Prof. Dr. Peter-Josef Johannes von Möllendorff †
* 5. April 1963
† 10. Juli 2026
Die Justus-Liebig-Universität Gießen und ihr Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften trauern um Prof. Dr. Peter-Josef Johannes von Möllendorff
Peter von Möllendorff studierte an den Universitäten Köln, Freiburg und München Klassische Philologie und Romanistik. In München wurde er 1994 promoviert und habilitierte sich dort 1998. Dem Ruf auf die Professur für Klassische Philologie – Griechische Philologie an die Justus-Liebig-Universität Gießen folgte er 2003.
Prof. Dr. Peter von Möllendorff hat ein umfangreiches und thematisch weitgespanntes wissenschaftliches Œuvre hinterlassen. Geprägt von einem ausgesprochenen Interesse an Literaturtheorie und Ästhetik standen neben dem griechischen Drama und der kaiserzeitlichen Literatur v. a. der antike Roman, die Briefliteratur, der Dialog und die Eqigrammatik der Antike im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit. Als einer der führenden Lukian-Experten widmete er sich zuletzt in einem DFG-Projekt ästhetischen Fragestellungen im Hinblick auf die Theorie und Praxis des Attizismus. Dabei beschränkte sich seine Arbeit keineswegs nur auf die Antike. So war er maßgeblicher Initiator des Jahrbuchs Millennium, das dezidiert Publikationen zur Kultur und Literatur des ersten Jahrtausends n. Chr. versammelt. Ebenso lagen ihm Fragen der Rezeptionsgeschichte am Herzen, wie sein Wirken u. a. als Schriftleiter des Jahrbuchs Antike und Abendland sowie als Mitherausgeber eines rezeptionsgeschichtlichen Bandes des Neuen Pauly, erkennen lässt. Sein breites wissenschaftliches Interesse machte ihn zu einem geschätzten Gesprächspartner weit über die Grenzen des Faches hinaus. So war er eine treibende Kraft bei der Konstituierung des transdisziplinären Arbeitskreises Antike und Mittelalter an der JLU und Mitglied des SFB 434 Erinnerungskulturen. Von seinem Verständnis einer gelebten Interdisziplinarität zeugten auch eine ganze Reihe von Forschungs- und Lehrprojekten mit Kolleginnen und Kollegen aus den modernen Literaturwissenschaften, der Kunstgeschichte und der Theologie.
Gerade in seiner oft fachübergreifenden Lehrtätigkeit zeigte sich sein grundsätzlich dialogisches Verständnis von Wissenschaften und die Überzeugung, dass die Verknüpfung von Lehre und Forschung eine condicio sine qua non für die akademische Ausbildung darstellt. Seine intellektuelle Offenheit, seine Neugier und sein Humor wussten Kolleginnen und Kollegen wie Studierende sehr zu schätzen. Ein besonderes Anliegen war ihm schließlich die Vermittlung antiker Literatur an eine breitere Öffentlichkeit. Ausdruck davon sind seine renommierten Übersetzungen, allen voran die Übersetzung des Gesamtwerks Lukians für die Sammlung Tusculum, die ihn bis zu seinem Lebensende begleitete. Seine Begeisterung für den auditiven Gehalt griechisch-römischer Literatur zeigte sich nicht zuletzt in den kommentierten Lesungen antiker Texte, durch die er einer Gießener Öffentlichkeit und weit darüber hinaus bekannt wurde.
Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit übernahm er stets bereitwillig Aufgaben in der akademischen Selbstverwaltung. So fungierte er mehrfach als Geschäftsführender Direktor des Instituts für Altertumswissenschaften, war langjähriges Mitglied des Fachbereichsrates, über drei Amtsperioden Dekan des Fachbereichs Geschichts- und Kulturwissenschaften, Mitglied des Senats sowie des Direktoriums für Lehrerbildung.
Prof. Dr. Peter von Möllendorff war ein beispielhaft engagierter Vertreter der akademischen Selbstverwaltung, ein herausragender Wissenschaftler und ein leidenschaftlich akademischer Lehrer. Die Justus-Liebig-Universität Gießen und ihr Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.