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JLU strategische Partnerin eines neuen Zentrums für Deutschland- und Europastudien in Polen

Transformation im Fokus: DAAD fördert das „Interdisziplinäre Deutschland-Europa-Exzellenzzentrum“ (IDEE) an der Universität Lodz

Nr. 154 • 22. Oktober 2026 

Die gesellschaftlichen, politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen in Europa stehen im Mittelpunkt eines neuen Zentrums für Deutschland- und Europastudien in Polen, an dem die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) als strategische Partnerin beteiligt ist. Das „Interdisziplinäre Deutschland-Europa-Exzellenzzentrum“ (IDEE) ist an der Universität Lodz (Polen) angesiedelt, mit der die JLU bereits seit 1978 durch eine Partnerschaft eng verbunden ist. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert das Zentrum ab Januar 2027 mit Mitteln des Auswärtigen Amtes von rund 1,4 Millionen Euro. Die erste Förderphase läuft bis 2031.

Die Forschungsschwerpunkte des Zentrums sind europäische Transformationen aus polnisch-deutscher Perspektive. Dabei sollen Theorie und Praxis gekoppelt werden. Erforscht werden kulturelle Transformation und gesellschaftliches Gedächtnis, politische, wirtschaftliche und rechtliche Veränderungen der europäischen Integration sowie aktuelle Herausforderungen wie Sicherheit, KI-Regulierung, Energiewende und Migration. Dabei wollen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler historische Perspektiven mit aktuellen Fragen verbinden. Sie untersuchen beispielsweise die deutsch-polnische Erinnerungskultur, den Umgang mit deutschem und jüdischem Kulturerbe, aber auch der juristischen Regulierung künstlicher Intelligenz. Auch die Geschichte von Lodz als multikulturelle Industriemetropole, die Aufarbeitung der Verbrechen der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs und die heutige Entwicklung als Standort für Erinnerungsforschung werden Teil der Arbeit des Zentrums sein. Dabei werden auch ukrainische Perspektiven einbezogen, insbesondere bezüglich des Wiederaufbaus zerstörter Städte. 

„Das neue Zentrum wird unserer langjährigen Kooperation mit der Universität Lodz neue Impulse verleihen und sie weiter stärken“, so JLU-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Lorenz. Erst im Mai dieses Jahres hatte sie mit der Medaille „Universitatis Lodziensis Amico“ („Freund der Universität Lodz“) eine besondere Auszeichnung für die JLU in Lodz entgegengenommen. „Ich gratuliere allen Beteiligten herzlich zu diesem Erfolg und freue mich auf die vertiefte Zusammenarbeit in Forschung und Lehre.“ In der kommenden Woche reist die Präsidentin nach Lodz, um Gespräche zur Zentrumseinrichtung zu führen.

Die Partnerschaft mit der Universität Lodz wird auf Gießener Seite von nahezu allen Fachbereichen sowie vom Gießener Zentrum Östliches Europa (GiZo) und von der Arbeitsstelle Holocaustliteratur der JLU getragen. Ansprechpartner für das IDEE an der JLU ist Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg vom Arbeitsbereich Osteuropäische Geschichte am Historischen Institut, der auch Beauftragter der JLU für die Kooperation mit der Universität Lodz ist.

Neben der Forschung sollen im IDEE neue Studien- und Qualifizierungsangebote entstehen. Geplant sind ein interdisziplinärer Masterstudiengang „Deutschland- und Europastudien: Transformationen in Wirtschaft und Kultur“, internationale Sommerschulen sowie ein Cotutelle-Promotionsprogramm mit deutschen Partneruniversitäten. Hier haben die JLU und die Universität Lodz bereits seit 2023 ein kulturwissenschaftliches Cotutelle-Vorläuferprogramm für binationale Promotionen etabliert, das nun auf andere Bereiche übertragen wird.

Mit dem IDEE fördert der DAAD mit Mitteln des Auswärtigen Amtes nun insgesamt 20 interdisziplinäre Zentren für Deutschland- und Europastudien (ZDES) an herausragenden ausländischen Hochschulen in elf Ländern. Sie tragen dazu bei, die deutschland- und europabezogene Lehre und Forschung im Ausland zu stärken.

Kontakt

Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg
Historisches Institut, Arbeitsbereich Osteuropäische Geschichte
Telefon: 0641 99-28020
E-Mail: hans-juergen.boemelburg

 

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