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Alte, Lüsterne, Teufel

Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen präsentiert zwei Fastnachtsspiele von Hans Sachs – Premiere am 29. Juni 2026

Nr. 73 • 2. Juni 2026 

Vier Personen in Mittelalterlichen und Teufelskostümen posieren spielerisch auf einer Wiese vor einem grünen Busch.
Turbulentes Spiel: Szene aus „Der Teuffel mit dem alten Weyb“: Samira C. Sippel (Teufel), Farah Akbarli (die Frau), Kim Zips (der Mann), Zeynep Adigüzel (die Alte Unholdin). Foto: Cora Dietl

Falschen Gerüchten zu glauben, kann schmerzhafte und blutige Folgen haben. Mit der Aufführung von zwei Fastnachtsspielen von Hans Sachs – „Der Buler mit der Zauberey“ und „Der Teuffel mit dem alten Weyb“ – entführt die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) unter der Leitung von Prof. Dr. Cora Dietl im Juni und Juli 2026 ihr Publikum in eine Welt, in der die Ehe und das sexuelle Begehren als Schlachtfeld und zugleich als Spielfeld des Teufels oder seiner Sympathisanten erscheinen. Die Premiere findet am 29. Juni 2026 um 19.30 Uhr im Botanischen Garten in Gießen statt. Weitere Aufführungen folgen am 2. Juli um 19 Uhr in der Kulturkirche St. Raphael in Wettenberg-Wißmar sowie am 11. Juli im Schloss (ehem. Antoniterkloster) in Grünberg.

Da ist die alte Nachbarin, die es auf ein Paar Schuhe abgesehen hat, oder der läppische Bekannte, der sich ein Vergnügen daraus macht, einen verliebten Alten hinters Licht zu führen. Beide Fastnachtsspiele erzählen von Kontrollverlust, Eifersucht und der Lust, andere zu täuschen. Dabei entsteht ein komisch-groteskes Bild gesellschaftlicher Beziehungen.

Die Stücke präsentieren zwei spannende Geschichten, die als moralische Appelle dienen sollen. Sie stellen das Chaos zur Schau, das aufgrund falscher Entscheidungen zwischen Eheleuten entsteht. Dabei überzeichnet Hans Sachs (1494–1576) seiner Zeit gemäß gender-stereotypische Bilder: das Bild von der alten, verbitterten Nachbarin, die den Teufel noch übertrifft, indem sie Eheleute gegeneinander aufhetzt, sowie vom alten Buhler, der sich in romantische Fantasien verliert und in seiner falschen Hoffnung zum Narren machen lässt. Ironisch brutal enden beide Stücke in einem Gemetzel zwischen Eheleuten – und einem Gruß von Hans Sachs, der zur Tugend aufruft und vor der Sünde warnt: Wer den Pfad der Tugend verlässt, endet im Chaos oder Spott.

Eine Gruppe in rustikalen Kostümen posiert eine ausgelassene Szene im Freien, wobei eine Person theatralisch einen großen Holzlöffel schwenkt.
Aus „Der Buler mit der Zauberey“: Kim Zips (Hildegart), Cora Dietl (Eberlein Dilltapp), Zeynep Adigüzel (Ule Lapp), Orphis Littwin (Agnes). Foto: Samira C. Sippel

Der Nürnberger Schuhmacher, Meistersänger und Dramatiker Hans Sachs zählt zu den bedeutendsten Autoren des 16. Jahrhunderts. Seine Fastnachtsspiele wurden vermutlich von Handwerksgesellen in Wirtshäusern aufgeführt und dienten der Unterhaltung zum Fastnachtsfest, an dem damals wie heute Tabus gebrochen werden durften. Sie verbinden derben Humor mit alltagsnaher Moral und gesellschaftlicher Beobachtung. Sachs nutzt die Bühne der Fastnachtsspiele letztlich, um humorvoll übertrieben protestantisch-bürgerliche Werte zu vermitteln.

Unter der Leitung der Gießener Germanistin Prof. Dietl hat die JLU-Theatergruppe die historischen Texte neu bearbeitet. Die Inszenierung verbindet Elemente frühneuzeitlicher Theaterpraxis mit einer modernen Spielweise. Dabei bleibt der besondere Charakter der Fastnachtsspiele erhalten: komische Überzeichnung, drastische Situationen und die Frage, wie sehr Menschen sich von Angst, Begierde und Gerüchten lenken lassen.

Die Veranstaltung wird gefördert vom Museum im Spital Grünberg, dem Freundeskreis Museum Grünberg, dem Kulturamt der Stadt Gießen, dem Literarischen Zentrum Gießen (LZG), dem Hessischen Landestheater Marburg und der St. Raphael Kulturkirche Wettenberg-Wißmar. Sie ist das Ergebnis einer Lehrveranstaltung im Fach Germanistik der JLU.

Mitwirkende

„Der Teuffel mit dem alten Weyb“:
Teufel: Samira C. Sippel 
Alte Unholdin: Zeynep Adigüzel / Cora Dietl
Mann: Kim Zips 
Frau: Farah Akbarli

„Der Buler mit der Zauberey“:
Eberlein Dilltapp (Bauer): Cora Dietl
Agnes (seine Frau): Nina Littwin
Ule Lapp (Bauer): Zeynep Adigüzel / Farah Akbarli
Hildegart (Wirtin): Luca Marie Merkle / Kim Zips

Termine

Montag, 29. Juni 2026, 19.30 Uhr, Botanischer Garten der JLU in Gießen, Premiere
Donnerstag, 2. Juli 2026, 19 Uhr, Kulturkirche St. Raphael, Wettenberg-Wißmar
Samstag, 11. Juli 2026, 19 Uhr, Schloss in Grünberg (ehemaliges Antoniterkloster)

Eintritt: Gießen 7 Euro (5 Euro für Studierende, frei für Mitglieder des LZG)
Der Eintritt zu den Aufführungen in Wettenberg und Grünberg ist frei.

 

Weitere Informationen

https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/abliteratur/litgeschichte/veranstaltungendietl

Studienangebot Germanistik

Studieninteressierte, die sich für ein Studium der Germanistik an der JLU interessieren, können sich hier informieren:
https://www.uni-giessen.de/de/studium/studienangebot/bachelor/germanistik
https://www.uni-giessen.de/de/studium/studienangebot/master/germanistik

Kontakt

Prof. Dr. Cora Dietl
Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen
Otto-Behaghel-Straße 10 B, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-29080
E-Mail: cora.dietl

 

 

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