Wildtierversorgung am Limit
Team der AG Wildtiermedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen appelliert an die Politik – Verhaltenstipps für die Bevölkerung
Nr. 111 • 7. Juli 2025
Es ist ein Rekord, der alle Beteiligten vor kaum noch lösbare Aufgaben stellt: Allein in den ersten heißen Julitagen wurden 282 Wildvögel in die Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) gebracht. Diese Tiere, vor allem Jungvögel, müssen versorgt, gefüttert und zum Teil medizinisch behandelt werden. Ihnen zu helfen, ist die Mission der Tierärztinnen und Tierärzte, Tierpflegerinnen und Pfleger sowie zahlreicher Freiwilliger am Fachbereich Veterinärmedizin der JLU, jedoch ist die Versorgung am Limit. „Die Lage zur Versorgung aufgefundener Wildtiere spitzt sich seit Jahren zu“, alarmiert Klinikleiter Prof. Dr. Michael Lierz: „Die Finanzierung muss sichergestellt werden.“
Im ersten halben Jahr 2025 erreichten die Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische bereits über 1.000 Wildtiere. Neben der logistischen Herausforderung, die Tiere zu versorgen, wird das Futter knapp, zumal viele Vögel hochspezialisierte Insektenfresser sind. „Die Kapazitätsgrenzen zur Aufnahme kranker Wildtiere sind erreicht. Das Problem besteht vor allem in Hessen, da es hier im Gegensatz zu anderen Bundesländern keine staatlich geförderte Stelle zur Versorgung dieser Tiere gibt“, erläutert Lierz. Die Kliniken am Fachbereich 10 – Veterinärmedizin der JLU würden von der Bevölkerung oft als erste Anlaufstelle gesehen, erhielten jedoch keine Finanzierung für die Wildtierversorgung.
Der Fachbereich Veterinärmedizin hat daher 2024 unter dem Dach der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische in enger Kooperation mit der Tierklinik für Reproduktionsmedizin und Neugeborenenkunde, in der viele Wildsäugetiere abgegeben werden, die Arbeitsgruppe Wildtiermedizin gegründet. Die AG Wildtiermedizin kümmert sich um die Tierversorgung und pflegt eine sehr gute Kooperation mit privaten Wildtierauffangstationen, die die Tiere in der Regel nach der Behandlung in der Klinik übernehmen, aber zurzeit ebenfalls alle voll sind und vor ähnlichen Problemen stehen. Zusätzlich leistet die Arbeitsgruppe Wildtiermedizin wertvolle Arbeit in der Ausbildung von Veterinärmedizin-Studierenden, in der Weiterbildung für Tierärztinnen, Tierärzte und Privatleute und kooperiert eng mit der AG Wildtierforschung.
Die Arbeitsgruppe Wildtiermedizin wird vom Landkreis Gießen dankenswerterweise finanziell gestützt. Die Mittel reichen jedoch nicht aus, um die Versorgung in diesem Umfang aufrecht zu erhalten. Die Zukunft der Arbeitsgruppe Wildtiermedizin ist nicht gesichert, solange die Finanzierung nicht geklärt ist, warnen die Verantwortlichen und appellieren an die Politik.
Dankbar ist Klinikdirektor Prof. Lierz allen, die sein Team freiwillig unterstützen: Spontan fanden sich zuletzt über 30 Helferinnen und Helfer, vorwiegend Studierende, um dem großen Ansturm an Wildtieren gerecht zu werden. Schließlich ist die Kooperation mit benachbarten Fachgebieten hilfreich: So konnte ein Team aus der Insektenforschung kurzfristig über bestehende Kontakte zusätzliches Futter organisieren.
Tipps für die Bevölkerung
- Wenn Sie einen Wildvogel finden, der befiedert ist und schon herumhüpft, beobachten Sie ihn einige Stunden lang. In der Regel werden solche Tiere von den Eltern noch versorgt. Hier sollten Menschen nicht eingreifen.
- Nackte Jungvögel und Mauersegler, egal wie befiedert, die aus den Nestern springen und noch nicht fliegen können, benötigen dagegen Hilfe.
- Sie können den Vögeln generell helfen, indem Sie Vogeltränken auf den Balkon oder in den Garten stellen, was an heißen Sommertagen besonders wichtig ist. Diese sollten täglich gereinigt werden und mit frischem klarem Wasser befüllt werden.
Spendenkonto des Vereins zur Förderung der Vogelmedizin in Gießen e.V.
Wer die AG Wildtiermedizin unterstützen möchte, kann dies zusätzlich mit einer finanziellen Spende auf das folgende Konto tun, die unmittelbar der Wildtierversorgung zugutekommt:
Verein zur Förderung der Vogelmedizin in Gießen e.V.:
Sparkasse Gießen
IBAN: DE84 5135 0025 0222 0305 50
BIC: SKGIDE5FXXX
Weitere Informationen
https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb10/institute_klinikum/klinikum/kvraf/klinik/ag-wildtiermedizin
https://www.vogelmedizin-giessen.de/
Kontakt
Prof. Dr. Michael Lierz
Direktor der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische
Fachbereich 10 – Veterinärmedizin der JLU
Frankfurter Straße 91-93, 35392 Gießen
Telefon: 0641 99-38431
E-Mail: michael.lierz
Presse, Kommunikation und Marketing • Justus-Liebig-Universität Gießen • pressestelle