Inhaltspezifische Aktionen

One-Health-Ansatz und Kampf gegen Hochrisiko-Bakterien

Prof. Dr. Can Imirzalioglu auf die Professur für Medizinische Mikrobiologie der JLU berufen

Nr. 161 • 3. November 2026 

Ein Portraitfoto von Prof. Imirzalioglu im braunen Pullover.
Prof. Dr. Can Imirzalioglu. Foto: JLU / Rolf K. Wegst
Warum ist gegen manche Bakterien kein Antibiotikum mehr wirksam – und wie lässt sich das verhindern? Infektionen mit multiresistenten Erregern nehmen weltweit zu. Sie sind schwer zu behandeln und können tödlich enden. Mit diesen Hochrisiko-Bakterien und deren Bekämpfung beschäftigt sich Prof. Dr. Can Imirzalioglu, der seit Oktober 2026 die Professur für Medizinische Mikrobiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) innehat. In seiner Forschung verbindet er die klinische Diagnostik mit der Genomanalyse multiresistenter Erreger im One-Health-Kontext.

Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen hochmoderne Sequenzierungsmethoden, bei denen das gesamte Genom von Hochrisiko-Bakterien analysiert wird. Prof. Imirzalioglu führt zum einen die molekulare Überwachung von multiresistenten Bakterien gemäß dem One-Health-Ansatz durch: in der Klinik, in der Bevölkerung, aber auch bei Tieren, in Lebensmitteln und in der Umwelt. Dabei kombiniert er die Analyse von Erregergenomen mit epidemiologischen Daten, um die Mechanismen der Resistenzentwicklung und der Virulenz besser entschlüsseln zu können. „Der Schlüssel liegt darin, Resistenz nicht als isoliertes Laborphänomen, sondern als Ökosystem zu verstehen und dort anzugreifen, wo resistente Bakterien tatsächlich zirkulieren“, so Prof. Imirzalioglu.

Zudem identifiziert er bisher nicht beschriebene potenziell gefährliche Erregervarianten, sogenannte „Emerging Clones“ und entwickelt molekulare Schnelltestverfahren, um mithilfe von Genanalysen das Risiko für Patientinnen und Patienten besser vorherzusagen. Sein Ziel ist die Anwendung dieser Verfahren in der medizinischen Praxis, um Diagnosen, Vorsorge und Behandlungen zu verbessern.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit gestaltet Prof. Imirzalioglu die Lehre am Fachbereich Medizin der JLU schon seit Jahren mit. Er hat langjährige Erfahrung in der Ausbildung von Medizinstudierenden sowie in der ärztlichen Weiterbildung, insbesondere in den Bereichen Mikrobiologie, Virologie und Infektiologie. Künftig möchte er mikrobiologische Inhalte noch stärker in die kompetenzbasierte, klinisch ausgerichtete Lehre einbinden.

Imirzalioglu studierte Medizin an der JLU, wo er 2005 auch promovierte. Im Jahr 2008 schloss er seine Facharztausbildung in Medizinischer Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie ab; 2018 habilitierte er sich im Fach Medizinische Mikrobiologie. Seit 2017 war er Ärztlicher Leiter, seit 2022 kommissarischer Institutsleiter für den Bereich Diagnostik/Krankenversorgung des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der JLU und am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM), Standort Gießen.

Er ist Principal Investigator und Co-Koordinator der Thematic Translational Unit „Healthcare Associated Infections“ (HAI) des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF), Mitglied in dessen Expertenkommission „Bridging Topics Diagnostics“ sowie seit 2023 einer von nur fünf Individual-Experten im EU-Expertenrat Antimicrobial Resistance (AMR) One-Health-Network der Europäischen Kommission. Darüber hinaus ist er seit 2014 Mitglied des Hessischen Landesbeirats für Hygiene in medizinischen Einrichtungen, war an den beiden vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Zoonosen-Verbünden RESET I und II beteiligt und arbeitet aktuell gemeinsam mit Partnern des Forschungscampus Mittelhessen im BMFTR-geförderten interdisziplinären Projekt  GUARDIAN zur KI-gestützten Bekämpfung resistenter Bakterien auf der Grundlage des One-Health-Ansatzes. 

Kontakt

Prof. Dr. Can Imirzalioglu
Institut für Medizinische Mikrobiologie
E-Mail: Can.Imirzalioglu

 

Zum Magazin der JLU

Presse, Kommunikation und Marketing • Justus-Liebig-Universität Gießen • pressestelle