„Dear Erich“ – Musikalische Erinnerung an den Holocaust
Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der Justus-Liebig-Universität Gießen lädt ein zum Konzert mit dem Ted Rosenthal Trio (USA/GER) am 14. April 2026
Nr. 34 • 31. März 2026
Wenn sich Erinnerungskultur, Demokratiebildung und Pädagogik in Musik verbinden: Der renommierte New Yorker Jazz-Pianist und Komponist Ted Rosenthal ist auf Einladung des Instituts für Musikwissenschaft und Musikpädagogik erneut zu Gast in Gießen und gibt am Dienstag, 14. April 2026, mit seinem Jazz-Trio ein Konzert an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Das Konzert findet um 20 Uhr im Konzertsaal des Instituts (Karl-Glöckner-Straße 21D) statt. Der Eintritt ist frei. Gäste sind herzlich eingeladen.
Die Verbindungen der JLU zu Ted Rosenthal sind eng und freundschaftlich. Der Musiker ist der Sohn des ehemaligen Studenten Erich Rosenthal, der im Jahr 1933 der Universität Gießen verwiesen wurde, weil er Jude war. 1938 emigrierte Erich Rosenthal in die USA, während seine Wetzlarer Familie in der Heimat zurückblieb und Opfer des Holocaust wurde. Über seine Familiengeschichte komponierte Ted Rosenthal für die New York City Opera die Jazz-Oper „Dear Erich“, die 2019 uraufgeführt wurde.
Im Konzert zu hören sind Trio-Bearbeitungen von Titeln aus der Oper. Diese sind auch Teil seines aktuellen Albums „The Ted Rosenthal Songbook“, das der Pianist in Gießen vorstellt. Außerdem präsentiert Ted Rosenthal Musik aus zwei weiteren kürzlich erschienen Aufnahmen: Das Album „Classics Reimagined:Impromp2“ widmet sich mit eindrucksvoller Kreativität klassischen Werken in jazziger Interpretation, und „The Good Old Days“ belebt mit großer Eigenständigkeit die Frühzeit des Jazz.
Ted Rosenthal Trio
Ted Rosenthal aus New York City zählt zu den international angesehensten Jazz-Pianisten seiner Generation. Seine Karriere umfasst die Zusammenarbeit mit einigen der wichtigsten Persönlichkeiten des Jazz wie Ron Carter und Gerry Mulligan. Er hat über 20 Alben unter eigenem Namen herausgebracht, von Solo bis zu großen Ensembles, und erhielt als Leader eine Grammy-Nominierung. Mit ihm zu hören sind Martin Gjakonovski am Bass und Berthold Möller am Schlagzeug.
Martin Gjakonovski gilt als einer der profiliertesten Jazzbassisten Europas. Mit seinem authentischen und vielseitigen Spiel bewegt er sich in verschiedensten Jazz-Szenen von Avantgarde über Mainstream bis World Music. Er wirkt mit auf 200 CD-Produktionen und teilte die Bühne mit Dusko Goykovich, Bob Berg, Antonio Farao, Lynne Arriale, Bireli Lagrene, Richie Beirach, Benny Golson und vielen anderen.
Den Schlagzeuger Berthold Möller führten sein facettenreiches und prägnantes Spiel auf Bühnen Europas und der USA sowie zur Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Künstlern wie Michael Wollny, Ingolf Burkhardt, Marc Secara und John Lee Hooker Jr. Sein großes Gestaltungsvermögen ist aktuell zu hören auf dem Bigband-Album „The Planets Jazz“, das für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert wurde. Berthold Möller ist Dozent am Musikinstitut der JLU Gießen.
Künstlerische und pädagogische Zusammenarbeit
Aufgrund der Verbindung seines Vaters mit der Universität Gießen hatte Ted Rosenthal im Herbst 2022 Kontakt mit dem Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der JLU aufgenommen und den Wunsch zu einer künstlerischen und pädagogischen Zusammenarbeit geäußert. Für das Institut für Musikwissenschaft und -pädagogik brachte die Begegnung mit Ted Rosenthal die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ins Rollen; die Kooperation hat vielfach Früchte getragen. An einem interdisziplinären Projekt „Musikpädagogik, Erinnerungskulturen und Demokratiebildung“ waren unter anderen Dr. Sabine Schneider-Binkl, Berthold Möller, Prof. Dr. Sascha Feuchert, Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur am Institut für Germanistik, Prof. Dr. Hannah Ahlheim, Professorin für Zeitgeschichte (beide JLU), und Dr. Ariana Philipps-Hutton, Lecturer in Global Critical and Cultural Study of Music, University of Leeds, UK, beteiligt. Bereits im Sommersemester 2023 wurde Ted Rosenthal mit seinem Werk „Dear Erich“ in Gießen in einer interdisziplinären Veranstaltungsreihe und einem Seminar vorgestellt.
Seither sind u. a. ein Sammelband, Unterrichtsmaterialien, Tagungsbeiträge und ein Portrait in der Filmreihe „Hessen schafft Wissen“ entstanden. Die Projektbeteiligten arbeiten zusammen in Kooperationsveranstaltungen, etwa mit der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie „Jazz und Improvisierte Musik in die Schule!“ (Frankfurt am Main). Auf Einladung von Ted und Lesley Rosenthal waren Mitglieder des Musikinstituts im September 2024 zu Gast an der Juilliard School New York City und an der Manhattan School Of Music. Das Ted Rosentahl Trio hat sich 2024 in der aktuellen Besetzung zur künstlerischen Zusammenarbeit formiert.
Die Konzertveranstaltung am 14. April 2026 wird ermöglicht durch Unterstützung der JLU.
Termine
Konzert mit dem Ted Rosenthal Trio am 14. April 2026 um 20 Uhr
Veranstaltungsort: Konzertsaal des Instituts für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der JLU, Philosophikum II, Karl-Glöckner-Straße 21D, 35394 Gießen
Konzert im Rahmen der Allgäukonzerte in Leutkirch am 19. April 2026 um 19 Uhr
https://allgaeukonzerte.de/konzerte/konzert/ted-rosenthal-trio-2.html
Weitere Informationen
https://www.tedrosenthal.com
https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb03/institutefb03/musik
Kontakt
Berthold Möller
Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der JLU Karl-Glöckner-Straße 21D, 35394 Gießen
Telefon: 0641 / (99) 25100 (Sekretariat)
E-Mail: berthold.moeller
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