Playing with Time: On Dramaturgies from Former Yugoslavia in the Period of (Post-)Transition (1990–2017) and Their Contributions to Contemporary Dance in Western Europe – Mila Pavičević (ongoing)
“Playing with Time: On Dramaturgies from Former Yugoslavia in the Period of (Post-)Transition (1990–2017) and Their Contributions to Contemporary Dance in Western Europe” – Mila Pavičević
Von: Mila Pavičević, Research Assistant at the Institute
Betreuung: Bojana Kunst (Erstgutachterin)
Die Dissertation untersucht Dramaturgie als soziale und politische Praxis im einzigartigen historischen Kontext des ehemaligen Jugoslawien und im Jahrzehnt nach dessen Zerfall – von 1990 bis 2017. Die Forschungsarbeit geht der Frage nach, wie diese von den Jugoslawienkriegen und dem komplexen Übergang vom Sozialismus zum Postsozialismus geprägte Zeit den zeitgenössischen Tanz nachhaltig beeinflusst hat.
Im Zentrum stehen dabei Praktiken und Wissensproduktionen in Zagreb, Ljubljana und Belgrad. Die Arbeit bietet eine kritische Analyse zentraler Akteur*innen und Gruppen: Untersucht werden die Arbeiten des Performance-Kollektivs BADco. (Zagreb), die Praktiken der drei Janez Janšas (Slowenien) sowie die Kooperationen von Ana Vujanović mit Marta Popivoda und Saša Asentić. Ebenso fließt meine eigene dramaturgische Arbeit in Zusammenarbeit mit dem in Berlin ansässigen Choreografen Sergiu Matis ein.Ein weiterer Fokus liegt auf den theoretischen und diskursiven Beiträgen von drei unabhängigen Magazinen: Maska(Ljubljana), Frakcija (Zagreb) und Walking Theory (Belgrad) sowie den kritischen Denkansätzen von Bojana Cvejić und Bojana Kunst.
Die Methodologie basiert auf einem triadischen Ansatz: Historische und archivarische Forschung werden mit strukturierten Interviews mit Dramaturg*innen und detaillierten Fallanalysen ausgewählter Arbeiten kombiniert. Darüber hinaus wird das Storytelling als künstlerisch-theoretische Intervention in den Text integriert – in Form von anekdotischen und persönlichen Perspektiven, die die komplexe Erfahrungsdimension von Transformationszeiten erfahrbar machen.
Kurzbiografie:
Mila Pavićević ist Theoretikerin, Dramaturgin und Autorin. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft und arbeitet im Masterstudiengang Choreografie und Performance bei Prof. Dr. Bojana Kunst. Sie hat einen BA in Altgriechischer Sprache und Literatur und Komparatistik von der Universität Zagreb und einen MA in Dramaturgie von der Akademie für Darstellende Kunst in derselben Stadt. Von 2019 bis 2023 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studiengang Tanzwissenschaft an der Freien Universität Berlin an dem von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderten Projekt Dramaturgie und Choreografie – Neue Formate im zeitgenössischen Tanz (mit Jun.-Prof. Dr. Kirsten Maar). Derzeit ist sie Doktorandin am selben Fachbereich, wo sie dramaturgische Praktiken aus dem ehemaligen Jugoslawien während des historischen Prozess der Transition (1990 – 2015) und deren Beiträge zum westlichen zeitgenössischen Tanz untersucht. Seit 2012 ist sie als Dramaturgin in der freien Tanzszene Berlins tätig, arbeitet mit verschiedenen Künstlern*innen zusammen und kuratiert Veranstaltungen und Festivals in Berlin und Kroatien. Ihr Essays, Gedichte und Belletristik wurden in mehreren Sprachen veröffentlicht und sie gewann 2009 den Literaturpreis der Europäischen Union für ihr Buch Ice Girl and Other Fairytales. Zu ihren Forschungsinteressen gehören die Geschichte der blockfreien Bewegung, feministische Dramaturgie, Transdisziplinarität und die Zeitlichkeit von Institutionen.