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Tragödie vom „Wüterich Herodes“ des Hans Sachs

Einen Tyrannen, den seine eigene Grausamkeit entsetzt, rückt die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Universität Gießen in den Mittelpunkt der diesjährigen Weihnachtsaufführung – Presseeinladung zur Haupt- oder Generalprobe

Nr. 220 • 22. November 2016

Mike Hedrich (Herodes) Foto: Cora Dietl


Wenn reichlich Theaterblut fließt, Dosen mit Gift hin- und hergeschoben werden und ein Herrscher, dem Wahnsinn nahe, ausruft: „Verflucht sind alle, die Tat und Rat / Haben gegeben zu dieser Tat!“, wird keiner von einer ‚besinnlichen‘ Weihnacht sprechen und an eine Feier im trauten Familienkreis mit Lebkuchen und Glühwein denken wollen. Weihnachtlich ist das Thema ‚Tyrann‘ sicherlich nicht – und doch ist es eng mit der Weihnachtsbotschaft verbunden. Das Kind nämlich, das nur knapp dem Wüten eines Tyrannen, der keinen König neben sich dulden wollte, entkam, steht für das andere, das künftige Reich, das keine Tyrannei mehr kennt.

„Aktuell ist das Thema mit Blick in die Weltpolitik fraglos,– es war über Jahrhunderte, ja, Jahrtausende hinweg immer wieder aktuell“, sagt Prof. Dr. Cora Dietl, Germanistikprofessorin an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), Initiatorin und treibende Kraft der beliebten und schon traditionellen Weihnachtsspiele mit Studierenden. In diesem Jahr erweitert die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der JLU ihr Repertoire um die Herodes-Tragödie des Hans Sachs (ergänzt durch die Szene des Betlehemischen Kindermords aus Sachs’ Weihnachtsspiel von 1557) und bringt ihr Spiel in Grünberg, Karlsruhe und Gießen auf die Bühne. Die Premiere ist am 3. Dezember 2016 um 16.00 Uhr in der Hospitalkirche in Grünberg; weitere Aufführungen folgen am 9. Dezember in Karlsruhe und am 12.Dezember um 18.00 Uhr in der Gießener Pankratiuskapelle.

Die Presse ist herzlich eingeladen zur Hauptprobe oder Generalprobe:
am 28. November 2016, 16.30 Uhr, Rathenaustr. 8, Raum 303
am 01. Dezember 2016, 16.30 Uhr, Rathenaustr. 8, Raum 302.
Eine Anmeldung wird erbeten an:
 
Nur wenige Tyrannen der Weltgeschichte haben die Phantasie von Dichtern und Künstlern so sehr angeregt wie Herodes der Große. Zu den Höhepunkten seiner ‚Bühnenkarriere‘ gehört sicherlich Friedrich Hebbels Trauerspiel „Herodes und Mariamne“ (1899), das, von Wilhelm Semmelroth verfilmt (1965), auch zum Filmklassiker avancierte. Die dort fokussierte Liebe aber, die aus blinder Eifersucht in Gewalt gegen die Geliebte umschlägt, ist nur eine Facette des Tyrannen Herodes. In der im November 1552 abgeschlossenen „Tragedia ... der wütrich könig Herodes, wie er sein drey sön und sein gmahel umbbracht“ des Hans Sachs stehen vor allem der unersättliche Machthunger des Königs und seine ständige Angst, abgesetzt zu werden, im Vordergrund.
Wie in den meisten seiner Tragödien will Sachs hier zunächst eine ‚Klassikerlektüre‘ für die Nürnberger Bürgerschaft aufbereiten, erläutert Prof. Dietl. Der Stoff fuße auf den „Antiquitates Iudaicae“ des antiken Geschichtsschreibers Flavius Josephus. Aber es gehe Sachs nie um zweckfreie Bildung, und so baue er auch in dieses Stück verschiedene Lehren ein, vor allem eine Fürstenlehre. Der Hintergrund: Nürnberg hatte nur wenige Monate zuvor die Belagerung durch Markgraf Albrecht von Brandenburg überstanden. Das Thema eines Fürsten, der skrupellos auf Kosten seiner Nachbarn und ohne Rücksicht auf die Untertanen seine Macht ausweiten will, stand Nürnberg allzu deutlich vor Augen.   

Wenn die Germanistik-Theatergruppe im Dezember die Tragödie des Hans Sachs auf die Bühne bringt, sei den heutigen Zuschauern die Wahl überlassen, worin sie die Überzeitlichkeit und Aktualität der Tragödie sehen wollen. „Bleibt am Ende die Ahnung von einer göttlichen Gerechtigkeit oder eher die Einsicht von der immer gleichen menschlichen Natur? Entscheiden Sie selbst!“, sagt Prof. Dietl und lädt die interessierte Öffentlichkeit herzlich dazu ein.

  • Ensemble:

Cora Dietl (Pheroras)
Nicole Gebhardt (Euclides; Henkersknecht)
Mike Hedrich (Herodes)
Melissa Heerz (Marianne; Alexander; Sara)
Sarah Henning (Salome)
Christine Kluge (Josippus)
Lisa Sophie Meyer-Almes (Seemus; Mara)
Lisa Scheffler (Thiro; Henkersknecht)
Anne Stellberger (Aristobulus; Rebecca)
Adrian Verscharen (Herold; Weinschenk; Leibarzt; Kerkermeister)
Moritz Wernicke (Antipater).

Die Veranstaltung wird unterstützt durch das Museum im Spital Grünberg, den Freundeskreis Museum im Spital Grünberg, das Literarische Zentrum Gießen, die JLU Gießen und das Landestheater Marburg. Die Theatergruppe bedankt sich bei ihren Förderern.

  • Termine


Aufführungstermine:
03.12.2016, 16.00 Uhr, Grünberg, Hospitalkirche
09.12.2016, 17.00 Uhr, Karlsruhe, Kleine Kirche
12.12.2016, 18.00 Uhr, Gießen, Pankratiuskapelle.
Der Eintritt zu allen Aufführungen ist frei.

Die Presse ist herzlich eingeladen zur Hauptprobe oder Generalprobe:
28.11.2016, 16.30 Uhr, Rathenaustr. 8, Raum 303
01.12.2016, 16.30 Uhr, Rathenaustr. 8, Raum 302.
Anmeldung ist erbeten an:


  • Weitere Informationen

www.coradietl.de (Theaterprojekte)


  • Kontakt



Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen
Otto-Behaghel-Straße 10 B; 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-29080; Fax: 0641 99-29089

 

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