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Weihnachtsspiel als besondere Herausforderung

Theatergruppe des Instituts für Germanistik der JLU bringt Benedikt Edelpöcks „Comedi von der freudenreichen Geburt Jesu Christi“ auf die Bühne – Premiere am 4. Dezember

Nr. 187 • 24. November 2025

Fünf Schauspielerinnen als Männer verkleidet in einer Szene: In der Mitte ein König, der Geld an zwei Ritter mit langen Schwertern verteilt. Rechts und links stehen zwei Begleiter und schauen ernst zu.
Probenfotos: Die Bezahlung der Kindermörder mit Hesel, Herodes, Jachel, Ischem und Schmol (Luca Marie Merkle, Anna Jordan, Cora Dietl, Sophie Znajda, Eleonore Eliyo). 

Es ist alles andere als ein heimeliges Krippenspiel: Benedikt Edelpöcks „Comedi von der freudenreichen Geburt Jesu Christi“ aus dem Jahr 1568. Die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) unter der Leitung von Prof. Dr. Cora Dietl hat sich in diesem Jahr für ihr traditionelles Weihnachtsspiel ein Stück ausgesucht, das in vielen Punkten erstaunlich aktuell ist. Es baut geschickt modern wirkende Diskussionen in die biblische Handlung ein: Probleme wie Ökonomie, soziale Gerechtigkeit, Herrschaft, gesellschaftliches Zusammenleben und persönliche Moral kommen auf der Bühne zur Sprache. 

Premiere ist am 4. Dezember 2025 um 19 Uhr in der Pankratiuskapelle in Gießen; am 6. Dezember um 16 Uhr folgt eine weitere Aufführung in der Hospitalkirche in Grünberg. Der Eintritt ist zu beiden Aufführungen frei.

„Was will der Kaiser, wir haben kein Geld.“ – „Bereits aus der Anfangsreplik Josephs wird klar, dass das Weihnachtsfest in vieler Hinsicht eine Herausforderung darstellt – nicht nur für die Bevölkerung, die dem Befehl der Volkszählung unter Kaiser Augustus nachkommen muss“, sagt Prof. Dietl. „Für Herodes, der gerade die Macht über Israel errungen hat, ist die Ankündigung eines Königs der Juden ein Schlag ins Gesicht. Für Jesus selbst beginnt mit dem Moment seiner Geburt die Zeit seiner Verfolgung – bis zur Erfüllung seiner Mission im Kreuzestod.“ Auch für das Publikum könnten die Gewaltdarstellungen im Spiel eine Herausforderung darstellen. Die spielfreudige Theatergruppe wird jedoch dafür sorgen, dass die verschiedenen Facetten auf der Bühne genügend Raum bekommen.

Maria hält eine Babypuppe im Arm. Joseph hält eine Laterne in die Höhe. Beide schauen glücklich auf das Jesuskind.
Maria und Joseph (Luca Marie Merkle und Kim Zips) mit Jesuskind – Fotos: Karina R. Fischer.

Benedikt Edelpöcks „Comedi“ entstand im Dienst Erzherzog Ferdinands von Tirol und wurde vermutlich im Wiener Jesuitenkolleg uraufgeführt, als Teil der frühen gegenreformatorischen Bewegung. Dies erklärt die deutliche Betonung dogmatischer Positionen im Stück. Edelpöcks andere Werke machten ihn als Verfechter humanistischer Ideen bekannt. Das scheinbar ungewöhnlich traditionelle Weihnachtsspiel fällt damit aus dem Rahmen seines Oeuvres heraus und blieb weitgehend unbekannt. 

Das Stück greift zentrale Ideen eines spätmittelalterlichen Weihnachtsspiels auf, was durch die einzelnen Rollen deutlich wird. Da ist die komische Gestalt des alten Joseph, der ganz offensichtlich nur als Pfleger, aber auf keinen Fall als Vater Jesu in Frage kommt, die skrupellose Gestalt des Wirts, der der Heiligen Familie die Herberge versagt, die überragende Heiligengestalt Marias, die brutale Tyrannenfigur des Herodes, der mit keiner Wimper zuckt, wenn es darum geht, die Kinder in Betlehem töten zu lassen, um seine Herrschaft zu sichern, und schließlich die Figur des Engels, der die göttliche Weisung in allen Schritten absichert. 
Warum das Stück dennoch in Teilen modern anmutet, erläutert Prof. Dietl. Wo sind die Grenzen einer persönlichen Bereicherung? Gibt es eine allgemeine Verantwortung für die Armenfürsorge? Wie weit darf ein Sich-Anbiedern an die Herrschaft in Hoffnung auf Lohn gehen? Wo sind die moralischen Grenzen der Herrschaftssicherung? Wer trägt im Falle unmoralischer Befehle die Konsequenzen, der Befehlshaber oder der Ausführende? Solche Fragen werden in dem Spiel verhandelt. Ist es weihnachtlich? „Ja“, betont die Germanistin, „wenn man Weihnachten ernst nimmt als den ersten Schritt zur Erlösung einer Welt, die die Erlösung ernsthaft nötig hat.“    

Die Erarbeitung der Aufführung war im Sommersemester 2025 Gegenstand einer Lehrveranstaltung, die im Curriculum des Gießener Germanistikstudiums verankert und zusätzlich für Studierende anderer Fächer geöffnet ist. Die Arbeit ist Ausdruck praxis- und auch forschungsnaher Lehre, wodurch die Studierenden in die Methoden der szenischen Interpretation und in die Theaterpraxis eingeführt werden.

Mitwirkende:
Prof. Dr. Cora Dietl: Magd, Melchior, Jachel     
Eleonore Eliyo: Balthasar, Schmol, Aman    
Karina Fischer: Engel    
Anna Jordan: Wirt, Herodes, Agar        
Luca Marie Merkle: Maria, Rahel    
Kim Zips: Joseph, Sara    
Sophie Znajda: Caspar, Ischem    

Die Aufführungen werden unterstützt durch das Kulturamt der Universitätsstadt Gießen, den Freundeskreis des Museums Grünberg und das Museum im Spital Grünberg, das Hessische Landestheater Marburg, das Literarische Zentrum Gießen (LZG) und die Evangelische Kirche Gießen.
 

Termine
Donnerstag, 4. Dezember 2025, 19 Uhr Gießen, Pankratiuskapelle 
Samstag, 6. Dezember 2025, 16 Uhr Grünberg, Hospitalkirche. 
Der Eintritt ist zu beiden Aufführungen frei.

Weitere Informationen
https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb05/germanistik/abliteratur/litgeschichte

Studienangebot Germanistik
Studieninteressierte, die sich für ein Studium der Germanistik interessieren, können sich hier informieren:
https://www.uni-giessen.de/de/studium/studienangebot/bachelor/germanistik
https://www.uni-giessen.de/de/studium/studienangebot/master/germanistik

 

Kontakt
Prof. Dr. Cora Dietl
Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen
Otto-Behaghel-Straße 10 B, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-29080, E-Mail: cora.dietl

 

 

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