Restaurierte Vase kehrt zurück in die Antikensammlung
Offizielle Übergabe am kommenden Mittwoch, 10. Juni 2015
Nr. 96 • 5. Juni 2015
Das Bewahren von historischen Schätzen ist neben dem Erforschen, Vermitteln und Sammeln eine der wichtigsten Aufgaben eines modernen Museums, stellt aber oft eine besondere Herausforderung dar. So besitzt die Antikensammlung der Justus-Liebig-Universität (JLU) eine eindrucksvolle frühgriechische Weinkanne aus der Zeit um 730 v. Chr., die sich seit über einhundert Jahren in Gießen befindet und zuletzt durch Salzablagerungen akut bedroht war und aufwändig restauriert werden musste. Dank Dr. Nicolas Sachsenberg, dem Geschäftsführer der BAG Health Care GmbH, der als Pate die Restaurierung finanzierte, kann das Gefäß jetzt wieder an seinen Platz im Wallenfels’schen Haus am Kirchenplatz 6 zurückkehren.
Zu der offiziellen Übergabe der so genannten „Geometrischen Vase“ am Mittwoch, 10. Juni 2015, um 10 Uhr ist die Presse herzlich eingeladen. Prof. Dr. Anja Klöckner, Leiterin der Antikensammlung, wird in Anwesenheit des Spenders Dr. Sachsenberg das Stück vorstellen und seinen historischen Kontext beleuchten. Anhand eindrucksvoller Mikroskopaufnahmen wird Dr. Matthias Recke, Kustos der Antikensammlung, die durchgeführten Maßnahmen erläutern. Anschließend werden Dr. Sachsenberg und Wolfgang Bergenthum, Vorsitzender des Fördervereins Freunde der Gießener Antikensammlung e.V., das kostbare Exponat in die als „Frühes Griechenland“ bezeichnete Vitrine stellen. Dort wird es in Verbindung mit anderen Kunstwerken des 8. und 7. Jahrhunderts v. Chr. den Besuchern die materielle Welt einer Zeit vor Augen führen, die man auch als das homerische Zeitalter bezeichnet.
Die gewaltigen homerischen Epen „Ilias“ und „Odyssee“ stammen aus derselben Zeit wie die Giessener Vase.
Im Jahr 2009 hatte die Antikensammlung in der Sonderausstellung „ErhaltenSwert – Archäologische und bibliophile Schätze für die Zukunft bewahren“ auf das Problem der schleichenden Zerstörung aufmerksam gemacht; die Weinkanne war dabei eines der wichtigsten „Sorgenkinder“. Der Pate fand sich vier Jahre später: Sachsenberg, der auch als Vorstandsmitglied im Förderverein Freunde der Gießener Antikensammlung e.V. tätig ist, möchte durch seinen Beitrag auch andere Bürgerinnen und Bürger animieren, es ihm nachzutun. „Bereits mit einem geringen finanziellen Aufwand kann hier viel bewirkt und unsere kulturelle Vergangenheit vor der unwiderruflichen Zerstörung bewahrt werden“, sagt der Spender.
Die langwierigen Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen wurden in bewährter Weise von Dipl.-Restauratorin Birgit Schwahn (Alzey) durchgeführt. Durch die jahrhundertelange Lagerung im Boden sind archäologische Objekte häufig mit Mineralsalzen belastet, die sich in der porösen Struktur gebrannten Tons gut halten. Wenn sie bei einer Änderung der Umgebungsklimas auskristallisieren, stellen sie eine massive Bedrohung dar: Aus der Oberfläche werden durch den Druck der sich bildenden Salzkristalle winzige Stücke abgesprengt. Ist dies einmal geschehen, kann die verlorene Substanz nicht mehr gerettet werden. Es entstehen pockenförmige Narben, die die Oberfläche des Gefäßes unwiderruflich zerstören. Häufig wird auch der Ton in seiner Struktur instabil und damit das Gefäß als Ganzes gefährdet.
- Termin
Mittwoch, 10. Juni 2015, 10 Uhr, Antikensammlung im Wallenfels’schen Haus, Kirchenplatz 6
- Weitere Informationen
https://www.uni-giessen.de//cms/fbz/fb04/institute/altertum/klassarch/antikensammlung
- Kontakt
Prof. Dr. Anja Klöckner
Institut für Altertumswissenschaften, Klassische Archäologie / Antikensammlung
Otto-Behaghel-Str. 10 D, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-28050 oder -28051
Pressestelle der Justus-Liebig-Universität Gießen, Telefon 0641 99-12041