Keine Patentlösungen bei Infektionen mit extrem antibiotikaresistenten Erregern
Keine Patentlösungen bei Infektionen mit extrem antibiotikaresistenten Erregern
Pressemitteilung des Forschungscampus Mittelhessen
4. Juni 2018

Infektionen mit Erregern, die gegen das Reserve-Antibiotikum Carbapenem resistent sind, kommen auch in Deutschland immer häufiger vor. Ärztinnen und Ärzte stehen vor einer schwierigen Aufgabe, denn die verbleibenden Therapie-Optionen sind überschaubar. Infektionsmedizinerinnen und -mediziner der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) haben jetzt für das „Deutsche Ärzteblatt“ die aktuellen Erkenntnisse zusammengetragen und Empfehlungen ausgesprochen. Wichtigstes Ergebnis: Patentlösungen gibt es nicht; die Therapie schwerwiegender Infektionen mit den so genanten Krankenhauskeimen muss – unter Einbeziehung aller beteiligten Fachdisziplinen – individuell auf die jeweiligen Patientinnen und Patienten zugeschnitten sein.
Die bestehenden Optionen basieren dabei fast ausschließlich auf in-vitro-Studien oder Fallserien. Randomisierte klinische Studien sind den Autorinnen und Autoren zufolge zukünftig notwendig, um die verschiedenen Kombinationsansätze zu überprüfen. „Wir möchten grundlegende Erkenntnisse über die Verbreitung, Verteilung sowie die Ausbreitungswege multiresistenter Erreger hervorbringen“, erklärt Prof. Dr. Trinad Chakraborty, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der JLU und Koordinator am Standort Gießen-Marburg-Langen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Um empirische Daten zu gewinnen, die die Grundlage für weitere Therapie-Optionen bilden sollen, nutzen die Forscherinnen und Forscher moderne Methoden der Ganzgenom-Sequenzierung
Die Umsetzung erfolgt aktuell im Projekt SurvCARE (Surveillance Carbapenem-resistenter Erreger in Hessen) bei dem das Institut als Teil des MRE-Netzes Mittelhessen die Verbreitung der resistenten Erreger untersucht. Sämtliche Carbapenem-resistenten gramnegativen Erreger in Hessen werden in Gießen untersucht, sequenziert und mit Hilfe der biomedizinischen Datenbank der JLU-Mikrobiologie mit Proben anderen – nationaler wie internationale – Labore abgeglichen.
Die Hoffnungen sind groß, dass auf Basis der gewonnen Erkenntnisse die Maßnahmen in der Krankenhaushygiene angepasst werden können, um die weitere Verbreitung Carbapenem-resistenter Erreger auf Dauer einzudämmen.
- Publikation
Fritzenwanker M, Imirzalioglu C, Herold S, Wagenlehner FM, Zimmer KP, ChakrabortyT: Treatment options for
carbapenem-resistant gram-negative infections. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 345–52.
DOI: 10.3238/arztebl.2018.0345
https://www.aerzteblatt.de/archiv/197929
- Kontakt
Dr. Judith Schmiedel, Institut für Medizinische Mikrobiologie
Schubertstraße 81, 35392 Gießen
Der Forschungscampus Mittelhessen ist eine hochschulübergreifende Einrichtung nach §47 des Hessischen Hochschulgesetzes der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Philipps-Universität Marburg und der Technischen Hochschule Mittelhessen zur Stärkung der regionalen Verbundbildung in der Forschung, Nachwuchsförderung und Forschungsinfrastruktur.
Die Implementierung eines aktiven Infektionspräventions- und Infektionskontrollmanagements in der Krankenhaushygiene ist das zentrale Ziel der gemeinsamen Forschungsaktivitäten der Forschenden der JLU, der UMR und der THM im Campus-Schwerpunkt „Krankenhaushygiene“.
Website des Campus-Schwerpunkts „Krankenhaushygiene“: http://www.fcmh.de/Forschung/Campus-Schwerpunkte_Folder/krankenhaushygiene
Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen, Telefon: 0641 99-12041