Neue Porzellankrebsart entdeckt
Die kleinen Bewohner von Riffen an der kolumbianischen Karibikküste sind Nahrungsquelle für verschiedene Meerestiere und könnten zudem als Bioindikatoren dienen
Nr. 196 • 7. Oktober 2019
Porzellankrebse dienen Fischen, großen Krebsen und Tintenfischen als Beute; ihre im Wasser schwimmenden Larven bilden ein Teil des Nahrungsspektrums planktonfressender Fische. Als Bewohner des oberen Küstenbereiches sind sie den Klimaveränderungen in besonderem Maße ausgesetzt, was sie zunehmend interessant als Bioindikatoren macht. Dies sind Organismen, mit denen sich Umweltfaktoren erkennen und erfassen lassen.
Die neue Petrolisthes-Art ist beispielhaft für die Gruppe der Porzellankrebse. Wie die meisten Arten lebt sie in einem eng begrenzten ökologischen Umfeld – in diesem Falle sehr seltenen Riffformationen, die aus den Gehäusen von aneinanderwachsenden Wurmschnecken gebildet werden. „Die Art ist nur von wenigen Punkten der kolumbianischen Küste bekannt und muss deshalb wie viele sehr spezialisierte Arten als gefährdet gelten“, so Werding. „Mit dem Verschwinden der ‚Schneckenriffe‘ etwa durch Baumaßnahmen im Uferbereich, durch Verschmutzung oder Erwärmung des Wassers, würde vermutlich auch der Porzellankrebs seiner Lebensgrundlage beraubt und aussterben.“
Gießener Biologen sind seit mehr als 50 Jahren in Kolumbien tätig, insbesondere in der Meeresforschung. Prof. Werding war maßgeblich am Aufbau des deutsch-kolumbianischen Exzellenzzentrums für Meereswissenschaften CEMarin (Center of Excellence in Marine Sciences) beteiligt, das der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) mit Mitteln des Auswärtigen Amtes seit dem Jahr 2009 fördert. Die Konsortialführung des CEMarin auf deutscher Seite liegt bei der JLU.
- Publikation
Alexandra Hiller, Bernd Werding: A new species of Petrolisthes (Crustacea, Anomura, Porcellanidae) inhabiting vermetid formations (Mollusca, Gastropoda, Vermetidae) in the southern Caribbean Sea. ZooKeys 876: 143-151. DOI: 10.3897/zookeys.876.37244
- Weitere Informationen
https://zookeys.pensoft.net/article/37244/element/8/23116/
- Kontakt
Prof. Dr. Bernd Werding
Institut für Tierökologie und Spezielle Zoologie
Telefon: 0641 99-35647/-35701
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