Erhebliche Gefahr für Brieftaubenbestände
Kürzlich entdeckter Parasit verursacht schwere Erkrankungen bei Tauben und anderen Vogelarten – Auch Erhaltungszuchtprogramme von Papageien betroffen
Nr. 245 • 12. Dezember 2018
Zunächst waren natürliche Infektionen mit diesem Erreger ausschließlich aus dem Raum Berlin bekannt. In der DFG-geförderten Studie gelang eine erfolgreiche und vollständige epidemiologische Untersuchung des Erregers in Deutschland. Es zeigte sich, dass 7,34 Prozent von 368 Habicht- und Sperberproben positiv für S. calchasi-DNA waren. Ein vergleichbares Vorkommen mit 8,6 Prozent von 512 positiven Proben wurde bei den Ringeltauben festgestellt. S. calchasi ist flächendeckend in Deutschland sowohl bei den Endwirten als auch den freilebenden Zwischenwirten verbreitet. Eine Zunahme des Befalls konnte in vier aufeinanderfolgenden Jahren nicht festgestellt werden. Das deutet darauf hin, dass der Parasit offenbar schon länger verbreitet ist, und sich nicht, wie nach Entdeckung des Parasiten befürchtet, aktuell weiter ausbreitet.
Die auffällige schwerwiegende Erkrankung von Brieftauben ist vermutlich der potentiell höheren Infektionsdosis von in Volieren gehaltenen Vögeln im Vergleich zu freilebenden Wildtauben geschuldet. Für Wildtauben scheint der Erreger somit ein überschaubares Risiko darzustellen, während das Risiko für Tauben in Menschenobhut sehr hoch ist. Dies gilt nicht nur für Brieftaubenbestände, sondern vielmehr auch für stark bedrohte Taubenarten, welche in Erhaltungszuchtprogrammen in Menschenobhut gepflegt werden, wie zum Beispiel die Socorrotaube.
- Publikation
Parmentier SL, Maier-Sam K, Failing K, Enderlein D, Gruber AD, Lierz M. Prevalence of Sarcocystis calchasi in free-ranging host species: Accipiter hawks and Common Woodpigeon in Germany. Scientific Reports 8 (2018), 17610
https://www.nature.com/articles/s41598-018-35862-x
DOI:10.1038/s41598-018-35862-x
- Kontakt
Prof. Dr. Michael Lierz, Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische
Frankfurter Str. 91-93, 35392 Gießen
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