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Wechsel an der Spitze der Universitätsbibliothek

Nach 35 Jahren an der JLU geht der Leitende UB-Direktor Dr. Peter Reuter in den Ruhestand – Dr. Jana Madlen Schütte tritt am 1. September 2025 die Nachfolge an

Nr. 128 • 28. August 2025 

Die Universitätsbibliothek ist ein Ort der Begegnung, des konzentrierten Lernens und intensiven Forschens. Ohne die vielfältigen Serviceleistungen wäre ein Studium nicht möglich, ohne den Zugang zu Fachliteratur und wissenschaftlichen Quellen wären Forschung und Lehre undenkbar. Mit der UB der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) untrennbar verbunden ist der Leitende Bibliotheksdirektor Dr. Peter Reuter, der die Entwicklungen im Bibliothekswesen seit 35 Jahren begleitet hat. Seit 1997 hatte er zunächst kommissarisch und ab 1999 dauerhaft die UB-Leitung inne. Zum 1. September wird Dr. Reuter in den Ruhestand verabschiedet. Seine Nachfolge tritt Dr. Jana Madlen Schütte an.

JLU-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Lorenz dankt dem scheidenden UB-Direktor im Namen des gesamten Präsidiums: „Die Universitätsbibliothek bietet den Zugang zu umfangreichen wissenschaftlichen Ressourcen, unterstützt mit spezialisierten Dienstleistungen Forschung und Lehre und fördert die Informationskompetenz der Studierenden. Sie haben die konsequente Weiterentwicklung der UB als zentrale Serviceeinrichtung maßgeblich geprägt und mit ihrem jahrzehntelangen Einsatz dafür gesorgt, dass die UB jederzeit auf dem technisch neusten Stand war. Dafür danken wir Ihnen herzlich.“

Der Abschied ist Anlass genug für eine kurze „Zeitreise“. Als Dr. Reuter 1990 nach Gießen kam, geschah dies in einer Phase tiefgreifenden Umbruchs: Noch hatten Karteikarten und Zettelkataloge nicht ausgedient, zeitgleich eröffnete die Nutzung des Internets neue, nicht absehbare Möglichkeiten. Integrierte Bibliothekssysteme (ILS) wurden in den Folgejahren eingeführt, die Funktionen wie den Online-Katalog (OPAC), die elektronische Ausleihe und die Verwaltung von Benutzerkonten umfassten. 

Unter der Leitung von Dr. Reuter erfolgte 2002 in Gießen die große Bibliotheksreform: Alle Zweig- bzw. Teilbibliotheken der Universität wurden mit dem Ziel der „funktionalen Einschichtigkeit“ im Bibliothekssystem neu organisiert und der UB unterstellt. Seither konnte die Anzahl der Bibliotheksstandorte um mehr als 45 Prozent reduziert werden. An sieben Standorten befanden sich zuletzt rund 90 Prozent des gesamten Bestands. Nach dem Bezug des Anbaus werden vom nächsten Jahr an mehr als 95 Prozent des Bestands an vier Standorten konzentriert. Dienstleistungen mussten im Laufe der Jahre immer wieder angepasst werden. Eine zentrale Literaturversorgung erforderte komplexe infrastrukturelle Rahmenbedingungen. Neue Medien, virtuelle Lernumgebungen und Datenbanken als Rechercheinstrumente gehören längst zum Bibliotheksalltag. Den raschen Wandel in der Informationstechnologie hat die UB unter der Federführung von Dr. Reuter stets genutzt, um zu jeder Zeit eine handlungs- und entwicklungsfähige Dienstleistungseinrichtung zu sein.

Die UB verfügt über Sammlungen aus mehreren Jahrhunderten, darunter antike Papyri, mittelalterliche und neuzeitliche Handschriften, frühe Drucke und Nachlässe. Ein Schatz aus der Papyrussammlung von unschätzbarem Wert rückte 2017 ins Blickfeld einer weltweiten Öffentlichkeit: Damals wurde die Constitutio Antoniniana auf dem „Papryrus Gissensis 40“ in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen – eine Auszeichnung, die Dr. Reuter, der mit seinem Team einen großen Anteil an diesem Erfolg hatte, bis heute besonders freut. Es handelt sich um eine Verordnung des Kaisers Caracalla aus dem Jahr 212/213, mit der er allen freien Einwohnern des Römischen Reiches das römische Bürgerrecht verlieh. Nur dieses einzige Exemplar hat die Zeitläufte überdauert.

