Prof. Dr. phil. Dieter Vaitl †
* 27. März 1940
† 10. Januar 2026
Die Justus-Liebig-Universität Gießen und ihr Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft trauern um Prof. Dr. phil. Dieter Vaitl.
Dieter Vaitl studierte von 1959 bis 1963 Philosophie und Katholische Theologie in Freising und Rom. Anschließend absolvierte er ein Studium der Psychologie an der Universität Freiburg, wo er ab 1967 als Verwalter einer Wissenschaftlichen Assistentenstelle arbeitete. Im Jahr 1969 wechselte er an die Universität Münster und promovierte sich dort. Nach einer kurzen Tätigkeit als Wissenschaftlicher Assistent wurde er zum Wissenschaftlichen Rat und Professor ernannt. Im Jahr 1976 folgte er schließlich einem Ruf auf die Professur für Klinische und Physiologische Psychologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, die er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2005 innehatte. Er engagierte sich in der universitären Selbstverwaltung und übernahm u.a. das Amt des Prodekans und des Dekans.
Prof. Dr. Vaitl beeindruckte mit seiner wissenschaftlichen Neugier und seinen vielfältigen Forschungsinteressen. Insbesondere interessierte er sich für psychophysiologische Grundlagen menschlichen Erlebens und Verhaltens und die neurowissenschaftliche Erforschung von veränderten Bewusstseinszuständen, Meditation, Hypnose und Trance. Geleitet von diesen Forschungsinteressen fungierte er von 1982 bis 1988 als Gründungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Psychophysiologie und ihre Anwendung (DGPA) sowie von 1994 bis 1996 als Präsident der Federation of the European Psychophysiological Societies (FEPS). Im Jahr 1988 gründete er das Institut für Psychobiologie und Verhaltensmedizin. Von 2001 bis 2020 leitete er das Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg und war bis zu seinem Tod Vorstandsvorsitzender des Trägervereins. Dank der engen Kooperation mit dem IGPP gelang Prof. Dr. Vaitl im Jahr 2000 die Einwerbung des ersten funktionellen Magnetresonanztomographen am Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft sowie die Gründung des Bender Institute of Neuroimaging (BION), des-sen Leitung er bis 2011 innehatte.
Neben seinen neurowissenschaftlichen Forschungsaktivitäten hat Prof. Dr. Vaitl besonderen Wert auf eine fundierte Qualifikation von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gelegt. Er etablierte bereits 1993 gemeinsam mit Dr. Renate Frank den ersten universitären Weiterbildungsstudiengang für Verhaltenstherapie und eine Verhaltenstherapeutische Ambulanz. Mit Charisma, Neugier und Offenheit für selbst ungewöhnliche Ideen vermochte Prof. Dr. Vaitl sowohl den wissenschaftlichen Nachwuchs als auch seine Studierenden immer wieder zu begeistern.
Prof. Dr. Vaitl hat mit der Einrichtung des BION und der Verhaltenstherapeutischen Ambulanz am Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft maßgeblich dazu beigetragen, hervorragende Strukturen für neurowissenschaftliche Forschung, für die psychotherapeutische Qualifizierung und damit letztlich auch die Versorgung von Menschen mit psychischen Störungen zu schaffen.
Die Justus-Liebig-Universität Gießen und ihr Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft werden Prof. Dr. Dieter Vaitl stets ein ehrendes Andenken bewahren.