Weichenstellung für die Polarforschung von morgen
Prof. Dr. Quillfeldt Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees für Polarforschung – Koordinationsbüro künftig in Gießen – Vorbereitungen für Internationales Polarjahr
Nr. 98 • 30. Juni 2026
Die Arktis und Antarktis sind die Frühwarnsysteme unseres Planeten – ihre rasanten Veränderungen haben unmittelbare Auswirkungen auf das globale Klima und die biologische Vielfalt weltweit. Um die deutsche Forschung in diesen sensiblen Regionen noch enger zu vernetzen und strategisch zu steuern, übernimmt die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) eine zentrale Rolle: Prof. Dr. Petra Quillfeldt, Professorin für Verhaltensökologie und Ökophysiologie an der JLU, hat Anfang dieses Jahres den Vorsitz des Deutschen Nationalkomitees für Polarforschung (NK) übernommen. Mit dem Umzug des NK-Koordinationsbüros an die JLU zum 1. Juli 2026 wird Gießen nun zum administrativen Zentrum für die strategische Ausrichtung der deutschen Polarforschung.
Das Deutsche Nationalkomitee für Polarforschung fungiert als Schnittstelle zwischen der deutschen Wissenschaft und den beiden bedeutendsten internationalen Gremien der Polarregionen: dem Scientific Committee on Antarctic Research (SCAR) und dem Internationalen Arctic Science Committee (IASC). Die Aufgabe des Komitees ist es, die Aktivitäten der deutschen Hochschulforschung in enger Abstimmung mit dem Alfred-Wegener-Institut (AWI) und weiteren Bundeseinrichtungen zu planen, zu koordinieren und die notwendige Logistik für Forschungsvorhaben zu sichern.
„Es ist eine große Ehre und Verantwortung, dieses Gremium in einer so entscheidenden Phase zu leiten“, sagt Prof. Quillfeldt, die zu wildlebenden Populationen langlebiger Vögel und ihren Reaktionen auf Veränderungen in marinen und terrestrischen Ökosystemen forscht. „Schließlich sind viele der schwerwiegendsten Folgen des Klimawandels mit den drastischen Veränderungen in der Arktis und Antarktis verbunden. Deshalb ist es wichtiger denn je, die Folgen des schnellen Wandels in den Polarregionen für das globale Klima zu verstehen und die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und die menschliche Gesellschaft zu untersuchen.“ Die Aufgabe des Koordinationsbüros ist es, die Vernetzung zwischen Universitäten, Forschungseinrichtungen, Politik und Wissenschaftsförderung zu stärken. Mit der Übernahme des NK-Vorsitzes und der Ansiedlung des Koordinationsbüros in Gießen rückt die JLU in die erste Reihe der nationalen Forschungssteuerung.
Vorbereitungen für das fünfte Internationale Polarjahr
Dass das Deutsche Nationalkomitee für Polarforschung unter der Leitung von Prof. Quillfeldt wichtige Impulse setzt, zeigte sich bereits beim Jahrestreffen des Gremiums Ende April in Gießen. Die Teilnehmenden befassten sich mit den Planungen für das kommende Internationale Polarjahr 2032/2033, das weltweit Forschungsprojekte zur Klimaveränderung und ökologischen Stabilität der Polarregionen bündeln wird. Ein Fokus liegt dabei auf Beiträgen aus Deutschland und Norwegen. Zudem wurden in Gießen Beschlüsse zur Benennung neuentdeckter Inseln und Bergspitzen in der Antarktis gefasst.
Die Internationalen Polarjahre (IPY) sind eine gemeinschaftliche, internationale Initiative, die sich auf die Forschung in den Polarregionen konzentriert und 1882/1883 von dem österreichisch-ungarischen Marineoffizier Karl Weyprecht initiiert wurde. Die vergangenen vier IPYs waren nicht nur intensive internationale Forschungskampagnen, an denen zahlreiche Länder beteiligt waren, sondern auch wichtig für die Wissenschaftsdiplomatie.
Das Deutsche Nationalkomitee für Polarforschung
Das Nationalkomitee ist das zentrale Gremium zur Koordination der deutschen Polarforschung. Es dient als nationales Korrespondenzorgan für internationale Organisationen und fördert den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik, um die Zukunftsfähigkeit der deutschen Forschungsaktivitäten in der Arktis und Antarktis sicherzustellen.
Weitere Informationen
https://scar-iasc.de/nationalkomitee/
https://scar-iasc.de/internationales-polarjahr/
Kontakt
Prof. Dr. Petra Quillfeldt
AG Verhaltensökologie und Ökophysiologie
Institut für Zoologie
Telefon: 0641 99- 35770
E-Mail: petra.quillfeldt
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