Gravierende finanzielle Einschnitte
Justus-Liebig-Universität Gießen unterzeichnet hessischen Hochschulpakt 2026–2031 – Planungssicherheit unter schwierigen Rahmenbedingungen
Nr. 119 • 17. Juli 2025
Verlässliche Finanzplanung ist das Fundament für Hochschulen, um ihrem Bildungsauftrag nachkommen und ihre vielfältigen gesellschaftlichen Aufgaben in Forschung, Lehre und Transfer erfüllen zu können. Der Hochschulpakt 2026–2031 bringt für die 14 hessischen Hochschulen jedoch empfindliche finanzielle Einschnitte mit sich. Die Lage wird durch steigende Kosten aufgrund von Inflation und obligatorischen Tarifsteigerungen weiter verschärft, was eine erhebliche Reduzierung der verfügbaren Budgets bedeutet. Trotz dieser Umstände hat die JLU-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Lorenz den Hochschulpakt für die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) am 17. Juli 2025 unterzeichnet.
Die Unterzeichnung des Hochschulpakts war der einzige Weg, um zukünftig jährliche Verhandlungen unter voraussichtlich noch schwierigeren Vorzeichen zu vermeiden. Andernfalls hätte der JLU ein Szenario gedroht, in dem die Handlungs- und Strategiefähigkeit der Universität untergraben worden wäre. Nun liegt es an der JLU, diese in den kommenden Jahren eigenverantwortlich zu sichern.
JLU-Präsidentin Prof. Dr. Katharina Lorenz betont: „Die Unterzeichnung des Hochschulpakts zeigt, dass wir als Hochschulleitung auch in schwierigen Zeiten verantwortungsvoll handeln. Obwohl die Rahmenbedingungen höchst problematisch sind, war es unser Ziel, die Planungssicherheit und Gestaltungsspielräume der JLU zu erhalten. Die finanziellen Einschnitte sind tiefgreifend. Doch wir nehmen diese Herausforderung an, um unsere Universität gemeinsam zukunftsfähig aufzustellen und den wichtigen Beitrag der JLU zu Wissenschaft, Bildung und Gesellschaft auch unter diesen erschwerten Bedingungen weiterhin leisten zu können.“
Der Hochschulpakt 2026–2031 wird in den kommenden sechs Jahre ein finanzielles Defizit von insgesamt rund einer Milliarde Euro für die hessischen Hochschulen bedeuten. Für die JLU ist aktuell von einem strukturellen Defizit von rund 25 Millionen Euro jährlich auszugehen. Dies bezieht sich auf ein Finanzvolumen von rund 440 Millionen Euro im Jahr 2025, ohne Drittmittel. Als Konsequenz sind massive Einsparungen und Umstrukturierungen unumgänglich. Ein dauerhafter Personalabbau von rund zehn Prozent ist ein politisches Ziel der Landesregierung und betrifft auch die JLU.
Die hessischen Hochschulpräsidien haben ihre fundamentale Kritik am Hochschulpakt 2026–2031 in einer schriftlichen Protokollnotiz bekräftigt. Darin heißt es, dass die Regelungen des Paktes „die finanzielle Grundsicherung unserer Hochschulen gefährden.“ Und weiter: „Aus diesem Grund sprechen wir uns gegen die vorgesehenen finanziellen Kürzungen und den strukturellen Abbau des hessischen Hochschulsektors aus.“
Im Vorfeld hatte sich das JLU-Präsidium gemeinsam mit der Konferenz Hessischer Universitäten (KHU) intensiv für Nachbesserungen in den Verhandlungen mit dem Land eingesetzt. Der enge Finanzrahmen des Landes setzte diesen Bemühungen jedoch klare Grenzen. Hauptsächlich ging es darum, Berichtspflichten zu verschlanken und Einzelbudgets zu integrieren – ein wichtiger Schritt zum Bürokratieabbau zwischen den Hochschulen und der Landesregierung.
Das JLU-Präsidium wird sich zeitnah und regelmäßig mit den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren der Universität austauschen, um gemeinsam Prioritäten zu setzen und die Details für den nötigen Sparkurs festzulegen. „Wir werden einen Plan erarbeiten, um kurz und entschlossen auf die Bremse zu treten und dann gezielte Maßnahmen umzusetzen“, erklärt Prof. Lorenz. „Wir werden keine undifferenzierten Kürzungen vornehmen.“ Die Präsidentin versichert, dass alles darangesetzt werde, negative Auswirkungen für Studierenden, Forschende und Mitarbeitende so gering wie möglich zu halten: „Die JLU hat als traditionsreiche Universität bereits viele Krisen gemeistert und ist daraus gestärkt hervorgegangen. Auch diesmal werden wir mit vereinten Kräften kreative Wege finden, um die JLU unter den aktuellen Sparauflagen, die wir nicht zu verantworten haben, weiterzuentwickeln und zukunftsfähig aufzustellen.“
„Teamgeist, Vernetzung und weitsichtige strategische Planungen haben sich noch immer gelohnt“, ergänzt die Präsidentin. Der beste Beweis sei das hervorragende Abschneiden der JLU in der Exzellenzstrategie. Im hart umkämpften Exzellenz-Wettbewerb ist die JLU mit drei bewilligten Clustern in der Wahrnehmungs-, Herz-Lungen- und Batterieforschung eine der erfolgreichsten Universitäten bundesweit und wird gemeinsam mit der Philipps-Universität Marburg (UMR) in den Wettbewerb um den Titel „Exzellenzuniversität“ gehen. Die gemeinsame Bewerbung von JLU und UMR bedeute, die enge Zusammenarbeit weiter zu intensivieren, internationale Sichtbarkeit weiter zu stärken und zugleich die gemeinsame Rolle als Impulsgeber einer starken Wissenschaftsregion Mittelhessen auszubauen.
- Weitere Informationen
Pressemitteilung des HMWK zum hessischen Hochschulpakt vom 17. Juli 2025