Ökologie der Geister
„Ökologie der Geister“
Das Verständnis eines Ortes bedeutet das Verständnis unserer Geschichte
Zeitraum des künstlerischen Projektes:
2026 bis 2027

Warum wir eine Ökologie der Geister brauchen
Das Kunstprojekt Ökologie der Geister (ÖdG) der Kunsthalle Giessen und des Instituts für Kunstpädagogik setzt sich mit den gesellschaftlichen Umbrüchen auseinander, die aktuell die Verhältnisse destabilisieren und zu tiefen Verunsicherungen führen. Gleichzeitig sucht es konstruktive Ansätze für neue Gestaltungswege: Mit künstlerischen Mitteln werden Orte in Gießen temporär zu offenen Bühnen demokratischen Denkens und Handelns sowie zu Räumen für individuelle Geschichten. ÖdG bringt Kunst in den öffentlichen Raum – zugänglich, partizipativ und überraschend. Es lädt aller Generationen zur Auseinandersetzung mit demokratischen Werten, Nachhaltigkeit und den Geistern der Geschichte und Gegenwart ein. Auch fragt es nach den individuellen Perspektiven der Bürger*inne. Dazu werden signifikante Orte in Gießen künstlerisch bespielt, inklusiv erlebt und vermittelt. So verbindet die Kunst den öffentlichen Stadtraum in Gießen mit den individuellen Geschichten aus der Bevölkerung.
Wer macht mit? Internationale Künstler*innen zusammen mit der Gießener Stadtbevölkerung
Das künstlerische Projekt ÖdG versammelt in Anlehnung an den Buchtitel Ökologie des Geistes von Gregory Bateson verschiedene Künstler*innen, die eingeladen sind, sich in Gießen mit unterschiedlichen Orten auseinanderzusetzen und die Bevölkerung in diese Prozesse zu integrieren. Dabei sollen internationale Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Personen aus der Gießener Stadtbevölkerung sinnbildlich „in die Tiefe bohren“ und miteinander in Dialog treten. Künstlerische Arbeiten werden temporär installiert und zum Anlass genommen, gemeinsam über den Umgang mit Räumen sowie den Zeiten, in denen wir leben, zu diskutieren. Bei einem Kunstprojekt wie diesem, das sich im öffentlichen Stadtraum situiert, geht es darum, die Identifikation der Menschen mit der Stadt Gießen zu verstärken. Gleichzeitig sollen Möglichkeit geschaffen werden, den Stadtraum auf neue Weise zu erleben.
Zielsetzung: Raum für Unterschiedlichkeit und Pluralität schaffen
Eine wesentliche Zielsetzung des Projektes ÖdG ist, mit Kunst aufzuzeigen, was die israelische Philosophin Eva Illouz mit dem der Setzung „Komplexität ist Liebe“ zusammengefasst hat. Sie führt aus, dass es immer die verschiedensten Perspektiven sowie die unterschiedlichsten Ansprüche und Bedürfnisse gäbe. Wichtig sei es, dass wir eine Gemeinschaft bilden, in der die Unterschiedlichkeit Raum hat. Dass der Organismus einer Gemeinschaft verschiedenster Lebewesen erst entstehen kann, wenn wir die Orte unsere Geschichte und somit unser Selbst verstehen, ist auch die Grundannahme von ÖdG.
Damit möchte dieses Projekt einen wesentlichen Beitrag zum kulturellen Selbstverständnis der Stadt Gießen und weit über deren Grenzen hinaus liefern.
Nachhaltigkeit nicht nur in Bezug auf Materialeinsatz
Nachhaltigkeit wird bei ÖdG in zweierlei Bedeutungsrichtungen verstanden. Zum einen ist bei diesem Projekt der nachhaltige und ressourcensparende Umgang mit Arbeitsmaterial von besonderer Bedeutung. Es gilt das Motto: kleiner, leichter, langsamer – DEGROWTH. Zum anderen geht es darum, Ideen von Nachhaltigkeit durch Kunst sichtbar zu machen und langfristig wirken zu lassen. Kunst soll also nicht im Gewand von drop-sculptures auftreten, die wie abgeworfen den Stadtraum betreten, sondern Kunst wird als fundamentale Arbeit am Gemeinschaftssinn einer Stadtbevölkerung verstanden, die über Jahre hinaus neue Strukturen und Beziehungen erzeugt.
Warum Gießen für dieses Projekt passgenau ist
Die Prägung als Transitraum macht Gießen zu einem besonderen Ort von exemplarischem Charakter für gesellschaftliche Veränderungen in ganz Deutschland und darüber hinaus. Spezifische Orte, wie z. B. die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung, die seit 1946 geflüchtete Menschen in Deutschland aufnimmt, tragen maßgeblich zu Gießens Identität bei, die von Vielfalt und multikulturellem Zusammenleben bestimmt ist. Die letzten Jahre zeigen aber auch die Brüchigkeit des bisherigen gesellschaftlichen Zusammenhalts auf. In diesen Kippmoment will das Projekt mit künstlerischen Mitteln eingreifen, um einem Auseinanderdriften der Gesellschaft entgegenzuwirken. Viele weitere Gießener Orte, die sich anbieten, um gesellschaftsrelevante Themen auf unterschiedlichste Weise in den Fokus setzen, sind bereits angedacht.
ÖdG verbindet in einzigartiger Weise Ästhetik mit gesellschaftspolitischer Arbeit
Wir brauchen Ästhetik, da diese – verstanden als die Lehre und Vervollkommnung der sinnlichen Wahrnehmung – den Menschen zu einem emphatischen und wahrnehmenden Wesen macht. Einem Wesen, das nicht nur urteilt und analysiert, sondern bewusst wahrnimmt, sieht, hört, schmeckt. Zudem brauchen wir gesellschaftspolitische Arbeit zum Anfassen. Nicht individuell und digital, sondern Menschen, die sich im Tun begegnen und gemeinsam wahrnehmen – kurz: Kunst im öffentlichen Raum.
Durch die Hybrid-Situation ist Ökologie der Geister das Projekt der Stunde. Das fünfköpfige ÖdG-Team ist hochgradig spezialisiert im Bereich der zeitgenössischen Kunst in Theorie und Praxis, der künstlerischen Lehre und Pädagogik, aber ebenso verbunden mit den alltäglichen Lebensumständen der Menschen in Gießen. Das Team umfasst:
Dr. Nadia Ismail und Eske Fredrich für die Kunsthalle Giessen, Prof. Martin Schepers, Prof. Ina Weise und Jörg Wagner für das Institut für Kunstpädagogik.
Unterschiedlichste Gesellschaftsgruppen werden durch ein innovatives Vermittlungsformat in dem Projekt beteiligt (Outreach-Strategien), um so Sichtbarkeit, Diskurs und Teilhabe zu fördern. Die Verbindung der Erfahrungen wie Kompetenzen der Kunsthalle Giessen mit denen des Instituts für Kunstpädagogik erzeugen gerade in der Vermittlung einen wertvollen Synergieeffekt für das Projekt.
Ein Projekt des IfK und der KUNSTHALLE GIESSEN mit freundlicher Unterstützung der Hessischen Kulturstiftung
Zur Webseite Ökologie der Geister: https://oekologiedergeister.de/