Dr. Reuter hat die Universitätsbibliothek immer als einen „lebendigen Ort“ gesehen. Es ist auch seinem Engagement zu verdanken, dass in diesem Frühjahr mitten im Seltersweg die neue Zweigbibliothek Natur- und Lebenswissenschaften (ZNL) eröffnet werden konnte und die JLU auf diese Weise weiter in die Innenstadt von Gießen gerückt ist.

Die Übergabe der Bibliotheksleitung fällt zeitlich zusammen mit einem weiteren Großprojekt. Auf dem „Campus der Zukunft“ entsteht zurzeit der Neubau der Zentralbibliothek mit dem Universitätsarchiv. Die helle Fassade ist weithin sichtbar; das Richtfest wurde 2024 gefeiert. Die intensiven Planungen für den Neubau hat Dr. Reuter von der ersten Stunde an mitgeprägt und begleitet. Als künftiges „Herzstück“ des neuen Philosophikums soll das Bibliotheksgebäude 2026 bezogen werden. Die Organisation des Umzugs ist eine der ersten großen Aufgaben für Nachfolgerin Dr. Schütte. Diese und weitere Herausforderungen nimmt sie gern an und freut sich darauf, zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen die digitale Weiterentwicklung der Bibliotheksservices voranzubringen und Zukunftsthemen zu gestalten.

Zahlen und Fakten der Universitätsbibliothek der JLU Gießen 
Gesamtbestand an Bänden: 3.695.578
Personalstellen:  102
Erwerbungsetat für 2024: 5.883.630 Euro
Zeitschriften, elektronisch: 68.993
Zeitschriften, gedruckt: 1.592
E-Books: 1,5 Millionen
Registrierte Nutzerinnen und Nutzer: 40.879
Suchanfragen in JUSTFind: 2,0 Millionen
Entleihungen: 485.324
Downloads aus E-Books und Zeitschriften; ca. 2,5 Millionen
Handschriften und Autographen: 2.811   [Stand Ende 2024]

            

Dr. Peter Reuter 

Portraitfoto von Dr. Reuter an einem Rednerpult
Dr. Peter Reuter – Foto: Katrina Friese (Archivbild)

Peter Reuter (Jahrgang 1959) studierte Philosophie, Germanistik und Soziologie. Nach seiner Magisterprüfung im Jahr 1986 wurde er 1988 an der Universität Bonn im Fach Philosophie promoviert. Im gleichen Jahr trat er als Bibliotheksreferendar an der Universitätsbibliothek Marburg in die Ausbildung für den höheren Bibliotheksdienst ein und legte 1990 die Fachprüfung an der Bibliotheksschule Frankfurt/M. ab. Seit 1990 ist er als wissenschaftlicher Bibliothekar an der Universitätsbibliothek Gießen tätig. 1997 übernahm er zunächst die kommissarische Leitung dieser Bibliothek und wurde 1999 zum Bibliotheksdirektor, 2002 zum Leitenden Bibliotheksdirektor ernannt. Dr. Reuter hat zahlreiche Publikationen ver-öffentlicht. Er hat sich nicht nur um die JLU verdient gemacht, sondern war immer auch ein Förderer des Gießener Kulturlebens, unter anderem im Literarischen Zentrum Gießen (LZG).

 

Dr. Jana Madlen Schütte 

Portraitfoto von Dr. Schütte vor Pflanzen
Dr. Jana Madlen Schütte – Foto: Kerstin Schmidt

Jana Madlen Schütte (Jahrgang 1984) übernimmt die Leitung der UB am 1. September 2025. Sie kommt aus Fulda nach Gießen, wo sie die Leitung der Hochschul-, Landes- und Stadtbibliothek innehatte. Nach dem Studium der Geschichte und Germanistik wurde sie 2015 an der Universität Göttingen promoviert. Im Jahr 2016 begann sie das Bibliotheksreferendariat an der Staatsbibliothek zu Berlin und absolvierte die theoretische Ausbildung an der Humboldt-Universität. Berufliche Stationen führten sie im Anschluss von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zur Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe und zur Universität Hamburg, wo sie die Bibliothek für Geisteswissenschaften leitete. Dr. Schütte engagiert sich im Vorstand des Landesverbandes Hessen im Deutschen Bibliotheksverband (dbv), in der Kommission Personalgewinnung von dbv, VDB (Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare) und BIB (Berufsverband Information Bibliothek) und ist Mitherausgeberin der Zeitschrift ABI Technik (Zeitschrift für Automation, Bau und Technik im Archiv-, Bibliotheks- und Informationswesen).


Weitere Informationen
https://www.uni-giessen.de/ub

Kontakt
Universitätsbibliothek Gießen – UB-Direktion
Otto-Behaghel-Straße 8, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-14000/1/2
E-Mail: direktion

 

 

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