Anzeichen oder der Verdacht einer EHV-1 Infektion bestand, wurde aus den betreffenden Stallungen ein Pferd mit einer Kolik an die Klinik für Pferde der Justus-Liebig-Universität überwiesen. Nach überstandener Kolikoperation entwickelte dieses Pferd zeitgleich zu anderen Pferden im Herkunftsbestand eine schwere neurologische Symptomatik. Nach notwendiger Euthanasie des Pferdes ergab die sofort eingeleitete Diagnostik einen Virusnachweis für EHV-1. Sowohl im Herkunftsbestand als auch in der Universitätsklinik wurden alle notwendigen Hygienemaßnahmen sofort eingeleitet.

Equine Herpesvirusinfektionen sind nicht anzeige- oder meldepflichtig. Sie verursachen keine auf Menschen übertragbare Krankheiten. „Selbstverständlich steht die Klinik für Pferde der JLU in engem Kontakt mit den jeweilig zuständigen Veterinärbehörden und arbeitet mit diesen hervorragend zusammen, auch um Informationen über das Auftreten schwerer Verläufe der EHV-1 Infektion zu bündeln“, betont Prof. Dr. Kerstin Fey, Leiterin der Klinik für Pferde, Innere Medizin.

Verlaufsformen der Infektion mit equinem Herpesvirus-1
EHV-1 ist in unserer Pferdepopulation weit verbreitet und häufig verläuft die Infektion symptomlos. „Einmal infizierte Pferde tragen das Virus aber quasi unsichtbar (‚latent‘) weiter in sich, und es besteht keine Möglichkeit, diese Pferde wieder ganz EHV-1 frei zu bekommen“, erklärt Prof. Fey. Leider kann das EHV-1 aber auch zu schwerwiegenden Erkrankungen führen. Häufig zeigen die Pferde dann zu Beginn Fieber, wie es allerdings auch bei vielen anderen Krankheiten auftritt. Besonders bei Fohlen oder jungen Pferden kann EHV-1 Entzündungen der Atemwege entwickeln, deren Symptome in der Regel nach einigen Tagen wieder abklingen. Leider kommt es bei schweren Verläufen vor allem bei erwachsenen Pferden aber auch zu neurologischen Ausfällen wie Ataxie (Koordinationsstörungen), die typischerweise in der Hinterhand beginnen. Dies kann von Harn- und Kotabsatzschwierigkeiten begleitet werden und schließlich auch die Vordergliedmaßen betreffen.

Schlimmstenfalls kommen die Pferde zum Festliegen und sie können sich bei Aufstehversuchen verletzen. Diese neurologische Form der EHV-1 Infektion wird auch equine Herpesmyeloenzephalopathie (EHM) genannt und trifft dann oft mehrere Pferde in einem Bestand. Dauert das Festliegen an, haben die Pferde eine schlechte Prognose und müssen in der Regel aus tierschützerischen Gründen eingeschläfert werden.

Bevor flächendeckend geimpft wurde, war EHV-1 besonders als Abortauslöser gefürchtet. Zwar kommen leider auch heute noch sporadisch Aborte durch EHV-1 vor, lassen sich aber – ebenso wie die EHM – durch konsequente und rechtzeitige Bestandssperre meist auf diesen beschränken.

Übertragungswege und Ausbreitung der Erkrankung
Die Virusausscheidung erfolgt hauptsächlich über Sekrete aus den Nüstern. Übertragen wird das Virus am ehesten durch direkten Kontakt als Schmier- oder Tröpfcheninfektion von infizierten Tieren auf gesunde Pferde. Aber auch indirekte Übertragungen durch verunreinigte Gegenstände und Personen, die das Virus an Händen, Schuhen und sonstiger Kleidung tragen, sind möglich. Der Zeitraum von der Ansteckung bis zu ersten Krankheitserscheinungen (in der Regel Fieber), beträgt meist drei bis zehn Tage, in Einzelfällen wird aber auch von einer längeren Inkubationszeit berichtet.

Behandlungsmöglichkeiten und Vorbeugung einer EHV-1 Erkrankung
Wie bei vielen Viruserkrankungen ist eine ursächliche Therapie nicht möglich; Behandlungen sind auf die jeweiligen Symptome abzustimmen und sollten vor Ort vom behandelnden Tierarzt individuell erfolgen. Von besonderer Wichtigkeit ist es, Übertragungen auf weitere Pferde zu vermeiden. Da infizierte Pferde das Virus bereits ausscheiden können, bevor Fieber oder andere Symptome auftreten, ist es extrem wichtig, auch (noch) gesund erscheinende Pferde aus betroffenen Ställen (mit gleichem Luftraum) schon beim ersten Verdacht nicht mehr in andere Bestände zu verbringen.

Verdächtige bzw. fieberhafte Tiere sollten separat und möglichst entfernt von anderen Pferden und natürlich entfernt von Plätzen mit hohen Menschenaufkommen und Tierverkehr aufgestallt werden. Das Virus kann unter feucht-kühlen Bedingungen zwar wenige Wochen infektiös bleiben, ist aber gut durch übliche Desinfektionsmittel, Trockenheit und Sonnenlicht zu inaktivieren. Das Überleben des Erregers in der Umwelt spielt für die Übertragung der Erkrankung eine untergeordnete Rolle.

Eine Impfung ist möglich und – wie bei allen ansteckenden Krankheiten - besonders dann sinnvoll, wenn möglichst alle Pferde eines Bestandes erfasst werden. Derzeit sind jedoch in Deutschland zugelassene Impfstoffe nicht erhältlich. Da viele unserer Pferde das Virus in sich tragen, ohne zu erkranken, also bereits infiziert sind, kann die Impfung nicht zuverlässig vor der Infektion an sich schützen. Sie vermindert aber sowohl Schweregrad der Erkrankung sowie die Virusausscheidung ganz erheblich – und damit reduziert sie die Viruslast im Bestand.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass viele unserer Pferde und Ponies dauerhaft mit equinen Herpesviren infiziert sind, ohne dass sie Symptome aufweisen. Die besondere Gefährlichkeit der EHV-1 Infektion liegt darin, dass aus oft nicht ersichtlichem Grund die Infektion bei einzelnen Pferden reaktiviert wird. Dies führt zur Virusausscheidung und es können plötzlich schwere Verläufe auftreten. Die Herpesviren werden also meist nicht, wie zum Beispiel Influenzaviren, von außen eingeschleppt, und man kann sie auch nicht dauerhaft eliminieren. Sehr oft wird aber die Virusausscheidung von Fieber begleitet. Daher besteht eine einfache und praktikable Möglichkeit, um solche Pferde früh entdecken und isolieren zu können, in der täglichen Temperaturkontrolle. Gut verständliche Hinweise für Pferdehalter zu Herpesvirusinfektionen sind unter anderem auf der Internetseite der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover abrufbar.

  • Weitere Informationen


http://www.tiho-hannover.de/kliniken-institute/kliniken/pferde/besitzerinformationen-zu-herpesvirusinfektionen/
http://www.uni-giessen.de/fbz/fb10/institute_klinikum/klinikum/klinik-fur-pferde/pferdeklinik_innere/startseite

  • Kontakt


Klinik für Pferde, Innere Medizin
Frankfurter Str. 126, 35392 Gießen
Tel.: 0641 99-38660

 

Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen, Telefon 0641 99-12041