Das Fleisch der Buchstaben
May 27th, 2010
Das Fleisch der Buchstaben: Zu Typografie und Bedeutung
Björn Ganslandt
Wie viel seiner Bedeutung verdankt dieser Absatz seiner Schriftart und dem Arrangement der Wörter auf der Seite? Die Antwort auf diese Frage berührt nicht nur den Berufsstand des Grafikdesigners, sondern hat auch weitreichende Implikationen für die Linguistik sowie die Literatur- und Editionswissenschaft. Dass diese Fragestellung erst seit einigen Jahren in diesen Disziplinen diskutiert wird, hat unter anderem mit zeichentheoretischen Traditionen zu tun, denen in dieser Sitzung nachgegangen werden soll. Dass Zeichentheorie durchaus Raum für typografische Bedeutsamkeit bietet, wird im Anschluss auf Basis der peirceschen Semiotik gezeigt werden.
Abschließend soll die Problematik angerissen werden, ob der hier ins Zentrum gestellte Zusammenhang zwischen Bedeutung und Typografie tatsächlich der richtige Ausgangspunkt ist, oder ob nicht gerade die mit Typografie verbundenen Fragen nach Materialität und Medialität zu theoretischen Ansätzen jenseits von Bedeutung und damit Zeichentheorie führen.
Björn Ganslandt studierte von 2003 bis 2009 Grundlagen der Informatik sowie Sprach- und Kommunikationswissenschaft an der RWTH Aachen. Außerdem ist er seit 1999 als freier Computerjournalist und Radio-Redakteur tätig. Seit 2009 betreut er den Online-Auftritt des International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und promoviert dort über die Rolle von Störung in der frühen digitalen Magazintypografie.