Inhaltspezifische Aktionen

Historisches Wissen für die Zukunft sichern

Landgraf-Ludwigs-Gymnasium Gießen übergibt „Rambach’sche“ und „Alte Bibliothek“ an die Universitätsbibliothek der Universität Gießen

Nr. 117 • 19. August 2026 

Sehr alte  Bücher mit braunen und weißen Buchrücken auf zwei Regalbrettern.
Eine Auswahl der ältesten Bände
Die Universitätsbibliothek der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) freut sich über eine nicht alltägliche Ergänzung ihrer historischen Sammlungen. Mehrere tausend, teils seltene historische Ausgaben mit einem pädagogischen Schwerpunkt hat das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium (LLG) Gießen im Mai 2026 in die Obhut der UB übergeben. Es ist der größte Zugang historischer Bände für die UB seit vielen Jahren. Die Bände finden einen neuen Platz im gesicherten Magazinbereich der Universitätsbibliothek. Mitglieder der Schule sowie Interessierte aus anderen Schulen und der Allgemeinheit werden herausragende Bände in Zukunft als Digitalisate nutzen können. 

Prof. Dr. Karsten Krüger, JLU-Vizepräsident für Wissenschaftliche Infrastruktur, freut sich über die mit der Übergabe verbundene Kooperation: „So können beide Einrichtungen an ihre gemeinsame Geschichte anknüpfen. Sie sorgen zugleich dafür, dass historisches Wissen für die Zukunft gesichert und einer breiten Öffentlichkeit verfügbar gemacht wird.“

Ein Foto eines aufgeschlagenen, antiken Buches. Die linke Seite zeigt handgeschriebenen lateinischen Text auf vergilbtem Papier; die rechte Seite präsentiert eine aufwendige Buchseite mit einer dekorativen Gravur, die Porträts klassischer Gelehrter und Philosophen in Medaillons zeigt.
Frühes Geschenk eines Gießener Professors 1773: Ein Druck von Johann Froben, Basel 1524

Die Verbindungen sind traditionell eng und historisch gewachsen: Das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium wurde im Jahr 1605 als „Gymnasium illustre“ mit Pädagogium gegründet und stellt die Vorläuferinstitution dar, aus der 1607 die Universität Gießen hervorgegangen ist. Viele Jahre lang war ein Professor der Universität als „Pädagogiarch“ zugleich Leiter des Gymnasiums. Beide Einrichtungen verdanken ihre Entstehung Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt (1577–1626), dessen Name auch die Universität Gießen viele Jahre lang als „Academia Ludoviciana“ („Ludwigs-Universität“) getragen hat.

Die historische Schulbibliothek setzt sich aus zwei Teilsammlungen zusammen. Während die Universitätsbibliothek bereits 1612 entstanden ist, legte Jacob Theodor Franz Rambach (1733–1808) in den Jahren 1772 bis 1775 die Grundlage der nach ihm benannten „Rambach’schen Bibliothek“ des Pädagogiums. Jacob Theodor war selbst Schüler des Pädagogiums und nach seinem Theologiestudium dort Lehrer, schließlich stieg Rambach zum „ersten Lehrer“ auf. Die Bibliothek begründete er durch Landesmittel und persönliche Spenden, um den Lehrern den Zugang zu pädagogischen Werken und den Schülern zu deutscher Literatur zu ermöglichen. Im Jahr 1775 wechselte er ans Frankfurter Gymnasium. 

Nahaufnahme einer kunstvollen Buchseite mit Porträtmedaillons und ornamentalen Gravuren. Zentral im unteren Bereich der Illustration ist ein kreisrunder Bibliotheksstempel des ‚Grossherzoglisches Gymnasiums zu Giessen‘ zu sehen, der die historische Herkunft des Exemplars markiert.
Alter Bibliotheksstempel

Die Buchbestände in Gießen wuchsen jedoch weiter. Von den erhaltenen etwa 460 Bänden der Sammlung stammen acht aus dem 16. Jahrhundert, 17 aus dem 17. Jahrhundert und die meisten aus dem 18. Jahrhundert. Ab 1876 wurde die Schulbibliothek zum Zwecke der Ausbildung von Lehrkräften erweitert, da am LLG eines der ersten Studienseminare Deutschlands eingerichtet wurde. Dies ist der Grundstock für die sogenannte „Alte Bibliothek“ mit Werken zur Methodik und Didaktik der Schulfächer sowie anderer relevanter Sachgebiete. 

Annette Pfannmüller, Schulleiterin des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums, betont: „Dem LLG ist sehr daran gelegen, dass die Bibliothek in der erforderlichen wissenschaftlichen Form erschlossen und zugänglich gemacht werden kann, die der Bedeutung der Bibliothek als historischem Schulbibliotheksensemble angemessen wäre.“ 

Schmale Gänge eines Archivs mit hohen Regalen voller alter, historischer Bücher.
Neuer Standort: Einige der Bücher im Magazin der UB. Fotonachweis: Barbara Zimmermann / Universitätsbibliothek Gießen

Vorgesehen ist zunächst, die Bücher der „Rambach’schen Bibliothek“ im Online-Katalog nachzuweisen und die bedeutendsten Bände zu digitalisieren, erläutert die Leiterin der UB Gießen, Dr. Jana Madlen Schütte, die der Schulleitung und Schulgemeinde des LLG herzlich dankt: „Wir freuen uns sehr über die Initiative der Schule und das Vertrauen, die historischen Bände an uns als Schwestereinrichtung zu übergeben.“

Über die „Digitalen Gießener Sammlungen“ (DIGISAM) werden diese dann frei als virtuelle Schulbibliothek verfügbar sein, auch für den zeitgemäßen und bestandsschonenden Gebrauch im Unterricht des LLG.

 

Weitere Informationen

https://www.uni-giessen.de/ub/de

Kontakt

Annette Pfannmüller, OstD
Schulleiterin des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums
Reichenberger Straße 3
35396 Gießen
E-Mail: a.pfannmueller 

Dr. Olaf Schneider
Leiter der Sondersammlungen
Universitätsbibliothek der Justus-Liebig-Universität Gießen
Otto-Behaghel-Straße 8
35394 Gießen
E-Mail: olaf.schneider 

Dr. Jana Madlen Schütte, Ltd. Bibliotheksdirektorin
Universitätsbibliothek der Justus-Liebig-Universität Gießen
Otto-Behaghel-Straße 8
35394 Gießen
E-Mail: jana.m.schuette

 

 

Presse, Kommunikation und Marketing • Justus-Liebig-Universität Gießen • pressestelle

Schlagwörter
Startseite