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Digitalisierung verändert das Verhalten von Gründerinnen und Gründern

Wirtschaftswissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen analysieren Faktoren für Gründungsaktivität

Nr. 119 • 4. August 2022

Wie gründungswillig die Menschen in einem Land sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab: von der Marktsituation, von kulturellen und politischen Aspekten oder von der persönlichen Risikobereitschaft. Die digitale Infrastruktur ist ebenfalls ein entscheidender Faktor. Dies wurde in der Forschung bisher allerdings (zu) wenig berücksichtigt. Ein Forschungsduo des Fachbereichs 02 – Wirtschaftswissenschaften der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) hat die Bedeutung der digitalen Infrastruktur für die persönliche Gründungsbereitschaft untersucht.

Auf Basis von Daten aus 46 Ländern und mehr als 340.000 befragten Personen untersuchen Prof. Dr. Monika Schuhmacher, Professur für Technologie-, Innovations- und Gründungsmanagement und Philipp Schade, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsnetzwerks Digitalisierung am Fachbereich 02, den Einfluss der digitalen Infrastruktur eines Landes auf das individuelle Verhalten von Gründerinnen und Gründer. Die digitale Infrastruktur umfasst beispielsweise den persönlichen Besitz von Computern und Smartphones, internationale Internet-Bandbreite oder sichere Internet-Server. Die digitale Infrastruktur eines Landes bietet damit sogenannte Ressourcen- und Marktzugangs-mechanismen. Diese von digitaler Infrastruktur ausgehenden Mechanismen helfen potenziellen Gründerinnen und Gründern etwa bei der Recherche in Datenbanken, dem Aufbau und der Kommunikation mit Investorinnen und Investoren oder dem direkten Austausch mit möglichen Kundinnen und Kunden.

„In unserer Studie stellen wir erstmalig eine Verbindung zwischen digitaler Infrastruktur, soziokognitiven Eigenschaften von potenziellen Gründerinnen und Gründern und Gründungsaktivitäten in 46 Ländern her“, sagt Prof. Schuhmacher. „Dafür haben wir die Daten von drei großen Datenbanken miteinander verbunden. Wir haben analysiert, welchen Einfluss der Grad der digitalen Infrastruktur eines Landes auf persönliche soziokognitive Eigenschaften – wie unternehmerische Selbstwirksamkeit oder die Angst des Scheiterns – hat und die Wahrscheinlichkeit für Gründungsaktivität beeinflusst.“ Die Studie zeigt: Wenn Personen die soziokognitiven Eigenschaften wie unternehmerische Selbstwirksamkeit und Erkennung von Möglichkeiten mitbringen, dann ist eine gute digitale Infrastruktur ein Verstärker, um ein Gründungsvorhaben umzusetzen. Deshalb appelliert das Forscherduo an die Politik: „Der Ausbau von digitaler Infrastruktur muss stärker gefördert werden, dann bringt ein Land auch mehr Gründerinnen und Gründer hervor“, sagt Philipp Schade.

  • Weitere Informationen

Der wissenschaftliche Artikel „Digital infrastructure and entreperneurial action-formation: A multilevel study“ (peer-reviewed) von Philipp Schade und Prof. Dr. Monika Schuhmacher ist in der Ausgabe 05/2022 des Journal of Business Venturing erschienen. Das Journal of Business Venturing gehört laut Financial Times Ranking zu den weltweit einflussreichsten Fachzeitschriften im Bereich Wirtschaft.

DOI: https://doi.org/10.1016/j.jbusvent.2022.106232

Die Studie wurde im Rahmen der Arbeit des Forschungsnetzwerks Digitalisierung am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften erstellt. Philipp Schade steht für Interviews zur Verfügung.

  • Kontakt


Communications Manager / Dekanat Fachbereich 02 – Wirtschaftswissenschaften
Telefon: 0641 99 22620

 

 

Presse, Kommunikation und Marketing • Justus-Liebig-Universität Gießen • Telefon: 0641 99-12041

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