Einweihung eines Gedenksteins für Tuğçe Albayrak
Die Justus-Liebig-Universität Gießen bewahrt ihrer Studentin Tuğçe Albayrak ein ehrendes Andenken – Bewegende Feierstunde am Philosophikum I

Prof. Mukherjee sagte: „Tuğçe Albayrak, eine Studentin der Justus-Liebig-Universität Gießen, wurde – nachdem sie sich für ihre Mitmenschen in einer Situation eingesetzt hatte, in der viele andere weggeschaut hätten – Opfer körperlicher Gewalt und starb an den Folgen dieser Gewalteinwirkung. Die JLU wird Tuğçe Albayrak ein ehrendes Andenken bewahren.“
Prof. Mukherjee zeigte sich froh, dass der AStA mit der Idee auf das Präsidium zugekommen sei, einen Gedenkort zu schaffen. Mit dem Gedenkstein am Philosophikum – dort, von Tuğçe Albayrak studierte hatte – sei ein „perfekter Ort“ gefunden worden, wo man sich zurückziehen könne, um der Verstorbenen zu gedenken, aber vielleicht auch, um darüber nachzudenken, an welcher Stelle man sich selbst für andere Menschen einsetzen könnte.
Seit dem Wintersemester 2012/2013 bis zu ihrem Tode am 28. November 2014 in der Folge der schweren Gewalteinwirkungen war Tuğçe Albayrak als Lehramtsstudentin Mitglied der JLU. An ihrem Schicksal hatten nicht nur das Präsidium und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der JLU, sondern insbesondere auch die Studierenden großen Anteil genommen. Wie stark ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen von der Courage der jungen Frau beindruckt waren, betonte Felix Döring für den Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA). Er sagte: „Ich kannte Tuğçe leider nicht persönlich, aber ich merke, dass sie fehlt“. Tuğçe sei es immer um das Mensch-sein gegangen, wie es auch ihr Bruder ihm gegenüber betonte habe. Auch in dem „großen Akt der Zivilcourage“ sei es ihr darum gegangen, Mensch zu sein. Ihre Werte seien Solidarität gegenüber Schwächeren, Toleranz und Mut gewesen.
Mit Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen, „ob sich ein reiches Europa vom Rest der Welt abschottet“, zeigte sich Döring sicher, dass Tuğçe hier eine klare Position beziehen würde, „eine menschliche Position“. Er schloss mit den Worten „Ich wünsche mir für unsere Gesellschaft ein wenig mehr Tuğçe.“
Im Namen der Familie der Verstorbenen bedankte sich der Bruder von Tuğçe, Doğuş Albayrak, bei den Initiatoren und allen Beteiligten für die Errichtung des Gedenksteins. Dass man ihrer auf diese Weise gedenke, erfülle ihn und seine Familie mit Stolz. Er sagte mit bewegenden Worten, dass seine Eltern ihnen beigebracht hätten, dass Unrecht nicht geschehen darf. „Meine Schwester ist Schwachen zu Hilfe geeilt – sie ist zum schönen Gesicht der Zivilcourage geworden.“
Als Gäste waren bei der Gedenkfeier unter anderen Generalkonsul Mustafa Celik mit Begleitern, MdL Ismail Tipi, Prof. Dr. Yaşar Bilgin, Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Gesundheitsstiftung, und die Gießener Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz zugegen. Die Errichtung des Gedenksteins wurde durch das JLU-Präsidium, den AStA, die Gießener Hochschulgesellschaft (GHG) und die Volksbank Mittelhessen unterstützt. Für die Unterstützer nahmen Dr. Peter Hanker, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Mittelhessen, Uwe Lehmann, Vorstandsmitglied und Schatzmeister der Gießener Hochschulgesellschaft e.V., und Prof. Dr. Dr. h.c. Bernd Hoffmann, Vorsitzender des Beirats der GHG-Stiftung und Ehrenvorsitzender des GHG-Veraltungsrates) teil.
Die Feierstunde wurde musikalisch umrahmt von Jennifer Keil (Gesang), Medienwissenschaftlerin, und Christian Schneider (Gitarre), Student der JLU.
Mit der Ausführung der Steinstele mit Glasplatte, deren Inschrift nun an Tuğçe Albayrak erinnert, war der Steinmetzmeisterbetrieb Alexander Horst, Hungen-Obbornhofen, betraut.
Charlotte Brückner-Ihl