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Jeder Fingerabdruck zählt

Neue Forschungsansätze zur mittelalterlichen Siegelkultur stehen am 14. und 15. September 2015 im Mittelpunkt eines Workshops an der Universität Gießen

Nr. 159 • 4. September 2015
Mittelalterlichen Fingerabdrücken auf der Spur ist Dr. Markus Späth. „Materialität zählt“, sagt der Gießener Kunsthistoriker. Neue Forschungsansätze rücken die Materialität von Siegeln als mittels Stempel in weiche Trägerstoffe wie Wachs oder Blei geprägte Medien in den Mittelpunkt. Dank aktueller forensischer Untersuchungen eröffnen sich neue Perspektiven zur Erforschung des Mittelalters. Zahlreiche Fachvertreterinnen und Vertreter folgen der Einladung von Dr. Späth an die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), um am 14. und 15. September 2015 in den Räumlichkeiten des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) derartige Forschungsansätze im Rahmen eines Workshops „Die Materialität zählt: Neue Forschungsansätze zur mittelalterlichen Siegelkultur“ („Materiality Matters: New approaches to medieval sealing cultures“) zu diskutieren.   

Das Prinzip der Materialität habe lange Zeit nicht für die Forschung der mittelalterlichen Siegelkultur in Europa gegolten, erläutert Dr. Späth. Vielmehr sei das dreidimensionale, reproduzierbare Siegel prototypisch in wissenschaftlichen Katalogen erfasst und mittels fotografischer Wiedergabe zu einer zweidimensionalen Bild-/Text-Komposition reduziert worden. Dies greife jedoch für die neuere mediävistische Forschung zu kurz. Auf dem Workshop werden die Ergebnisse dieses Projekts ebenso wie diejenigen weiterer aktueller Forschungsvorhaben internationaler Expertinnen und Experten vorgestellt.  Ziel ist es, den aktuellen Stand der Forschung kritisch zu erfassen und künftige Forschungsperspektiven zu diskutieren.   

Der Workshop in Gießen bildet gleichzeitig den Abschluss eines interdisziplinären Forschungsprojekts zum Speyerer Stadtsiegel und seinen Fingerabdrücken. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der JLU und des Stadtarchivs Speyer waren in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz sowie der BMB Gesellschaft für Materialprüfung Heilbronn im Frühjahr 2015  im Projekt „Verkörperung kommunaler Identität“ der Bedeutung von Fingerabdrücken auf mittelalterlichen Siegeln nachgegangen. Dr. Späths langjähriges Drittmittelprojekt „Identitätsstiftung und Repräsentation. Korporative Siegelbilder im Spätmittelalter“ bildete den Rahmen auch für dieses Teilprojekt zum Stadtsiegel von Speyer, das von der VolkswagenStiftung gefördert wurde.

Interessante Aufschlüsse gaben forensische Analysen. Vom 13. bis 18. Jahrhundert wurde fast immer nach demselben Muster auf den Rückseiten von mittelalterlichen Siegeln ein menschlicher Zeigefinger dreimal in vertikaler Anordnung tief eingedrückt. Durch moderne Erfassung der originalen Überlieferung mittels 3D-Scans und einer daktyloskopischen Auswertung konnte nun untersucht werden, wann oder wo dieselben bzw. unterschiedliche Hände im Spiel gewesen waren. Dadurch können nun Muster der Partizipation an einem zentralen Rechts- und Bildgebungsakt einer mittelalterlichen Bürgerschaft erkannt und damit neue mediävistische Perspektiven eröffnet werden.

Die Vortragssprachen beim Workshop sind Deutsch und English.

  • Termin

Workshop
Auftakt: Montag, 14. September 2015, 14.00 Uhr Begrüßung und Einführung durch Joachim Kemper (Stadtarchiv Speyer) und Markus Späth (JLU Gießen) – Vortragsende gegen 17.45 Uhr
Dienstag:  15. September 2015, 9.00 Uhr Beginn, 12.30 Uhr Abschlussdisskussion
Veranstaltungsort: Räumlichkeiten des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) - Raum 001, Alter Steinbacher Weg 38, 35394 Gießen

  • Weitere Informationen

https://siegel.hypotheses.org/
www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb04/institute/kunstgeschichte

  • Kontakt



Institut für Kunstgeschichte der Justus-Liebig-Universität Gießen
Otto-Behaghel-Straße 10, Haus G, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99 28284

Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen Telefon: 0641 99-12041